Rezension: „Constellation – Gegen alle Sterne“ von Claudia Gray

Inhalt:

Der Planet Genesis befindet sich in einem aussichtslosen und erbitterten Krieg mit der Erde, welche gefühllose „Kampfroboter“ als Soldaten einsetzt. Um Genesis zu retten, ist Noemi entschlossen ihr Leben in einer verzweifelten Offensive zu geben. Als sie allerdings für ihre Freundin, die bei dem Testflug schwer verletzt wird, auf einem verlassenen Raumschiff nach Hilfe sucht, begegnet sie dem hochentwickelten Androiden Abel, welcher dreißig Jahre in einer Luftschleuse gefangen gewesen ist. Seine Programmierung zwingt ihn dazu, Noemi, dem ranghöchsten Menschen an Bord, zu gehorchen – und damit ihr auch den Weg zu verraten, wie sie zwar Genesis retten kann, ihn jedoch dadurch zerstören würde.

Noemi ergreift diese Chance und begibt sich zusammen mit Abel auf eine gefährliche Suche durch den Planetenring, um ein Bauteil zu finden, welches sie für die Verwirklichung des Planes benötigen. Als beide sich auf der Reise näherkommen, wird immer offensichtlicher, dass Abel nicht einfach nur ein Roboter ist – sondern eine Seele hat. Werden sie ihren Plan trotzdem in die Tat umsetzen?

Meine Meinung:

In „Constellation – Gegen alle Sterne“ wird man bereits am Anfang mitten ins Geschehen geworfen, was einen sehr imposanten und fulminanten Einstieg erschafft. Die Geschichte spielt in einer beklemmenden Zukunft, in welcher die Menschheit die Erde durch Umweltverschmutzung stark geschädigt hat, sodass sie nicht mehr lange existieren wird und u.a. deshalb andere Planeten kolonialisiert werden müssen. Um schneller durch den Weltraum zu reisen, wurden Tore erbaut. Fünf Planeten – Erde, Genesis, Kismet, Cray und Stronghold – sind durch diese Tore verbunden und bilden einen „Planetenring“. Auf jedem dieser Planeten ist das Leben anders, allerdings ist nur Genesis der Erde am ähnlichsten. Die Bewohner von Genesis, welche freiwillig den technologischen Fortschritt begrenzen, wollen den Planeten vor dem gleichen Schicksal bewahren, welches der Erde widerfährt. Ein erbarmungsloser Krieg zwischen den beiden Planeten entsteht, der zur Isolation führt. Genesis‘ einzige Chance scheint die Offensive zu sein, bei welcher das Tor zur Erde zerstört werden soll, wodurch jedoch weitere Menschenleben geopfert werden würden. Die Handlung setzt beim Testflug für die Offensive ein, wobei sie überraschend von den Kampfmechs der Erde angegriffen werden und Noemi zum ersten Mal auf den Mech Abel trifft.

Die Protagonisten Noemi und Abel haben mir ausgesprochen gut gefallen, weil Claudia Gray beiden nicht nur Tiefe verliehen, sondern sie durch das, was sie sind, zu einzigartigen Charakteren gemacht hat, mit denen man sehr gut mitfühlen und in allen Situation mitfiebern kann und welche das Buch – neben der spannenden und actionreichen Handlung – zu etwas Besonderem machen. Der Fokus der Geschichte liegt dabei größtenteils auf Noemi und Abel, aus deren Sicht die Handlung abwechselnd in der personalen Erzählperspektive geschildert wird.

Die 17-jährige Noemi Vidal, die auf Genesis aufgewachsen ist und sich als Soldatin im Krieg beteiligt, ist eine mutige, selbstlose und ungeduldige Charakterin, welche sterben würde, um ihren Planeten zu retten. Als sie noch ein Kind gewesen ist, sind ihre Eltern grausam gestorben, weshalb sie bei der Familie ihrer besten Freundin aufgenommen worden ist, zu der sie sich jedoch nie wirklich zugehörig gefühlt hat. Die Trauer und Einsamkeit lasten zwar schwer auf Noemi, aber sie gibt nicht auf, hat ein hohes Maß an Durchhaltevermögen.

Abel ist der höchstentwickelste Mech (Androide), der existiert, ein speziell konstruierter Prototyp. Seitdem die Besatzung vor dreißig Jahren das Raumschiff verlassen hat, ist er in einer der Versorgungsschleusen gefangen gewesen. Er ist stolz und selbstgefällig, zeigt aber auch Mitgefühl und Einfühlungsvermögen sowie hat er den Wunsch zu erfahren, was mit seinem „Schöpfer“ Burton Mansfield passiert ist. Der argumentative Schlagabtausch zwischen Noemi, die ihn nur für ein Stück Technologie hält, und Abel, für den Noemi eine feindliche Soldatin und sein erzwungener „Commander“ ist, sowie Abels präzise und logisch formulierte Sprache fand ich äußerst geschickt, passend und nicht selten amüsant. Doch im Laufe der Handlung merkt man auch, dass die Charaktere noch tiefgründiger werden. Die Gefühle und Gedanken der Protagonisten werden sehr gelungen und nachvollziehbar geschildert. Abel kennt einen Weg, Genesis zu retten, was aber seine Zerstörung zur Folge hätte. Er möchte am Leben bleiben, wozu er jedoch seine Programmierung, die ihm immer wieder im Weg steht, überwinden muss. Beiden Charakteren haftet etwas Dramatisches an und es ist einfach wunderbar und bewegend beschrieben, welche Entwicklung sie während ihrer abenteuerlichen und rasanten Reise durch den Planetenring durchmachen, sich dabei allmählich näher kommen, wodurch eine nicht umfangreiche, aber sehr tragische Liebesgeschichte mit eingebunden worden ist, und über sich hinauswachsen, um Probleme zu überwinden.

Constellation“ hat einen sehr angenehmen, fesselnden und bildhaften, aber nicht langatmigen Schreibstil und recht kurz gehaltene Kapitel mit vielen Perspektivwechseln. Zu dem Cover ist noch zu erwähnen: Es ist absolut wunderschön und passt hervorragend zu der Geschichte!

Dieser temporeiche und bewegende Science-Fiction ist voller Hoffnung, Trauer und Mut, Momente atemloser Spannung und des „Schocks“, wenn z. B. die Handlung eine unglaubliche und unerwartete Wendung nimmt, Verfolgungsjagden, fremden Planeten, außergewöhnlichen Charakteren, kombiniert mit einem Weltraumabenteuer und einer nicht alltäglichen Liebesgeschichte zwischen einer Soldatin und einer Maschine, in einer fernen und düsteren Zukunft. Ich hatte eine unterhaltsame Geschichte erwartet, doch „Constellation“ hat meine Erwartungen übertroffen und ist zu meinem ersten Lesehighlight in diesem Jahr geworden.

Constellation – Gegen alle Sterne“ ist der erste Band einer neuen Buchreihe – das habe ich allerdings erst zum Ende hin erfahren. Und ich freue mich, dass die Geschichte weitergeht!

Fazit:

Kann eine Maschine ihre Programmierung und eine Soldatin ihre Vorurteile überwinden? Besteht die Möglichkeit einen aussichtslosen Krieg doch noch zu beenden? „Constellation“ ist ein ganz besonderes Buch – die perfekte Mischung aus Spannung, Action, Weltraumabenteuer, zerstörischem Krieg, düsteren Zukunft und einer dramatischen Liebesgeschichte zwischen zwei außergewöhnlichen Charakteren – einer Maschine und einer Soldatin. Ein absolut großartiges Buch, welches man nicht mehr aus der Hand legen kann!

Vielen Dank an den cbj Verlag (Random House Verlagsgruppe) für dieses hervorragende Rezensionsexemplar!

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