Rezension: „The Ocean Wind’s Desire“ von Roberta Altmann und Judith L. Bestgen, (1. Band)

Above All Else
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Schreibstil
4.4

Information

Titel: The Ocean Wind’s Desire
Autor: Roberta Altmann und Judith L. Bestgen
Verlag: ——————
Erscheinungsdatum: 3. Juni 2020
Seiten: 130
Erzählort: Karibik
Erzähldatum: 1705
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: The Ocean Wind’s Desire
Above All Else – Reihe: 1. Band
ISBN: 9783739498171

Inhalt:

1705: Piratencaptain David Callahan liebt den Reichtum und er liebt das Spiel. Das Meer in den Adern und mehr in seinem dunklen Herzen verborgen, als die Navy zugeben mag, spielt er mit seinen Gegnern und genießt es, seinen Ruf immer weiter in das Gewand eines Monsters zu kleiden. Sein durchtriebener Instinkt sagt ihm, wann ein Risiko zu hoch ist und wann er gewinnen wird. Doch eines Tages spielt ihm seine Gier einen Streich. Nicht mehr länger sein Untertan verführt sie ihn zu einem Fehler, der ihn beinahe den Kragen kostet. Er gewinnt den Kampf, aber die ganze Schlacht scheint für ihn aussichtslos, als er einen Gefangenen nimmt, der zu wichtig für die Krone ist, und ihm auf einmal die gefährlichsten Männer der Navy in die Quere kommen.

Meine Meinung:

„The Ocean Wind’s Desire“ von Roberta Altmann und Judith L. Bestgen ist der erste Band der mehrteiligen Reihe „Above All Else“ und bietet eine Fantasy-Piraten-Geschichte, die in unserer realen Vergangenheit im Jahre 1705 spielt. Von dem Klappentext an sich war ich schon ganz angetan, vor allem aber auch, weil ich die Kombination aus Fantasy, Piraten und historischem Schauplatz interessant finde und da ich bisher Piraten entweder nur aus Filmen kannte oder auch aus Büchern, in denen sie leider aber keine größere Bedeutung erlangten. Mit 130 Seiten bildet die Story eine längere Kurzgeschichte, die mich ganz wunderbar unterhalten konnte und meine Neugierde auf weitere Bände definitiv entfacht hat.

 

Ein Piratenkapitän, ein britischer Offizier und ein dunkles, magisches Geheimnis

 

„Zum ersten Mal. Angst. Und sie löste in ihm etwas aus, das er bis dahin nun wirklich nicht hatte kennen können. Während er in Panik verfiel, raste sein Herz und schien zu rufen. Und tief in ihm hallte ein Takt wider, den er auf unheimliche Art kannte. Ein Echo, eines anderen Herzens.“

(S. 96 des eBooks „The Ocean Wind’s Desire“ von Roberta Altmann u. Judith L. Bestgen)

 

Die Handlung von „The Ocean Wind’s Desire“ spielt insgesamt in der Karibik im Jahre 1705, zum Teil auf Schiffen, hauptsächlich auf einer abgelegenen und unbewohnten Insel. David Callahan, dessen Ruf als gnadenloser, gefürchteter und berühmter Piratencaptain ihm weit vorauseilt, hat ein besonderes Gespür dafür, wann er ein Risiko eingehen kann und wann er es lieber bleiben lassen sollte. Doch eines Tages handelt er diesem Gespür zuwider und stürzt sich mit seiner Crew und Verbündeten in eine Seeschlacht um ein Schatzschiff – und trotz Davids ungutem Gefühl siegen sie. Doch das anfängliche Glück des Reichtums ist nicht von langer Dauer, da ihr Schiff so schwer beschädigt ist, dass die Reparatur einige Tage dauern wird und sie somit auf einer Insel festsitzen. Aber auch durch die Gefangennahme des Ersten Offiziers Gabriel Rosswell gelangen sie in noch viel größere Schwierigkeiten, als David jemals hätte erahnen können – u. a. auch eine plötzliche, ungewollte und magische Verbindung mit diesem Offizier, was sein Leben schwerer und komplizierter macht.

 

Herzstück der Story: Schreibstil und Charaktere

 

Bereits auf den ersten Seiten wird es deutlich, dass „The Ocean Wind’s Desire“ von dem beeindruckenden Schreibstil und den zwei tiefgründigen Protagonisten David und Gabriel lebt. Beides konnte mich gut fesseln, sodass der Lesefluss permanent erhalten blieb. Der Schreibstil ist detailreich, recht atmosphärisch, aber nicht so ausschweifend, dass es jemals langatmig wirken könnte. Auch mag ich den Humor, der an einigen Stellen trotz der prekären Lage gut durchflackert, gefolgt von schlagfertigen wie geschickten Äußerungen. Weniger Wert wird auf Landschaftsbeschreibungen gelegt, diese werden nur soweit es nötig ist angerissen. Was aber ganz deutlich hier heraussticht: Der Fokus liegt eben nicht nur auf dem Schreibstil an sich, sondern sehr stark auch auf den Charakteren David und Gabriel mit ihren Gefühlen und Gedanken. Die Gedankengänge und geschilderten Emotionen werden sehr mitreißend beschrieben, wodurch die jeweilige Situation der beiden Protagonisten anschaulicher und nachvollziehbarer erscheint und es leichter wird, sich in die Lage des jeweilig anderen zu versetzen und alles mit einer anderen Sichtweise und Standpunkten zu sehen. Mir hat das sehr gefallen, da sie dadurch viel an Tiefe gewinnen, ein Stück Dramatik dazukommt und die Spannung durch ihre Entwicklung und ihre Handlungen gesteigert wird. Was die Nebencharaktere betrifft, so werden diese eher weniger beleuchtet, sodass sie ihrer jeweiligen Wichtigkeit in der Story angemessen etwas blass erscheinen.

 

„Ihr verlangt Mitleid von einem Mann, dem ihr das Schiff und den Freund genommen habt, den ihr verletzt auf einem Strand gefesselt und verzaubert habt, der sich Euer Rumgejammer und Gefühlsschwankungen antun muss. Und ihr meint, all das Recht der Welt wäre auf Eurer Seite.“

(S. 122 des eBooks „The Ocean Wind’s Desire“ von Roberta Altmann u. Judith L. Bestgen)

 

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von David und Gabriel, die sich beide in einer misslichen und dramatischen Lage befinden, einen Ausweg suchen, aber damit nicht weiterkommen, denn beide drehen sich irgendwie im Kreis und keiner will den anderen in seine Karten schauen lassen. Beide Protagonisten sind definitiv interessante Charaktere. David Callahan, bekannt als gefürchteter, erfolgreicher und kaltblütiger Piratencaptain, dem scheinbar nur Ruhm und Reichtum wichtig sind, scheint hinter dieser harten Fassade durch seine „magische Fähigkeit“ doch noch einen relativ guten Kern zu haben. Beziehungsweise wirkt er zweigeteilt – seit der Begegnung und der ungewollten Verbindung mit Gabriel zerrissen zwischen verschiedenen Wünschen, Gefühlen und Verhaltensweisen, zum Teil verwirrt über seinen Zustand, dennoch vehement darauf bedacht, das bekannte Bild von ihm aufrechtzuerhalten. Für einen Piratencaptain ist er vernünftig in Bezug auf das Eingehen eines Risikos, – soweit Piraten eben vernünftig sein können – und scheinbar unerschütterlich. Und dann noch Gabriel Rosswell, dessen Gedankengänge mich emotional schon mal recht treffen konnten. Er ist ein sehr pflichtbewusster, distanzierter und loyaler Offizier, folgt der Ehre aus tiefster Überzeugung und ist absolut stoisch. Durch seine gesamte Haltung, Einstellung und Überlegungen bildet er eine ziemlich dramatische Persönlichkeit, vor allem aber ja auch, da er sich in einer besonders aussichtslosen Lage befindet.

 

Handlung und Kleinigkeiten

 

„Vielleicht suchten sie alle nach etwas Größerem, weil man am Ende ansonsten zu klein sein würde.“

(S. 49/50 des eBooks „The Ocean Wind’s Desire“ von Roberta Altmann u. Judith L. Bestgen)

 

Durch die Handlung konnte ich durchgängig unterhalten werden, diese ist vom Gewicht des Inhalts her gut auf der Seitenanzahl dargebracht. Bis auf die recht actionreiche Seeschlacht bereits am Anfang, plätschert die Story eher in einem gemäßigten Tempo dahin. Als die Handlung jedoch ziemlich an Fahrt aufnimmt und gleichzeitig noch ein weiterer und wichtiger Charakter auftaucht, ist die Geschichte leider dann auch schon zu Ende, wobei noch viele Fragen offen bleiben. Bezüglich des Bundes bin ich irritiert und nicht sicher, ob ich es wirklich verstanden habe, da es diesbezüglich nur Andeutungen, aber nichts Konkretes gibt. Und wodurch wiederum dieser Punkt recht undurchsichtig erscheint. Wie zum Beispiel, was der Bund genau zu bedeuten hat? Warum das alles David ausgerechnet jetzt und dann noch mit Gabriel passiert? Hier hätte ich mir gerne noch mehr Informationen gewünscht. Ich hoffe, dass mit der Fortsetzung da mehr Licht ins Dunkel kommt und bin sehr darauf gespannt, wie es weitergehen wird.

 

Fazit:

Längere Kurzgeschichte und spannender Auftakt einer mehrteiligen Fantasy-Piraten-Geschichte mit historischem Schauplatz. Der Schreibstil ist definitiv beeindruckend und die Charaktere tiefgründig gezeichnet. Es bleiben zwar viele Fragen offen, dadurch gibt es jedoch einen weiten Spielraum für weitere Geschichten. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

 

Vielen Dank an Roberta Altmann und Judith L. Bestgen für das Rezensionsexemplar!

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