Rezension: „Bloodless – Grab des Verderbens“ von Douglas Preston und Lincoln Child, (20. Band)

BLOODLESS - Grab des Verderbens
  • Handlung
  • Spannung
  • Action
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
2

Information

Titel: Bloodless – Grab des Verderbens
Autor: Douglas Preston und Lincoln Child
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 1. Dezember 2021
Seiten: 432
Erzählort: Savannah (USA)
Erzähldatum: nach “Ocean”
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Thriller
Originaltitel: Bloodless
Pendergast – Reihe: 20. Band
ISBN: 978-3-426-22768-8

Inhalt vom Verlag:

In den Straßen von Savannah im Süden der USA tauchen Leichen auf, die vollkommen blutleer sind. Kein Wunder, dass eine alte Legende der Stadt plötzlich nicht nur wohligen Grusel verursacht: Geht etwa tatsächlich der »Vampir von Savannah« um?
Special Agent Pendergast und sein Partner Agent Coldmoon werden mit dem bizarren Fall betraut und erkennen bald, dass es einen Zusammenhang mit einer nie aufgeklärten Flugzeug-Entführung aus dem Jahr 1971 gibt. Doch weder Pendergast noch Coldmoon ahnen, dass hinter beiden Fällen etwas steckt, das unfassbar viel böser ist als ein Vampir. Und längst ist nicht mehr sicher, ob die FBI-Agents Jäger oder Gejagte sind.

 

Meine Meinung:

Letztes Jahr konnte der 19. Band „Ocean – Insel des Grauens“ der Pendergast-Reihe von Douglas Preston und Lincoln Child meine Hoffnung darauf enorm steigern, dass die Pendergast-Thriller wieder zu etwas Großartigem werden. Und auch auf die eventuelle Zusammenarbeit zwischen Pendergast, Constance und Coldmoon im 20. Band habe ich mich sehr gefreut, denn zusammen könnten sie ein tolles Team sein. „Bloodless – Grab des Verderbens“ hat meine Hoffnung leider gnadenlos zerschlagen und mich noch enttäuschter – zum Teil auch verärgerter – zurückgelassen als der 18. Band „Grave – Verse der Toten“.

 

Der Vampir von Savannah

 

Special Agent Aloysius Pendergast, sein Mündel Constance und der FBI-Agent Coldmoon werden nach Savannah gebracht, um dort eine Mordserie aufzuklären. Ein eiskalter Mörder sucht sich scheinbar wahllos Leute aus und saugt ihnen an einer Stelle am Bein das gesamte Blut aus dem Körper, was ihn oder ihr den Namen „Der Vampir von Savannah“ einbringt. An den Tatorten werden keine Hinweise auf den Täter gefunden. Doch bei Nachforschungen über die letzten Tage eines der Opfer erhalten sie endlich eine Spur, eine Verbindung zu einer Flugzeug-Entführung aus dem Jahr 1971 und zu einer Frau, die unter einem falschen Namen lebt. Und dann wird allmählich deutlich, dass wahrscheinlich kein Mensch diese Morde verursacht haben könnte…

 

Zurück zu den Wurzeln

 

Wer alle Bücher der Pendergast-Reihe kennt, erinnert sich wohl noch an den 1. Band „Relic – Museum der Angst“ und den 2. Band „Attic – Gefahr aus der Tiefe“. Dabei hat das Autorenduo Preston/Child eine Auflösung präsentiert, die scheinbar absolut unrealistisch ist, aber durch ihre detaillierten wissenschaftlichen Erklärungen richtig realistisch erschien, sodass aus diesen beiden Bänden regelrechte Wissenschafts-Horror-Thriller wurden, die mir sehr gefallen haben. Allgemein gibt es immer wieder einen Pendergast-Band, der ein etwas ungewöhnliches Thema oder Auflösung des Falles hat – was den Geschichten nie schadete, weil die beiden Autoren ihre Ideen immer spannend und recht plausibel umgesetzt haben. Und u. a. das macht diese Thriller zu etwas Besonderem. Mit „Bloodless – Grab des Verderbens“ kehren Douglas Preston und Lincoln Child zum Teil zu ihren Wurzeln zurück. Alte, etwas abgewandelte Themen werden neu aufgewärmt, aber deutlich kürzer, flacher und unrealistischer dargestellt. Spoiler: „Nicht nur trifft man hier auf Monster, nein, sogar ein Paralleluniversum mit Monstern und eine Zeitreisemaschine fanden ihren Weg in diese Geschichte.“ Ich würde sagen, das toppt bisher wirklich jede Auflösung.

Im Großen und Ganzen finde ich, dass noch nie ein Pendergast-Roman so flach, vorhersehbar, langweilig und unrealistisch gewesen ist. Mal von der Handlung und der Auflösung abgesehen, wird nach dem gleichen Schema wie immer vorgegangen, was u. a. Nebenhandlungen und Charaktere betrifft. Und leider scheint den Charakteren auch einiges an „Leben“ bzw. Tiefgründigkeit zu fehlen. Aloysius Pendergast wird wie immer als brilliant beschrieben, nur leider passiert nicht wirklich etwas, um das auch zu merken. Sein gewohnter Stil scheint hier verloren zu sein, denn er wirkt ziemlich flach und leblos. Was leider auch auf Constance und Coldmoon zutrifft. Und Seiten werden mit Belanglosigkeiten gefüllt.

Ich wünschte, es könnte jetzt an Kritik reichen, aber das Ende muss ich leider auch noch kommentieren. Pendergast und Constance – zwischen diesen beiden Charakteren herrscht seit einigen Bänden deutlich eine Spannung, ein Konflikt, der auf die eine oder andere Weise irgendwann mal gelöst werden musste. Mit „Bloodless“ schaffen sie es, sich dieser problematischen Situation zu entziehen. Und dieses Ende hat mich erst richtig verärgert gestimmt.

 

Informationen sind wie Elektrizität. Sie lassen das Licht leuchten, das uns erlaubt, den Weg vor uns zu erkennen.“
„Wer hat das gesagt?“, fragte Constance.
„Ich.“

(S. 235 „Bloodless – Grab des Verderbens“ von Douglas Preston und Lincoln Child, Knaur Verlag)

 

Positiv zu erwähnen ist, dass manchmal tatsächlich noch ein Stückchen des früher gewohnten Stils durchflackert, wie z. B. manchmal Humor. Ansonsten ist das Beste, was ich über „Bloodless“ schreiben kann, dass das Cover wirklich gelungen ist.

 

Fazit:

Leider ist „Bloodless – Grab des Verderbens“ von Douglas Preston und Lincoln Child (20. Band) für mich in mehreren Punkten zu einer totalen Enttäuschung geworden. Noch bei „Grave – Verse der Toten“ tat es mir unendlich leid, nur 3 Sterne vergeben zu können. Bei „Bloodless“ bin ich regelrecht von der Story verärgert und unglücklich und zweifle mittlerweile daran, dass das Autorenduo zum gewohnten großartigen Stil zurückfindet. Wirklich schade.

 

Vielen Dank an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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