Rezension: „Blut der Ahnen“ von Anja Lehmann

  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Schreibstil
  • Action
4.2

Information

Titel: Blut der Ahnen
Autor: Anja Lehmann
Erscheinungsdatum: Januar 2019
Seiten: 344
Erzählort: Pompeji (Italien)
Erzähldatum: 78 n. Chr.
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Ahnen – Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-96443-448-7

Inhalt:

Alessandro war noch ein Kind, als sein Vater in einem Arenakampf hinterlistig und tödlich verletzt wurde durch die Hand des Gladiators Tantotaurus und daraufhin starb. Seitdem wird Alessandros Leben nur von dem Ziel bestimmt, den Tod seines Vaters endlich zu rächen, indem er dessen Mörder in der Arena gegenübertritt. Um das zu erreichen, muss er aber einer der besten Gladiatoren werden. Außerdem scheint eine Art Magie Tantotaurus zu schützen, was ihn anscheinend unbesiegbar macht. Alessandros Leben ändert sich jedoch abrupt, nachdem er Laetitia, der Tochter seines Herrn, begegnet und sie sich unerwartet, gegen den Willen des Herrn und trotz der Unterschiede beide ineinander verlieben.

Als sich Alessandro die Möglichkeit bietet, eine echte Chance gegen den Mörder seines Vaters zu haben, die lang ersehnte Rache zu nehmen und sich aus der Sklaverei zu befreien, ergreift er diese, muss dafür aber einen hohen Preis zahlen.

Meine Meinung:

Das alte Pompeji, Gladiatoren und Arenakämpfe haben mich immer schon interessiert, dass aber in einem in der Antike spielenden Historienroman noch Fantasy-Elemente hinzukommen, ist einzigartig und hat meine Vorfreude auf das Buch stark geschürt. Im Nachhinein hat mir der erste Band der Ahnen-Reihe „Blut der Ahnen“ von Anja Lehmann sehr gut gefallen. Zwar ließ die Spannung der Story im ersten Drittel lange auf sich warten, sodass das Lesen etwas schleppend voranging, dafür die Szenen mit einer tollen Atmosphäre und interessanten Details dieser Zeit glänzten, doch danach konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, da es ordentlich an Fahrt aufnimmt!

„Blut der Ahnen“ startet mit einem spektakulären Prolog, in welchem dem Leser der schicksalhafte Kampf zwischen Tantotaurus und Alessandros Vater geschildert wird, wobei Letzterer durch eine hinterlistige Tat seines Gegners stirbt und Alessandro – damals noch ein Kind – einen Racheschwur leistet. Tantotaurus soll unbesiegbar sein, was wahrscheinlich durch Schutzrunen, die seinen Körper überziehen, möglich sein könnte. Die Handlung setzt 8 Jahre später wieder ein und zeigt den 16-jährigen Alessandro, der als Sklave im Haus seines Herrn eine harte und brutale Ausbildung zum Gladiator durchläuft. Sein Handeln und seine Gedanken sind ausschließlich davon erfüllt, einer der besten Gladiatoren zu werden, damit er gegen Tantotaurus in der Arena kämpfen und endlich die lang ersehnte Rache nehmen kann. Worauf er noch Jahre warten müsste. Doch als er Laetitia, der Tochter seines Herrn begegnet, werden seine Gedanken nicht mehr nur von der Rache beherrscht. Trotz der Unterscheide und gegen den Willen des Herrn verlieben die beiden sich ineinander und treffen sich heimlich. Dann wird Alessandro eine Möglichkeit geboten, gegen den unbesiegbaren Tantotaurus in der Arena zu kämpfen und ihn sogar zu besiegen. Die Person, die ihm das ermöglicht, setzt Magie ein und verlangt einen hohen Preis dafür – und Alessandro stimmt zu.

„Eiskalt fühlte er die Klinge des Gegners an seinem Hals, und zu seiner Überraschung war es ein beruhigendes Gefühl. Nichts mehr zu gewinnen, nichts mehr zu verlieren. […] Die Gewissheit, dass er Laetitia wiedersehen würde, dass sich ihre Wege mit dem Tod nicht für immer trennen, würde ihm helfen, was immer nun kam, zu überstehen.“

(S. 214, „Blut der Ahnen“ von Anja Lehmann)

Bereits am Anfang erschafft Anja Lehmann mit ihrem bildhaften und lockeren Schreibstil eine schöne Atmosphäre, aber auch durch die in die Story eingebundenen interessanten Details aus dieser Zeit. Man erfährt einiges über das Leben in Pompeji, die sensationellen und rasanten Arenakämpfe, das Leben damals und die Gladiatoren, die menschenunwürdig behandelt wurden. Damit glänzt die Story von Anfang bis zum Ende. Leider fehlte mir – trotz des Prologs – im ersten Drittel die Spannung. Dort erfährt man von Alessandros Ausbildung zum Gladiator – was natürlich interessant ist – und von der Liebesgeschichte zwischen Alessandro und Laetitia. Die Liebesgeschichte konnte mich bis zum großen „Showdown“ gar nicht mitreißen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen fand ich sie viel zu schnell. Zum anderen fehlte mir hier einfach ein Hauch Dramatik. Und: Über Laetitia erfährt man größtenteils etwas durch ihre Tagebucheinträge. Ich fand die Einbindung von Tagebucheinträgen sehr schön, aber dennoch erschien Laetitia mir bis zum Anfang des letzten Drittels des Buches sehr oberflächlich, wobei mir ihre Handlungen oft auch recht unüberlegt vorkamen. Im Gegensatz dazu steht Alessandro, aus dessen Sicht die Handlung in der personalen Erzählweise erzählt wird. Alessandro gewinnt im Laufe der Geschichte immer mehr Tiefe und macht eine bemerkenswerte Entwicklung durch.

Nach dem ersten Drittel kommen die Fantasy-Elemente dazu, die wirklich richtig gut sind und der Handlung einen ordentlichen Spannungsschub verleihen und sie immer mitreißender und rasanter machen. Hier kommen dramatische und schaurige Momente dazu und atemberaubende Wendungen, die mich nicht selten überraschen konnten. Ab da ist die Story absolut sehr gut, vor allem auch, weil der geschichtliche Hintergrund und die Fantasy dazu spannend und passend kombiniert worden sind. Und man erfährt auch langsam, was der Titel zu bedeuten hat. Dabei hatte ich auch nicht damit gerechnet, dass Anja Lehmann doch noch das katastrophale Ereignis, für das Pompeji bekannt ist, hier mit einbindet. Der Showdown ist definitiv heftig und imposant. Aber das Ende ist auch offen und wirft viele Fragen auf. Ich werde die Reihe weiterverfolgen und freue mich darauf zu erfahren, wie es weitergehen wird.

Fazit:

Eine gelungene Kombination aus Historienroman und Fantasy. Die Story besticht von Anfang bis zum Ende mit einer schönen Atmosphäre und interessanten geschichtlichen Details. Zwar fehlte die Spannung im ersten Drittel und die Liebesgeschichte konnte mich nicht wirklich mitreißen, dafür umso mehr die Arenakämpfe und der Zeitpunkt, an dem endlich die Fantasy-Elemente auftauchen. Ab da kann man das Buch definitiv nicht mehr aus der Hand legen!

 

Vielen Dank an Anja Lehmann für das Rezensionsexemplar!

Ich habe bei der Lovelybooks-Leserunde mitgemacht

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