Rezension: „Das Imperium aus Asche“ von Anthony Ryan, (3. Band)

Das Imperium aus Asche
  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Action
4.2

Information

Titel: Das Imperium aus Asche
Autor: Anthony Ryan
Verlag: Klett-Cotta
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2019
Seiten: 688
Erzählort: Varestia, Arradsia
Erzähldatum: gleich nach „Das Heer des Weißen Drachen“
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: The Empire of Ashes
Draconis-Memoria-Reihe: 3. Band
ISBN: 978-3-608-94976-6

Inhalt:

Einer zerstörerischen Flutwelle gleich überrennt ein Heer aus willenlosen Drachen und Verderbten einen Ort auf der Welt nach dem anderen. Angeführt und kontrolliert werden sie vom Weißen Drachen, dem mächtigsten Drachen der Welt, der nach Rache sinnt und die Menschheit vernichten will. Der Kampf scheint aussichtslos – doch es gibt noch einen Funken Hoffnung: Ein uraltes Wissen, welches den Weißen aufhalten könnte. Die blutgesegnete Agentin Lizanne Lethridge, der Blutgesegnete und ehemalige Dieb Claydon Torcreek und der Kapitän Corrick Hilemore versuchen die Welt zu retten, während diese in Flammen aufgeht.

Meine Meinung:

Mit „Das Imperium aus Asche“, dem letzten Band der Draconis-Memoria-Reihe von Anthony Ryan, geht eine eindrucksvolle Highfantasy-Reihe zu Ende und somit auch eine lange und abenteuerliche Reise. Ich habe sehr ungeduldig auf das Finale gewartet, da ich endlich wissen wollte, wie das alles für diese Welt und die Charaktere ausgehen wird. Der dritte Band ist wirklich richtig gut, denn alle Charaktere kommen nochmal zu einem letzten großen und epischen Kampf zusammen….und der Abschied fällt mir sehr schwer – aber wie auch in den vorherigen Bänden gibt es leider einige Punkte, die mir nicht so gut gefallen haben.

Das Ende einer Welt?

„Wir alle fühlen uns schuldig“, sagte Arberus. „Wenn die Geschichte dieser Krise jemals aufgeschrieben wird, dann könnte sie >Das schuldige Zeitalter< genannt werden. Die Unternehmen, das Kaiserreich…die Revolution. Kein Mensch hat mehr saubere Hände. Vielleicht ist es deshalb an uns, die Welt zu retten.“

(S. 578 des eBooks „Das Imperium aus Asche“ von Anthony Ryan, Klett-Cotta Verlag)

 

Die Story knüpft direkt an das Ende des zweiten Bandes an – endlich, denn der Cliffhanger von „Das Heer des Weißen Drachen“ war schon heftig und hat mich kribbelig zurückgelassen. Es wird wieder aus der Sicht der blutgesegnetin Agentin Lizanne Lethridge, dem Blutgesegneten und ehemaligen Dieb Claydon Torcreek, dem Kapitän Corrick Hilemore und dem Verderbten und mittlerweile General Sirus Akiv Kapazin erzählt. Somit gibt es auch wieder mehrere Handlungsstränge, denn die Charaktere versuchen an verschiedenen Orten der Welt diese zu retten bzw. etwas zum Lauf der Geschichte beizutragen. Während Lizanne versucht, das Wissen des Tüftlers zu „entschlüsseln“ und Vorbereitungen trifft, um Varestia kriegsbereit gegen die Invasion der Verderbten und Drachen zu machen, und Sirus als General der Verderbten-Armee des Weißen die Welt in Schutt und Asche zerlegt, begeben sich Clay, Hilemore und seine Mannschaft zurück nach Arradsia, um einen Gegenstand zu bergen, der tief in einem See liegt. Und alles läuft auf einen letzten und großen Kampf mit dem Weißen hinaus, wobei diesmal Varestia ein sehr wichtiger Spielort ist. Wie in den vorherigen Bänden ist die Handlung sehr abwechslungsreich, mit viel Action ausgestattet, es gibt viel zu entdecken, viele Kämpfe, die mich in Staunen versetzen konnten, viel Zerstörung – und es ist auch ziemlich blutig und brutal. Die Story spielt in einer Art frühem Industriezeitalter, sodass hier noch einige interessante Erfindungen zum Einsatz kommen.

Komplex, anspruchsvoll und bildgewaltig

Der monumentale Weltenbau und die Handlung der gesamten Draconis-Memoria-Reihe ist komplex und anspruchsvoll. Es gibt so viele Namen, Ereignisse und Kleinigkeiten zu merken. Mittlerweile ist ca. ein Jahr vergangen seit ich den zweiten Band gelesen habe, und somit konnte ich mich nicht an alles erinnern, was mir den Einstieg in „Das Imperium aus Asche“ sehr schwierig gemacht hatte. Leider finden sich im dritten Band auch wenig Wiederholungen aus den vorherigen Bänden, die mir geholfen hätten schneller wieder in die Geschichte zu finden – bei einem solch gewaltigen Werk wäre das wirklich schön gewesen.

Kombination aus Dystopie und Fantasy?

„Also, wie willst du uns aus einem Alptraum befreien, der von einem Wesen erschaffen wurde, das unsere Gedanken lesen kann?“

(S. 302 des eBooks „Das Imperium aus Asche“ von Anthony Ryan, Klett-Cotta Verlag)

 

In „Das Imperium aus Asche“ hat Anthony Ryan eine tolle und schaurige Weltuntergangs-Stimmung erschaffen, welche die Spannung in die Höhe schraubte. Ich war während des Lesens ziemlich ungeduldig, weil ich endlich wissen musste, wie das alles ausgehen wird für die Charaktere und diese Welt. Außerdem zieht sich die Geschichte hin und wieder zu sehr, weshalb man Durchhaltevermögen beweisen muss. So viele Fragen, die mir keine Ruhe ließen. Wird es dem Weißen Drachen gelingen, die Welt zu zerstören? Oder werden Lizanne, Hilemore und Clay die Welt retten können? Wird Sirus doch noch seine Menschlichkeit wiederfinden? Wird es am Ende einen Verlust geben, der mir das Herz zerreißen könnte? Und: Wenn die Welt gerettet werden würde, würden sich die Menschen bezüglich der Drachen endlich ändern?

Eine Menge Action, zu wenig Emotionen

„Einen fairen Kampf gibt es nicht, hatte einer von Lizannes Lehrern ihr vor Jahren einmal gesagt. Nur den Kampf, den du gewinnst, und den, den du verlierst.“

(S. 469 des eBooks „Das Imperium aus Asche“ von Anthony Ryan, Klett-Cotta Verlag)

 

Ich mag alle Bände der Draconis-Memoria-Reihe wirklich richtig gerne. Aber es gibt hier auch immer wieder die Punkte, die es nicht für mich zu einem Highlight werden lassen. Dazu gehört leider, dass hier Emotionen fast komplett fehlen und es einen scheinbar endlosen Kampf nach dem anderen gibt. Es gibt im dritten Band so viele Szenen, die es geschafft hätten mich emotional mitzureißen, wenn der Autor sich etwas Zeit gelassen hätte diese Gefühle mehr auszubauen, näher zu beschreiben, damit auch der Leser es besser nachempfinden kann. Stattdessen wurden Gefühle zum Beispiel in traurigen oder hoffnungsvollen Szenen nur kurz erwähnt – wenn überhaupt – und dann ging es schnell weiter. Das hat dafür gesorgt, dass mir die Charaktere distanziert und zum Teil manchmal auch oberflächlich vorkamen. Ihnen widerfahren sehr schlimme Dinge, ihnen wird das Herz gebrochen – und sie fühlen kaum etwas bis nichts? „Das Imperium aus Asche“ ist ein richtig dicker Wälzer – und wahrscheinlich wäre es noch umfangreicher geworden, wenn den Charakteren mehr Gefühl gegeben worden wäre…aber es ist genau das, was ich hier so sehr vermisst habe und wofür ich sehr gerne noch einige Hundert Seiten (oder auch Tausend ^^) gelesen hätte.

Da das Emotionale fehlt, wird die Story in einem größtenteils sachlichen und nüchternen Stil erzählt. Das ließ alles – besonders die rasanten und actionreichen Kämpfe, sowohl an Land als auch auf See und in der Luft – so erscheinen, als würde ich einen umfangreichen, strategischen und distanzierten Bericht über einen zerstörerischen Krieg lesen, in dem es ziemlich brutal, blutig und auch eklig wird. Die Spannung blieb zwar erhalten, wurde aber auch wegen dieser emotionslosen Sachlichkeit gedämpft….und dadurch, dass es so viele, so lange Kämpfe gibt, die scheinbar kein Ende nehmen wollen. Das war für mich ein wenig zu viel des Guten.

„Was ist der Geist, wenn nicht ein Mittel, um den Körper zu kontrollieren?, fragte Bastler.“

(S. 41 des eBooks „Das Imperium aus Asche“ von Anthony Ryan, Klett-Cotta Verlag)

 

Ein letzter und epischer Kampf

Dennoch konnte mich der dritte Band sehr gut unterhalten und bildet einen würdigen Abschluss der Reihe, von der ich nur schwer Abschied nehmen kann. So viele Geheimnisse werden gelüftet und Fragen beantwortet. Das Ende ist wirklich richtig gut, aber auch dramatisch im Hinblick auf einige Charaktere, sodass mir dann doch das Herz schwer werden konnte. Die Handlungsstränge haben mir alle gefallen und laufen am Ende wunderbar zusammen. Ich werde die Charaktere vermissen: u.a. den mutigen, pflichtbewussten und rechtschaffenen Kapitän Corrick Hilemore, die recht skrupellose blutgesegnete Agentin Lizanne Lethridge, den Blutgesegneten, tapferen und ehemaligen Dieb Claydon Torcreek und den nachdenklichen Verderbtengeneral Sirus Akiv Kapazin. Von allen Charakteren wies ausgerechnet Sirus in dieser Story am meisten Gefühl auf und ist mir nähergekommen, ja hat mir sogar richtig gut gefallen und konnte mich tatsächlich recht emotional mitreißen. Als Verderbter ist er unfrei an Geist und Körper – er muss den Befehlen des Weißen folgen. Er muss richtig schlimme und alptraumhafte Dinge tun, die ihn ein Leben lang nicht mehr loslassen würden. Aber er kämpft dagegen an – versucht es zumindest – und macht eine mitreißende Entwicklung durch. Doch kann man wirklich aus einem Alptraum entkommen? Und welchen Preis fordert es?

Fazit:

Würdiger Abschluss einer eindrucksvollen Highfantasy-Reihe. Es gibt eine Menge an rasanten, actionreichen und epischen Kämpfen (etwas zu viel davon), viel Zerstörung, viel Strategie und beeindruckende Erfindungen, Abenteuer, Drachen, eine schaurige Atmosphäre und eine Weltuntergangs-Stimmung. Leider fehlten hier zu sehr Emotionen. Aber ich habe die Charaktere gerne auf diese gefahrvolle und abenteuerliche Reise durch eine Welt begleitet, wo es so viel zu entdecken gibt. Der Abschied fällt schwer!

Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Draconis-Memoria-Reihe:

  1. Das Erwachen des Feuers“ (1. Band)
  2. Das Heer des Weißen Drachen“ (2. Band)
  3. „Das Imperium aus Asche“ (3. Band)

 

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