Rezension: „Dry“ von Neal Shusterman und Jarrod Shusterman

  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Action
  • Schreibstil
4

Information

 

Titel: Dry
Autor: Neal Shusterman, Jarrod Shusterman
Verlag: Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2019
Seiten: 448
Erzählort: Kalifornien (USA)
Erzähldatum: heute
Erzählperspektive: Ich-Erzähler
Genre: Science-Fiction
Englischer Originaltitel: Dry
ISBN: 978-3-7373-5638-1

Inhalt:

An einem heißen Tag im Juni dreht Alyssa den Wasserhahn auf – doch es kommt kein einziger Tropfen. In der gesamten Gegend gibt es kein fließendes Wasser mehr. Bei den Supermärkten und Tankstellen ist das Wasser rasend schnell ausverkauft. Es gibt keinen Nachschub. Keine Lösung des Problems. Kein Wasser – vielleicht nie mehr. Ein Kampf ums Überleben beginnt.

Meine Meinung:

Mit „Dry“ haben Neal Shusterman und Jarrod Shusterman ein sehr erschreckendes, aktuelles und realistisches Szenario geschaffen, welches auf bedrückende Weise zeigt, welche Grenzen Menschen in einer Notsituation, in welcher es um Leben und Tod geht, bereit sind zu überschreiten – nämlich sämtliche. Ich selber beschäftigte mich mit der Frage, was ich wohl in einer solchen Situation tun würde. Die Geschichte konnte mich wirklich gut unterhalten, das Thema ist äußerst interessant und beängstigend, die Handlung rasant, doch bei der Umsetzung hat mir eine Kleinigkeit gefehlt.

„Ich blicke mich in den Straßen unseres Viertels um und erwarte beinahe, es in Trümmern zu sehen, aber alles scheint wie immer, und mir wird klar, dass die Zerstörung innerlich ist.“

(S. 80 des eBooks „Dry“ v. Neal u. Jarrod Shusterman, Fischer Verlag)

 

Was wäre, wenn du plötzlich kein Wasser mehr hättest? Vielleicht nie mehr?

„Dry“ spielt in Kalifornien während eines besonders heißen Sommers und beginnt damit, dass Alyssa den Wasserhahn aufdreht und kein Wasser mehr kommt. Von einem Moment zum anderen gibt es in Kalifornien kein fließendes Wasser mehr. Aber wer rechnet schon damit, dass dieses Problem mehr als ein, zwei Tage andauert und sie von niemanden erfolgreiche Hilfe bekommen? Wer legt schon Vorräte an? In den Nachrichten werden sie nur zur Geduld bewahren und Wasser sparen aufgefordert. Sie sind auf sich allein gestellt. Während die Panik stetig steigt, gehen die Menschen regelrecht auf Jagd nach Wasser, wobei sie immer rigoroser vorgehen je verzweifelter sie werden. Supermärkte, Tankstellen, Läden – alle sind rasend schnell ausverkauft mit Wasser. Es kommt zu einem wahren Kampf um jeden Schluck Wasser, denn ansonsten würden sie dehydrieren und qualvoll sterben. Hitze, Durst und dieser allmähliche Zerfall der Zivilisation sind definitiv sehr gut, erschreckend und realitätsnah beschrieben. Vor allem fand ich es auch erstaunlich, welche Möglichkeiten den Leuten einfallen, um Wasser zu bekommen.

„Was erst äußerst surreal wirkte, ist inzwischen lebendige, schreckliche Realität.“

(S. 75 des eBooks „Dry“ v. Neal u. Jarrod Shusterman, Fischer Verlag)

Viele Perspektivenwechsel, einige Snapshots und eine apokalyptische Stimmung

Jedes Kapitel der Story wird abwechselnd aus der Sicht jeweils der Jugendlichen Alyssa, Kelton, Jaqui und Henry in Ich-Erzählweise erzählt. Dabei steht vor jedem Kapitel als Überschrift der Name des jeweils Erzählenden. Ich fand es gut, die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erfahren. Allerdings war es manchmal gar nicht einfach die einzelnen Blickwinkel auseinanderzuhalten, da es hin und wieder keine deutlichen Abstufungen gibt, außer wenn etwas definitiv auf den Charakter des jeweils Erzählenden hinweist. Hier hätte ich mir doch etwas deutlichere Unterschiede gewünscht. Daneben werden immer wieder Snapshots eingebunden –  Ausschnitte, die z.B. zeigen, wie die Panik weiter ausbricht, was einige Menschen versuchen zu unternehmen und was allgemein gegen die Wasserarmut getan wird.

Alyssa und ihr Bruder Garret bleiben alleine zu Hause zurück, während ihre Eltern zum Strand fahren, in der Hoffnung von den dort aufgestellten Entsalzungsanlagen Wasser zu erhalten. Doch als sie nicht zurückkehren, ihr kleiner Vorrat immer weniger wird und die Menschen in der Umgebung regelrecht durchdrehen, planen sie den Ort zu verlassen. Gemeinsam mit ihrem Nachbarn Kelton machen sie sich auf einen langen und gefährlichen Weg zu einem Fluchtbunker, wobei sie nicht nur verschiedene Stationen des Grauens passieren, sondern noch zwei weitere Jugendliche treffen, nämlich Jaqui und Henry, welche sie begleiten. Zwar sind sie auf einander angewiesen, besonders auf die jeweiligen Fähigkeiten, aber dieses Zusammensein birgt noch dazu einige schwierige Aufgaben zu lösen, welche ihren Untergang bedeuten könnten.

Alyssa scheint, trotz des Zerfalls und des Überlebenskampfs um sie herum, ihr Handeln nach ihrem Gefühl und Moral zu richten, was in einer solchen Situation vielleicht nicht immer vorteilhaft ist, und muss auf ihren jüngeren Bruder Garret aufpassen, der dazu neigt, in ständig abzuhauen, aber oftmals Einfälle hat, wenn die anderen ratlos sind. Kelton ist ein typischer Nerd, der seit Jahren heimlich in Alyssa verliebt ist und dessen Familie sich seit langem auf einen absoluten Katastrophenfall und Notfälle vorbereitet durch Pläne für Selbstversorgung und Selbstverteidigung. Jaqui ist eine impulsive, selbstbewusste und manchmal recht skrupellose Herumtreiberin mit viel Erfahrung in Sachen wie Einbrechen und Überleben. Henry ist jemand, der ständig versucht sympathisch zu wirken und etwas vortäuscht, was er eigentlich gar nicht ist.

„Menschen können Monster sein. Egal, ob wegen ihrer Handlungen oder wegen ihres wahren Wesens, das tut nichts zur Sache. Das Ergebnis ist dasselbe.“

(S. 214 des eBooks „Dry“ v. Neal u. Jarrod Shusterman, Fischer Verlag)

Neal und Jarrod Shusterman haben einen leichten und lockeren Schreibstil, dem man problemlos und schnell folgen kann. Spannung, Action und ein bisschen mehr mitreißende Dramatik hat mir hier leider etwas gefehlt, was am Ende jedoch spektakulär nachgeholt worden ist. Insgesamt hat mir „Dry“ sehr gut gefallen.

Fazit:

Erschreckendes, interessantes und äußerst realistisches Szenario, welches wirklich gut zeigt, was alles passieren kann und wie wir vielleicht reagieren würden, wenn wir kein Wasser mehr hätten. Die Geschichte konnte mich alles in allem sehr gut unterhalten und nachdenklich stimmen.

Vielen Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!

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