Rezension: „Obsidian – Kammer des Bösen“ von Douglas Preston und Lincoln Child

Inhalt:

Mehrere Wochen ist es her seit Special Agent Pendergast spurlos verschwunden ist – wahrscheinlich vor der Küste Massachussetts ertrunken -, woraufhin sich sein Mündel Constance Green, welche den Verlust nicht verkraften kann, in die verborgenen unteren Kellergewölbe der Villa am Riverside Drive 891 zurückgezogen hat. Die Tage ziehen sich ermüdend hin und die Hoffnung auf Nachricht von Pendergast verblasst allmählich.

Als jedoch in die Villa eingebrochen und Constance vor Proctors Augen entführt wird, scheint sich alles zu ändern. Proctor, der den Täter sofort erkannt hat, startet eine beinahe aussichtslose Verfolgungsjagd um die Welt – wird jedoch katastrophal enttäuscht.

Meine Meinung:

Auf den 16. Band der Buchreihe habe ich mal wieder absolut ungeduldig gewartet, da ich endlich wissen wollte, was mit Pendergast geschehen ist, nachdem er vor der Küste Massachussetts verschwunden ist, wie es zwischen ihm und Constance weitergeht und ob tatsächlich sein skrupelloser und größter Feind, der vor ca. 3 Jahren gestorben sein soll, wieder auftaucht – und was passieren wird, wenn dieser nochmal mit Constance zusammentrifft, vielleicht sogar mit Pendergast selbst. Genau genommen stelle ich mir diese Frage bereits seit dem 7. Band – und nun ist es soweit. Alle aufgeworfenen Fragen werden mit diesem Band nicht nur geklärt, man wird auch oft durch die unerwarteten und recht dramatischen Wendungen überrascht. Wer die Pendergast-Romane kennt, kann erahnen, um wen es sich hier handelt. Das einzige, was ich hierzu verrate, ist, dass man für mehr Wissen über den Hintergrund die „Diogenes-Trilogie“ aus dieser Reihe lesen sollte.

Wie schon einmal zwischen zwei Bänden, so haben die beiden Autoren Douglas Preston und Lincoln Child auch hier die Schlussszene des vorausgegangenen Buches als Anfangsszene des nachfolgenden Buches verwendet, wodurch ein nahtloser Übergang von „Demon – Sumpf der Toten“ zu „Obsidian – Kammer des Bösen“ geschaffen wurde. Es wird anfangs geschildert, wie Constance ihr früheres Leben in den unterirdischen Räumen der Villa am Riverside Drive 891 aufnimmt – u.a. auch, weil sie Pendergasts Tod nicht ertragen kann und sich von der Welt zurückziehen möchte. Die Handlung bekommt einen deutlichen Temposchub, als Constance entführt wird und Proctor, der den Täter zweifelsfrei als Pendergasts größten und gefährlichsten Feind erkannt hat, eine rasante, spektakuläre und nervenaufreibende Verfolgungsjagd beginnt, welche ihn um die halbe Welt führt.

In die Position der Hauptcharaktere sind größtenteils Pendergasts alter Feind und Constance Green gerückt, zum ersten Mal auch Proctor – für einige Zeit zumindest -, aber auch Pendergast nimmt wieder eine wichtige Rolle ein, wobei D’Agosta nur einen kurzen Auftritt hat. Bezüglich des „alten Feindes“ erfährt der Leser von einer Seite dieses Charakters, die man bei ihm nicht für möglich gehalten hätte. Die Vorstellung, dass dieser ehemalige Serienmörder geläutert sein, sich wirklich verändert haben soll, finde ich zwar merkwürdig, aber auch nicht komplett unwahrscheinlich. Denn eine Frage bleibt weiterhin bestehen: Hat er sich hundertprozentig gewandelt? Daneben wurde noch ein weiterer Konflikt aufgebaut – er hat sich bedingungslos in Constance verliebt, für welche er definitiv alles tun würde. Constances Reaktion darauf fand ich eher unrealistisch, auch wenn es ziemlich glaubhaft geschildert wurde. Im Hinblick darauf und einiger anderer Dinge in diesem Buch gibt es noch recht dramatische Offenbarungen und Wendungen, die einen atemlos vor Spannung werden lassen.

Die Atmosphäre der Geschichte ist gelungen: drohend, unheilvoll und knisternd. Die Zeit, in welcher Constance sich in den Kellergewölben befindet und was sich danach zuträgt, wurde schaurig erzählt. Zudem kommt noch, dass die in diesem Band immer wiederkehrende Interaktion zwischen Constance und dem „alten“ Wiedersacher auch einen abstrusen und bitteren Beigeschmack hat, denn beide sind impulsive und psychisch labile Charaktere. Die Situation, in der sich beide befinden, hat Ähnlichkeiten mit einer tickenden Zeitbombe.

Obsidian – Kammer des Bösen“ ist gewohnt flüssig geschrieben, zeigt die Handlung in der personalen Erzählperspektive aus der Sicht verschiedener Charaktere und versetzt den Leser zum ersten Mal in dieser Serie nach Florida. Diesmal kann man sich auch wieder auf einen imposanten Showdown freuen. Trotz einiger Längen war das Buch für mich sehr informativ und spannend, da es auch interessante Einblicke gibt und ein früheres Thema wieder aufrollt. „Obsidian“ hat eine abgeschlossene Handlung, aber die Serie geht weiter – und ich freue mich schon auf den nächsten Band!

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung von „Demon – Sumpf der Toten“, die Constance und Pendergasts größten Feind als Hauptcharaktere zeigt, interessante Wendungen enthält und eine recht rasante Handlung hat. In der Pendergast-Reihe nicht wegzudenken und lesenswert.

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!

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