Rezension: „Die Chroniken von Alice – Die schwarze Königin“ von Christina Henry

Die Chroniken von Alice - Die schwarze Königin
  • Handlung
  • Spannung
  • Schreibstil
  • Atmosphäre
4.5

Information

Titel: Die Chroniken von Alice – Die schwarze Königin
Autor: Christina Henry
Verlag: Penhaligon (Random House)
Erscheinungsdatum: 31. August 2020
Seiten: 336
Erzählort: unterschiedlich
Erzähldatum: gleich nach dem 1. Band
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Red Queen (Chronicles of Alice)
Die dunklen Chroniken – Reihe: 2. Band
ISBN: 978-3-7645-3235-2

Inhalt:

Nachdem Alice und Hatcher ihr letztes Abenteuer lebend überstanden und ihren wahnsinnigen Verstand noch nicht verloren haben, wartet bereits eine neue Aufgabe auf die beiden: Hatchers Tochter Jenny finden, die sich im fernen Osten befinden soll. Doch kaum machen sich Alice und Hatcher auf den Weg, laufen sie von einem Albtraum und Wahnsinn in den nächsten, ohne Aussicht auf Besserung. Denn der Weg nach Osten ist gefährlich – davor liegt das Reich der skrupellosen weißen Königin. Und bevor sie sich weiter auf die Suche nach Jenny machen können, müssen sie erstmal ein ganzes Reich retten. Doch dafür muss Alice über sich hinaus wachsen und auch das Geheimnis der schwarzen Königin aufdecken…

Meine Meinung:

„Die schwarze Königin“ von Christina Henry ist der zweite Band der „Die dunklen Chroniken“ – Reihe, ebenfalls eine düstere Nacherzählung und bereits das zweite Buch, welches ich zusammen mit Roberta vom Blog „Das Bambusblatt“ und Vivka von „A Winter Story“ in einer Leserunde gelesen habe. Allgemein hat mir die Fortsetzung ein Stückchen besser gefallen als der Auftaktband. Vom Stil her kann man sich auf jeden Fall auf sehr gute Unterhaltung freuen, die weniger brutal, dafür umso mysteriöser und unheimlicher ist.

 

Der Albtraum geht weiter…

„Alice war eine Zauberin, obgleich eine, die nicht sonderlich viel von ihrer eigenen magischen Begabung verstand. Sie floh aus einer Stadt, die Zauberer hasste und fürchtete, was einer der Gründe war, warum sie nicht sonderlich viel darüber wusste. Alice war groß und blauäugig und innerlich ein bisschen gebrochen, aber ihrem Gefährten machte das nichts aus, denn sein Inneres war so dermaßen durcheinander, wie ihres niemals werden könnte.“

 

(S. 11 des eBooks „Die Chroniken von Alice – Die schwarze Königin“ von Christina Henry, Penhaligon Verlag)

 

Die Handlung von „Die schwarze Königin“ knüpft direkt an die Ereignisse aus dem ersten Band „Finsternis im Wunderland“ an und wird wieder aus der Sicht von Alice erzählt. Alice und Hatcher haben den Kampf gegen jeden scheinbar unbesiegbaren Gegner gewonnen und wollen nun nach Hatchers verschwundener Tochter suchen, welche sich im fernen Osten befinden soll. Alice weiß, dass es schwierig wird, doch sie schöpft Mut aus ihren letzten Erfolgen und der Hoffnung auf ein baldiges schönes und friedvolles Leben. Doch kaum haben sie den Tunnel, der aus der Stadt herausführt, verlassen, stürzen sie auch schon in den nächsten Albtraum. Denn außerhalb der Stadt ist nichts so, wie sie erhofft hatten, stattdessen beginnt für beide wieder ein Kampf ums Überleben und gleichzeitig ein Kampf gegen den Wahnsinn während sie eine unwirtliche Landschaft passieren, ein unheilvolles Dorf austricksen, einen verwunschenen Wald überleben, ein magisches Geheimnis aufdecken und zum Schluss auch noch ein ganzes Reich retten müssen. Und auch während Hatcher immer tiefer in seine Sehnsucht nach Blut, Mord und Chaos versinkt, versucht Alice mit ihrem verwirrten Verstand dennoch einen klaren Kopf zu behalten. Nun muss sie über sich hinauswachsen und steht bald den vielen Schwierigkeiten alleine gegenüber.

 

Mysteriöse und düstere Fortsetzung

 

„Sie musste nicht Grinsers Ideal von einer Zauberin entsprechen oder Hatchers Ideal von einer Geliebten oder dem Ideal ihrer Eltern von einer Tochter. Sie konnte Alice sein.“

 

(S. 142 des eBooks „Die Chroniken von Alice – Die schwarze Königin“ von Christina Henry, Penhaligon Verlag)

 

Beim ersten Band hatte ich bis zur Mitte des Buches noch Probleme gehabt, in die Geschichte zu finden. Das hat sich mit der Fortsetzung zum Glück geändert, denn hier baut sich schon recht zügig Spannung auf. Die Handlung ist nicht so brutal und blutig wie in „Finsternis im Wunderland“, eher unheimlich, manchmal recht schaurig und mysteriös, so wie man sich ein düsteres Märchen bzw. eigentlich eine finstere Neuerzählung von „Alice im Wunderland“ vorstellen würde. Es bleibt weiterhin bizarr und verrückt-fantasievoll mit einer guten Atmosphäre und überraschenden wie auch dramatischen Wendepunkten, wobei man sich doch einiges denken kann, die Charaktere definitiv nicht geschont werden und man mit allem rechnen sollte.

Ich mag Christina Henrys Schreibstil wirklich sehr. Wie sie gekonnt und unbekümmert von Alice‘ und Hatchers Wahnsinn erzählt ist einfach ganz wunderbar und ließ mich über einige Stellen nicht nur lächeln, sondern ebenso staunen. Ebenfalls ist hier die Charakterentwicklung wieder sehr gut gelungen. Mir hat es gefallen, wie Alice trotz allem Schrecklichen und Absurden, was sie bereits überstanden hat, immer weitermacht, weiterhin versucht, ihr Ziel zu erreichen, dabei in ein verrücktes Abenteuer nach dem anderen gelangt und versucht, einen klaren Kopf zu behalten, wobei ihr verwirrter Verstand in Kombination mit den abstrusen Ereignissen es schwierig macht zu erkennen, was real ist und was nicht. Sie ist definitiv mutiger und selbstbewusster geworden. Während Hatcher weiterhin seinem Wahnsinn verfallen ist und von einer Laune zur nächsten driftet. Auch Grinser spielt hier wieder eine Rolle – doch ob er nun versucht wirklich zu helfen oder Alice zu hintergehen, bleibt unklar.

Die Geschichte ist zwar mit „Die schwarze Königin“ abgeschlossen, dennoch kann man sich zum einen auf einen weiteren Band mit Alice freuen, aber auch auf weitere finstere Märchennacherzählungen von Christina Henry.

Fazit:

Das fantasievolle und verrückte Abenteuer mit Alice und Hatcher geht weiter. Die Fortsetzung hat deutlich an Brutalität und Blut verloren und wirkt jetzt eher wie ein düsteres Märchen/Nacherzählung, was hier definitiv sehr gut gelungen ist. Allgemein gefällt mir die Fortsetzung ein Stückchen besser als der erste Band, denn es gibt so einige unheimliche und geheimnisvolle Momente. Und auch Christina Henrys Schreibstil ist gelungen, denn ihre unbekümmerten Beschreibungen von Wahnsinn sind unübertrefflich gut. Ich bin schon sehr auf weitere Bücher von ihr gespannt!

 

Vielen Dank an den Penhaligon Verlag (Random House Verlagsgruppe) für das Rezensionsexemplar!

 

Weitere Rezensionen aus der gemeinsamen Leserunde:

Das Bambusblatt

A Winter Story

 

Chronologische Reihenfolge der Reihe:

  1.  Finsternis im Wunderland (Die Chroniken von Alice)
  2.  Die schwarze Königin (Die Chroniken von Alice)
  3.  Dunkelheit im Spiegelland (Die Chroniken von Alice)
  4.  Albtraum im Nimmerland (Die Chroniken von Peter Pan)
  5.  Der Fluch der Wellen (Die Chroniken der Meerjungfrau)
  6.  Allein im tiefen, tiefen Wald (Die Chroniken von Rotkäppchen)

 

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