Die Kakaohändlerin

Die Kakaohändlerin

Inhalt:

Nachdem der Große Brand in Hamburg die Buchhandlung der Familie Bredenstedt restlos zerstört hat, ist das Leben alles andere als leicht: die Mutter muss für einen Hungerlohn Hemden nähen und der Vater zieht mit einem Karren, der mit alten zu verkaufenden Büchern beladen ist, von Tür zu Tür. Nur ihre Tochter Laura kann dem Alltag der Armut und der Hoffnungslosigkeit für kurze Zeit entfliehen, da sie als Hauslehrerin für die Tochter einer reichen Reederei-Familie tätig ist. Als jedoch ihr Vater darauf besteht, dass Laura ihre Arbeit als Hauslehrerin aufgibt und fortan mit ihm und dem Bücherkarren in der Gegend herumzieht, ergreift sie in ihrer Verzweiflung die Möglichkeit, die Familie Baisanson auf ihre Kakaoplantage nahe des Urwaldes in Brasilien als Hauslehrerin für deren beiden Töchter zu begleiten.

Eine aufregende Reise mit vielen neuen und ungewöhnlichen Eindrücken für Laura beginnt, und auch die enge Freundschaft zu Mikael Lundborg, der sich in Brasilien ein neues Leben aufbauen will und ein Geschäft für Schiffsausrüstungen eröffnet. Doch ein weiterer Schicksalsschlag ändert Lauras Zukunftspläne: Der Plantagenbesitzer wird angeschossen und ist für den Rest seines Lebens vollständig gelähmt, weshalb er Laura die Verantwortung über die Plantage überträgt. Harte und fordernde Arbeit erwartet sie, und nicht nur einmal wird Laura vor beinahe unlösbare Probleme gestellt, doch mit eisernem Willen und Zuversicht kämpft sie für ihre Plantage.

Meine Meinung:

Mit dem Buch „Die Kakaohändlerin“ hat die Autorin ein Werk erschaffen, das nicht nur die wunderschöne und abenteuerliche Atmosphäre Brasiliens einzigartig anschaulich wiedergibt und auf ewig festhält, sondern auch das Leben zweier Menschen hervorragend und interessant erzählt, die nach Pernambuco in Brasilien auswandern, um ihr Leben vollkommen neu aufzubauen, zufällig mit dem selben Schiff reisen und im Laufe der Handlung zueinander finden. So entwickelt sich Laura von einer intelligenten und armen Hauslehrerin, die das Stadtleben gewöhnt ist und noch nie zuvor Hamburg verlassen hat, zu einer mutigen, selbstbewussten und verantwortungsvollen Plantagenbesitzerin, die keine harte Arbeit oder Gefahren scheut und mit Vernunft und Verstand handelt. Und aus dem gebildeten Schiffsjungen Mikael Lundborg aus gutem Hause wird ein enorm erfolgreicher und anerkannter Geschäftsmann, dem ständig neue Geschäftsideen einfallen.

Die tropische und geheimnisvolle Landschaft und besonders die Kakaobohnen – wie sie wachsen, geerntet und bearbeitet werden – sind mit sehr viel Liebe zum Detail beschrieben und machen es dem Leser einfach, sich alles vorzustellen. Auch bekommt man dadurch einen Einblick über das Leben in Brasilien, das nicht immer ungefährlich ist, z.B. im Hinblick auf giftige Tiere, aggressive Menschen oder extrem weite zurückzulegende Wegstrecken. Ferner wird die Zeit, in der die Handlung spielt, also Mitte des 19. Jahrhunderts, sehr gut wiedergegeben. Ganz fiktiv ist die Geschichte auch nicht, denn einige Charaktere haben tatsächlich existiert und bestimmte Begebenheiten, wie z.B. der Große Brand in Hamburg, sind wirklich vorgefallen.

Im Gegensatz dazu wird die Handlung oftmals in einem recht schlichten und nüchternen Schreibstil erzählt, der sich größtenteils auf das Notwendigste konzentriert, die Szenen hin und wieder ziemlich kurz erscheinen lässt und häufig die Möglichkeit, die Handlung mehr auszuschmücken, unterlässt. Es ist immer etwas Besonderes, wenn ein interessantes Buch schön ausgeschmückte Szenen hat, und der häufige Wegfall davon in dieser Geschichte ist bedauerlich, bietet jedoch auch etwas Neues, mal eine andere Erzählweise, die das Werk wiederum interessant macht. Was jedoch nicht so gut wirkt, sind die manchmal nicht nachvollziehbaren und ungeschickten Dialoge und Verhaltensweisen sowie das Ende, das lieblos hingeschmissen erscheint, aber dennoch neugierig auf die Fortsetzung macht. Trotz des hauptsächlich nüchternen und schlichten Schreibstils, wirkt auf jeden Fall die Liebesgeschichte zwischen Laura und Mikael sehr gefühlvoll.

Die Entscheidungen, vor die Laura gestellt wird, lassen den Leser nicht selten mitfiebern und sich fragen, ob es noch ein „Happy End“ geben wird. Die Handlung selbst ist sehr mitreißend und in einem gemäßigten Tempo erzählt.

Fazit:

Interessante und spannende Geschichte über eine Kakaoplantage, die Atmosphäre Brasiliens und den bewegenden Lebensweg zweier Menschen, die das Abenteuer der Auswanderung auf sich nehmen und sich ein neues Leben aufbauen. Ein fabelhaftes Buch, dass man nicht versäumen sollte zu lesen.

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