Relic – Museum der Angst

Relic – Museum der Angst

Inhalt:

Im Naturhistorischen Museum von New York geschehen kurz vor der Eröffnung der aufwendigen Aberglaube-Ausstellung eine Reihe von bizarren und abartigen Morden, die alle etwas gemeinsam haben: die Opfer sind grausam zugerichtet und ihnen fehlt ein Abschnitt des Zwischenhirns, der Hypothalamus. Special Agent Pendergast vom FBI, Lieutenant D’Agosta von der NYPD und die Evolutionsbiologin Margo Green versuchen das Rätsel zu lösen, was sich jedoch als ziemlich schwierig erweist, da der Täter, der sich in den unterirdischen Gängen des Museums versteckt halten soll, weder Mensch noch ein bekanntes Tier zu sein scheint und sich jedes Mal rechtzeitig einer Verhaftung entziehen kann.

Da die Morde, welche die Museumsangestellten und die Besucher zunehmend in Angst und Schrecken versetzen, zu einem stetigen Risiko für die wichtige Ausstellungseröffnung werden, versucht die ignorante Museumsleitung den tatsächlichen Stand der Ermittlungen zu vertuschen und die Gefahr herunterzuspielen.

Allmählich wird ein Zusammenhang zwischen den Morden und den Kisten von einer vor Jahren stattfindenden Expedition in das Amazonasbecken deutlich. Doch die Ermittlungen kommen nur langsam voran, während weitere Morde geschehen und der Tag der Eröffnung immer näherrückt.

Meine Meinung:

Mit „Relic – Museum der Angst“, dem ersten Band der Pendergast-Reihe, wurde der Anfang einer eindrucksvollen und spannenden Buchreihe geschaffen, deren Geschichte mit den fortlaufenden Bänden immer facettenreicher und tiefgründiger wird. Das faszinierende daran ist immer wieder wie detailreich und gleichzeitig unterhaltsam die Geschichte erzählt wird sowie diese einmalige Mischung aus Horror, Spannung, Action und Wissenschaft, die in keinem Band fehlt. Nachdem ich bereits die Diogenes-Trilogie der Reihe gelesen habe, die mich nicht nur wegen der Handlung, sondern auch wegen der ausgezeichneten Charaktere stark beeindruckt hat, wollte ich wissen, wie die Reihe, die chronologisch aufgebaut ist, überhaupt beginnt – und genau das bietet der erste Band. Pendergast und D’Agosta lernen sich kennen und arbeiten zum ersten Mal zusammen an einem Mordfall. Auch die professionelle Biologin Margo Green, die zu der Zeit Doktorandin am Museum ist, und der sensationslüsterne Journalist William (Bill) Smithback werden hier eingeführt und zu einem relativ festen Bestandteil der Buchreihe. Bereits im ersten Band sticht Pendergast, der undurchschaubare FBI-Agent aus New Orleans, als außergewöhnlicher Charakter mit seinem Südstaatenakzent, seiner gehobenen Ausdrucksweise, dem teuren und maßgeschneiderten schwarzen Anzug, dem weißblondem Haar, der blassen Haut und seiner unverwechselbar exzentrischen, ruhigen und logischen Art bemerkenswert stark hervor. Pendergast und D’Agosta bilden ein gutes Team, sie ergänzen sich gegenseitig, denn neben den Gemeinsamkeiten – nämlich gekonnte Ermittlungsarbeit –, gibt es auch besondere Unterschiede, die einen interessanten Kontrast zwischen beiden Charakteren bilden. Zum Beispiel ist D’Agosta eher der „normale“, aber kompetente Cop, der versucht sich gewissenhaft an die Vorschriften zu halten, aber in Notfällen, wenn die Vorschriften nur ein Hinderniss zur Lösung des Falles darstellen, gerne einmal Pendergasts unkonventionellen Weg einschlägt. Er ist nicht so hartgesotten und knallhart, dass ihn ein grausiger Tatort absolut kalt lässt, und er ist auch nicht so undurchschaubar, logisch und ruhig wie Pendergast, so dass man D’Agostas Gedanken eher erfährt, als die von dem FBI-Agent aus dem Süden.

Der zentrale Schauplatz von „Relic“ ist das Naturhistorische Museum von New York, dass immer wieder in weiteren Bänden der Reihe vorkommt und auch dort nicht an Bedeutung verliert.

Die Handlung selbst beginnt mit der katastrophal fehlgeschlagenen Expedition ins Amazonasbecken, bei der nach dem legendären Stamm der Kothoga gesucht worden ist. Die Teilnehmer sind entweder verschwunden oder gestorben. Allerdings konnten bei der Expedition nicht nur unheimliche und merkwürdige Spuren der Kothoga gefunden, sondern auch einige rituelle Gegenstände des Stammes in Kisten verpackt und nach New York verschickt werden. Auf der angekündigten Aberglaube-Ausstellung soll eine in den Kisten befindliche Holzfigur zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt werden. Inwiefern die Expedition mit den Morden zusammenhängt ist interessant und verstrickt, aber auch ungewöhnlich beschrieben. Die Handlung braucht zwar ziemlich lange, bis sie an Fahrt gewinnt, und erscheint an einigen Stellen zu langatmig, doch zum Showdown hin wird ein hohes Tempo und Spannung angelegt, dass man in atemloser Erwartung nicht anders kann, als weiter zu lesen, um zu erfahren, wie die Geschichte letztendlich endet. Das Thema ist eigentlich unwahrscheinlich und unrealistisch, dennoch hat das Autorenduo bereits in diesem Band bewiesen, dass sie eine solche Handlung dermaßen unheimlich und plausibel zu erzählen wissen, dass sie schon fast realistisch erscheint und eine furchteinflößende Atmosphäre erzeugt. Allerdings tendiert die Geschichte aufgrund der Auflösung des wahren Mörders etwas zu sehr in den Bereich von „Mystery“.

Es gibt für die Ermittler nicht nur einen bizarren Fall zu lösen, bei dem ein Steinchen nicht auf das andere passt, sondern auch mit der Unfähigkeit einiger Beamter und Bürokraten zu kämpfen, die in ihrer unglaublichen Arroganz, Egoismus und Selbstherrlichkeit auch mit ein Auslöser einer spektakulären und fatalen Katastrophe sind. An Humor fehlt es manchmal auch nicht, denn es ist immer wieder ein Genuss zu lesen, wie Pendergast sehr eindrucksvoll und amüsant mit Leuten umgeht.

Der Schreibstil ist wie gewohnt imposant und sehr anschaulich. Zu einem wirklichen Abschluss kommt die Geschichte nicht, da der Fall nicht hundertprozentig gelöst wird. Um mehr zu erfahren, gibt es dann noch die Fortsetzung „Attic“.

Fazit:

Erster Band der Pendergast-Reihe, in dem einige Charaktere der Serie eingeführt und miteinander bekannt gemacht werden. Der Mordfall ist mit Abstand der unwahrscheinlichste überhaupt, dennoch unwirklich realistisch dargestellt.

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