Rezension: „Das neunte Haus“ von Leigh Bardugo, (1. Band)

Das neunte Haus
  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Action
3

Information

Titel: Das neunte Haus
Autor: Leigh Bardugo
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 3. Februar 2020
Seiten: 528
Erzählort: New Haven (Connecticut in USA)
Erzähldatum: heutige Zeit
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Ninth House
Alex Stern – Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-426-22717-6

Inhalt:

Acht mächtige Studenten-Verbindungen beherrschen nicht nur den Campus der Elite-Universität Yale, sondern nehmen seit Generationen Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der USA – das neunte Haus jedoch überwacht die Einhaltung der Regeln. Denn die Macht der Verbindungen beruht auf uralter, dunkler Magie: So können die Mitglieder der »Skull & Bones« die Börsenkurse aus den Eingeweiden lebender Opfer vorhersagen, während Haus Aurelian durch Blutmagie Einfluss auf das geschriebene Wort nehmen kann – ebenso hilfreich für Juristen wie für Bestseller-Autoren …

Als auf dem Campus von Yale eine Studentin brutal ermordet wird, sind die Fähigkeiten der Außenseiterin Alex Stern gefragt, die eben erst vom neunten Haus rekrutiert wurde: Nur Alex ist es auch ohne den Einsatz gefährlicher Magie möglich, die Geister der Toten zu sehen. Um eine Verschwörung aufzudecken, die weit über 100 Jahre zurückreicht, muss Alex ihre Fähigkeiten bis aufs Äußerste ausreizen.

(Klappentext des Verlags)

Meine Meinung:

Von Leigh Bardugo kannte ich bereits ihre Geschichten, die in der Grisha-Welt spielen, und diese finde ich richtig großartig. „Das neunte Haus“ von Leigh Bardugo ist eine recht düstere Mystery-Geschichte, die diesmal in unserer realen Welt angesiedelt ist, nämlich in New Haven im Bundesstaat Connecticut in USA. Ich war ein bisschen hin- und hergerissen, ob ich den Roman lesen möchte oder nicht, da ich nicht so gerne Fantasy-Bücher lese, die in unserer realen Welt spielen. Schlussendlich hat mir der Klappentext gefallen und ich konnte nicht widerstehen, denn die Hoffnung und Neugierde auf eine weitere Geschichte mit Leigh Bardugos genialem Stil Charaktere, Handlungen, Welten und Magie zu erschaffen war doch zu groß. Leider ist „Das neunte Haus“ der erste Roman von der Autorin, der mich nicht wirklich überzeugen konnte.

Geister, Dämonen, Rituale und Magie

„Jetzt war Frühling. Aber die Probleme hatten in einer Nacht mitten im tiefsten Winter begonnen, als Tara Hutchins gestorben war und als Alex immer noch geglaubt hatte, dass sie vielleicht mit allem davonkommen würde.“

(S. 12 des eBooks „Das neunte Haus“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

New Haven ist eine Stadt, in der Magie möglich ist. An der Elite-Universität Yale, die sich in New Haven befindet, sind einige Studenten zu acht großen Häusern zusammengeschlossen. Niemand Außenstehendes weiß etwas von diesen mächtigen Studenten-Verbindungen oder davon, was sie machen. Ihre Macht basiert auf dunkler Magie, die sie u.a. durch gefährliche Rituale ausüben und wobei jedes Haus andere Rituale hat und eine andere Magie wirken kann. So gibt es z. B. die „Skull and Bones“, welche Menschen entführen, um sie aufzuschneiden und aus ihren Eingeweiden die Börsenkurse vorhersehen zu können. Oder die „Scroll and Key“ mit ihrer Portalmagie. Die „Manuscripts“ mit ihrer Magie, andere täuschen zu können. „Aurelian“ mit ihrer Magie, Wörter binden zu können. Und noch einige andere. Lethe ist das neunte Haus und dazu bestimmt, für Ordnung zu sorgen, über die anderen Häuser zu wachen, darauf zu achten, dass diese sich an die Vorschriften halten und dass bei den Ritualen nichts schief geht. Denn die Rituale sind gefährlich, da dadurch Geister oder etwas Schlimmeres vom hinter dem Schleier (eine Art Grenze zwischen der realen Welt und dem Jenseits) in unsere Welt gelangen könnte.

Protagonistin in „Das neunte Haus“ ist Alex Stern, aus größtenteils deren Sicht man die Handlung in der Form des personalen Erzählers erfährt. Alex hat eine schreckliche und brutale Vergangenheit hinter sich. In ihrem Leben ist viel schief gelaufen, u.a. deshalb, weil sie die Fähigkeit hat Geister sehen zu können. Das Haus Lethe hat sie aufgrund ihrer außergewöhnlichen und besonderen Gabe rekrutiert, da sie diese für ihre Rituale benötigen und die anderen Mitglieder, wenn sie Geister sehen wollen, ein Elixier einnehmen müssten, welches sie umbringen könnte. Mit dem Studienplatz an der Universität Yale und der Arbeit für das Haus Lethe hat Alex endlich einen Ausweg aus ihrem bisherigen grauenvollen Leben gefunden und versucht alles, sich etwas Neues aufzubauen. In New Haven wird sie von ihrem Mentor Darlington in die Aufgaben und die Geheimnisse des Hauses Lethe eingeführt. Doch als Darlington plötzlich verschwindet, ein Mädchen namens Tara Hutchins auf dem Campusgelände brutal ermordet aufgefunden wird und beide Taten auf mindestens eines der acht Häuser hinweist, kommen eine ganze Menge Probleme auf Alex zu.

„Sind wir denn keine Ritter?“, platzte es aus Alex heraus. „Was ist mit >Wir sind die Hirten< und alldem?“

(S. 347 des eBooks „Das neunte Haus“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

 

Zwei Handlungen

Eine ganze Zeit lang gibt es zwei Handlungen, die parallel erzählt werden. Die eine Handlung spielt im Winter und wird aus Alex‘ Sicht erzählt. Darlington, auch bekannt als „der Gentleman von Lethe“, ist spurlos verschwunden, wahrscheinlich gefangen in einer anderen Welt, und die Häuser machen sich für das in wenigen Wochen stattfindende Neumondritual bereit, wodurch Darlington zurückgeholt werden soll. Währenddessen wird die grausam ermordete Tara Hutchins auf dem Campusgelände gefunden und Alex beginnt inoffiziell in dem Mordfall zu ermitteln, da sie eine Verbindung zu den Häusern sieht. Doch jemand versucht u.a. mit Mordanschlägen ihre Ermittlungen zu vereiteln. Die andere Handlung spielt im Herbst zuvor und wird aus der Sicht von Darlington erzählt, der versucht Alex auf die Gefahren ihrer Aufgabe als „Hüter“ vorzubereiten und wodurch man noch einiges über ihn erfährt, nämlich dass er auch nicht gerade die schönste Vergangenheit hat.

Positives und Negatives

Da ich sonst immer von jedem Buch von Leigh Bardugo absolut begeistert und überwältigt gewesen bin, fällt mir die Bewertung ihres neuen Fantasy-Romans „Das neunte Haus“ umso schwerer, da ich hier nur 3 Sterne vergeben konnte. Obwohl die Idee, die hinter allem steckt, mir wirklich sehr gut gefallen hat, konnte mich die Umsetzung hier leider einfach nicht überzeugen. Die Story beginnt mit einem sehr vielversprechenden Prolog, der im Vorfrühling nach dem Winter spielt, in dem Alex in dem Mordfall ermittelt, und zeigt, dass irgendetwas ganz Schreckliches passiert sein muss. Danach gibt es abwechselnde Sprünge zwischen „Winter“ und „dem Herbst zuvor“, wodurch man nach und nach an die Szene aus dem Prolog herangeführt wird. Für mich war es größtenteils ein anstrengender, mühseliger und nerviger Weg, da die Story alles unnötig ausgedehnt hat, mich verwirren konnte und einfach keine Spannung aufkommen wollte. Ich hatte das Gefühl, dass irgendwie nichts passierte, dass die Handlung einen Schubs benötigt, damit es endlich losgeht. Und wenn sich dann endlich Spannung aufbaute, so flaute diese auch ziemlich schnell wieder ab. Die Seiten zogen sich dahin, es wurden haufenweise Begriffe über die Häuser, ihre Magie und Rituale, Namen, geschichtliche Daten und Ereignisse der Stadt New Haven in die Handlung geworfen, ohne eine richtig einleuchtende Erklärung, sodass ich z. B. die Häuser, die Magie und die Menschen mit ihren richtigen Namen und ihren „Bezeichnungen“ anfangs gar nicht auseinanderhalten konnte. Für mich blieb alles ziemlich vage, undurchsichtig und verwirrend, sodass sich bei mir absolut kein Lesefluss einstellen wollte. Hinzu kommt noch, dass es deutlich zu viel um Drogen und Gewalt ging.

Leider konnte mich nicht nur die Story nicht mitreißen, sondern auch zu den Charakteren fand ich keinen Bezug. Sie haben Kleinigkeiten, wodurch sie zu großartigen Charakteren hätten werden können, mit denen ich hätte mitfiebern können, die mich hätten mitreißen können. Ich hätte gerne noch mehr über die Charaktere erfahren, um sie näher kennen zu lernen, mehr über ihre Gedanken und Gefühle zu erfahren – denn ich mag die gefährliche und mutige Alex, den besserwisserischen Gentleman Darlington und die etwas konfuse und einfallsreiche Dawes. Aber auf mich wirkten sie zu unausgearbeitet, als würde ihnen Leben fehlen, als wäre hier ihr Potenzial nicht wirklich ausgeschöpft worden, sodass sie größtenteils oberflächlich und konturlos erscheinen und es ihnen an Lebhaftigkeit fehlt. Und das tut mir hier wirklich leid. Ebenso erging es mir mit den wenig aussagekräftigen Dialogen.

Um genauer zu sein: Mir fehlte in „Das neunte Haus“ Leigh Bardugos phänomenaler Stil großartige Charakterzeichnungen zu vollbringen, heftige und atemberaubende Handlungen und Wendungen, düstere Atmosphären, herzzerreißende Ereignisse, ein Schreibstil, der mich zwingt weiterzulesen, geschickte und humorvolle Dialoge….und die Lebhaftigkeit, die sie allem zusammen verleiht.

Aber „Das neunte Haus“ hat auch positive Dinge. Zum Beispiel die einfallsreichen Ideen, die Kombination aus Thriller, Krimi, Mystery und Fantasy-Roman. Die düstere Atmosphäre hat mir auch gefallen. Besonders mochte ich jedoch das Haus „Il Bastone“, da es anscheinend „am Leben“ ist und noch dazu eine sehr interessante Bibliothek hat. Und auf den letzten hundert Seiten kommt dann doch noch etwas Spannung zusammen, kein spektakulärer Showdown, aber doch eindrucksvoll und mit einer unerwarteten Auflösung. Es bleibt eine Aufgabe übrig und ich denke, dass der zweite Band wahrscheinlich besser werden wird.

Fazit:

Mit „Das neunte Haus“ hat Leigh Bardugo eine tolle Idee gehabt…und es hätte auch etwas Gutes daraus werden können – mich konnte die Umsetzung leider nicht überzeugen. Es gibt Kleinigkeiten, die mir gefallen haben, aber insgesamt hat sich die Story leider stark gezogen, kaum Spannungsaufbau, eine vage und verwirrende Story, oberflächliche Charaktere und auch von Leigh Bardugos sonst großartigem Schreibstil merkt man hier wenig. Auf den letzten hundert Seiten kommt dann doch noch etwas Spannung hinzu und die Hoffnung, dass der zweite Band besser werden wird.

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!

2 Gedanken zu „Rezension: „Das neunte Haus“ von Leigh Bardugo, (1. Band)

  1. Hallo Kristin,
    ich habe schon einiges über dieses Buch gelesen und hatte überlegt ob es etwas für mich wäre. Deine Rezension lässt mich immer noch etwas schwanken. Sie ist sehr ausführlich und mir gefällt wie du sie geschrieben hast, trotzdem werde ich wohl nochmal darüber nachdenken müssen ob ich das Buch lesen möchte oder nicht.
    Liebe Grüße
    Diana

    1. Liebe Diana,

      vielen Dank für deine Nachricht! Leider bin ich erst jetzt zum Antworten gekommen 🙁

      Es ist eine schwierige Entscheidung – war mir anfangs auch nicht sicher, ob ich es lesen möchte oder nicht. Hab es dann aber doch getan, weil ich sonst alle Bücher von Leigh Bardugo regelrecht verschlungen habe. ^^ Da konnte mich „Das neunte Haus“ leider recht enttäuschen. Aber es hat ja auch positive Aspekte 🙂

      Falls du es lesen wirst, bin ich gespannt auf deine Meinung!

      Viele Grüße
      Kristin

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