Rezension: „Enforcer“ von Rob Boffard

Inhalt:

Die Weltraumstation Außenerde ist der einzige Ort, an dem die letzten überlebenden Menschen noch existieren können, nachdem die Menschheit die Erde durch Atombomben zu einer unbewohnbaren Einöde gemacht hat. Auf der überfüllten Station wird jeder Tag beherrscht von Ausweglosigkeit, Verzweiflung, Schmutz, Enge und dem Willen am Leben zu bleiben; eine Rückkehr zur Erde ist unmöglich.

Nur ein Jahr ist es her, seit die ehemalige Tracer Riley Hale Außenerde vor einem katastrophalen Ende bewahrt und sich danach mit ihrem Team den Stompern – der Polizei – angeschlossen hat. Janice Okwembu befindet sich im Gefängnis, eine Hungersnot ist durch genmanipulierte Pflanzen eingedämmt worden und der dringend benötigte Asteroid für den Wiederaufbau einiger Sektoren wird in Kürze von dem Asteroidenfänger geliefert. Die Lage scheint sich allmählich zu entspannen. Doch dann breitet sich auf einmal und rasend schnell ein tödliches Virus aus, woraufhin in kürzester Zeit ein Großteil der Bewohner sterben. Gleichzeitig nutzt eine Gruppe Rebellen die Chance, um ihren Plan – die Rückkehr zur Erde – in die Tat umzusetzen, wofür sie sogar morden. Denn für die Rückkehr benötigen sie das einzige noch verfügbare Raumschiff – den Asteroidenfänger mitsamt seiner Fracht, was das Ende der Raumstation bedeuten würde. Diesmal scheint Riley Außenerde und die Menschheit nicht noch einmal retten zu können.

Meine Meinung:

Enforcer“ erzählt die Geschichte der Raumstation Außenerde weiter, die bereits in „Tracer“ begonnen hat, und ist somit der zweite Teil mit der Protagonistin Riley Hale und den noch verbliebenen Charakteren aus dem ersten Teil. Ein Jahr ist es her, seit die Raumstation beinahe zerstört worden wäre durch den Versuch der ehemaligen Ratsvorsitzenden Janice Okwembu, mit Spinnen von unzähligen Intrigen bis hin zu einer totalen Zerstörung von Außenerde die absolute Macht über die Station zu bekommen. Nach der Rettung hatten die Bewohner mit einer Hungersnot zu kämpfen, die der neue Leiter des Luftlabors Prakesh Kumar durch veränderte und dadurch schneller wachsende Pflanzen schaffte einzudämmen, und den gravierenden Beschädigungen, für welche sie dringend den Asteroiden benötigen. Riley Hale und der Rest ihres Tracer-Teams haben sich den Stompern angeschlossen. Bis auf vereinzelte Unruhen scheint sich alles zu normalisieren. Doch dann geschehen in rascher Folge mehrere „Katastrophen“, die diesmal wohl das Ende bedeuten.

Dadurch werden mehrere Handlungen aufgebaut, die nicht nur als Nebenhandlung dienen. Riley Hale wird von dem psychopathischen Arzt Knox entführt, der ihr in eine Lücke zwischen den Muskeln in den Kniekehlen jeweils eine Bombe implantiert, um sie dazu zu zwingen, etwa beinahe Unmögliches zu tun. Das verlieh der anfangs recht schleppend anlaufenden Handlung einen ziemlichen Spannungsbogen, da Riley auch die Zeit davonläuft, in welcher sie Knox‘ Aufgabe erfüllen soll. Dann bricht nicht nur ein undefinierbares und schnell tötendes Virus aus, namens Resin, sondern eine Gruppe von Leuten, die Erdlinge, planen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Raumstation zu verlassen, um auf die Erde, auf der kein Leben möglich ist, zurückzukehren. Riley und ihr Team müssen schnell handeln, um das Problem mit den Bomben, dem Virus und den Rebellen zu lösen. Gleichzeitig bricht in dem zwangsweise verbarrikadierten Luftlabor Panik unter einigen Technikern aus.

Was mir an dem Buch  gut gefallen hat, sind immer wieder diese Spannungsschübe, wenn ein neues Puzzleteil allmählich das Gesamtbild komplettiert, spektakuläre Szenen, dramatische Höhepunkte, ein recht fulminantes Ende und die Ungewissheit, ob bzw. wie die Ereignisse zusammenhängen. Des Weiteren gibt es oft neue überraschende Wendungen der Geschichte, wobei die Cliffhanger beinahe am Schluss jeden Kapitels die Neugierde darauf, wie es nun weitergehen wird, und den Nervenkitzel intensivieren. Gezielt wird auf eine recht actionreiche Handlung gesetzt, wobei leider der wissenschaftliche Aspekt, besonders was das Virus betrifft, vernachlässigt wird. Ferner wirkt diese Fülle an Geschehnissen leider extrem stark überladen und die lückenfüllenden Handlungen zwischen den Spannungsbögen recht langatmig und nach einiger Zeit ermüdend, was das Lesen oftmals zähflüssig machte und die Geschichte zu sehr gedehnt hat.

Wie bei „Tracer“ sind auch bei „Enforcer“ die Perspektiven interessant ungewöhnlich. Zum einen wird aus Rileys Sicht in der Ich-Erzählperspektive erzählt, zum anderen aus der Sicht eines der anderen Charaktere, wie z.B. Anna, Carver, Prakesh, Royo oder Knox, in der personalen Erzählperspektive. Hinzu kommt, dass „Enforcer“ auch im Präsens geschrieben ist. Die Kapitel sind kurz gehalten und haben als Überschrift jeweils den Namen desjenigen, aus dessen Sicht gerade erzählt wird.

Das Ende von „Enforcer“ bleibt offen, sodass man mit einer Fortsetzung der Geschichte rechnen kann.

Fazit:

Actionreicher zweiter Band der Science-Fiction-Reihe über die Weltraumstation Außenerde und die Protagonistin Riley Hale. Die Handlung weist zwar inhaltlich einige Schwächen auf und wirkt überdehnt mit absolut vielen verschiedenen Handlungen, enthält aber auch Spannungsmomente.

Vielen Dank an den Heyne Verlag (Random House Verlagsgruppe) für das Rezensionsexemplar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.