Rezension: „Diebe der Nacht“ von Thilo Corzilius

Diebe der Nacht
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Schreibstil
  • Action
4.2

Information

Titel: Diebe der Nacht
Autor: Thilo Corzilius
Verlag: Klett-Cotta
Erscheinungsdatum: 19. September 2020
Seiten: 480
Erzählort: Mosmerano
Erzähldatum: ———————–
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Diebe der Nacht
Reihe: ——————-
ISBN: 978-3-608-98330-2

Inhalt:

„Wenn wir nur dreist genug sind, stehlen wir die gesamte Ruhende Welt, mit einem Kuss auf die Stirn und einem Gebet auf den Lippen.“ (S. 284)

Das fahrende Schauspielensemble „Die Herbstgänger“ haben sich als nächsten Ort die malerische Lagunenstadt Mosmerano ausgesucht – nicht nur der Schauspielerei wegen, sondern auch, weil sie einen aufsehenerregenden Diebstahl eines Gemäldes planen, das es eigentlich gar nicht geben sollte. Denn was keiner weiß: Sie sind nicht nur leidenschaftliche Schauspieler, sondern ebenfalls auch gerissene Diebe, die beides gerne kombinieren. Doch dann taucht plötzlich ein skrupelloser Magier auf, der ihr bisheriges Leben vollkommen zerstört und sie zwingt, ihre Fähigkeiten für seine Ziele einzusetzen. Und obwohl sie in einer aussichtslosen Situation sind, versuchen sie aus dieser Sache dennoch mit dem größtmöglichen Gewinn herauszukommen, nämlich indem sie versuchen ihren Kunstraub durchzuziehen, Rache zu nehmen, ein Geheimnis um alte Magie und Mechanik aufzudecken und letztendlich auch versuchen am Leben zu bleiben. Doch dafür müssen sie mehr als ihr Bestes geben…

Meine Meinung:

Dieser Klappentext hat mich unglaublich neugierig auf „Diebe der Nacht“ von Thilo Corzilius gemacht und meine Erwartungen ziemlich hochgeschraubt. Der Fantasy-Roman um die Herbstgänger, die zum einen Schauspieler, zum anderen Diebe sind, ist ein Einzelband und bietet eine sehr unterhaltsame und fantasievolle Geschichte mit Steampunk-Elementen, interessanten Ideen und einer schönen Atmosphäre. Allerdings haben mir hier auch einige Kleinigkeiten gefehlt.

 

Diebe, Schauspieler und uralte Magie

„Auf unseren Verstand, der nie schönere Pläne machte. Auf unsere Zungen, die nie dreister gelogen haben. Und auf unsere Herzen, die nie in die Finsternis fallen können – denn dort sind sie bereits zuhause.“

(S. 21 des eBooks „Diebe der Nacht“ von Thilo Corzilius, Klett-Cotta Verlag)

 

In „Diebe der Nacht“ dreht es sich um die aus sieben Leuten bestehende Schauspieltruppe „Die Herbstgänger“, die mit einem mechanischen Theater von einem Ort zum anderen zieht. Zu ihnen gehören Glin, ein talentierter Mechanist und Ränkeschmied, der die Coups plant und oftmals eine kleine mechanische Grille namens „Schönheit“ bei sich hat. Talmo, Meistermechanist, Gründer des Ensembles und Glins Ziehvater. Madeire, die Diva der Truppe. Yrrein, Schwertfechterin und Meisterin im Umgang mit Klingen. Die Akrobatin Sira mit ihren Kletterkünsten. Falk, ein Priester, der zu Scherzen und Flüchen neigt. Und Shalmo, ein Chemistiker, der so einige außergewöhnliche Dinge für die Truppe zusammenmischt.

Doch die Herbstgänger sind außerdem auch noch Diebe und planen ihre Coups bis ins Detail. Diese Saison führt ihr Weg sie in die malerische Lagunenstadt Mosmerano, wo sie einen Kunstraub durchziehen wollen, den es bisher noch nie gegeben hat. Dann taucht jedoch ein skrupelloser Magier auf und durchkreuzt nicht nur ihre Pläne, sondern zerstört ihr gewohntes Leben unwiederbringlich und will ihre Fähigkeiten für seine Zwecke nutzen. Bald wird klar, dass alles zu weitaus größeren Problemen führt, als sie gedacht haben. Zwar ist ihnen nun alles genommen worden und ihnen bleibt nichts Anderes übrig als mitzuspielen, doch das bedeutet noch lange nicht, dass sie nicht auch ihre eigenen Ziele nebenbei verfolgen und versuchen, aus dieser gesamten Katastrophe mit dem größtmöglichen Gewinn herauszukommen. Was jedoch nicht besonders einfach ist…

 

Unterhaltsame Fantasy-Geschichte

„Meine Berufung ist die eines Diebes. Meine Leidenschaft ist das Schauspiel. Und mein Handwerk ist das eines Mechanisten.“

(S. 156 des eBooks „Diebe der Nacht“ von Thilo Corzilius, Klett-Cotta Verlag)

 

Der Anfang von „Diebe der Nacht“ war wirklich richtig gut und ich fand leicht in die Geschichte. Für die Charaktere läuft auch erstmal alles ganz problemlos, doch bereits nach kurzer Zeit geraten sie von einer Schwierigkeit in die nächste – bis hin zu einer Katastrophe, die im Laufe der Handlung immer größere Ausmaße annimmt und die gesamte Welt betreffen könnte. Insgesamt blieb es schön spannend und der Schreibstil locker, sodass die Seiten ziemlich schnell dahinflogen. Die Situation ist zwar äußerst brisant und aussichtslos, dennoch gibt es hin und wieder auch einige amüsante Stellen, besonders was die Dialoge zwischen den Herbstgängern betrifft. Von Intrigen, dunklen Geheimnissen, einem farbenprächtigen und lebhaften Schauplatz, tollen Ideen, Action, überraschenden Wendungen und der schimmernden Kulisse eines Fantasy-Venedigs (die Stadt Mosmerano) ist hier definitiv alles mit dabei, was keine Langeweile aufkommen lassen könnte. Allerdings gibt es ebenso einige Schwachpunkte. An einigen Stellen zog sich die Story, um später dagegen einen neuen Spannungsbogen aufzubauen. Zwar ist die Geschichte durchgängig unterhaltsam, doch hatte ich mir durch den Klappentext in Bezug auf die Charaktere, Handlung und die Coups etwas viel „Größeres“ vorgestellt bzw. erhofft – also mehr erwartet. Glin ist auf jeden Fall ein Charakter, der gut gezeichnet ist, doch nicht ganz so gerissen erscheint wie angedeutet wird. Allgemein fand ich die Charaktere größtenteils recht blass. Das Gleiche gilt für die Coups, von denen immer groß die Rede gewesen ist, letztendlich aber eher flach und unspektakulär ausgefallen sind.

 

„Wenn wir nur dreist genug sind, stehlen wir die gesamte Ruhende Welt, mit einem Kuss auf die Stirn und einem Gebet auf den Lippen.“

(S. 284 des eBooks „Diebe der Nacht“ von Thilo Corzilius, Klett-Cotta Verlag)

 

Erzählt wird die Geschichte in Form des personalen Erzählers aus der Sicht von verschiedenen Charakteren. Es gibt zwei Handlungen, die eine spielt in der Gegenwart, die andere in der Vergangenheit, was mir auch gut gefallen hat und allem eine schöne nostalgische Note verleiht. Durch die Handlung in der Vergangenheit ist neben der Haupthandlung für jeden Charakter eine kleine Geschichte eingebunden worden, die zeigt, wie jeder der Charaktere ein Mitglied der Schauspieltruppe geworden ist.

Wie schon erwähnt, fand ich die Ideen bezüglich der Steampunk-Elemente wirklich gut, denn hierbei wird Mechanik mit Magie kombiniert, was ich so bis jetzt noch nicht „gesehen“ habe und für die Story eine große Wichtigkeit hat. Einen Überblick über die Welt kann man sich durch eine Karte vorne und eine Menge Informationen hinten im Buch verschaffen. Während zum Schluss hin ein actionreicher Showdown wartet, kann man sich auch auf ein recht emotionales Ende freuen.

Fazit:

Unterhaltsamer Fantasy-Roman um eine Truppe aus Schauspielern und Dieben, die in eine Katastrophe gestürzt werden und trotz vieler unmöglicher Schwierigkeiten noch versuchen, ihre eigenen Ziele zu erreichen.

 

Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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