Rezension: „Das Heer des Weißen Drachen“ von Anthony Ryan

  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Action
  • Schreibstil
4.5

Information

Titel: Das Heer des Weißen Drachen
Autor: Anthony Ryan
Verlag: Klett-Cotta
Erscheinungsdatum: 22. September 2018
Seiten: 699
Erzählort: Arradsia, Feros, Corvus, Südpol
Erzähldatum: —–
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Draconis-Memoria-Reihe: 2. Band
Genre: Fantasy
Englischer Originaltitel: The Legion of Flame
ISBN: 978-3-608-94975-9

Inhalt:

Jahrhundertelang sind Drachen gejagt und ausgebeutet worden, um an ihr Blut zu gelangen, welches in leicht veränderter Form ein wertvolles Produkt ist und den Blutgesegneten übernatürliche Kräfte verleiht. Doch als die Drachen immer schwächer geworden sind, hat das Handelssyndikat eine Gruppe Langgewehre in das unerforschte Landesinnere von Arradsia auf eine Expedition gesandt, um eine neue Blutquelle zu finden – mit katastrophalen Folgen.

Ein Albtraum, der nicht aufzuhalten ist. Denn bei der fehlgeschlagenen Expedition erwacht der legendäre Weiße Drache aus seinem Jahrtausende währenden Schlaf. Gemeinsam mit einer Armee aus Drachen und Verderbten, welche seine Befehle bedingungslos befolgen, plant er die Menschheit zu vernichten.

Meine Meinung:

Das Heer des Weißen Drachen“ ist die Fortsetzung von „Das Erwachen des Feuers“ von Anthony Ryan und knüpft direkt an die letzten Geschehnisse des ersten Bandes an. Ich habe lange und sehnsüchtig auf die Fortsetzung gewartet, um herauszufinden, wie das Abenteuer weitergeht. Anthony Ryan hat es auch dieses Mal geschafft, mich durch einen beeindruckenden, monumentalen und anspruchsvollen Weltenbau, einer bildgewaltigen und abenteuerlichen Story sowie interessanten Charakteren zu beeindrucken. Allerdings empfehle ich dringend vorher den ersten Band zu lesen. In „Das Heer des Weißen Drachen“ wird man in eine Handlung und Welt versetzt, die wirklich sehr umfassend und extrem vielschichtig ist. Zudem sind beide Bücher ziemlich „dicke Wälzer“, sodass man sich hier also auf eine lange, aber faszinierende, aufregende und sehr spektakuläre Reise durch eine Highfantasy-Welt begibt. Die einzelnen Zusammenhänge werden im ersten Band sehr gut geschildert, was das Lesen des zweiten Bandes ungemein erleichtert und dann auch mehr Spaß macht beim Lesen! Außerdem gibt es hier auch nicht viele Wiederholungen oder Erklärungen.

Es gibt insgesamt drei Handlungsstränge und vier Perspektiven, aus denen man die Geschichte in der personalen Erzählweise erfährt – nämlich aus der Sicht von Lizanne, Clay, Hilemore und Sirus. Während die scheinbar skrupellose Spionin und Blutgesegnete Lizanne Lethrigde wieder den Spuren des verrückten Tüftlers und seiner geheimnisvollen Apparatur bis hin in das meist gefürchtetste Gefängnis des corvantinischen Kaiserreiches folgt, begeben sich Kapitän Hilemore, der Blutgesegnete Clay mit den Langgewehren und einem Teil der Mannschaft des Schiffes Gute Gelegenheit auf eine Reise in das ewige Eis im Süden. Von beiden Wegen erhoffen sie sich, eine Möglichkeit zu finden, den Weißen Drachen aufzuhalten.

Hier werden wir also die Welt retten, Mr. Torcreek“, sagte Hilemore.

(S. 237, „Das Heer des Weißen Drachen“, Anthony Ryan, Klett-Cotta)

Viele der Charaktere kannte ich bereits aus „Das Erwachen des Feuers“, in welchem ausschließlich aus der Sicht von Lizanne, Hilemore und Clay erzählt worden ist. Es hat mich unglaublich gefreut, die Charaktere wiederzusehen. Im zweiten Band kommt Sirus‘ Perspektive noch hinzu. Durch ihn erfährt man, wie der Plan des Weißen Drachen voranschreitet und wie Verderbte denken und handeln – das hat definitiv einige gruselige Momente zu der Geschichte beigetragen.

Auch wenn ich die Charaktere mag, so kann ich die Wut des Weißen Drachen und seinen unbändigen Wunsch, all die Ungerechtigkeit, die den Drachen widerfahren ist, durch die Vernichtung der Menschheit sehr gut nachvollziehen. Mir tun die Drachen in dieser Reihe immer leid. Vielleicht wird es ja für beide Seiten noch eine zufriedenstellende Entwicklung geben.

Ich fand die Handlung um alle Charaktere durchgängig spannend. Der Autor überrascht wieder mit tollen und atemberaubenden Ideen, Geheimnissen, actionreichen, relativ brutalen und bildgewaltigen Geschehnissen, viel Zerstörung und vielen zu bestehenden Gefahren, dass eigentlich keine Langeweile aufkommen kann. Wie es allerdings bei einem zweiten Teil so ist, wird die Geschichte zwar vorangetrieben, aber dadurch kommen wir der Lösung des Konflikts nicht besonders nahe, denn es wird noch einen 3. Teil geben. Ab und zu fand ich die Story doch relativ langatmig. Hier reiht sich oftmals eine aufwendige Kampf- bzw. Fluchtszene an die nächste. Das schafft zwar Nervenkitzel, aber ich fand es manchmal zu viel – als würde es gar kein Ende geben. Einige Fragen werden gelöst, dafür tauchen umso mehr wieder auf.

Eine auf Beweise gestützte Schlussfolgerung nicht zu akzeptieren ist zutiefst irrational und ein Zeichen für geistige Instabilität.“

(S. 307, „Das Heer des Weißen Drachen, Anthony Ryan, Klett-Cotta)

Aber wie schon erwähnt: Der Schreibstil ist wieder einmal klasse! Und jedes Kapitel endet mit einem nervenaufreibenden Cliffhanger – was die Spannung schön steigert, da man auch dem Ausgang der einzelnen Ereignisse entgegenfiebert. Ich freue mich auf jeden Fall auf den dritten Band.

Fazit:

Bei der Draconis-Memoria-Reihe lässt man sich auf eine aufregende, umfangreiche und abenteuerliche Reise voller Wunder ein. Bis auf einige kleine Längen hat mir auch der zweite Band sehr gut gefallen.

Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar!

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