Rezension: „Die Chroniken von Azuhr – Die Weiße Königin“ von Bernhard Hennen

  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Schreibstil
  • Action
3.1

Information

Titel: Die Chroniken von Azuhr – Die Weiße Königin
Autor: Bernhard Hennen
Verlag: Fischer Tor
Erscheinungsdatum: 26. September 2018
Seiten: 685
Erzählort: die Insel Cilia
Erzähldatum: —–
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Die Chroniken von Azuhr – Reihe: 2. Band
ISBN: 978-3-596-29999-7

Inhalt:

Alten Legenden nach soll in der Stunde der größten Not die Weiße Königin und ehemalige Herrscherin des Waldes zurückkehren und ihr Volk vor dem Untergang retten – sie ist die letzte und einzige Hoffnung der Waldbewohner. Ein erbitterter Krieg, der immer schlimmer zu werden scheint, findet auf der Insel Cilia zwischen den Herzögen des Schwertwaldes und den Stadtstaaten der Liga statt. Für die Waldbewohner ein hoffnungsloser Krieg, denn das Heer der Liga ist ihnen zahlenmäßig weit überlegen. Aber wann die größte Not tatsächlich eintrifft und somit endlich die Weiße Königin zurückkehrt, bleibt abzuwarten.

Doch nicht nur der Krieg stellt eine Gefahr dar, denn überall auf der Insel Cilia tauchen unberechenbare Märengestalten auf, welche die bereits schwierige Situation noch mehr verschärfen. Warum und wie sie jetzt plötzlich zum Leben erwachen, bleibt ein Rätsel, welches gelöst werden muss. Um die Mären jedoch aufzuhalten, streift Milan Tormeno durchs Land auf der Suche nach den Mären. Als er dann einen Weg entdeckt, sie aufzuhalten, findet er auch eine Möglichkeit, die Wirklichkeit zu ändern.

Meine Meinung:

Märengestalten, die auf einer Insel erwachen, und ein hoffnungsloser Krieg – obwohl ich den ersten Band der „Die Chroniken von Azuhr – Reihe“ noch nicht kenne, weckte das natürlich meine Neugier, sodass ich zuerst den zweiten Band lesen wollte. Zwar sind beide Teile nicht zu sehr voneinander abhängig – außerdem wird hin und wieder auch einiges erklärt -, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass bei einigen Situationen oder Charakteren das Vorwissen aus dem ersten Band sinnvoll gewesen wäre. Davon abgesehen ist der Fantasy-Roman „Die Chroniken von Azuhr – Die Weiße Königin“ von Bernhard Hennen ein ab und zu sehr monumentales Werk, welches an bestimmten Stellen eine schöne und magische Atmosphäre erschafft, mich jedoch leider nicht so beeindrucken konnte, wie ich erwartet hatte.

Die Handlung versetzt den Leser zuerst in eine Schlacht, die 18. Jahre vor der eigentlichen Handlung stattfindet. Ich hatte einen ziemlich holprigen Einstieg in die Geschichte, da ich Schwierigkeiten damit hatte, die einzelnen Beteiligten bei diesem Konflikt auseinanderzuhalten, und mir die endlos vielen Namen zu merken. Vor allem aber blieb mir der Grund dieses Krieges schleierhaft, ebenso was das alles mit den Märengestalten zu tun haben sollte war stark verwirrend – das wird aber später aufgelöst. Damit bildet der Anfang einen unglaublich langen Prolog. Haupthandlung der Geschichte ist jedoch der Krieg zwischen den Herzögen des Schwertwaldes und der Stadtstaaten der Liga sowie das plötzliche Auftauchen von Märengestalten und die Rolle, welche die Familie Tormeno in allem spielt. Es wird aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, oft jedoch aus der Sicht von Milan Tormeno und seines Vaters Nandus Tormeno, die sich zerstritten haben und auf verschiedenen Seiten „kämpfen“.

Was mir an dem zweiten Band sehr gut gefallen hat, ist die Atmosphäre, die an einigen Stellen sehr geheimnisvoll, magisch und schön, aber auch dunkel wirken kann. Es gibt Momente, wie wenn von der Vernichtung der Stadt Arbora die Rede ist, welche diese erschaffene Welt faszinierend, aber auch gruselig gestalten. Ich fand es u.a. interessant, dass die Insel Cilia in vielerlei Hinsicht dem antiken Rom oder Griechenland ähnelt. Aber auch die Mären sind gut gelungen, wie z.B. der Basilisk oder die Meerhexe und ihre Vergangenheit, die etwas Schauriges ausstrahlt. Aber auch die Idee, dass die Mären sich langsam auf der ganzen Insel erheben, fand ich gut, und dass Milan die Gabe besitzt, die Wirklichkeit zu verändern.

Allerdings gibt es auch Minuspunkte. Es kommt definitiv zu sehr vielen Konflikten und Kämpfen zwischen den Waldbewohnern und der Liga, aber auch gegen die Märengestalten. Da auf beiden Seiten Grausamkeiten verübt werden und die gleiche Ignoranz und Sturheit besteht, ist es scheinbar gleich, auf wessen Seite man sich stellt. Die Schlachten werden zu stark umfangreich beschrieben und ziehen sich beinahe endlos und zermürbend in die Länge. Auf einen Kampf folgt alsbald der nächste. Einige haben ein gutes Maß an Spannung erreicht, sodass ich von der Handlung mitgerissen wurde – durch andere musste ich mich regelrecht durchquälen, sodass ich die Geschehnisse einfach nicht mehr mit der nötigen Aufmerksamkeit verfolgen konnte und einige Stellen überflog. Das beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Kampfszenen. Das war hier leider zu viel des Guten. Doch zusammen damit, den riesigen Gebäuden und einigen Geschehnissen wirkt der Roman monumental und kann durchaus auch einige Spannungsbögen erschaffen, die aber dann auch wieder abflauen.

Das ist leider auch deshalb so, weil mir die Charaktere nicht besonders näher gebracht worden sind. Es wird aus wirklich vielen Perspektiven erzählt – und Bernhard Hennen kennt für viele Charaktere keine Gnade. Man fiebert mit einigen Charakteren, nur damit die Spannung gleich wieder verschwindet, wenn diese für immer aus der Story entfernt werden. Anders ist es bei Milan, welcher anscheinend der „Held“ der Geschichte sein soll, für mich jedoch einfach zu blass wirkte – es sieht so aus, als würde er im Grunde irgendwie im Hintergrund stehen. Im Gegenzug konnte Nandus durch seine Kunst des Redens und Handelns relativ in den Vordergrund rücken. Doch sympathisch wurden die Charaktere mir leider nicht besonders.

Fazit:

Alles in allem hat „Die Chroniken von Azuhr – Die Weiße Königin“ einige Spannungsbögen und eine zu einem großen Teil gelungene und geheimnisvolle Atmosphäre zu bieten. Aber die vielen Längen, die vielen Charaktere und sich wiederholenden und umfangreichen Beschreibungen machen die Geschichte leider zu überladen und das Lesen schleppend.

Vielen Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!

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