Rezension: „Der Ruf der Kalahari“ von Patricia Mennen

Inhalt:

Seit sie sich der Unterdrückung durch ihren Großvater, den Baron von Sonthofen, entzogen hat, ist das Leben für Jella und ihre Mutter alles andere als leicht. Armut, Dreck, harte Arbeit und der ständige Kampf ums Überleben gehören zum Alltag. Doch als ihre Mutter stirbt, steht die gerade zur Krankenschwester ausgebildete Jella vor dem Nichts, und der Traum, irgendwann einmal Ärztin zu werden, ist in weite Ferne gerückt.

Jella beschließt nach Deutsch-Südwestafrika auszuwandern und dort ihren verschollenen Vater zu suchen, der in der Nähe des Waterbergs eine Farm haben soll. Als sie jedoch endlich seine Farm Owitambe findet, scheinen ihre grausamsten Befürchtungen wahr zu werden.

Meine Meinung:

Der Anfang des Buches versetzt den Leser in das Berlin zur Kaiserzeit. Es herrscht nicht nur Standesdünkel, auch Frauen wird nicht besonders viel zugetraut. In einer Kellerwohnung vegetieren Jella und ihre Mutter dahin und müssen hart arbeiten, um sich das Bisschen überhaupt leisten zu können. Das Studium der Medizin bleibt Jella trotz hervorragender Leistungen in der Schule verwehrt. Lediglich die Ausbildung zur Krankenschwester kann sie vorerst erreichen. Als ihre Mutter stirbt und sie herausfindet, warum ihr Vater sie beide damals, als er nach Afrika ausgewandert ist, nicht nachgeholt hat, verlässt sie Deutschland und begibt sich in Deutsch-Südwestafrika auf die abenteuerliche Suche nach ihrem Vater. Ganz allein ist sie ab da auch nicht: Auf der Schiffsreise lernt sie Lisbeth, eine Krankenschwester, und den Händler und Tierarzt Fritz van Houten kennen, ebenso später auch das Buschmädchen Nakeshi.

Die Geschichte an sich ist unterhaltsam und recht abenteurlich, alles ist umfassend recherchiert worden – die Kolonialzeit, Afrika, das Leben dort und die Kultur der afrikanischen Völker – und sehr detailreich beschrieben. Leider hat es immer wieder mit der Realisierung der Idee nicht so wirklich geklappt. Die Dialoge und Verhaltensweisen der Charaktere wirken hin und wieder unpassend bzw. ungeschickt. Einige Handlungen werden endlos in die Länge gezogen, was das Lesen absolut schleppend machte, andere wiederum sind viel zu kurz, bruchstückhaft, was dazu führt, dass die aufgebaute Spannung schnell wieder abflaut und nur schwerlich eine mitreißende Stimmung erschaffen wird.

Zu den Charakteren:

Die Protagonistin Jella will ihr Leben selbst bestimmen und studieren – für ihre Träume und Rechte setzt sie sich ein, was mir gefallen hat. Ihr Durchhaltevermögen und Bildung stehen jedoch leider in krassem Kontrast zu ihren ständigen impulsiven und unüberlegten Handlungen sowie ihrem Hochmut, welche sie dann wieder naiv und ihr Verhalten unverständlich erscheinen lassen und mir die Charakterin dadurch nicht näherbrachte.

Nakeshi ist ein Buschmädchen der Kalahari und Jellas „Seelenverwandtin“. Dass sie sich für ihre Freiheit einsetzt, hat sie mit Jella gemein, allerdings handelt sie überlegter.

Da größtenteils aus der Sicht von Jella und Nakeshi in der personalen Erzählweise erzählt wird, erfährt man fast ausschließlich etwas über die beiden, während die anderen Charaktere nur sehr vage beleuchtet werden.

Auch wenn die Charaktere und die Umsetzung auf mich wenig überzeugend wirkten, so fand ich dennoch die Story an sich gut und die afrikanische Landschaft recht atmosphärisch dargestellt. Außerdem war es recht spannend, dass man nicht wirklich weiß, was auf Owitambe wirklich passiert ist. Des Weiteren rundet die Schlussszene die Geschichte sehr schön ab.

Am Ende gibt es noch ein Sachwortverzeichnis zum Nachschlagen der Fremdwörter, die einem im Laufe des Lesens hier immer wieder begegnen.

Fazit:

Die Geschichte war kurzweilig, enthält Schwächen, aber auch etwas Afrika-Feeling und einige Spannungselemente.

Vielen Dank an Blanvalet (Random House Verlagsgruppe) für das Rezensionsexemplar.

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