Rezension: „Headhunt – Feldzug der Rache“ von Douglas Preston und Lincoln Child

  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Action
4

Information

Titel: Headhunt – Feldzug der Rache
Autor: Douglas Preston, Lincoln Child
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 3. Dezember 2018
Seiten: 400
Erzählort: New York (USA)
Erzähldatum: Dezember/ Januar, wenige Wochen nach „Obsidian“
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Pendergast-Reihe: 17. Band
Genre: Thriller
Englischer Originaltitel: City of Endless Night
ISBN:

978-3-426-65426-2

Inhalt:

Auf einem verlassenen Grundstück wird die enthauptete Leiche eines Mädchens gefunden. Kurz darauf geschehen weitere Morde, wobei jedes Mal der Kopf der Leiche fehlt und der Serienmörder keine Spuren hinterlässt. Die Opfer scheinen nur drei Dinge gemeinsam zu haben: Geld, Macht und Skrupellosigkeit. Könnte das Motiv Rache sein?

Lieutenant Vincent D’Agosta vom NYPD und Special Agent Aloysius Pendergast vom FBI müssen den Fall lösen, der sie vor ein schwieriges Rätsel stellt und ganz New York in Aufruhr versetzt. Jede noch so kleine Spur erweist sich als Sackgasse. Doch allmählich wird Pendergast klar, dass der Mörder von einem ganz anderem Motiv angetrieben wird als alle denken.

Meine Meinung:

Lange ist es her, aber ich habe mich wirklich darauf gefreut, dass Pendergast und D’Agosta wieder in einem Fall zusammenarbeiten – nach so langer Zeit hatte ich doch angefangen, das zu vermissen. Der 17. Band der Pendergast-Reihe „Headhunt – Feldzug der Rache“ von Douglas Preston und Lincoln Child spielt in New York und setzt wenige Wochen nach den Geschehnissen aus „Obsidian – Kammer des Bösen“ ein. Man kann den Band ohne Vorkenntnisse aus den anderen Bänden gut lesen, denn die Mordserie ist hier ein Einzelfall, der nicht auf vorherige Fälle aufgebaut ist. Allerdings bezüglich der Figurenkonstellation macht es definitiv mehr Spaß, wenn man die Vorkenntnisse hat, da man u.a. dann auch besser versteht, warum Pendergast diesmal etwas anders ist als sonst.

In „Headhunt – Feldzug der Rache“ wird die enthauptete Leiche eines reichen Mädchens im Hinterhof einer verlassenen Werkstatt aufgefunden. Das Motiv ist unklar, aber auch, warum der Mörder 24 Stunden nach dem Mord an den Tatort zurückgekehrt ist, um den Kopf von der Leiche abzutrennen. Kurz darauf geschehen weitere ziemlich blutige Morde, bei denen jedes Mal das Opfer enthauptet wird. Zu allem Übel hinterlässt der Serienkiller auch keine Spuren an den Tatorten. Der Fall kommt also nicht voran und D’Agosta, der die Ermittlungen leitet, steht unter enormen Druck, da auch New York allmählich in Aufruhr gelangt wegen der ungelösten Morde. Was Pendergast betrifft, so kann man ihn hier tatsächlich recht verändert erleben, auch wenn er doch bald mit sehr viel Mühe fast vollkommen zu seiner „alten“ Form zurückfindet. Er hat nur äußerst ungern den Fall mitübernommen, ist gelangweilt, manchmal verunsichert, nicht ganz auf der Höhe und gedanklich abwesend, sodass er sich nicht wirklich auf die Ermittlungen konzentrieren kann. Im Hinblick auf Constance und den letzten Fall ist das eine interessante Entwicklung, da man Pendergast sonst als einen Charakter kennt, der beinahe unerschütterlich ist und keine Gefühle zeigt. Ich bin gespannt, wie seine Veränderung sich schließlich auf ihn und Constance auswirken wird.

Der 17. Band lässt mich mit einer gespaltenen Meinung zurück, denn es gibt nicht nur einige positive, sondern auch einige negative Punkte. Aber ich fange mal mit den schlechten Nachrichten an.

Im Vergleich zu den vorherigen Bänden fällt „Headhunt“ nicht nur deutlich kürzer aus als erwartet, sondern auch recht schwach umgesetzt was die Story betrifft. Und in diesem Sinne geht es auch weiter. Das Autorenduo hält sich nicht großartig mit der Beschreibung der Polizeiarbeit am Tatort auf, die Massenhysterie in New York fällt auch ziemlich kurz aus, Pendergasts Glanzauftritte sind eher selten. Es kam mir vielmehr so vor, als wollten Douglas Preston und Lincoln Child mal eben schnell irgendeine Story zusammenschreiben, die an die früheren Bücher nicht nah heranreicht, somit leider nicht genug Spannung erschafft. Da hat leider der übliche Stil bzw. Intensität der beiden für spektakuläre Ereignisse und nervenaufreibende Wendungen stark gelitten.

Andererseits bietet „Headhunt“ aber auch viele positive Aspekte, welche meine 4-Sterne-Bewertung definitiv rechtfertigen. Obwohl die Story jetzt nicht so spannend ist wie erhofft, war sie für mich doch so unterhaltsam, dass die Seiten ziemlich schnell dahin flogen, da es nichts gab, was die Geschichte langatmig gemacht hätte. Zudem fand ich gut, dass der Täter schwer zu identifizieren ist und dass noch einige Überraschungen am Ende warten.

Auch wenn Pendergasts Beteiligung nicht ganz so herausragend ist wie üblich, so punktet das Buch auf jeden Fall trotzdem mit seiner Anwesenheit, seiner Veränderung und dass er wieder mit D’Agosta ermittelt. Ich lese diese Buchreihe nicht nur unheimlich gerne, weil ich den Schreibstil und die Aufmachung mag sowie die ungewöhnlichen und bizarren Morde spannend finde, sondern auch wegen der Charaktere, allem voran der exzentrische FBI-Agent Aloysius Pendergast.

Und dann ist da natürlich der richtig spannende Showdown, welcher der Handlung einen ordentlichen Schubs gibt und somit endlich an die vorherigen Bände heranreicht. Pendergast wird in seinem derzeitig unkonzentrierten Zustand in eine Patt-Situation gebracht und steht einem Gegner gegenüber, den er vielleicht diesmal nicht besiegen kann. Der Showdown war für mich Nervenkitzel pur und hat mir richtig gut gefallen.

Fazit:

„Headhunt“ ist in vielen Punkten schwächer als die vorherigen Bände der Pendergast-Reihe. Aber dennoch nicht langatmig, sondern recht unterhaltsam – der Showdown ein spektakuläres Ereignis, welches den gewohnten Nervenkitzel wieder hervorruft und das Buch wie einen echten „Pendergast-Roman“ erscheinen lässt. Ich bin neugierig, was im 18. Band passieren wird.

Vielen Dank an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!

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