Rezension: „Der Weg in die Schatten“ von Brent Weeks, (1. Band)

Der Weg in die Schatten
  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Action
  • Schreibstil
4.5

Information

Titel: Der Weg in die Schatten
Autor: Brent Weeks
Verlag: Blanvalet (Random House)
Erscheinungsdatum: 7. Dezember 2009
Seiten: 704
Erzählort: Cenaria
Erzähldatum: ——————
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: The Way of Shadows
Nachtengel – Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-442-26628-9

Inhalt:

„Vergeltung, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.“ (S. 396)

Für den Gassenjungen Azoth ist jeder Tag geprägt von den Schrecken auf den Straßen Cenarias, lähmender Angst, quälendem Hunger, Schmerz und Armut. Und wenn er keinen Ausweg findet, werden diese Dinge seinen Tod bedeuten. Doch dann offenbart sich ihm eine Chance: Durzo Blint ist ein Blutjunge, jemand, der in den Schatten lebt, einer der gefährlichsten und gefürchtetsten Auftragsmörder, die es gibt. Azoth möchte Blints Lehrling werden, um so zu werden wie der Blutjunge. Doch der Weg dorthin fordert einen unermesslich hohen Preis.

Meine Meinung:

Auf der Suche nach weiteren tollen Fantasy-Romanen bin ich schließlich auf „Der Weg in die Schatten“, den ersten Band der „Nachtengel – Reihe“ von Brent Weeks, aufmerksam geworden. Der Klappentext hat mich einfach nicht mehr losgelassen – ich war sehr gespannt darauf, wie eine Geschichte sein wird, in welcher die Protagonisten tatsächlich Auftragsmörder sind. Und, nun ja, nach einem anfänglichen „Hin und Her“ zwischen spannend und langatmig und dann einer längeren und recht zähen langatmigen Strecke, erreichte die Story schließlich mit beeindruckenden, actionreichen und vollkommen unerwarteten Wendungen eine hervorragende und atemlose Spannung, die kaum Pausen mehr bereithielt und mich nicht selten fassungslos werden ließ.

„Wenn ich sage, töte, dann tötest du. Nicht morgen, nicht fünf Tage später. Du tötest in dieser Sekunde. Ohne Zögern. Ohne Zweifel. Ohne Bedenken.“

(S. 68 des eBooks „Der Weg in die Schatten“ von Brent Weeks, Blanvalet)

Der Weg in die Schatten

Die Story, die aus der Sicht von verschiedenen Charakteren erzählt wird, spielt in der Stadt Cenaria, die geteilt ist in die reicheren Gegenden, wo z. B. Adlige leben, und die ärmeren Gegenden, wo sich u. a. das Labyrinth befindet, einzelne Gilden sich bekämpfen und sich ein täglicher Kampf des Überlebens abspielt. Hier lebt die „Unterwelt“, zu der Betrüger, Diebe, Sklavenhändler, Schmuggler, Mörder und andere Verbrecher gehören, beherrscht von den mächtigen Sa’kage, die ihre Machenschaften sogar auf die gesamte Stadt und die Regierung erstrecken. Azoth ist ein Gassenjunge und ein Mitglied einer gewalttätigen Gilde, welche von ihm in bestimmten Abständen Geld fordert, was er mühselig beschaffen muss, wenn er nicht bestraft werden möchte. Er lebt in Armut, kennt unerträglichen Hunger, Angst und Schmerz – und würde irgendwann daran zugrunde gehen. Doch sein sehnlichster Wunsch, endlich keine Angst mehr zu haben und sich an denen, die ihm und seinen Freunden Leid angetan haben, zu rächen, lässt ihn durchhalten. Deshalb will er unbedingt bei Durzo Blint, dem legendären Blutjungen, einem gefürchteten und gefährlichen Auftragsmörder mit magischen Fähigkeiten, in die Lehre gehen und genau so werden wie Blint. Doch der Weg in die Schatten wird jeden für immer verändern, einen Weg zurück gibt es nicht und der Preis für dieses Leben ist hoch. Azoth ändert seine Identität und wird zu Kylar, der offiziell ein armer Adeliger ist, inoffiziell eine harte Ausbildung bei Blint zum Blutjungen durchläuft, wobei ihm alles übers Kämpfen, Waffen, Giftmischen etc. beigebracht wird.

„Hoffnung sind die Lügen, die wir uns in Bezug auf die Zukunft erzählen.“

(S. 117 des eBooks „Der Weg in die Schatten“ von Brent Weeks, Blanvalet)

Komplexe Story, facettenreiche Charaktere

Neben Kylars Weg in die Schatten ist die Story voller Machtspiele, Intrigen, Verrat, Kämpfe und einem drohenden Krieg mit dem nördlichen Nachbarland Khalidor. Die Geschichte und Welt ist in einigen Dingen ziemlich düster, erschreckend grausam, sehr gut vorstellbar und heftig im Hinblick auf Brutalität, dem Leben auf der Straße, den Morden, dem Missbrauch von Kindern und der Sklaverei. Ich fand die Handlung anfangs abwechselnd spannend, grauenerregend oder langatmig, bis es dann wirklich langatmig wurde und einige Szenen mich abschrecken konnten. Ich kam nicht so gut klar mit der Welt, den vielen Begriffen und Namen, die mich durcheinander brachten, und vieles verstand ich anfangs nicht so gut, obwohl ich dem Schreibstil größtenteils gut folgen konnte. Aber irgendwann erreichte ich in „Der Weg in die Schatten“ die Stelle, welche die Story einfach genial und komplex machte und sich die Ereignisse so unglaublich überschlugen und zusammenfügten, dass ich von einem Staunen ins nächste geriet und ich nicht anders konnte, als immer weiterzulesen. Bei der Handlung und den Charakteren ist oftmals nichts so, wie es erst scheint, denn jeder hat seine Geheimnisse und die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen, was alles sehr interessant macht – alles kann passieren, alles kann sich ändern. Ich konnte gar nicht auf all das gefasst sein, was hier passiert, denn Brent Weeks erschafft undenkbare Möglichkeiten, Charaktere voller Konflikte und unglaublichen Entwicklungen, Wendungen, die ich für unmöglich gehalten hätte und mich immer wieder aufs Neue schocken konnten. Mir wurde ganz schwindelig vor Spannung, Herzklopfen und Fassungslosigkeit!

„Leben ist leer. Leben ist bedeutungslos. Wenn wir ein Leben nehmen, nehmen wir nichts von Wert.“

(S. 141 des eBooks „Der Weg in die Schatten“ von Brent Weeks, Blanvalet)

Ich liebe facettenreiche Charaktere – und von denen findet man hier so einige. Am meisten hat mir jedoch Durzo Blint gefallen, denn er ist wirklich beeindruckend. Er ist ein selbstbewusster, furchtloser und gefährlicher Auftragsmörder, eine Legende, vor der die meisten sich fürchten und Respekt haben. Der Außenwelt zeigt er seine gefühllose, kämpferische, böse und unbarmherzige Seite, ist davon überzeugt, ein schlechter Mensch zu sein und denkt, dass Leben leer und bedeutungslos ist. Und solange er und andere das glauben, solange kann man ihn nicht durch einen Menschen, der ihm vielleicht wichtig ist, erpressen. Ihn umgibt ein tragisches Geheimnis, dem man langsam auf die Spur kommt. Doch es gibt immer wieder Ereignisse, die erkennen lassen, dass er noch eine andere Seite hat, die er versucht vor der Welt zu verstecken. Für Kylar (Azoth) wird er zu einem strengen Lehrer, aber auch zu einer Art Vater.

Kylar (Azoth) macht im Laufe der Geschichte eine starke Veränderung durch, und damit meine ich nicht nur, dass er lernt zu kämpfen wie ein Blutjunge. Seine Persönlichkeit, seine Ansichten scheinen sich zu ändern, er wird mutiger und selbstbewusster.

Weitere wichtige und starke Charaktere sind noch die kühl kalkulierende und pragmatische Momma K, die ihre Gefühle auch versucht zu verstecken, und auch der ehrenvolle und integre Logan Gyre. Ganz so viel will ich über die Charaktere jetzt nicht verraten, da sie viel mit der Spannung zu tun haben.

Der Showdown hat es echt in sich – wirklich richtig gut mit einem total nervenaufreibenden und gemeinen Cliffhanger! Zum Glück habe ich die Fortsetzung bereits, sodass ich sofort weiterlesen kann.

Fazit:

Der erste Band der „Nachtengel – Reihe“ konnte mich wirklich richtig gut unterhalten – nun ja, sogar schocken und fassungslos machen. Anfangs ist die Story mal hier und da spannend, dann wieder langatmig, dann mal länger langatmig – bis sie plötzlich mit all ihren komplexen und vielen Möglichkeiten zu einem rasanten, actionreichen und recht emotionalen Ereignis wird. Mir hat „Der Weg in die Schatten“ so gut gefallen, dass ich unbedingt den nächsten Band lesen muss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.