Rezension: „Eine Hoffnung am Ende der Welt“ von Sarah Lark

Eine Hoffnung am Ende der Welt

Inhalt:

Die beiden polnischen Schwestern Helena und Luzyna werden nach jahrelanger harter Arbeit und Entbehrungen aus dem Arbeitslager in Sibirien freigelassen und in ein Flüchtlingslager in Persien gebracht. Für Luzyna ist es das Paradies, doch Helena, die sich um die jüngere Schwester kümmern muss, weiß nicht, wie es weitergehen soll. Als sie jedoch davon erfährt, dass Neuseeland eine gewisse Anzahl an polnischen Waisen aufnehmen wird, sieht sie endlich eine Chance auf ein besseres Leben, weit weg an einem Ort, wo es keine Zerstörungen und Kriege gibt. Doch nur die jüngere Schwester wird für die Reise ausgewählt.

Als nicht Luzyna, sondern Helena die Fahrt nach Neuseeland antritt, scheinen sich Helenas Hoffnungen doch noch zu erfüllen, bis ein Zwischenfall ihr wieder jegliche Zukunftsaussichten nimmt.

Währenddessen kämpft James McKenzie als Pilot in Europa für die Freiheit und das Ende des Krieges. Als er dann jedoch nach Neuseeland zurückkehrt, werden James‘ und Helenas Wege durch Zufall zusammengeführt.

Meine Meinung:

Das Buch „Eine Hoffnung am Ende der Welt“ verspricht genau das, was ich gehofft hatte: Eine sehr bewegende, mitreißende, aber auch hoffnungsvolle Geschichte, an einem fantastischen Erzählort und der gelungenen Mischung aus Spannung, Abenteuer und Historie, sodass man einfach alles andere um sich herum vergessen kann.

Die Handlung, die ausschließlich aus Helenas Sicht erzählt wird, setzt zuerst im Flüchtlingslager in Persien ein, sodass man von der Deportation, den grausamen Geschehnissen im sibirischen Arbeitslager und der anschließenden Fahrt in das Flüchtlingslager nur durch Helenas Rückblicke erfährt. Die beiden Schwestern haben alles in ihrem Leben verloren, worunter Helena am meisten leidet. Helenas Gefühle und Gedankenwelt, ihre Ängste, Verzweiflung, Trauer und Hoffnung, werden von der Autorin Sarah Lark so ausführlich und real geschildert, dass man mit der Protagonistin mitfühlen kann. Helena ist eine verantwortungsbewusste, aufgeweckte und liebenswürdige Person, die Zukunftspläne und Träume hat. Von ihr wird erwartet, dass sie für ihre unbekümmerte und jüngere Schwester Luzyna, die immer und überall im Mittelpunkt steht, sorgt und ihre eigenen Wünsche zurückstellt. Durch die Möglichkeit, nach Neuseeland auszuwandern, wird ihr die Chance gegeben, ein neues Leben aufbauen zu können – und zugleich wieder genommen, da nicht sie, sondern nur Luzyna für die Reise ausgewählt wird, welche die jüngere Schwester im Grunde nicht antreten möchte. Als Luzyna am Tag der Abreise nicht rechtzeitig erscheint, gibt Helena sich für Luzyna aus und wagt damit den ersten Schritt in eine neue Welt und eine Zukunft mit Perspektiven und vielen aufregenden Eindrücken. Doch Helenas Leben wird von da an ständig von Schuldgefühlen beschattet; ihr Verrat an Luzyna verwehrt es ihr wirklich glücklich zu werden. Als sie dann auch noch ungewollt schwanger wird, scheint sie wieder vor dem Nichts zu stehen – bis sie dann auf James trifft.

Die anderen Charaktere werden nicht ganz so ausführlich wie Helena beschrieben und wirken deshalb etwas blass, sodass ihnen die Tiefe fehlt – was der Geschichte jedoch nicht abträglich ist. Bis auf wenige Ausnahmen fand ich die Charaktere sehr sympathisch. So gibt es z.B. den verständnisvollen, gut gelaunten und tollkühnen Piloten James McKenzie, in den sich Helena verliebt. Seine willensstarke und besonnene Mutter Gloria. Die selbstbewusste Miranda Biller, die wie ein Wasserfall redet, sich schnell für etwas begeistert und sich für Gerechtigkeit einsetzt. Muana, die beinahe weise erscheinende Tochter eines Maori-Häuptlings. Und Karolina, die ein ähnlich tragisches Schicksal mit Helena verbindet.

Der angenehme und hervorragende Schreibstil erschafft durch lebhafte und liebevolle Darstellungen der Landschaft Neuseelands eine wunderbare Atmosphäre. Zudem erhält man noch einen interessanten Einblick in die Kultur der Maoris und der Geschichte Neuseelands. Die Handlung selbst ist relativ schnörkellos mit einigen hervorstechenden Höhepunkten, aber durchgehend spannend – leider etwas kurz und dadurch zu schnell durchgelesen.

Das Buch ist in mehrere Teile unterteilt, die alle einen Titel haben und jeweils in ca. 3 Kapitel unterteilt sind. Am Anfang jeden Teils wird angegeben, zu welcher Zeit und an welchem Ort die Handlung spielt. Zudem gibt es noch schöne und passende Illustrationen.

Während des Lesens merkt man immer mehr, dass „Eine Hoffnung am Ende der Welt“ zu einer Buchreihe gehört (was ich vorher nicht gewusst hatte). Die Handlung ist jedoch nicht von vorherigen Bänden, in welchen man mehr über Kiward Station und Glorias Familie erfahren kann, abhängig und wird hier abgeschlossen.  Eines steht auf jeden Fall fest: Ich kann es kaum erwarten, auch die anderen Bände der Reihe zu lesen. 

Fazit:

Mit „Eine Hoffnung am Ende der Welt“ ist der Autorin eine sehr herzerwärmende Geschichte voller Höhen und Tiefen, dramatischen Ereignissen, die einem sehr nahegehen, atemberaubend schönen Landschaften und dem nie verlöschenden Hoffnungsschimmer gelungen. Dazu trägt auch der sehr angenehme und fesselnde Schreibstil bei. Wirklich wunderbar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.