Rezension: „Das Tal der goldenen Flüsse“ von Patricia Mennen

  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Schreibstil
3.5

Information:

Titel: Das Tal der goldenen Flüsse
Autor: Patricia Mennen
Verlag: Blanvalet (Random House)
Erscheinungsdatum: September 2015
Seiten: 672
Erzählort: Brasilien und England
Erzähldatum: um 1860 herum
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Unterhaltungsroman
Amber-Saga: 2. Band
ISBN: 978-3734100178

Inhalt:

Mit der Rückkehr des ambitionierten Archäologen Rhys Franklin zu seiner Frau Amber nach England scheint für beide endlich eine wunderschöne gemeinsame Zeit anzubrechen, die jedoch bald wieder endet nachdem Amber eine Fehlgeburt erleidet und in tiefe Resignation verfällt. Erst als Rhys es trotz gravierender Schwierigkeiten schafft, eine Expedition an den Amazonas zu organisieren, um dort nach einer noch nie zuvor erforschten Hochkultur zu suchen, erlangt Amber zu neuem Lebensmut und Abenteuerlust. Gemeinsam mit dem deutschen Biologen Sebastian Stix begeben sie sich auf die abenteuerliche und gefährliche Reise. Als sie Tiago de Andrade, einen skrupellosen Besitzer einer Kautschukplantage, und seiner Tochter Miou, in welche Sebastian sich sofort verliebt, begegnen, wird ihnen allmählich klar, dass die unbarmherzige und schwüle Hitze des Dschungels mit samt seinen Tücken bald nicht ihr einziges Problem mehr sein wird. Denn Andrade verfolgt rücksichtslos seine Ziele.

Meine Meinung:

Das Tal der goldenen Flüsse“ ist bereits der zweite Roman, den ich von Patricia Mennen gelesen habe und konnte mich mehr überzeugen als „Der Ruf der Kalahari“. Was ich erst beim Lesen gemerkt habe, ist, dass es noch eine Vorgeschichte mit Amber und Rhys gibt, in welcher beide sich kennen lernen, nämlich „Im Land der sieben Schwestern“. Allerdings kann man problemlos den zweiten Band lesen ohne den ersten zu kennen.

Mit diesem Roman habe ich eine abenteuerliche Geschichte erwartet, die sich größtenteils mit der Expedition im Dschungel und der Suche nach der legendären und unerforschten Hochkultur beschäftigt sowie mit dem Finden und der späteren Erforschung der altertümlichen Bauten, aber auch kombiniert wahrscheinlich u.a. mit Konflikten der Charaktere. Deswegen fand ich es ziemlich langatmig und etwas enttäuschend, dass die Organisation der Expedition zusammen mit weiteren Handlungssträngen, z.B. Ambers Verlust, hin und wieder dem Szenenwechsel zu einem Indianerstamm in Brasilien und auch noch mit umfangreich ausgebauten Szenen über die Probleme von Ambers Bruder, einen immens großen Teil des Buches einnimmt. Das Buch habe ich leider nicht durchgängig gelesen – ich legte einige Pausen ein, weil es mich nicht immer fesseln konnte. Die Zusammenhänge, die wirklich zwischen einigen Dingen bestehen, erkennt man erst später, und das fand ich auch gut. Für mich wirkte es aber oftmals so, als würde größtenteils versucht werden, nur Seiten zu füllen. Dabei muss ich andererseits auch anmerken, dass Patricia Mennen mit vielen und unglaublich gut recherchierten Details gearbeitet hat, um dem Leser mit diesem Roman nicht nur einen Einblick in die Kultur der Indianerstämme in Brasilien zu geben, sondern auch zumindest einigen Charakteren Tiefe zu verleihen und die damalige Zeit authentisch darzustellen.

Genau genommen teilt sich die Geschichte vorerst in zwei parallel verlaufende Handlungen. Bei der einen geht es um den Indianer Caurè, der bei seinem Stamm im Dschungel von Brasilien lebt, und später noch um Jandeira, die durch die „Weißen“ ihre Familie verloren hat. Dabei erfährt man so einiges über das Leben und die Kultur der Indianer, z.B. ihre Geisterwelt, was auch interessant, aber auch sehr ungewöhnlich wirkt. Bei der anderen Handlung versucht der ambitionierte Archäologe Rhys zusammen mit seiner mutigen Frau Amber und dem absolut von seiner Arbeit begeisterten Biologen Sebastian eine Expedition zu organisieren, was sich als nicht gerade einfach herausstellt. Weitere Probleme erwarten sie dann in Brasilien, u.a. durch einige macht- und geldgierige Personen, wodurch sie nicht so bald eine Gelegenheit bekommen, nach der Hochkultur zu suchen. Durch das Zusammenlaufen der Handlungen bekommt die Geschichte einen deutlichen Spannungsschub, denn Amber und Caurè scheinen sich bereits durch ihre Träume zu kennen. Die Perspektiven wechseln zwar zwischen den einzelnen Charakteren, doch am meisten erfährt man alles aus der Sicht von Amber und Caurè.

Das Tal der goldenen Flüsse“ ist zumindest ab Brasilien ein sehr atmosphärischer Roman. Die Autorin zeichnet mit Wörtern ein schönes, realistisches und gut vorstellbares Bild der Landschaft, der Kultur und des Lebens dort. Die erbarmungslose und schwüle Hitze, der Dschungel, Gefahren durch aggressive und giftige Tiere, aber auch die Schönheit – die farbenprächtige Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt wird einen direkt vor Augen geführt. Auch die Zeit – Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts – wurde hier ganz gut beschrieben. Dabei erfährt man nicht nur von der Herstellung des Kautschuks, sondern auch von der verachtungswürdigen Sklaverei, die damals noch allgemein üblich war und hier zu einem Bestandteil für die fortlaufende Handlung wird.

Trotz einiger langatmiger Momente hat die sich allmählich entwickelnde Geschichte auch Spannungsbögen, wobei es mir auch so vorkam, als würden die Charaktere sich nach und nach „einspielen“ und die Geschichte dadurch mitreißender machen. Die letzten 150 Seiten habe ich dann auch regelrecht verschlungen vor Spannung, da die Ereignisse sich unterhaltsam überschlugen.

Fazit:

Das Tal der goldenen Flüsse“ ist zwar ein interessanter und nach einiger Zeit auch atmosphärischer Roman, aber über einen Großteil langatmig, wodurch der Roman für mich nicht durchgängig spannend war. Was mir aber gefallen hat, war das Zusammenlaufen der Handlungen, die Beschreibungen der Landschaft und zu einem Großteil auch der Kultur und die Wendungen, welche die Geschichte genommen hat, wodurch sie allmählich mitreißend wurde.

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