Gewinnspiel und Interview mit Maja Ilisch

 

 

Hallooo ihr Lieben,

die kalte Jahreszeit bricht wieder an – und genau der richtige Zeitpunkt für ein neues Gewinnspiel und Autoreninterview! 😀 Eine neue Chance, einen spannenden Fantasy-Roman gewinnen und lesen zu können. Diesmal dreht es sich um eine Heldenreise, 4 Charaktere und die Rettung ihrer Welt. Oder verfolgt vielleicht einer von ihnen ein ganz anderes Ziel? Klingt zuerst ernst, doch auch eine ordentliche Portion Humor und Heiterkeit kommen hier nicht zu kurz. Und einige Überraschungen.

 

Für euch habe ich wieder gute Nachrichten:

!!! Ihr könnt eines von zwei signierten Print-Exemplaren zu “Das gefälschte Siegel” (1. Band) von Maja Ilisch gewinnen !!!

 

 

 

Doch worum geht es eigentlich in “Das gefälschte Siegel”?

Inhalt:

Vor tausend Jahren wurde ein Erzdämon, welcher Tod und Zerstörung über das Reich Neraval brachte, von einem legendären Helden und einer mächtigen Zauberin in eine Schriftrolle gebannt. Tief in den Kellergewölben unter der Burg sollte sie von Steinernen Wächtern bewacht werden, sodass niemand in die Nähe der Schriftrolle gelangen und das Siegel brechen kann. Denn sollte dies passieren, so wäre der Dämon befreit, könnte von jedem Besitz ergreifen und das Reich in tiefe Finsternis stürzen. Ein Geheimnis, welches gehütet werden muss und nur wenigen bekannt ist.

Doch eines Tages hat es den Anschein, als wäre das Siegel gefälscht worden. Und es gibt nur eine einzige Person, die verraten kann, ob der Dämon noch in der Schriftrolle gebannt ist: Die Magierin Ililianè, welche sich weit weg im unerforschten Nebelreich Ailadredan befindet. Um das Land zu retten, begibt sich Prinz Tymur mit seinen für die Expedition zusammengestellten drei Reisegefährten auf einen gefahrvollen Weg ins Nebelreich, dem Land der Alfeyn. Zu ihnen gehören: Kevron, ein talentierter und ängstlicher Fälscher, der in Schulden ertrinkt und sein Denken oftmals vom Wein und der Faulheit beeinflussen lässt. Die Magierin Enidin, die auf alle gerne herabschaut. Lorcan, ein schweigsamer Krieger. Und der stets vergnügte und redefreudige Prinz Tymur, der ein dunkles Geheimnis hütet…

 

 

Meine Rezension: “Das gefälschte Siegel” von Maja Ilisch, (1. Band).

 

Wie ihr bei dem Gewinnspiel teilnehmen könnt, erfahrt ihr nach dem Interview.

 

 

 

1. Die Neraval-Sage handelt, kurz gefasst, von vier Menschen, die sich auf eine gefahrvolle Reise begeben, um ihr Land vor den Dämonen zu schützen. Dabei erhält man Stück für Stück mehr Einblicke in ihre Gedanken – und ihre Abgründe. Was hat Dich zu dieser Geschichte, den Charakteren und dem Weltenbau inspiriert? Erzähle bitte etwas über die Entstehung der Trilogie.

Ursprünglich – und das war schon 2005 – wollte ich eigentlich eine ganz andere Geschichte schreiben. Sie hieß »Die Welt in der Wühlkiste« und handelte von einer Buchhändlerin, die in einen Fantasyroman versetzt wird, um von da aus zu verhindern, dass ein Erzdämon in die richtige Welt entkommt, weil der Verlag die Reihe nach dem ersten Band eingestellt hatte und der Dämon darum nicht mehr im Buch selbst besiegt werden konnte. Es war eine sehr konfuse Geschichte, und sie hat auch überhaupt nicht funktioniert, angefangen damit, dass ich meine Hauptfigur, die Buchhändlerin, nicht ausstehen konnte (dass ich damals selbst arbeitslose Buchhändlerin war und keine neue Stelle fand, machte es nicht besser).
Das einzige an der Geschichte, was mir wirklich gefiel, war der Hintergrund des Romans-im-Roman, der auf der einen Seite wie die klassischste aller Fantasygeschichten daherkommen sollte, auf der anderen Seite aber neu genug, um nicht schon tausendmal dagewesen zu sein: So kam ich auf den besiegten Erzdämon, der in einer Schriftrolle gefangen ist, deren Siegel gefälscht wurde, so dass niemand sagen kann, ob der Dämon noch gefangen ist oder nicht. Ich behielt das im Hinterkopf, um vielleicht später noch mal etwas daraus zu machen, und 2010 tat ich genau das und fing an, »Das gefälschte Siegel« als eigenständigen Roman zu schreiben.
Und diesmal ging es mir gut von der Hand. Den ersten Band hatte ich in weniger als einem Jahr fertig, dann schrieb ich den zweiten erstmal vor die Wand, so dass die Reihe ein paar Jahre ruhte – in der Zwischenzeit hatte ich aber das große Glück, die Bücher an meinen absoluten Traumverlag zu verkaufen, die Hobbit Presse (denen ich fünfzehn Jahre lang immer wieder neue Manuskripte geschickt hatte, bis sie mich endlich angenommen haben). Damit ging dann die eigentliche Arbeit los, den ersten Teil habe ich im Lektorat zu weiten Teilen neu geschrieben, den zweiten auch noch mal komplett von vorne aufgezogen, und als ich den dritten schrieb, brach Covid aus, und plötzlich war nichts mehr so, wie es sollte … Aber am Ende hat es geklappt, ich habe die Trilogie fertig bekommen und bin unterm Strich doch sehr zufrieden damit.
Ich könnte noch viel, viel mehr zum Entstehen erzählen, eben weil ich insgesamt über fünfzehn Jahre an der Reihe gearbeitet habe, nur würde das hier jeden Rahmen sprengen. Aber es war eine schöne Zeit mit der Geschichte, und als ich sie endlich fertig hatte, war ich gleichermaßen erleichtert und traurig, als würde ich gute Freunde, mit denen ich viel Zeit verbracht habe, niemals wiedersehen.

 

 

2. Der Fokus liegt stark auf den Charakteren, ihren Gefühlen, Gedankengängen, Stärken, Schwächen – und Geheimnissen. Dabei entwickeln sie sich auch weiter. Kevron, ein talentierter und ängstlicher Fälscher, der seine Sorgen im Wein ertrinkt und sich von der Faulheit leiten lässt. Die Magierin Enidin, die gerne auf andere herabschaut. Der schweigsame Krieger Lorcan. Prinz Tymur, der stets vergnügt und redefreudig ist – und ein dunkles Geheimnis hütet. Ganz besonders Prinz Tymur, denn seine genauen Absichten kann weder der Leser noch er selbst wirklich erraten. Wie war es für Dich, diese Charaktere zu erschaffen? Konntest Du immer den Faden behalten?

Die erste Idee für die Figuren stammt tatsächlich noch aus der Zeit von »Die Welt in der Wühlkiste«, aber mit Leben gefüllt habe ich sie erst, als die Arbeit am »Gefälschten Siegel« anfing. Ich mache mir immer viele Gedanken über meine Figuren und die Psychologie dahinter, aber erst einmal gehe ich ohne großen Plan an sie heran, nur mit ein paar Stichpunkten zum Hintergrund – dann schreibe ich drauflos, schaue, wie sie sich verhalten, wie sie sich entwickeln, und frage mich (und sie), warum sie ticken, wie sie ticken. Ich gehöre zu den Autoren, für die ihre Figuren lebendig sind und sehr viel Eigenleben besitzen, und wenn es gut läuft, habe ich nicht viel mehr zu tun, als mit meinem Schreibzeug hinterherzudackeln und ihre Missgeschicke festzuhalten.
Ich bin gut darin, mich in Leute hineinzuversetzen. Da ich seit vielen, vielen Jahren Rollenspieler bin, habe ich Übung darin, in immer wieder neue Rollen zu schlüpfen und mich auch mit denen zu identifizieren, aber damit ich das kann, dürfen diese Figuren nicht zu perfekt sein. Ich könnte mich nicht in jemandem wiederfinden, der keine Probleme hat, und unterm Strich kann ich sagen, je verkorkster ein Charakter ist, desto besser kann ich ihn verstehen.
Deswegen ist mit Kevron mit seinen Depressionen, Angstzuständen und seiner Sucht von Anfang an sehr leicht gefallen, während ich umgekehrt mit Lorcan die größten Probleme hatte: Lorcan war so edel, so positiv, bestand darauf, einer der Guten zu sein und hielt sich selbst so nachdrücklich für fehlerfrei, dass er damit beinahe auch mich überzeugt hätte, mit dem Ergebnis, dass ich ihn unerträglich langweilig fand. Ich konnte zwar in seiner Perspektive schreiben, aber der Funke wollte nicht recht überspringen, und im Vergleich zu Kevrons Kapiteln haben sie sich ziemlich leblos angefühlt. Ein anderes Problem hatte ich mit meiner dritten Perspektivträgerin, der Magierin Enidin: Sie war mir – zumindest mir, als ich in ihrem Alter war – viel zu ähnlich, sodass ich bei ihr instinktiv auf Distanz gegangen bin und auch nicht den richtigen Draht zu ihr gefunden habe.
Erst als ich das »Gefälschte Siegel« im Lektorat noch mal fast komplett neu geschrieben habe, ist es mir leichter geworden, zu allen einen Zugang zu finden. Lorcan entwickelte Kanten und Ecken, die er vorher nicht gehabt hatte, und Enidin löste sich ein bisschen von meinem siebzehnjährigen Selbst und durfte ihre Nerdigkeit etwas besser ausleben – und dann ging es mit jedem Band besser, weil ich die Figuren eben immer und immer besser kennengelernt habe. Eine Sonderrolle nimmt dabei Tymur ein: Den kannte ich von Anfang an extrem gut, er bekommt aber erst im zweiten Band die Perspektive und kann sich bis dahin nur durch sein Verhalten charakterisieren, nicht wie die anderen durch Gedanken oder Gefühle. Beim zweiten Band habe ich dann wirklich lange überlegt, ob ich ihn diesmal die Perspektive haben lasse oder ihn weiter nur von außen zeige, habe mich dann aber dafür entschieden, ihn zu Wort kommen zu lassen, und seine Perspektive ist … sehr speziell. Mit Tymur hatte ich immer viel Spaß beim Schreiben, aber er ist, das muss ich zugeben, ein ziemliches Arschloch. Was auch mal nett zu schreiben ist.
Aufgrund der drei bis vier verschiedenen Perspektiven musste ich beim Schreiben immer gut planen und entscheiden, aus wessen Sicht ich welche Szene erzählen soll, weil das einfach einen großen Unterschied macht, zum Beispiel, ob man eine Gefahrensituation aus Sicht eines tapferen Kämpfers schreibt oder eines Feiglings. Manche Kapitel habe ich dann aus anderer Perspektive neu geschrieben, weil ich in erster Instanz jemanden ausgewählt hatte, der dann doch nicht so gut dafür geeignet war. Aber ich bin gut darin, den Überblick zu behalten und immer zu wissen, in wessen Perspektive ich gerade bin, selbst dann, wenn ich an mehreren Kapiteln parallel gearbeitet habe.

 

 

3. Gibt es Szenen in der Neraval-Sage, die Du besonders gerne geschrieben hast, und welche, mit denen Du besonders zu kämpfen hattest? Wenn ja, welche sind es?

Meine Lieblingsszenen sind wahrscheinlich die Szenen, in denen Tymur und Kevron miteinander allein sind. Die beiden haben eine ganz interessante Dynamik, sie sind sehr gegensätzliche Charaktere, und die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich während der ganzen Trilogie ständig weiter, nimmt mehrere Wendungen und ist mir nie langweilig geworden. Was wie eine Freundschaft zwischen zwei sehr ungleichen Typen anfängt, eskaliert im Laufe der Handlung immer weiter, dass es stellenweise wie ein Psychothriller daherkommt – dann wieder harmonieren die beiden ganz wunderbar, arbeiten zusammen wie das absolute Dream-Team, weil sie sich in mancher Hinsicht eben doch nicht so unähnlich sind, und ich hatte einfach riesigen Spaß, die Beziehung zwischen den Beiden immer wieder auf eine neue Ebene zu bringen.
Grundsätzlich kann ich sagen, je weniger Figuren in einer Szene anwesend sind, desto leichter fällt sie mir – und leider gilt das dann auch als Umkehrschluss: Wenn zu viele Figuren anwesend sind, gerate ich leicht ins Schwimmen. Jetzt ist High Fantasy natürlich so bekannt, und auch beliebt, für ihre epischen Schlachten, und sowohl Epik als auch Schlachten sind wirklich nicht meine starke Seite. Ich weiß das und verzichte darauf, so gut ich kann, suche lieber nach einer List, um eine Situation hintenrum aufzulösen, aber wenn ich mal eine Massenszene choreographieren muss, fällt mir das wirklich schwer. Dann verkommen die meisten Anwesenden zu einer belebten Kulisse, und ich konzentriere mich vor diesem dramatischen Hintergrund doch lieber wieder auf einige wenige Figuren, drehe mir das so zurecht, dass es zu mir und meiner Arbeitsweise passt.
Im dritten Band, »Das gefälschte Land«, habe ich ein paar für mich sehr ungewohnte Actionszenen – für die habe ich mir dann Hilfe geholt, wie ich sie aufziehen kann, dass sie realistisch wirken und nicht völlig statisch daherkommen, weil ich weiß, dass das meine große Schwäche ist. Mein Mann, der sich für militärische Strategien interessiert, war mir da eine große Hilfe – aber damit es wirklich funktioniert und sich immer noch wie etwas von mir anfühlt, habe ich diese Szenen lieber nicht aus der Sicht des heldenhaften Lorcans geschrieben, sondern durch die Augen von Kevron, der nicht nur tendenziell feige ist, sondern auch wie ich eher pazifistisch eingestellt ist.
Natürlich – wenn man eine Figur als heldenhaften Kämpfer anlegt, dann muss der auch mal zeigen dürfen, was in ihm steckt, und so hat Lorcan dann auch die eine oder andere Gelegenheit bekommen, wo er kämpfen durfte. Ich bin aber in den psychologischen Aspekten deutlich stärker, und ich habe selbst mehr Spaß an einer List als einer Schlacht. Für mein Neraval-Nachfolgerprojekt, eine Reihe mit dem Arbeitstitel »Die neunte Träne«, an der ich gerade schreibe, habe ich darum bei der Konzeption der Gruppe darauf geachtet, dass niemand ein zu brillanter Kämpfer ist, damit ich mich vor den Kampfszenen drücken kann. Stattdessen habe ich zwei Diebe und einen Nekromanten, die alle auch lieber die Hintertür nehmen, als durch den Vordereingang zu stürmen – ich werde lieber noch besser in dem, worin ich ohnehin gut bin, als mich durch epische Schlachten durchzuwursteln, die andere einfach besser können als ich.

 

 

4. Hast Du einen Lieblingscharakter in der Neraval-Sage? Oder einen Charakter, den Du gar nicht magst?

Meine Lieblingsfigur ist sicherlich Kevron, gerade weil er so verkorkst ist. Ich erzähle ja gerne von Antihelden, die über sich hinauswachsen, aber ihre Probleme nie gänzlich überwinden, weil alles andere einfach verlogen wäre – wer Depressionen oder eine Suchtkrankheit hat, der reißt sich eben nicht am Riemen, rettet die Welt und lebt fortan als glücklicher, gesunder Mensch, sondern wird immer wieder von seinen Schattenseiten eingeholt. Was ich aber an Kevron mag, sind seine positiven Aspekte – seine Kreativität, seine scharfe Auffassungsgabe, seine Empathie, seine Loyalität, sein scharfzüngiger Realismus. Tatsächlich ist Kevron ein Mann von vielen Talenten, den man nicht nur aus Mitleid mögen muss, sondern weil er echt was auf dem Kasten hat.
Auch Tymur mag ich sehr, auch wenn er das genaue Gegenteil von Kevron ist: Nach außen hin auf den ersten Blick der makellose Traumprinz, tun sich hinter seiner Fassade Abgründe auf. Er hat einfach sehr großen Spaß zu schreiben gemacht und ist eine vielschichtige Figur, selbst wenn er manchmal ein bisschen oberflächlich wirkt. So eine kalte, berechnende Sicht auf die Welt, wie er sie hat, werde ich so schnell in keinem anderen Buch auftreten lassen, weil ich mich nicht wiederholen will, und gerade deswegen habe ich jedes seiner Kapitel regelrecht zelebriert.
Mit Lorcan und Enidin hatte ich, wie schon bei der zweiten Frage geschrieben, so meine Probleme, aber bis ich mit ihnen im dritten Band angekommen war, sind mir auch diese beiden wirklich sehr ans Herz gewachsen. Sie stoßen vielleicht nicht Kevron von meinem Sympathie-Thron, aber ich bin doch sehr zufrieden mit dem, was aus ihnen geworden ist.

 

 

5. Vom Auftaktband einer Trilogie bis zum Finale ist es immer ein langer Weg. Wusstest Du von Anfang an, welche Richtung Deine Geschichte nehmen wird? Hast Du die gesamte Geschichte der Trilogie vor dem Schreiben oder währenddessen geplant?

Ich bin jemand, der beim Schreiben üblicherweise nur mit einem sehr groben Gerüst startet, denn wenn ich schon zu detaillierte Vorstellungen habe, wie die Geschichte abläuft und ausgeht, bleibt mir zu wenig zu Denken übrig, und was bleibt, ist nur noch das eigentliche Schreiben, das sich dann wie Arbeit anfühlt. Als ich »Das gefälschte Siegel« anfing, hatte ich also nur die Ausgangssituation, die Schlussszene, und dazwischen viel Platz, um es einfach drauf ankommen zu lassen. Das hat beim ersten Band dann auch wirklich gut funktioniert, der Plot hat sich in gutem Tempo entwickelt, und ich habe die Geschichte von vorn bis hinten einfach runtergeschrieben.
Beim »Gefälschten Herz« hat mich diese Methode dann buchstäblich in den Hintern gebissen. Ich hatte diesmal nur die Ausgangssituation, wusste nicht, wo ich hinwollte, und dachte, ich schreibe einfach weiter drauflos – und schaffte fünf oder sechs Kapitel, bis ich mich völlig verrannte. Tymur, Kevron und Lorcan betraten ein mysteriöses Höhlensystem, von dem ich selbst keine Ahnung hatte, welchen Zweck es erfüllen sollte, und kamen die nächsten sieben Jahre lang nicht mehr raus, während mir schlichtweg der Plot ausgegangen war. In der Zwischenzeit hatte ich den ersten Band verkauft, überarbeitet, das Buch erschien, und versuchte, lieber nicht dran zu denken, dass ich ja auch noch den zweiten Teil zu schreiben hätte.
Um da wieder rauszukommen, hatte ich keine Wahl, als das Buch ziemlich gründlich, von vorn bis hinten, durchzuplanen und noch mal komplett von vorn anzufangen, und die seltsame Höhle, komplett mit dämonischen Wandbildern und unterirdischem See, wanderte in die Tonne. Für den dritten Band bin ich dann ähnlich vorgegangen, mit einem für meine Verhältnisse sehr ausgefeiltem Plan, aber mit genug Löchern, um mir während des Schreibens noch etwas zu denken zu geben. Aber die größte Kunst lag doch darin, so zu tun, als wäre alles von Anfang an genau so geplant gewesen.
Ich hatte viele lose Enden aus den ersten beiden Büchern, die ich alle am Schluss zusammenbringen musste, viele Geheimnisse aufzudecken, aber mir ist mein Bauchschreiben wirklich sehr entgegengekommen: Ich hatte eine Reihe Hinweise ausgestreut auf eine ganz wichtige Plotwendung, die ich zu dem Zeitpunkt selbst überhaupt noch nicht verstanden hatte, aber ganz wunderbar zum Rest passte, nachdem ich einmal dahintergekommen war. Ich will an der Stelle nichts verraten, aber es ist eine Sache, wo man sich an den Kopf fasst, weil es einem nicht vorher aufgefallen ist, weil es sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte zieht – und es war wirklich so nicht geplant.

 

 

6. Mit dem 3. Band „Das gefälschte Land“ findet die Neraval-Sage ihr Ende. Was ist das für ein Gefühl, den letzten Band einer Reihe geschrieben zu haben?

Zwischendurch habe ich wirklich sehr an mir gezweifelt. Ich hatte noch nie so eine lange Geschichte abgeschlossen, und mittendrin habe ich wirklich gedacht, ich schaffe es nie. Das war eine Achterbahnfahrt – auf der einen Seite hatte ich den Plot ja ziemlich gut im Kopf, auf der anderen Seite habe ich mich verflucht, was ich mir da eingebrockt hatte. Mein Problem war, dass der erste und zweite Band ja nicht nur schon fertig waren, als ich den dritten schrieb, sondern auch schon veröffentlicht, und das hieß, ich konnte nichts mehr daran ändern.
Andauernd kam ich an Stellen, die sich so aus dem »Siegel« und dem »Herz« ergeben hatten und mit denen ich dann weiterarbeiten musste, statt zurückzugehen in die ersten Bände und da etwas umstellen, das mir die Arbeit am Finale erleichtert hätte. Und dann die Actionszenen! Da hatte ich mir was eingebrockt – aber das ganze Buch war um einen bestimmten großen Kampf herumgeplant, schon als ich noch das »Gefälschte Herz« schrieb, wusste ich, es wird auf diese Wendung hinauslaufen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wie schwer es mir fällt, actionlastige Szenen zu schreiben. Aber da musste ich durch, und es hat dann doch ein Buch ergeben, mit dem ich erstaunlich zufrieden bin.
Eigentlich hätte »Das gefälschte Land« schon vor einem Jahr erscheinen sollen. Aber 2020, als Covid über die Welt hereinbrach, hat mich das, was mit der Welt passiert ist, derart aus der Bahn geworfen, dass ich an einer schweren Depression erkrankt bin und über Wochen und Monate überhaupt nicht mehr arbeiten konnte, und ich hatte keine Wahl, als vorsichtig beim Verlag anzufragen, ob sie mir Aufschub gewähren. Ich hatte großes Glück, dass sie da wirklich sehr lieb und verständnisvoll reagiert haben. Aber das hat die Arbeit doch über längere Zeit überschattet und mich denken lassen, dass aus dem Buch nie etwas wird.
Aber als ich dann wirklich das Ende erreicht hatte – das war ein wirklich großartiges Gefühl. Dass ich wirklich nur nur einzelne Bücher fertigschreiben kann, sondern einen Mehrteiler, ohne mich zu verzetteln; dass ich in der Lage bin, all diese losen Enden wieder zusammenzubringen – das kann mir jetzt keiner mehr wegnehmen.

 

 

7. Wie lange hast Du an den drei Bänden geschrieben/gearbeitet?

Je nachdem, wie man es betrachtet, waren es fünf, elf, oder sechzehn Jahre. Fünf sind die reine Schreibzeit, die Zeit, die ich wirklich an den Büchern gearbeitet habe: Ein knappes Jahr für den ersten Band, zwei für den zweiten, den ich ja noch mal komplett von vorne angefangen habe, und noch mal zwei für den dritten, weil ich stellenweise wirklich nur sehr langsam vorangekommen bin und viele Szenen neu geschrieben habe, weil ich nicht zufrieden mit ihnen war.
Elf Jahre lagen zwischen dem Beginn der Arbeit am »Gefälschten Siegel« und dem Abschluss des »Gefälschten Landes«, allerdings fällt da auch die Zeit mit rein, die ich nicht an der Reihe gearbeitet habe, weil ich mitten im zweiten Band nicht mehr wusste, wie es weitergehen sollte, und das Buch so geparkt war, bis ich gezwungen war, endlich etwas richtiges draus zu machen. Und sechzehn Jahre sind es, wenn ich von der allerersten Idee für die Geschichte, als Buch-im-Buch in »Die Welt in der Wühlkiste«, bis zur Fertigstellung der Trilogie rechne.

 

 

8. Ist die Trilogie Dein erstes Werk? Schreibst Du ausschließlich Fantasy? Und warum dieses Genre? Hast Du noch weitere Buchprojekte?

Die Trilogie ist nicht mein erstes Werk, nur meine erste abgeschlossene Serie. Ich habe schon als Kind geschrieben, allerdings hat es bis zum Ende meines Studiums gedauert, bis ich überhaupt einmal einen richtigen Roman fertiggeschrieben habe – der aber nie verlegt worden ist, und darüber bin ich heute froh, er kann nicht mithalten mit den Ansprüchen, die ich heute an mich und mein Schreiben habe. Wenn ich nur die Romane zähle und nicht die kürzeren Sachen, die ich ansonsten noch geschrieben habe, war »Das gefälschte Siegel« mein zehntes Buch – das zehnte, das fertig geworden ist, heißt das, dazwischen liegen noch unzählige Romananfänge und Fragmente, aus denen nie etwas geworden ist.
Wenn ich mich nicht verzählt habe, habe ich inzwischen zweiundzwanzig fertige Romane geschrieben – davon sind aber bis jetzt nur sechs veröffentlicht worden. Es gehört immer eine gehörige Prise Glück dazu, für ein Buch einen Verlag zu finden, und einige dieser Bücher habe ich überhaupt nie irgendwo angeboten – zum Teil gehören sie zu Reihen, die ich erst fertigschreiben und dann in einem Rutsch überarbeiten möchte, ehe ich damit zu einem Verlag gehe, und andere haben mir einfach nicht gut genug gefallen, als dass ich sie veröffentlicht sehen möchte.
Ich schreibe eigentlich immer Fantasy, wenn auch nicht immer High Fantasy. Für mich ist Fantasy ein sehr vielseitiges Sammelbecken, wo ich viele verschiedene Geschichten unterbringen kann, von der klassischen High Fantasy wie der »Neraval-Sage« über gruselig-mysteriöse Stoffe mit historischem Setting, wie mein »Puppenzimmer« oder »Die Spiegel von Kettlewood Hall«. Oder ganz andere Sachen – im Moment überarbeite ich ein Jugendbuch, das in einem postapokalyptischen Setting spielt. Ich habe sehr viele verschiedene Ideen, aus denen dann entsprechend sehr unterschiedliche Bücher werden, aber irgendwie passt es immer unter das Oberdach »Fantasy«. Das größte Projekt, an dem ich zur Zeit arbeite, heißt »Die neunte Träne« und wird wieder High Fantasy – und noch ein Mehrteiler. Ich kann es eben nicht lassen, und inzwischen weiß ich ja sogar, dass ich sowas auch zuende schreiben kann.
Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass ich irgendwann einmal einen lupenreinen Krimi schreiben werde, ganz ohne phantastische Elemente. Ich liebe nämlich auch klassische Krimis, und ich habe zigmal versucht, welche zu schreiben, aber immer ohne Erfolg – ich habe mich jedes Mal völlig verheddert, habe den perfekten Mord begangen und konnte ihn meinem Täter dann nicht nachweisen, oder habe munter drauflosgeschrieben, um nach zweihundertsiebzig Seiten siedendheiß zu merken, dass ich überhaupt nicht wusste, wer der Täter ist. Das nagt an meinem schriftstellerischen Selbstbewusstsein. Irgendwann schreibe ich also mal einen richtigen Krimi, und wenn es nur ist, um mir selbst zu beweisen, dass ich das kann.

 

 

9. Hat Dir eines Deiner Bücher am meisten Spaß gemacht zu schreiben? Bzw. am meisten Schwierigkeiten bereitet? Wenn ja, welches und warum?

Ich hatte an allen drei Teilen Spaß, allerdings auf unterschiedliche Weise. Aber beim zweiten und dritten Band hatte ich mehr Stress, weil ich die geschrieben habe, als ich schon den Vertrag in der Tasche hatte und einen Abgabetermin, der mich unter Druck gesetzt hat, auf jeden Fall zum Stichpunkt nicht nur fertig zu sein, sondern dann auch noch ein gutes Buch vorliegen zu haben. Als ich »Das gefälschte Siegel« geschrieben habe, war überhaupt kein Druck dabei – das Buch hatte alle Zeit der Welt und das Recht, sich mit Karacho vor die Wand fahren zu lassen.
Das habe ich einfach geschrieben, weil ich Bock drauf hatte, und noch nicht einmal daran gedacht, dass ich es ja einem Verlag anbieten könnte – ich habe das nur für mich selbst geschrieben, und ich bin, was das angeht, ein dankbares Publikum. Eigentlich wollte ich überhaupt erst alle drei Bände fertigschreiben, ehe ich das Ganze einem Verlag anbot, aber das ist dann daran gescheitert, dass ich ja den zweiten Band erstmal vor die Wand gesetzt habe und mich erst wieder drangesetzt, als ich schon den Vertrag für die Reihe in der Tasche hatte. Und auch wenn ich dann Blut und Wasser geschwitzt habe, um rechtzeitig fertigzuwerden, und mich bitterlich verflucht, warum ich unbedingt eine unfertige Reihe verkaufen musste: Ohne den Druck, das Buch abgeben zu müssen, wäre die Reihe wahrscheinlich auch wirklich nie fertiggeworden, und ich hätte es beim verunglückten ersten Anlauf des »Gefälschten Herzens« belassen.
Die größten Schwierigkeiten hatte ich dann erwartungsgemäß beim dritten Band: Die Reihe zu einem Abschluss bringen, einem würdevollen noch dazu … Die Rezensionen zum zweiten Band waren unterm Strich besser als die des ersten, und das hieß dann natürlich, dass der dritte Band dann noch mal eine Schippe drauflegen muss und der beste Band von allen werden, und damit habe ich mir unglaublich viel Druck gemacht. Und dann das ganze auch noch während Covid schreiben müssen, ohne die Möglichkeit, andere Autoren zu treffen, mit einem Leben, das sich wie ein endloser Lockdown praktisch nur noch in den eigenen vier Wänden abgespielt hat … Das war schon eine Tortur. Aber wenn ich jetzt, mit ein paar Monaten Abstand, an das Schreiben zurückdenke, dann überwiegt doch der Spaß an all den Wendungen, die mir eingefallen sind, an den Szenen, die mir echt gut gelungen sind, und auch wenn ich wirklich noch nicht abschätzen kann, wie das Buch bei der Leserschaft ankommt, kann ich zumindest sagen, dass es mir selbst gefällt.

 

 

10. Hast Du ein Lieblingszitat?

Nach langen und reiflichen Überlegungen bin ich bei einer Stelle aus dem »Gefälschten Herz« gelandet, auf die ich wirklich sehr stolz bin. Das war das erste Kapitel, das ich aus Tymurs Perspektive geschrieben habe, und dieser Absatz bringt ihn und seine Persönlichkeit wirklich auf den Punkt:
»Es war wie in dem alten Rätsel mit dem Bauern, der Ziege, Wolf und Kohlkopf über den Fluss zu bringen hatte. Lorcan durfte nicht mit den Alfeyn alleingelassen werden, Enid ihrerseits auch nicht … Kev glaubte, dass Tymur der Wolf war. Niemand verschwendete einen Gedanken an den Bauern, der am Ende sowohl den Kohlkopf aufessen würde als auch die Ziege.»

 

 

11. Und nun: Erzähl uns etwas über Dich! Wie bist Du zum Schreiben gekommen bzw. warum hast Du damit angefangen? Was machst Du, wenn Du nicht gerade schreibst? Was sind Deine Hobbies?

Ich habe immer schon Geschichten ausgedacht, auch schon lange bevor ich schreiben konnte. Als ich drei, vier Jahre alt war, bin ich in den Bettkasten meiner Eltern geklettert, der eine tolle Höhle abgab, und habe mir selbst Geschichten erzählt. Schreiben lernen fand ich sehr mühsam – anders als Lesen, was ich extrem schnell gelernt habe, war meine Schreibmotorik furchtbar – und ich habe die Motivation, da überhaupt Arbeit reinzustecken, nur darin gefunden, dass ich dann ja meine eigenen Geschichten auch aufschreiben könnte, und das habe ich dann, noch in der Grundschule, auch getan. Die sind damals alle nicht fertig geworden, aber das machte mir erstmal wenig aus – ich hatte ja immer Ideen für neue Geschichten in der Hinterhand.
Erst mit den Jahren hat mich gewurmt, dass ich nichts zu Ende brachte. Als ich fünfzehn war, habe ich angefangen, Kriminalparodien zu schreiben, die mit dreißig, vierzig Seiten abgeschlossen waren und die ich dann sozusagen selbstverlegt habe – also auf der Schreibmaschine ins Reine getippt, dann im Copyshop vervielfältigt und im Schnellhefter an Mitschüler und Lehrer verkauft habe. Dass ich Schriftstellerin werden will, wusste ich da schon sehr lange, das war mein erster richtiger Berufswunsch, nachdem ich mich von der Idee, einmal ein Seeräuber zu werden, endgültig verabschiedet hatte. Und ich habe nie aufgehört, auf dieses Ziel hinzuarbeiten, auch wenn ich lange geglaubt habe, dass es als Traum ungefähr so realistisch wäre wie der, Seeräuber zu werden.
Wenn ich nicht schreibe, verbringe ich viel Zeit als leidenschaftliche Zockerin mit Computerspielen oder als Pen-and-Paper-Rollenspielerin in fremden Welten – sei es klassische Fantasy, World of Darkness oder Science-Fiction-Settings. Ich mache auch Musik, spiele Gitarre und schreibe eigene Lieder, allerdings ist das in der letzten Zeit etwas ins Hintertreffen geraten, weil ich meine alte Leidenschaft fürs Malen wiedergefunden habe und es sehr schwer finde, meine Kreativität auf drei Gebiete aufzuteilen. Die Musik ruht gerade also ein bisschen, während ich wieder regelmäßig Aquarellmale.
Aber ich merke, dass das Schreiben meine eigentliche Begabung ist – da habe ich die Gabe, mit dem, was ich schaffe, praktisch von Anfang an zufrieden zu sein, während ich bei dem, was ich male, immer vor allem sehe, was nicht so geklappt hat, wie ich das vor meinem inneren Auge gesehen habe. Ich kann nach der Natur malen oder nach Bildvorlagen, aber leider überhaupt nicht illustrieren. Das bewundere ich sehr: Autor:innen, die ihre eigenen Figuren zu Papier bringen können. Und der Frust, das nicht zu können, war auch der Grund, warum ich über zwanzig Jahre lang überhaupt nichts gemalt oder gezeichnet habe. Jetzt verstehe ich, dass ich dafür mit Farben andere Sachen kann, und lerne, zu schätzen, was ich zu Papier bringe. Ich werde sicher nie ein Profikünstler. Aber ich habe Spaß an den Farben, und darauf kommt es an.

 

 

12. Worauf legst Du beim Schreiben am meisten Wert?

Die beiden Aspekte, die mir beim Schreiben am Wichtigsten sind, sind die Psychologie hinter meinen Figuren und vor allem meine Sprache. Wenn ich schreibe, habe ich eine Melodie im Kopf, der ich mit meinen Wörtern folge, was dazu führt, dass ich manchmal eine etwas verschrobene Art habe, Sätze zu bilden. Als ich 2013 mit dem »Puppenzimmer« mein erstes Buch veröffentlichte, wusste ich nicht, wie meine Art, sich auszudrücken, bei den Lesern ankommen würde – meine Lektorin hat sich die Zähne an mir ausgebissen beim Versuch, mich zu einer »normaleren« Ausdrucksweise zu überreden, aber das wäre einfach nicht ich gewesen.
Ich mag meine langen Sätze, meine manchmal etwas abstrakten oder abgedrehten Metaphern, meinen Satzbau, und auch meine schwachen Verben – und habe meiner Lektorin dann, als schriebe ich eine Deutscharbeit mit der Fragestellung »Was will uns der Dichter mit diesem Stilmittel sagen?« erklärt, warum ich etwas auf diese oder jene Weise ausdrücken will – nicht, dass ich so geplant an meine Sprache rangegangen wäre, ich mache das doch üblicherweise aus dem Bauch heraus (und rede selbst auch so, wie ich schreibe), aber ich habe dann, als es drauf ankam, verstanden, warum ich das so oder so mache, und meine Lektorin hat es dann auch nachvollziehen können und akzeptiert.
Die größte Überraschung war aber, dass ich damit auch bei vielen Lesern landen konnte. Klar, es sagt auch immer mal jemand »Grauslich, das kann kein Mensch lesen!«, aber ich habe deutlich öfter Lob für meine Sprache bekommen, die mal was anderes ist, auch wenn man sich vielleicht erstmal reinarbeiten muss. Aber ja, ich mache das mit Absicht und mit Anlauf, und ich bin stolz darauf, weil ich so das Gefühl habe, ich keine mich und meine Essenz in Worte legen.
Das ist wie mit den Farben in der Kunst, es gibt so viele Arten, sie aufs Papier zu bringen, und dick und pastös, fein und filigran, abstrakt oder fotorealistisch: Nicht jedem gefällt jeder Stil, aber wir haben dieses Wunderwerk Sprache zu unserer Verfügung und können damit spielen, wie es zu uns und unserem Innenleben am Besten passt. Mein Stil mag für manche etwas schrullig daherkommen. Aber ich bin das auch.

 

 

13. Was war Dein schönstes Erlebnis/ Dein schönster Moment als Autorin?

Ich hatte so viele tolle Erlebnisse, dass es schwer wird, das auf einen Punkt runterzubrechen. Aber ein ganz besonderer Moment war, als ich 1999 meinen ersten fertigen Roman, »Eine Flöte aus Eis«, zum allerersten Mal einem Verlag, meinem absoluten Traumverlag, angeboten habe als unverlangt eingesandte Manuskript – und innerhalb von nur etwas über einer Woche die Antwort von der Lektorin kam, dass ihr der Anfang schon mal sehr gut gefiele und sie nach der Leseprobe gerne das ganze Manuskript zum Prüfen hätte. Und ich am anderen Morgen mit einem dicken Paket auf der Post stand.
Das war ein großartiges Gefühl, etwas, das ich mir nie zu träumen gewagt hätte. Und auch wenn die Lektorin dann später doch eine Absage geschickt hat – begründet, noch dazu – kann mir das, was ich damals erreicht habe, niemand wegnehmen. Auch wenn ich lange nicht verstanden habe, wie selten das wirklich vorkommt, dass man als Autor einfach etwas beim Verlag einreicht und der dann tatsächlich das Gesamtmanuskript anfordert … Und es hat mir die Tür geöffnet. Heute stehe ich bei genau dem Verlag von damals unter Vertrag. Es hat fünfzehn Jahre gedauert und eine ganze Reihe Manuskripte verschlissen, bis es endlich geklappt hat, aber ich habe diesen Traum nie aufgegeben. Und dann wirklich einen Vertrag mit ihnen unterschreiben – das war auch ein wirklich tolles Gefühl.

 

 

14. Was möchtest Du mit Deinen Büchern erreichen?

Zuallererst möchte ich das einfachste überhaupt – unterhalten. Ich möchte meinen Lesern eine schöne Zeit bieten, sie erst in Sicherheit wiegen und überraschen mit Wendungen, mit denen sie nicht gerechnet hätten – gerade in der Fantasy denkt man oft, dass es nichts Neues gibt, dass die Plots abgegriffen und abgedroschen sind, und mit dieser »Alles schon dagewesen«-Erwartungshaltung kann man sehr schön spielen, den Lesern eine lange Nase drehen und dann eben doch etwas ganz anderes machen. Falsche Fährten legen, kleine Hinwiese ausstreuen und die Lesern miträtseln lassen, was in Wirklichkeit passiert ist – das macht mir Spaß, und ich hoffe, den Lesern genauso.
Ich möchte aber noch mehr als das. Ich möchte, dass sich Menschen in meinen Geschichten wiederfinden können, die sonst eher die Außenseiterrollen innehaben. Mir ist aufgefallen, dass Menschen aus Randgruppen zwar durchaus in Büchern vertreten sind, aber dabei selten die Perspektivträger und Identifikationsfiguren sind – und obwohl viele Außenseiter lesen, sich viele Bücher dann doch in erster Linie an die Normalos richten. Indem ich die Außenseiter in den Mittelpunkt stelle, möchte ich zum einen Repräsentation für Menschen bieten, die sich sonst unterrepräsentiert finden, auf der anderen Seite anderen Leuten helfen, diese Menschen besser zu verstehen.
Als jemand, der seit vielen Jahren mit psychischen Problemen kämpft, ist es mir wichtig, Betroffenen eine Plattform zu bieten, auf der sie sich selbst auch in der Hauptrolle wiederfinden können und eben nicht nur als jemand, dessen Probleme die Helden unterwegs lösen dürfen. Aber das heißt nicht, dass nur Menschen mit psychischen Erkrankungen meine Bücher lesen sollen – ich denke, davon können alle profitieren.

 

 

15. Hast Du ein Lieblingsbuch?

Mein Lieblingsbuch variiert je nach Tagesform. Ich finde es sehr schwer, mich auf ein einziges zu beschränken, weil es einfach so viele gibt, die mir sehr, sehr viel bedeuten. Ich liebe »Alices Abenteuer im Wunderland« für seinen philosophischen Nonsens und »Das letzte Einhorn« für seine poetische Sprache, ich liebe die »Mumins« für ihre klug beobachteten Charaktere und »Gormenghast« dafür, dass es mir beigebracht hat, mich meinem eigenen Wahnsinn zu stellen.
Und dann doch die Klassiker! Als ich »Schuld und Sühne« gelesen habe, hat mich das getroffen wie ein Hammerschlag, und ich habe über ein Jahr lang überhaupt nichts mehr schreiben können, weil ich so getroffen war von dem Wissen, niemals derart brillant sein zu können – aber als ich mich dann wieder ans Schreiben rangewagt habe, war es, als hätte man eine Tür in mir aufgestoßen.
Ich könnte diese Liste wahrscheinlich noch stundenlang fortsetzen. Terry Pratchetts Bücher bedeuten mir sehr viel, und ich hatte sogar einmal die Gelegenheit, ihn live zu hören – als er gestorben ist, hat mich das sehr getroffen. Astrid Lindgren verdanke ich auch viel, und die Märchen, mit denen ich aufgewachsen bin …
Ich bin jemand, der immer unglaublich viel gelesen hat und daraus extrem viel mitgenommen. Ich liebe Krimis und Fantasy, aber ich habe auch querbeet alles gelesen, was mir in die Finger gekommen ist. Heute lese ich tatsächlich deutlich weniger als früher, weil ich so viel Zeit mit dem Schreiben verbringe und mir an der Stelle das Schreiben zur Zeit noch mehr gibt als das lesen – aber mit dem richtigen Buch zum richtigen Zeitpunkt kann ich mich immer noch genauso versenken wie zu meiner Jugendzeit.

 

 

16. Und zum Schluss: Hast Du einige Ratschläge bezüglich des Schreibens und der Veröffentlichung eines Buches?

Mein wichtigster Rat zum Schreiben klingt wie eine Binsenweisheit: Schreib, was du willst. Schreib kein Buch, nur weil das Genre gerade im Trend ist. Schreib kein Buch nicht, nur weil das Genre gerade out ist. schreib die Geschichten, die in dir drin sind und hinauswollen. Wenn man immer nur hinter dem, was man für die Wünsche des Marktes hält, herhechelt, wird man nicht glücklich, vor allem aber kommt man immer zu spät, weil die Trends so kurzlebig sind. Es ist nicht falsch, das zu schreiben, was Leute lesen wollen, aber die allererste Person, die dein Buch lieben muss, bist du selbst.
Wenn du dich beim Schreiben immer nur daran orientierst, was der Markt, die Leser, die Rezensenten wollen könnten, ohne selbst Spaß an dem zu haben, was du da gerade raushaust, wird man es dem Buch hinterher anmerken können, und dann gibt es immer Leute, die können das, was du gerade zu imitieren versucht hast, besser. Ich habe einmal so ein Buch geschrieben, für einen Wettbewerb, ich wollte um jeden Preis den Massengeschmack treffen und habe noch nie eine Geschichte derart verhauen – das Schreiben hat sich wie zähe Arbeit angefühlt, und zäh ist auch, was rausgekommen ist. Und natürlich habe ich den Wettbewerb damit nicht gewonnen.
Danach habe ich das Buch bei einem Dutzend Verlage angeboten, und die wollten es auch alle nicht, ich habe nur Formabsagen kassiert, und niemand hat auf die Leseprobe hin auch nur das Manuskript angefordert. Damals war das sehr frustrierend, aber am Ende war es mir eine Lehre, nur noch das zu schreiben, worauf ich wirklich Lust habe. Damit habe ich nicht zwangsweise mehr Erfolg, aber selbst wenn dann die Absagen eintrudeln, bleibt mir immer noch der Spaß, den ich am Schreiben hatte.
Das Schreiben soll ja selbst eine schöne Zeit sein und nicht nur eine Pflichtübung. Heute sage ich, ich verdiene mit der Schreiberei so wenig, dass ich mir nicht leisten kann, irgendwas zu schreiben, das mir keinen Spaß macht. Dafür ist mir einfach meine Zeit zu schade.
Mein anderer Ratschlag schlägt in die gleiche Kerbe: Nicht jedes Buch muss auch veröffentlicht werden. Gerade wenn es dein erstes ist, ist es nicht unwahrscheinlich, dass es einfach noch nicht gut genug ist. Das ist nichts, wessen man sich schämen müsste: Wir lernen mit jeder Geschichte, die wir schreiben, dazu, werden immer besser, und es wäre doch furchtbar, wenn wir schon mit dem ersten Buch das Beste, was wir im Leben schaffen können, zu Papier gebracht hätten und dieses Niveau danach nie wieder erreichen. Da ist es besser, mit einem mittelmäßigen Werk – das immer noch für einen Erstling nicht schlecht ist – anzufangen und uns danach hocharbeiten.
Wenn du ein Buch fertig hast, stürz dich nicht gleich aufs Veröffentlichen. Lass es erstmal ein Weilchen liegen, ruhig ein paar Monate, und dann lies es noch mal so, als wüsstest du nichts von der Geschichte, als hättest du sie nicht selbst geschrieben, sondern jemand anderes. Wenn dir das Buch dann immer noch gefällt, dann kannst du das Wagnis Veröffentlichung angehen – nachdem du die Geschichte noch mal gründlich überarbeitet hast, heißt das natürlich. Ob du versuchst, eine Agentur oder gleich einen Verlag dafür zu finden, oder es dann doch lieber als Selfpublisher versuchst, ist dir selbst überlassen (wobei du auch erst das eine versuchen, dann das andere machen kannst).
Aber wenn du zu dem Schluss kommst, dass das Buch am Ende doch nichts für den großen Markt ist, wenn du keinen Verlag dafür findest und nicht riskieren möchtest, als Selbstverleger auf dem, was du in Lektorat und Cover investierst, sitzenzubleiben, und das Buch still und leise zurück in die Schublade steckst: Dann nimmt dir das trotzdem nicht die hoffentlich schöne Zeit weg, die du am eigentlichen Schreiben hattest. Und es schmälert auch nicht die Leistung, ein ganzes Buch fertiggeschrieben zu haben.
Und der letzte Ratschlag: Schreib weiter. Wenn du ein Buch fertig hast, ruh dich nicht darauf aus, sondern schreib das nächste. Gerade weil du mit jedem Buch besser wirst, musst du zusehen, dass du im Training bleibst. Das macht auch Niederlagen, wenn ein Buch nicht so gut ankommt, wie man sich das erhofft hat, erträglicher. Zu wissen, dass man es selbst inzwischen besser könnte, nimmt nicht den ganzen Frust aus einer negativen Rezension oder einer Verlagsabsage raus, aber es hilft, den Ärger zu verdauen. Und wenn du immer noch ein Buch in der Hinterhand hast, weißt du, es geht auch immer weiter, es gibt immer noch eine Chance.
Nur wenn du merkst, das Schreiben gibt dir nichts mehr, die Luft ist raus und der Spaß auch: Dann erzwing es nicht. Mach etwas anderes. Es gibt so viele tolle Dinge, die man machen kann und die nicht schreiben sind. Vielleicht kehrst du nach einer Weile zum Schreiben zurück. Vielleicht nicht. Aber wenn du das Schreiben verlassen solltest, dann geh ohne Groll und schau zurück auf die schönen Zeiten, die das Schreiben und du miteinander hatten, und erfreu dich an dem, was du geschafft hast. Das, was du geschrieben hast, das kann dir keiner mehr wegnehmen.

 

Danke für das tolle Interview! Ich hatte vielleicht ein bisschen zu viel Spaß an den Fragen, und die Antworten sind länger geworden als geplant, aber ich hoffe, ihr konntet ein bisschen für euch davon mitnehmen.

 

Ein großes Dankeschön an die Autorin für die Antworten!!!

 

Und nun geht es los:

 

 

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Das Gewinnspiel ist beendet und ausgelost! Gewonnen haben:

Katja V. und Birgit M. – Herzlichen Glückwunsch!!!

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Zu gewinnen gibt es eines von zwei signierten Print-Exemplaren “Das gefälschte Siegel” (1. Band) von Maja Ilisch!

 

So kannst Du bei dem Gewinnspiel mitmachen:

 

Beantworte mir bis zum 5. November 2022 23:59 Uhr in einem Kommentar unter diesem Beitrag folgende Frage und hüpfe somit in den Lostopf:

 

  • Wie heißt das Nebelreich, zu dem die Charaktere unterwegs sind?

 

Falls Du nicht unter dem Beitrag kommentieren kannst, reicht eine E-Mail an mich mit der Antwort auf die Frage auch aus. Meine E-Mail-Adresse: office@roman-tipps.de, mit dem Betreff: Gewinnspiel – Das gefälschte Siegel von Maja Ilisch. ABER: Wenn Du per E-Mail und per Kommentar mitmachst, so zählt dies trotzdem nur als ein Los!!!

Die Gewinner werden per Zufall ermittelt. Die Auslosung und Gewinnerbekanntgabe erfolgt am 6. November 2022 hier auf dem Blog. Am selben Tag werden die Gewinner per E-Mail benachrichtigt, in welcher sie mir dann auch ihre Versandadresse mitteilen.

 

Ich wünsche euch ganz viel Glück!!!

 

Teilnahmebedingungen:

  • Teilnahme am Gewinnspiel erst ab 18 Jahren oder mit Erlaubnis der Eltern.
  • Persönliche Daten werden ausschließlich für dieses Gewinnspiel verwendet.
  • Die Adresse der Gewinner wird nur an die Autorin Maja Ilisch weitergegeben, da die Autorin das zu gewinnende Buch versenden wird.
  • Die Adresse wird nach dem Gewinnspiel gelöscht.
  • Bewerber erklären sich im Gewinnfall bereit, öffentlich genannt zu werden.
  • Ein Anspruch auf Barauszahlung des Gewinns besteht nicht.
  • Die Gewinner werden per Zufall ausgelost.
  • Keine Haftung für den Postversand.
  • Versand der Gewinne nur innerhalb Deutschlands.
  • Meldet sich der Gewinner nicht innerhalb von 3 Tagen, so wird neu ausgelost.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

 

9 Gedanken zu „Gewinnspiel und Interview mit Maja Ilisch

  1. Hallo und guten Tag,

    erst einmal ..wow…was für ein informative und umfangreich geführtes Interview.

    Hut ab und Danke dafür.

    Interessante Geschichte, die Lösung lautet… Nebelreich Ailadredan….dort müssen die Buchfiguren hin..

    LG…Karin..

  2. Hallo und vielen lieben Dank für das interessante Interview und das tolle Gewinnspiel! Das Buch trifft genau meinen Geschmack. Ich würde es sehr gerne lesen und mehr über das Nebelreich erfahren.

    Zur Gewinnfrage: Das Nebelreich heißt Ailadredan.

    Liebe Grüße
    Katja

  3. Hallo und vielen Dank für das tolle Interview. Ich würde mich mega über dieses Buch freuen. Die Antwort wäre: Ailadredan.

    Ganz liebe Grüße
    Jutta

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