Rezension: „Das gefälschte Siegel“ von Maja Ilisch, (1. Band)

Das gefälschte Siegel
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Schreibstil
4.5

Information

Titel: Das gefälschte Siegel
Autor: Maja Ilisch
Verlag: Klett-Cotta
Erscheinungsdatum: 28. Februar 2019
Seiten: 486
Erzählort: Neraval, Nebelreich (und weitere Orte)
Erzähldatum: ———————–
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Das gefälschte Siegel
Neraval-Sage: 1. Band
ISBN: 978-3-608-96030-3

Inhalt:

Vor tausend Jahren wurde ein Erzdämon, welcher Tod und Zerstörung über das Reich Neraval brachte, von einem legendären Helden und einer mächtigen Zauberin in eine Schriftrolle gebannt. Tief in den Kellergewölben unter der Burg sollte sie von Steinernen Wächtern bewacht werden, sodass niemand in die Nähe der Schriftrolle gelangen und das Siegel brechen kann. Denn sollte dies passieren, so wäre der Dämon befreit, könnte von jedem Besitz ergreifen und das Reich in tiefe Finsternis stürzen. Ein Geheimnis, welches gehütet werden muss und nur wenigen bekannt ist.

Doch eines Tages hat es den Anschein, als wäre das Siegel gefälscht worden. Und es gibt nur eine einzige Person, die verraten kann, ob der Dämon noch in der Schriftrolle gebannt ist: Die Magierin Ililianè, welche sich weit weg im unerforschten Nebelreich Ailadredan befindet. Um das Land zu retten, begibt sich Prinz Tymur mit seinen für die Expedition zusammengestellten drei Reisegefährten auf einen gefahrvollen Weg ins Nebelreich, dem Land der Alfeyn. Zu ihnen gehören: Kevron, ein talentierter und ängstlicher Fälscher, der in Schulden ertrinkt und sein Denken oftmals vom Wein und der Faulheit beeinflussen lässt. Die Magierin Enidin, die auf alle gerne herabschaut. Lorcan, ein schweigsamer Krieger. Und der stets vergnügte und redefreudige Prinz Tymur, der ein dunkles Geheimnis hütet…

Meine Meinung:

Der Fantasy-Roman „Das gefälschte Siegel“ von Maja Ilisch ist der Auftaktband der Neraval-Sage und konnte mich nicht nur ziemlich schnell überraschen, sondern auch ganz herrlich unterhalten! Nach dem Klappentext klingt alles nach einer sehr ernsthaften Heldenreise. Verständlich, denn die Lage ist brisant, ein rachsüchtiger Dämon, welcher seit tausend Jahren in einer Schriftrolle gebannt worden ist, könnte sich aus seinem Gefängnis befreit haben und wieder Tod und Verzweiflung über das Land bringen. Doch so ernst das klingt, umso erstaunter war ich, dass alles durch die Charaktere eine ordentliche Portion Humor und dadurch einiges an Heiterkeit erlangt, wodurch ich nicht selten zum Schmunzeln gebracht worden bin. ^^ Und so bekommt diese Heldenreise eine wunderbare Lockerheit und die Story wird zu einem sehr guten und amüsanten Leseerlebnis.

Wenn du niemandem mehr trauen kannst – nicht einmal dir selbst

„Es war eine Falle – nicht so eine, in der man von hinten gepackt und niedergeschlagen wurde, sondern eine, die eine Entscheidung verlangte, die sich nicht mehr ungeschehen machen ließ.“

(S. 204, „Das gefälschte Siegel“ von Maja Ilisch, Klett-Cotta Verlag)

In „Das gefälschte Siegel“ dreht es sich darum, dass über das Reich Neraval vor tausend Jahren Tod und Verzweiflung durch einen Dämon gekommen ist. Doch die mächtige Magierin Ililianè und der legendäre Held Damar konnten den Dämon in eine Schriftrolle bannen, die für alle Zeit im Kellergewölbe unter der Burg von Steinernen Wächtern bewacht werden sollte. Doch ein Zwischenfall erweckt den Verdacht, dass das Siegel dieser Schriftrolle wahrscheinlich gefälscht ist. Konnte der Dämon sich also bereits aus der Schriftrolle befreien? Nur die Magierin Ililianè kann diese Frage beantworten. Doch diese lebt weit weg im unerforschten Nebelreich der Alfeyn – und seit damals vor tausend Jahren hat es auch keinen Kontakt dorthin mehr gegeben. Für den äußerst redefreudigen und tatenlustigen Prinz Tymur bietet sich hier die perfekte Chance nicht nur das Land zu retten, sondern auch seine eigene Position zu stärken. Denn er begibt sich gemeinsam mit seinen für eine Expedition ausgesuchten drei Reisegefährten auf eine gefahrvolle und verzweifelte Reise nach Ailadredan, ins Nebelreich. In seinem Gepäck: Die Schriftrolle. Doch nicht der Weg allein ist das Problem, sondern auch die Schwierigkeiten zwischen den Reisegefährten. Vor allem auch, weil Tymur jedem eine andere Version erzählt, was den Grund und das Ziel ihrer Reise betrifft. Und dazu noch ständig die Unsicherheit, ob der Dämon sich aus der Schriftrolle befreien konnte und nun von einem von ihnen Besitz ergriffen hat, sodass sie allmählich niemandem – nicht mal sich selber – noch trauen können. Noch dazu sind die Reisegefährten untereinander nicht im Klaren über ihre jeweilige Rolle auf dieser mysteriösen Reise.

Wunderbare Charaktere, Humor und ein geschickter Schreibstil

„Jeder Dämon in diesem Wald lacht sich doch gerade schlapp, wenn er uns Helden hier sieht – ziehen aus, um dem Unaussprechlichen zu trotzen, und finden nicht einmal zurück zum Gasthaus.“

(S. 209, „Das gefälschte Siegel“ von Maja Ilisch, Klett-Cotta Verlag)

Es gibt hier so viele Andeutungen und Ereignisse, die durch Humor, Lockerheit und einem geschickten Schreibstil einfach herrlich unterhalten können, oftmals so nebenher erwähnt, doch mit einer hervorragenden Wirkung. Zwar ist natürlich das Nebelreich das Ziel und die Reise hat eine enorme Wichtigkeit, doch der Fokus liegt ganz deutlich auf den Charakteren, ihren Interaktionen miteinander und besonders auch auf ihren Gedanken und Gefühlen. Somit ist das alles gut ausgebaut, wodurch es auch eher zu einem recht gemäßigten Tempo kommt. Hin und wieder gibt es einige langatmige Stellen, doch die Story schafft es immer wieder neue Spannungsbögen danach aufzubauen.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd von Kapitel zu Kapitel aus der Sicht von Kevron, Enidin und Lorcan in Form des personalen Erzählers. Da Tymur der einzige ist, der eigentlich über den wahren Grund ihrer Mission vollständig informiert sein sollte und aus dessen Sicht leider überhaupt nicht erzählt wird, bietet sich hier die Gelegenheit mitzurätseln – und ich stellte mir allmählich die Frage, ob es überhaupt irgendeine richtige Version der Geschichte gibt. Umso lustiger jedes Mal, wenn Tymur mit seiner unglaublichen Überzeugungskraft eine weitere Version jeweils einem der Charaktere offenbart.

Was die Charaktere betrifft, so haben diese mir wirklich gut gefallen. Es macht Spaß von ihnen zu lesen, von ihren unterschiedlichen Verhaltensweisen, Beweggründen und Gedankengängen. Ein jeder von ihnen hat Schwächen und Stärken, wobei beides in der jeweiligen Situation mal mehr, mal weniger stark hervorsticht. Kevron, der hinter jeder Ecke einen Mörder und Gefahren vermutet, seine Angst offen zeigt und sich gerne versteckt, wenn es zu brenzlig wird. Eigentlich ein Feigling, doch es gibt Momente, da selbst er vom Mut befallen wird – wenn diese auch recht kurz ausfallen. In seiner Arbeit als Fälscher geht er vollkommen auf – und sein Hang zum Weintrinken sorgt für einige amüsante Szenen und Dialoge. Enidin, eine Magierin und von ihrer Fähigkeit so von sich eingenommen, dass sie anfänglich nicht besonders sympathisch wirkt. Eine ganze Zeit lang trägt sie nichts wirklich Bedeutendes zur Expedition bei, doch im Laufe der Geschichte lernt auch sie mit Problemen besser umzugehen. Lorcan, ein schweigsamer Krieger, tugendhaft, ruhig – ein Fels in der Brandung. Äußerlich versucht er sich keine Gefühle anmerken zu lassen, doch hinter der steinernen Fassade steckt doch noch einiges mehr. Und zu guter Letzt: Prinz Tymur. Er bringt die Handlung durch sein Verhalten richtig in Schwung und verwendet seine effektivste Waffe beinahe ständig: Seine Wortgewandtheit. Schwatzhaft, scharfzüngig, überdreht, von Tatendrang ergriffen, ruhelos, vergnügt und zumindest sehr lange unerschütterlich. Aber auch hinter seiner mühsam errichteten heiteren Fassade könnten sich Abgründe verstecken.

So lange bin ich um dieses Buch herumgeschlichen, unsicher, ob ich es lesen sollte oder nicht – ich liebe Fantasy und der Klappentext klingt spannend, jedoch wächst der SuB ständig. Aber zum Glück konnte ich schlussendlich und vor Kurzem von den Bloggerinnen von Das Bambusblatt überzeugt werden – denn „Das gefälschte Siegel“ von Maja Ilisch bietet definitiv eine sehr empfehlenswerte Fantasy-Unterhaltung. Und am Ende wird es nicht nur recht nervenaufreibend, sondern es wartet auch ein heftiger Cliffhanger. Nur zu gut, dass der zweite Band „Das gefälschte Herz“ bereits erschienen ist. ^^

Fazit:

„Das gefälschte Siegel“ von Maja Ilisch ist ein Fantasy-Roman um eine einerseits verzweifelte, andererseits amüsante Heldenreise – mit einem zwar ernsthaften Hintergrund, doch hier schwingt jede Menge Humor mit. Der Fokus liegt auf den facettenreichen Charakteren mit all ihren Schwächen und Stärken, wobei es Spaß macht von diesen zu lesen. Mich konnte die Geschichte ganz herrlich unterhalten und die Vorfreude auf die Fortsetzung „Das gefälschte Herz“ in die Höhe schrauben.

 

Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Weitere Rezensionen bei:

Das Bambusblatt

 

Chronologische Reihenfolge der Neraval-Sage:

  1.  Das gefälschte Siegel (1. Band)
  2.  Das gefälschte Herz (2. Band)
  3.  ??? (3. Band)

4 Gedanken zu „Rezension: „Das gefälschte Siegel“ von Maja Ilisch, (1. Band)

  1. Oh, um das Buch bin ich auch lange Zeit herumgeschlichen, da mir „Die Spiegel von Kettlewood Hall“ von ihr so gut gefallen hat. Nun habe ich leider die Erfahrung machen müssen, dass Trilogien nicht unbedingt fortgesetzt werden, wenn sie nicht so erfolgreich laufen, wie der Verlag es sich wünscht. So wird es von Ju Honischs Klingenwelt-Trilogie wohl auch keinen dritten Band geben, obwohl das so saugut und anders war. Daher bin ich vorsichtig und warte hier mal lieber auf Teil drei. 😉
    Aber deine Rezension klingt schon mal vielversprechend, so dass das Buch erst einmal auf der Wunschliste bleibt.

    Liebe Grüße
    Mona

      1. Awwww, super! Da bin ich total beruhigt – nach dem Cliffhanger von „Das gefälschte Herz“ kann ich den dritten Band kaum erwarten 😀

        Ist denn schon ungefähr erkennbar, wann der dritte Band erscheinen könnte?

    1. Hallooo Mona,

      tut mir leid für die späte Antwort! Oh ja, das kenne ich auch nur zu gut. Zum Beispiel warte ich immmer noch auf den zweiten Band von „Der Sommerdrache“ von Todd Lockwood. Auf den dritten Teil zu warten hat allerdings auch Vorteile: Man kann die gesamte Trilogie auf einmal lesen ^^

      Freut mich sehr, dass das Buch auf deiner Wunschliste bleibt! Habe heute auch den zweiten Band zu Ende gelesen – kann nur sagen: Genauso gut wie der erste Band!

      Viele Grüße
      Kristin

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