Rezension: „Das Lied der Krähen“ von Leigh Bardugo

  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Action
  • Schreibstil
5

Information

Titel: Das Lied der Krähen
Autor: Leigh Bardugo
Verlag: Knaur Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 2. Oktober 2017
Seiten: 592
Erzählort: Ketterdam, Fjerda
Erzähldatum: —–
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Krähen-Reihe: 1. Band
Genre: Fantasy
Englischer Originaltitel: Six of Crows
ISBN:

978-3-426-65443-9

 

Inhalt:

Kaz Brekker ist einer der gefürchtesten Meisterdiebe der Hafenstadt Ketterdam –  und ihm ist kein Auftrag zu schmutzig oder zu schwierig. Er plant eine unmögliche und gefährliche Mission, die ihn aber unendlich reich machen könnte: Die Befreiung eines Magiers aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt. Doch für diesen Auftrag braucht er die richtige Mannschaft – eine, die bereit ist das größte Risiko ihres Lebens einzugehen, dafür jedoch einen unglaublichen Preis zu erhalten.

Ein Dieb mit der Begabung, aus jeder Falle zu entkommen.
Eine Spionin, die nur das „Phantom“ genannt wird.
Ein Verurteilter mit einem unstillbaren Verlangen nach Rache.
Eine Magierin, die ihre Kräfte nutzt, um in den Slums zu überleben.
Ein Scharfschütze, der keiner Waffe widerstehen kann.
Ein Ausreißer aus gutem Hause mit einem Händchen für Sprengstoff.

Jeder von dem Team aus sechs Außenseitern wird von einem eigenen Motiv angetrieben, hat ein dunkles Geheimnis, dass er vor den anderen zu verbergen versucht, eine Vergangenheit, die schwer auf jedem lastet. Sie sind bereit, diese Mission zu erfüllen – und müssen bald herausfinden, dass hinter dem Auftrag mehr steckt, als sie gedacht haben.

Meine Meinung:

Es gibt nicht genug Worte bzw. passende Worte, die auch nur angemessen beschreiben könnten, wie begeistert ich von „Das Lied der Krähen“ von Leigh Bardugo bin. Tatsächlich wurde ich hier total überwältigt, habe ich doch nicht mit einer so großartigen Story und derart genialen Charakteren gerechnet, die mich in jeder Sekunde haben mitfiebern lassen. Leigh Bardugo gibt in ihrem ersten Band ein Tempo vor, dem man nicht widerstehen kann. Hat der Klappentext mein Herz vor Vorfreude schon höher schlagen lassen, so hatte ich dennoch nicht damit gerechnet, was da alles auf mich zukommen wird.  Eine unmögliche Mission? Tödliche Gefahren zu bestehen? Niemand kann das schaffen? Unberechenbare Charaktere? „Das Lied der Krähen“ von Leigh Bardugo ist mehr als etwas ganz Besonderes – es sprengt mit einem riesigen Knall jegliche Vorstellung davon, auf was man sich hier einlässt. Es ist fulminant, mitreißend, außergewöhnlich und vollkommen großartig; gehört zu der Art von phänomenalen Fantasy-Romanen, die einen von der ersten bis zur letzten Seite gnadenlos nicht mehr loslassen, dabei noch eine unfassbare Faszination ausstrahlen und mitfiebern lassen. Es ist eine exzellente Portion an unerwarteten Wendungen, Nervenkitzel, Emotionen und Action vorhanden, aber auch an Humor fehlt es ganz und gar nicht! Denn ich konnte wirklich ziemlich oft über einige Dialoge und Sticheleien zwischen den Charakteren schmunzeln. Ich bin absolut sprachlos und beeindruckt von der lebendigen Welt, der spektakulären Story, dem bildhaften und wunderschönen Schreibstil und diesen unvergleichbaren und genialen Charakteren. Von dieser Geschichte bekommt man einfach nicht genug und wünscht sich, dass sie einfach weitergehen würde – ich liebe dieses Buch!

Leigh Bardugo führt den Leser in eine Fantasy-Welt, welche an den Anfang unserer Industriezeit erinnert mit einer dunklen Atmosphäre, und lässt die Handlung in einer düsteren, schmutzigen, gefährlichen und vor Leben und Grausamkeit pulsierenden Hafenstadt namens Ketterdam auf der Insel Kerch beginnen. Mir hat es richtig gut gefallen, wie lebhaft und realistisch sie Ketterdam beschrieben hat, als ob man sich selbst dort befinden würde, eine Stadt mit vielen verwinkelten und dunklen Gassen, verborgenen Durchgängen und Verstecken, ein wichtiger Handelspunkt, wobei jeder ausschließlich an das Geldverdienen denkt und an jeder Ecke Verbrechen, Morde, Betrügereien und Diebstähle begangen werden. Eine Stadt, in welcher Geld und Macht eine große Rolle spielen. Im Elendsviertel, der schlimmste Ort, den man sich vorstellen kann und an dem man keine Schwäche zeigen sollte, auch Barrel genannt, gibt es u.a. viele Spielhallen, Gasthäuser und andere Möglichkeiten, die genutzt werden, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen – alles betrieben von verbrecherischen und rivalisierenden Banden. So z.B. den Dregs, zu denen der Meisterdieb Kaz Brekker gehört.

Ich bin ein Geschäftsmann“, hatte er zu ihr gesagt. „Nicht mehr, nicht weniger.“
„Du bist ein Dieb, Kaz.“
„Habe ich das nicht gerade gesagt?“

(S. 37, Das Lied der Krähen, Leigh Bardugo, Knaur)

Das, was dieses Buch neben der grandiosen Story jedoch einzigartig macht, sind die Charaktere, ein ganz absolutes Highlight, denn die sechs Außenseiter/ Krähen sind einfach unglaublich, unvergleichlich, schlagfertig und einfallsreich – und zusammen ein richtig gutes Team. Sie ärgern sich zwar gegenseitig, ziehen sich auf – wodurch einige amüsante Szenen eingebunden worden sind -, aber sie helfen einander, sie kämpfen gemeinsam für ihre Träume und Ziele. Zwar mochte ich alle Teammitglieder außerordentlich gerne, dennoch hat Kaz Brekker mich doch am meisten beeindrucken können.

Kaz lehnte sich zurück. „Was ist der einfachste Weg, einem Mann die Brieftasche zu rauben?“
„Messer durch die Kehle?“, fragte Inej.
„Pistole im Rücken?“, mutmaßte Jesper.
„Gift im Becher?“, schlug Nina vor.
„Ihr seid alle abscheulich“, sagte Matthias.
Kaz verdrehte die Augen. „Der einfachste Weg, einem Mann die Brieftasche zu rauben, ist, ihm zu sagen, dass man seine Uhr klauen wird.“

(S. 168, „Das Lied der Krähen“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

Kaz Brekker, auch Dirtyhands genannt, ist ein rücksichtsloser, gerissener und scharfsinniger Dieb, ein Genie, wenn es um die Ausarbeitung eines Plans geht, der sich im Elendsviertel hochgearbeitet hat und u.a. durch seine Skrupellosigkeit zu einer Legende des Barrels geworden ist. Er sorgt für imposante Überraschungen, in dem er aus scheinbar vollkommen ausweglosen Situationen dennoch einen Weg hinausfindet, wo andere längst nicht mehr weiterwissen.
Inej ist eine Spionin, auch das Phantom genannt, die für Kaz Geheimnisse herausfindet und Informationen sammelt. Für sie ist keine Mauer zu steil und auch kein Dach zu hoch zum Hochklettern.
Jesper ist ein äußerst ruheloser, unbekümmerter und waghalsiger Scharfschütze, der keinem Glücksspiel widerstehen kann und sich nur mitten im Kampf wirklich wohlfühlt.
Nina ist eine selbstsichere Magierin, die definitiv um kein Wort verlegen ist.
Matthias ist ein grimmiger verurteilter und ehemaliger Soldat, dem Ehre vor alles geht.
Wylan ist unsicher und oftmals schüchtern, aber ein unerkanntes Supergenie, wenn es um den Umgang mit Chemie und Sprengstoff geht.

Jedes Kapitel wird aus der Sicht jeweils von einem der sechs Krähen erzählt und beinahe alle haben einen nervenaufreibenden Cliffhanger. Mir haben die äußerst spannenden Nebenhandlungen, die Leigh Bardugo genau richtig eingebunden hat, extrem gut gefallen. Dadurch erfährt man mehr über die einzelnen Charaktere, lernt sie immer besser kennen und versteht, warum sie so handeln wie sie es tun. Denn jeder von ihnen hat ein dunkles Geheimnis, eine dramatische und grausame Vergangenheit, die schwer auf ihm lastet – Wunden, die niemals heilen. Sie treten diese unmögliche Mission an, weil jeder sich davon etwas verspricht, wie z.B. Freiheit und den unstillbaren Wunsch nach Rache endlich zu erfüllen. Die Hintergründe von Kaz, Inej, Nina, Jesper, Matthias und Wylan sind wirklich absolut fesselnd und herzzerreißend, oftmals auch schaurig und sehr tragisch. Das wird alles so genial erzählt, dass ich mit den Charakteren ausnahmslos mitgelitten habe. Sie alle haben ihre Fehler, aber auch Stärken, welche sie einsetzen, um den Job zu erledigen.

 

Normalerweise lese ich hauptsächlich eBooks, aber hier konnte ich dem gebundenen Band nicht widerstehen. Die Aufmachung ist sehr imposant, besonders einzigartig durch die Umrandung, die hier dunkel ist, und nicht hell. Außerdem gibt es vorne eine richtig schöne Weltkarte und hinten eine detaillierte Karte des Eistribunals, sodass man sich ein besseres Bild von allem machen kann.

Den Ereignissen in „Das Lied der Krähen“ kann man mehr als gespannt folgen, alles geschieht Schlag auf Schlag bis hin zu einem phänomenalen Showdown – und einem erschütterndem Cliffhanger, der das Warten auf den nächsten Band unerträglich macht. Es ist hundertprozentig eine Geschichte, bei der man nicht aufhören kann weiterzulesen, aber dann darüber unendlich traurig ist, wenn sie zu Ende ist.

Fazit:

„Das Lied der Krähen“ ist eines meiner Lieblingsbücher geworden. Ich finde Leigh Bardugos Schreibstil exzellent, wie sie damit alles in ein realistisches Bild setzt und lebendig werden lässt. Und ich liebe diese genialen Charaktere, die Spannung, die durch die fulminante und außergewöhnliche Handlung geschaffen wird. Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte das dringend nachholen!

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