Rezension: „Four dead Queens“ von Astrid Scholte

Four Dead Queens
  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Action
  • Schreibstil
4.2

Information

Titel: Four dead Queens
Autor: Astrid Scholte
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 2. März  2020
Seiten: 448
Erzählort: Quadara
Erzähldatum: —————
Erzählperspektive:  Ich-Erzähler und Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Four dead Queens
Reihe: ————————
ISBN: 978-3-492-28171-3

Inhalt:

Keralie ist eine der besten Diebinnen vom Quadrant Toria in Quadara – und immer auf der Suche nach mehr Reichtum und mehr Aufträgen, mit denen sie glänzen kann. Eines Tages soll sie in Concord, der Hauptstadt Quadaras und Sitz der Regierung, dem Boten Varin Erinnerungschips stehlen, um diese beliebte Ware auf dem Schwarzmarkt gewinnbringend verkaufen zu können. Doch als Keralie herausfinden muss, dass auf den Chips die Ermordung der vier Quadara regierenden Königinnen aufgezeichnet worden ist, ändert sich für sie alles. Gegen ihren Willen und nichtsahnend werden Keralie und Varin in eine blutige Verschwörung gezogen und versuchen gemeinsam, den Täter aufzudecken und seine Pläne zu verhindern. Aber hinter diesem Rätsel liegt eine grausame Wahrheit, mit welcher sie niemals gerechnet hätten…

Meine Meinung:

„Four dead Queens“ von Astrid Scholte ist ein Fantasy-Thriller, an dem ich einfach nicht vorbeikommen konnte. Erstmal ist das mysteriöse Cover schon ein wahrer Blickfang, doch der Klappentext und ganz besonders die Sätze auf dem Cover („Eine Verschwörung – Zwei Gejagte – Drei Tage, um den Mörder zu finden“) haben meine Neugierde wecken können. Ich dachte, dass es ausschließlich ein Fantasy-Roman wäre, die Story entwickelt sich aber letztendlich auch zu einem Science-Fiction mit Thriller-Elementen, der mich in vielerlei Hinsicht überraschen konnte. Hier geht es um Intrigen, Schwarzmärkte, grausame und merkwürdige Regeln, der Aufklärung eines Mordes – und auch um Gefühle. Da es ein Debütroman und noch dazu ein Einzelband ist, in dem eine so komplex ausgebaute Welt dargestellt wird, finde ich die Geschichte absolut erstaunlich. Allerdings haben einige Kleinigkeiten gefehlt, um zu einem Buchhighlight zu werden.

Eine Verschwörung, vier Morde, ein unterdrückendes System, eine Diebin und ein Bote

Die Handlung von „Four dead Queens“ erfährt man zum einen aus der Sicht der Diebin Keralie in Form des Ich-Erzählers, zum anderen aus der Sicht der vier Königinnen der einzelnen Quadranten von Quadara in Form des personalen Erzählers. Dadurch unterteilt sich die Handlung in verschiedene und zusammenhängende Handlungsstränge, durch welche man bereits auf den ersten Seiten viel über diese Welt erfährt und gleichzeitig in der Geschichte vorangebracht wird. Die Story beginnt in Concord, der Hauptstadt von Quadara. Keralie ist eine der besten Diebinnen vom Quadranten Toria und arbeitet sozusagen für Mackiel, der die gestohlenen Dinge in seinem Auktionshaus verkauft. Eines Tages soll sie für ihn Erinnerungschips von dem Boten Varin stehlen. Doch als sie herausfinden muss, dass auf den Chips die Ermordung der vier Königinnen von Quadara aufgezeichnet worden ist, werden sie und Varin in eine blutige Verschwörung gezogen. Und viel Zeit bleibt ihnen nicht, um den Täter aufzudecken, der ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint, und dessen Pläne zu verhindern, bevor etwas Schlimmes passiert. Oder ist es vielleicht schon passiert? Und auch jede der vier Königinnen hat ein Geheimnis, welches vielleicht für alles entscheidend sein könnte…

Die Welt von „Four dead Queens“

Astrid Scholte hat hier eine sehr bizarre und komplexe Welt erschaffen, die recht gewöhnungsbedürftig ist und ich so bisher noch nie gesehen habe. Quadara ist ein riesiges Gebiet, das in vier Quadranten (Toria, Eonia, Archia und Ludia) unterteilt ist, wobei jeder Quadrant eine ganz bestimmte Aufgabe hat und durch eine Mauer, welche den Frieden zwischen den Quadranten sicherstellen soll, von den anderen getrennt ist. Toria ist für die Importe und Exporte zwischen den Quadranten zuständig. Ludia steht für Mode, Kunst und Unterhaltung. Die ländliche Insel Archia sorgt für die Landwirtschaft und natürliche Ressourcen. Das verschneite und im Norden liegende Eonia kümmert sich um die Entwicklung von Technologien und Medizin. Ich fand Eonia definitiv am faszinierendsten und am grausamsten, wodurch in der Story von der Autorin so einige Ereignisse eingebaut werden, die mir nicht nur einen kalten Schauer verursachten, sondern auch das Herz schwer machten. Jeder Quadrant hat eine eigene Lebensart und strenge Regeln, die eingehalten werden müssen, wie z. B. dass Archia keine Maschinen für die Landwirtschaft einsetzen darf. Die Hauptstadt Concord ist der Mittelpunkt von Quadara, Treffpunkt aller Völker und Regierungssitz der vier Königinnen, die dort im Palast gemeinsam leben, aber jede getrennt für sich ihren Quadranten regiert. Das sind interessante Ideen, die auch unterhaltsam und gut anschaulich dargestellt werden – ungewöhnlich ist jedoch, dass die Königinnen ziemlich merkwürdige Regeln haben. Eine davon ist, dass sie den Palast niemals verlassen dürfen.

Gleich zu Anfang des Buches findet man als erstes eine wirklich schöne Karte Quadaras, danach die Regeln der Königinnen, erst dann geht es mit der Geschichte los. Ich muss sagen, ich habe die ersten Regeln gründlich gelesen, dann jedoch nur noch überflogen und konnte mich später nicht mehr richtig daran erinnern. Das macht jedoch nichts, denn jedes Kapitel, das aus der Sicht von einer der Königinnen erzählt wird, hat eine der Regeln zu Anfang jedes Kapitels. Und im Buch gibt es auch nochmal ein Verzeichnis zum Nachschlagen.

Was mir gefallen hat – und was weniger gut gewesen ist

„Als er von seiner Kunst gesprochen hatte, hatte ich kurz den Jungen gesehen, der mehr als dieses Leben wollte. Aber ohne Hoffnung war er zermürbt worden, alles Kämpferische in ihm ausgelöscht. Erzogen zur Gleichgültigkeit, erzogen dazu, nichts zu wollen. Auch wenn ich das Gefühl kannte, erschöpft zu sein und wütend über das eigene Schicksal, hatte es mich angetrieben, während sich Varin davon zu Asche hatte verbrennen lassen.“

(S. 149 des eBooks „Four dead Queens“ von Astrid Scholte, Piper Verlag)

Was mir nicht gefallen hat, beschränkt sich tatsächlich darauf, dass die Geschichte vom Anfang bis zur Mitte des Buches zwar unterhaltsam und interessant gewesen ist (denn diese Welt mit ihren Regeln ist schon ziemlich extrem und einzigartig), aber es wollte sich zuerst keine Spannung aufbauen. Die Szenen haben sich zum Teil gezogen, den Charakteren fehlte an Leben und ich fand zu ihnen einfach keinen Draht. Ab Mitte des Buches wurde es jedoch immer besser – und auch die Charaktere entwickelten sich in eine spannende Richtung. Und ab der Mitte habe ich das Buch dann auch regelrecht verschlungen! Keralie kam mir anfangs nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht vor, doch im Laufe der Zeit erfährt man ihr Geheimnis und auch, dass sich hinter ihrer selbstsüchtigen Fassade eine wirklich tolle Protagonistin verbirgt. Der selbstlose, verständnisvolle und loyale Varin wirkte auf mich ziemlich oberflächlich, doch auch er erhält immer mehr Tiefe, hat ein grausames und ergreifendes Geheimnis, das einem das Herz brechen kann.

Ich mag Astrid Scholtes flüssigen und bewegenden Schreibstil, der mich problemlos der Geschichte folgen ließ. Die Ideen mit den Erinnerungschips fand ich auch wirklich gut. Doch was mich absolut packen konnte: Die Autorin schafft es immer wieder in die Irre zu führen, mit einem Puzzlestück etwas zu beweisen, um dies mit einem weiteren wieder zu widerlegen. Es hat mir Spaß gemacht, mitzurätseln, hatte einige Charaktere als Mörder in Verdacht…. – Doch diese geniale und vollkommen unerwartete Auflösung ist einfach phänomenal gewesen! Und am Ende bleibt kein Konflikt ungelöst, keine Frage unbeantwortet.

Fazit:

Ein Fantasy-Thriller mit Science-Fiction-Elementen und einer unglaublich komplexen und bizarren Welt. Anfangs hat sich alles bezüglich der Story und der Charaktere stark gezogen, jedoch ab Mitte des Buches konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen!

 

Vielen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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