Rezension: „Die Bestimmung“ von Veronica Roth

Inhalt:

Nach dem letzten großen und verheerenden Krieg haben sich die Bürger von Chicago in fünf zerstrittene Fraktionen aufgeteilt: Altruan (die Selbstlosen), Amite (die Friedfertigen), Ken (die Wissenden), Candor (die Freimütigen) und Ferox (die Furchtlosen). Die 16-jährige Beatrice muss sich für eine der Fraktionen entscheiden, aber als sie an dem geheimen Eignungstest teilnimmt, zeigt ihr Ergebnis, dass sie eine Unbestimmte ist, welche eine Gefahr für die gesamte Gemeinschaft darstellt.

Beatrice, die ihr Ergebnis geheim hält, schließt sich den Ferox an, bei denen sie eine schwierige und gnadenlose Aufnahmeprüfung bestehen muss, um nicht fraktionslos zu werden, wobei ihr Ausbilder Four ihr zur Seite steht. Doch dabei gerät sie mitten in einen Konflikt, und schon bald eskalieren die Streitigkeiten zwischen den Fraktionen und ein Krieg scheint unumgänglich.

Meine Meinung:

Die Bestimmung“ von Veronica Roth ist der erste Band der Bestimmungs-Reihe, auf die ich durch die Verfilmung des Buches aufmerksam geworden bin, und zeigt eine beklemmende, dystopische Zukunft, die in der Stadt Chicago spielt, welche von der Außenwelt abgeriegelt ist. Die Bevölkerung hat sich in fünf Fraktionen aufgeteilt, wobei jede sich ein bestimmtes moralisch vorbildliches Verhalten zu eigen gemacht hat bzw. versucht. Es gibt die selbstlosen Altruan, welche aufgrund ihrer Unbestechlichkeit die Regierung der Stadt bilden, die fraktionslosen mit Essen und Kleidern versorgen und die gerechte Verteilung der Waren übernehmen. Die friedfertigen und außerhalb der Stadt lebenden Amite, welche sich um die Landwirtschaft kümmern. Die wissenden Ken, welche nach Wissenschaft und Macht streben sowie mit den Altruan verfeindet sind. Die Candor, welche Unehrlichkeit verabscheuen, im Bereich des Rechts tätig sind und für welche die Wahrheit über alles steht. Und die furchtlosen und mutigen Ferox, welche für die Ordnung innerhalb und außerhalb der Stadt verantwortlich sind und Feigheit auf keinen Fall akzeptieren. Die Mitglieder der einzelnen Fraktionen passen ihre Gedanken, Handeln und Kleidung komplett ihrer Fraktion an. Daneben gibt es noch die Fraktionslosen, welche es nicht geschafft haben, sich einer Fraktion anzuschließen und in trostloser Armut und Hoffnungslosigkeit leben, und die Unbestimmten, die sich zu mehreren Fraktionen zuordnen lassen und deshalb eine Gefahr für die Gemeinschaft sind, da es den Kontrollverlust bedeuten würde.

Jedes Jahr findet für die 16-jährigen ein Eignungstest statt, der aufzeigen soll, für welche Fraktion sie sich am meisten eignen würden. Am Tag der Bestimmung müssen sie sich dann entscheiden, was für viele, wie z.B. für die Protagonistin Beatrice (Tris) nicht einfach ist, da die Entscheidung nicht rückgängig gemacht werden kann. Sie ist bei den Altruan aufgewachsen, doch schafft sie es nicht z.B. ausschließlich selbstlos zu sein, und muss erkennen, dass sie eine Unbestimmte ist, was sie versucht, geheim zu halten.

Die Geschichte ist dahingehend tiefgründig und interessant, außerdem sehr spannend und mitreißend umgesetzt. Jeder wird zur Kontrollerhaltung gedanklich in eine Richtung gezwungen, welche man so stark zu verinnerlichen hat, dass man nur noch danach handeln und leben muss. Gleichzeitig wird bewiesen, dass man nicht einfach in eine bestimmte Kategorie gezwungen werden kann, was dem Leser durch die Protagonistin Tris näher gebracht wird, aus deren Sicht die Handlung komplett in der Ich-Erzählperspektive und in Präsens erzählt wird, wodurch man ihre Gedanken und Gefühle anschaulich erfährt. Tris ist eine mutige und einfallsreiche Charakterin, die jedoch auch oft unter Selbstzweifel leidet und sich schließlich für die Ferox entscheidet, weil sie meint, noch am ehesten zu dieser Fraktion zu passen. Dort lernt sie dann den distanzierten und geheimnisvollen Four kennen, welcher ihr Ausbilder wird und mit dem sie Gemeinsamkeiten verbindet, wobei sie sich auch gut ergänzen. Zudem hilft er ihr, als Unbestimmte unentdeckt zu bleiben und es entwickelt sich zwischen beiden langsam und stetig eine etwas dramatische Liebesgeschichte, die auch nicht zu dick aufgetragen ist. Doch als Unbestimmte entdeckt werden zu können, bleibt nicht das einzige Problem, da sich ein zerstörerischer Krieg zwischen den Fraktionen anbahnt und es in der Fraktion zu verwickelten Intrigen kommt, sodass Tris und Four nicht mehr sicher sein können, wem noch zu trauen ist. Mit weiterem Fortschreiten wird die Geschichte immer tempo- und actionreicher bis hin zu einem nervenaufreibenden Showdown, der jedoch nicht die vollständige Lösung der Probleme erreicht.

Nicht selten habe ich mich auch gefragt, für welche Fraktion ich mich entschieden hätte, da Vor- und Nachteile recht ausführlich geschildert werden. Bzgl. des aufsehenerregenden Buchcovers erfährt man später noch, was es mit dem Feuer-Zeichen auf sich hat.

Das Buch „Die Bestimmung“ ist eine originelle, düstere und tragische Geschichte mit plausibler Handlung, interessanten Charakteren, der richtigen Menge an Action und einem unterhaltsamen und gut zu lesenden Schreibstil ist. Mir hat das Buch gut gefallen, und ich möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Fazit:

Düstere Zukunftsvision einer Stadt, die von der Außenwelt abgeriegelt ist. Jeder wird in eine bestimmte Fraktion gezwungen, nach dessen Muster man zu leben und zu denken hat, damit die Masse der Bevölkerung kontrolliert und beeinflusst werden kann. Doch dass so etwas nicht funktionieren kann, wird hier mitreißend und anschaulich gezeigt. Ein spannender, tempo- und actionreicher Science-Fiction-Roman und erster Band einer Trilogie!

Vielen Dank an den cbt Verlag (Random House) für das Rezensionsexemplar!

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