Attic – Gefahr aus der Tiefe

Attic – Gefahr aus der Tiefe

Inhalt:

Während eines polizeilichen Taucheinsatzes im Humboldt Kill, eines verdreckten Gewässers in New York, entdeckt ein Polizeitaucher zufällig zwei skelettierte, kopflose Leichen, die bizarre Bissspuren aufweisen und wahrscheinlich aus der Kanalisation in das Gewässer geschwemmt worden sind. Eine der Leichen wird zweifelsfrei als das Party-Girl Pamela Wisher identifiziert, die andere bleibt unbekannt und ist unerklärlich stark deformiert. Bei der Untersuchung werden u.a. von Dr. Margo Green vom Naturhistorischen Museum von New York an beiden Skeletten auffallende Gemeinsamkeiten mit einer Mordserie von vor 16 Monaten gefunden, bei der eine Kreatur im Museum grausam gemordet und seinen Opfern den Hypothalamus entnommen hat.

Entsetzt von der Brutalität und Gewalt in New York, ruft die Mutter von Pamela Wisher die Kampagne „Säubert New York“ ins Leben, mit der sie und eine stetig wachsende Anhängerschaft gegen die steigende Kriminalität demonstiert. Währenddessen geschehen weitere Morde, bei denen den Opfern jedes Mal der Kopf entnommen wird und ganz New York in Angst und Schrecken jagen, die Polizei jedoch nicht in der Lage ist, das Rätsel zu lösen.

Als allmählich eine Verbindung zwischen den skelettierten Leichen und den seit Monaten anhaltenden grausamen Morden an Obdachlosen in den Tunneln des New Yorker Untergrunds zu bestehen scheint, begibt sich Special Agent Aloysius Pendergast dorthin und erfährt nicht nur von einer gnadenlos mordenden Gruppe, sondern auch, wo sich diese versteckt halten könnte.

Nachdem das Geheimnis des deformierten Skelettes gelüftet wird, formt sich nach und nach ein abgrundtief grauenhafte Erkenntnis…

Meine Meinung:

Attic – Gefahr aus der Tiefe“ ist bereits der zweite Band mit dem ungewöhnlichen FBI-Agent Pendergast und die Fortsetzung von „Relic“. Wer das Ende von „Relic“ kennt, ist deutlich den Charakteren der beiden Bücher gegenüber im Vorteil, denn während dem Leser dadurch die Möglichkeit geboten wird, schneller Verbindungen zwischen den einzelnen Begebenheiten zu erkennen und Schlüsse ziehen zu können, müssen die Charaktere mehr herumrätseln. Genauer gesagt wird der Erzählstrang aus „Relic“ tatsächlich in „Attic“ fortgesetzt. Trotz der Vorinformation an den Leser kommt man selber nicht ganz an das Rätseln herum, z.B. wer die mysteriöse skelettierte Leiche sein kann, wer der Mörder ist und ob bzw. wie das alles mit den Museumsmorden zusammenhängt. Wie gewohnt wird der Fall Stück für Stück zu einem Puzzle zusammengesetzt und enthält am Ende eine ziemlich überraschende Wendung.

Auch in „Attic“ trifft man wieder auf den außergewöhnlichen und charmanten Special Agent Pendergast, Lieutenant D’Agosta, Dr. Margo Green (hier ist sie bereits Kuratorin) und den sensationslüsternen Journalisten William Smithback, die zu festen Charakteren der Pendergast-Reihe geworden sind – oder beinahe. Nachdem sie bereits im ersten Band zusammengearbeitet haben, sind ihre Charakterzüge in „Attic“ noch ausgereifter, sie entwickeln sich weiter mit dem Lauf der Geschichte bzw. mit den fortschreitenden Bänden. Während D’Agosta und Margo Green bereits in dem Fall involviert sind, kommt Pendergast erst später dazu, aber wieder einmal vollkommen unerwartet und mit einer recht amüsanten Szene verbunden. Ferner wird hier zum ersten Mal Sergeant Laura Hayward eingeführt, die in späteren Bänden oft eine bedeutende Rolle spielt. Die Charaktere wirken allesamt überzeugend und fügen sich wunderbar in das Geschehen ein.

Sehr erstaunlich und eindrucksvoll wird die Wasserversorgung und der Untergrund von New York geschildert, die stillgelegten Tunnel und unterirdischen Bahnhöfe, der Dreck und die Ratten, die „Tunnelmenschen“, also die Obdachlosen, die dort unten leben, und nicht zuletzt auch der „Devil’s Attic“ (Dachboden des Teufels) mit einer sehr gelungenen Beschreibung der verfallenen Eleganz und übertriebenen Pracht. Ein großer Teil des Buches spielt sich in diesem nicht gänzlich kartographisch erfassten, verschlungenen und dunklen Tunnelsystem ab, das der Spannung enorm zuträglich ist. Aber nicht nur die Schauplätze sorgen für eine schaurige Stimmung, auch die oft in hohem Maße detailreich beschriebenen Autopsien und die Morde sind so realitätsnah und grauenhaft dargestellt, dass es einem unter die Haut geht. Dadurch ist mit diesem Band ein exzellenter Wissenschaftsthriller erschaffen worden, der die offenen Fragen aus „Relic“ klärt und die Geschichte endlich zu einer Auflösung führt. Das Bedauerliche daran ist nur, dass die Täter eher etwas lächerlich bezüglich ihres Aussehens wirken.

Die Katastrophe, auf welche die Handlung wohl oder übel hinarbeitet, betrifft diesmal in einem überdimensionalen Ausmaß die gesamte Welt und wieder einmal wird die Zeit extrem knapp. Der Showdown ist dementsprechend phänomenal und unvergleichbar, wobei stark auf Timing gesetzt wird.

Fazit:

Attic“ ist die gelungene Fortsetzung von „Relic“ und offenbart dem Leser den Ausgang dieser höchst mysteriösen, furchterregenden und ungewöhnlich grausamen Story. Der Leser wird nicht nur mit der trostlosen Wirklichkeit der Obdachlosen konfrontiert, sondern erfährt noch interessante Details über den New Yorker Untergrund. Alles in allem ist das Buch zu empfehlen.

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