Rezension: „Das Reich der Vampire“ von Jay Kristoff, (1. Band)

Das Reich der Vampire
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Action
  • Schreibstil
4.1

Information

Titel: Das Reich der Vampire
Autor: Jay Kristoff
Verlag: Fischer Tor Verlag
Erscheinungsdatum: 29. Juni 2022
Seiten: 1.024
Erzählort: Elidaen
Erzähldatum: Unterschiedlich
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Empire of the Vampire
Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-596-70040-0

Inhalt vom Verlag:

Vor 27 Jahren ging die Sonne unter – und seitdem sind die Armeen der Vampire auf dem Vormarsch. Stück für Stück haben sie ihr ewiges Reich ausgedehnt und den Menschen den Boden streitig gemacht, bis nur noch an wenigen Orten ein unbeschwertes Leben möglich ist. Kleine Inseln des Lichts in einem Meer aus ewiger Finsternis.
Als der junge Gabriel de León sein Heimatdorf verlassen muss, führt ihn sein Weg nach San Michon, zum Orden der Silberwächter, einer heiligen Bruderschaft, die das Reich und die Kirche gegen den Ansturm der Bestien verteidigt. Und noch ahnt er nicht, dass er zur größten Legende des Ordens werden wird – und zur letzten Hoffnung einer sterbenden Welt.

 

Meine Meinung:

Dieser Klappentext in Kombination mit dem Cover ließ mein Herz höher schlagen. So sehr mir auch bereits die Nevernight-Trilogie von Jay Kristoff gefiel, so hoffte ich auch darauf, dass in seinem neuen gewaltigen Fantasy-Roman „Das Reich der Vampire“ nicht die gleichen negativen Punkte auftauchen würden, durch welche bereits Nevernight für mich nicht zum Highlight hatte werden können. Aber anscheinend ist das eben sein Stil, denn hier kann man sich auf das Gleiche gefasst machen.

 

 

Der Mörder und das Ungeheuer

 

 

„Ihr weint wie ein Kind wegen eines toten Pferds, schießt aber einer unschuldigen Frau in den Rücken und lasst zu, dass gottesfürchtige Männer von Schmutzblütern abgeschlachtet werden. […] Was seid Ihr denn bitte für ein Held?“

„Wer zur Hölle hat Euch denn erzählt, dass ich ein Held sei?“

(S. 138 des eBooks „Das Reich der Vampire“ von Jay Kristoff, Fischer Tor Verlag)

 

 

„Das Reich der Vampire“ spielt in Elidaen, einem Reich, das seit 27 Jahren in Dunkelheit getaucht ist, da die Sonne und der Himmel von einem Schleier verhüllt werden, der den Tag fast zur Nacht macht. Aufgrund der ständigen Finsternis ist es nun Schattenwesen möglich, auch bei Tage unterwegs zu sein. Ein Umstand, der ihre Macht enorm wachsen ließ, sodass sich ihre Zahl stark steigerte und das Leben für Menschen immer gefährlicher wurde, da sie sozusagen die “Beute” der Vampire sind. Die letzte Hoffnung der Menschheit im Kampf ums Überleben sind die Silberwächter, die besondere und unterschiedliche Fähigkeiten haben und auf die Vampire Jagd machen.

Die Geschichte teilt sich auf in drei Handlungsstränge – eine in der Gegenwart, zwei in der Vergangenheit. In der Gegenwart, 27 Jahre nach dem Untergang der Sonne, befindet sich der letzte noch lebende Silberwächter Gabriel de León, der zur Legende geworden ist, in einer Kerkerzelle und wird von dem Vampir und Geschichtsschreiber Jean-Francois vom Blut Chastain „interviewt“, denn Gabriels Lebensgeschichte soll aus einem ganz bestimmten Grund aufgezeichnet werden. Und Gabriel, aus dessen Sicht sämtliche Handlungsstränge erzählt werden, erzählt ihm seine Lebensgeschichte – im Wechsel zwischen zwei unterschiedlichen Vergangenheiten. Die eine Handlung zeigt Gabriels Zeit als Silberwächter im heiligen Orden von San Michon, die andere handelt von einer abenteuerlichen und mörderischen Reise mit einer ziemlich merkwürdigen Gruppe, die ein ganz bestimmtes Ziel verfolgt.

 

 

„Es gibt eine Zeit der Trauer, eine Zeit der Lieder und eine Zeit für die Erinnerung, in der wir voller Zärtlichkeit an alles denken, was vergangen ist. Aber es gibt auch eine Zeit für das Töten. Eine Zeit für Blut, eine Zeit für Zorn und eine Zeit, um die Augen zu schließen und das zu werden, was der Himmel für uns vorgesehen hat.“

(S. 644 des eBooks „Das Reich der Vampire“ von Jay Kristoff, Fischer Tor Verlag)

 

 

Positives und Negatives

 

Der gewaltige und epische Fantasy-Roman „Das Reich der Vampire“ von Jay Kristoff ließ mich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich hatte auf ein neues Buchhighlight gehofft, stattdessen hatte ich mich hin und wieder gefragt, ob ich das Buch abbrechen sollte. Aber es gab immer wieder etwas, was mich weiterlesen ließ. Für mich ein Buch mit Höhen und Tiefen.

Am besten beginne ich mal mit den negativen Punkten. Wer bereits die Nevernight-Trilogie von Jay Kristoff kennt, wird in diesem Vampir-Roman auf einige Dinge treffen, die anscheinend schon charakteristisch für Kristoffs Stil sind. Dazu gehören:
1) Die Ausdrucksweise. Die ständigen Beschimpfungen, das Fluchen. Alles wird irgendwie in den Dreck gezogen. In kaum einem Satz findet man mal kein Schimpfwort. Nach einiger Zeit gewöhnte ich mich wieder daran. Denn diese Ausdrucksweise driftet in ungeahnte einfallsreiche und fantasievolle Ebenen ab, sodass ich entweder genervt mit den Augen rollen oder wundervoll lachen konnte.
2) Eklig-ordinäre Szenen und Ausdrücke. Eine höhere Stufe für die Ausdrucksweise – und dann auch nicht mehr lustig. Außerdem gibt es Szenen, die mich so anekeln konnten, dass ich diese einfach übersprungen habe. Und damit beziehe ich mich nicht so sehr auf blutige Kampfszenen.
3) Leider wurde auch dieser Fantasy-Roman von dem Fluch eines dicken Wälzers befallen: Die Spannung konnte einfach nicht durchgängig auf über 1.000 Seiten erhalten bleiben. Einige Stellen waren so unglaublich mühsam und zäh. Es blieb zwar interessant, aber war auch oftmals einfach nur langweilig. Und gerade in dem Moment, als es interessant wurde, sprang die Story zu einem anderen Handlungsstrang, um diesen dann erstmal mühsam weiterzuspinnen.
4) Knallharte Charaktere, die so tun, als würde ihnen niemand und gar nichts etwas anhaben können. Das ist auf Dauer anstrengend – und brachte mir viele von ihnen nicht näher.

Und das Positive? Da gibt es ebenfalls einiges. Zum Beispiel Illustrationen. ^^
Im Großen und Ganzen ist Jay Kristoffs Schreibstil wieder sehr beeindruckend. Er schreibt heftig, schonungslos und so bildgewaltig, dass ich dann doch richtig Herzklopfen bekommen konnte. Das, in Kombination mit den vielen eingebauten Überraschungen, war überragend. Ich liebe es, wenn man sich denkt, wie die Geschichte weitergehen könnte, der Autor/die Autorin dann jedoch eine katastrophale Wendung einbaut, die mir das Blut in den Adern gefrieren lässt und mich pures Entsetzen packt. Was die Ideen bzgl. der Vampire, den Silberwächtern und dem Weltenbau an sich betrifft, so sind diese wirklich interessant. Hier wurde eine Welt voller Schrecken geschaffen, dass mir ein Schauer den Rücken herunterlief. Humor kommt aber dennoch nicht zu kurz, besonders der Schlagabtausch zwischen Gabriel und Jean-Francois ist einfach herrlich amüsant. Oder auch Gabriels Schwert „Flammenzunge“, welche in seinen Gedanken sprechen kann und z. B. in Schlachten singt. Was mich wieder zu Gabriel bringt: Er wirkt wie ein „abgewirtschafteter“ Held; selbstsüchtig, skrupellos, treulos, grausam und süchtig. Aber die Entwicklung, die er nimmt, fand ich richtig gut. Und wenn man seine Hintergründe kennt, ist er vielleicht nicht mehr so unsympathisch.

 

 

„De León. Ihr lebt.“
„Leider ja.“
„Wie kann das sein?“, zischte er.
„Gott hat mich nicht gewollt. Und der Teufel hatte Angst, das Tor zu öffnen.“

(S. 185 des eBooks „Das Reich der Vampire“ von Jay Kristoff, Fischer Tor Verlag)

 

 

Die letzten 150 Seiten voller Dramatik, heftigen Wendungen, Entwicklungen und Action – dazu gehört auch der coole Showdown – haben es geschafft, dass ich nicht 3, sondern 4 Sterne vergebe. Es war mitreißend. Und einige Fragen bleiben unerklärt. ^^

 

Fazit:

Ein dicker Fantasy-Wälzer mit vielen Höhen und Tiefen, interessanten Ideen, langatmigen und mühsamen Szenen, ordinärer Ausdrucksweise, Dramatik, Action, Nervenkitzel. „Das Reich der Vampire“ von Jay Kristoff konnte mich letztendlich zwar nicht begeistern, aber dann doch absolut packen, sodass ich auf jeden Fall die Fortsetzungen lesen werde. Ist jedoch keine Geschichte, die man mal eben zwischendurch lesen kann.

 

Vielen Dank an den Fischer Tor Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 

 

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