Rezension: „Flammenflug“ von Melissa Caruso, (1. Band)

  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Action
3.3

Information

Titel: Flammenflug
Autor: Melissa Caruso
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 31. Mai 2019
Seiten: 511
Erzählort: Raverra und Ardence (Eruvia)
Erzähldatum: ————————
Erzählperspektive: Ich-Erzähler
Genre: Fantasy
Englischer Originaltitel: The Tethered Mage
Feuerfalken-Saga: 1. Band
ISBN: 978-3-404-20946-0

Inhalt:

Zaira ist eine Feuermagierin, die frei sein will. Doch Magie kann leicht zu einer unkontrollierbaren und gefährlichen Waffe werden, weshalb jeder Magier im Stadtstaat Raverra einen Bund mit einem Falkner eingehen muss, welcher ihre Magie kontrolliert. Als Zaira in Schwierigkeiten gerät, entfesselt sie ein gewaltiges Schadfeuer, welches die gesamte Stadt verschlingen könnte, und verliert die Kontrolle darüber. Um das Feuer aufzuhalten, geht Amalia, die Tochter einer der mächtigsten Adelsfamilien der Stadt, einen Bund mit Zaira ein, der nicht wieder rückgängig zu machen ist und von beiden viel abverlangt. Noch dazu kündigt sich eine Rebellion und Krieg an.

Meine Meinung:

Bei „Flammenflug“ von Melissa Caruso, dem 1. Band der Feuerfalken-Saga, ist es mal wieder ein richtig schönes Cover und ein vielversprechender Klappentext, der mich sehr gespannt auf die Geschichte machte und meine Erwartungen vielleicht etwas zu hoch schraubte – bzw. in eine falsche Richtung lenkte. Denn erwartet hatte ich eine recht actionreiche, rasante und tiefgründige Story über zwei Protagonistinnen. „Flammenflug“ ist aber ein gemäßigter Fantasy-Roman, indem es hauptsächlich um politische Intrigen, Machtspiele, Rebellion etc. geht. Natürlich auch interessant, aber hier konnte das nicht ganz meinen Geschmack treffen, weil es einfach zu umfangreich geworden ist, der Fokus zu stark darauf liegt und Spannungsbögen recht milde ausfallen.

Die Welt und Konflikte

In „Flammenflug“ gibt es zwei Schauplätze, nämlich Raverra, das Zentrum eines riesigen und mächtigen Reiches auf dem Kontinent Eruvia, und die Stadt Ardence, welches zu diesem Imperium gehört. Alles – Gebäude, Waffen, Kleider, Fortbewegungsmittel, Sprache etc. – ist im italienischem Stil des vielleicht 16. Jahrhunderts nachempfunden. Dabei sind die Ähnlichkeiten zwischen der fiktionalen Stadt Raverra und der tatsächlichen Stadt Venedig äußerst frappierend und eindrucksvoll. Raverra hatte viele Städte erobert und sie in das Reich integriert, wobei nicht jede Stadt/ nicht jeder Ort damit einverstanden ist und eher wieder zurück zur Selbstständigkeit möchte, anstatt sich an die Verträge des Imperiums zu halten. Während sich in Ardence eine Rebellion anbahnt, kündigt sich mit dem Nachbarland wahrscheinlich ein Krieg an. Und um diese komplizierten Konflikte für jede Partei zufriedenstellend zu lösen, müssen die beiden Protagonistinnen Amalia und Zaira einiges an Verhandlungsgeschick, Mut und Scharfsinn aufbringen – und ihren eigenen Konflikt auch bewältigen.

Wie funktioniert die Magie?

Nicht jeder kann Magie wirken – nur diejenigen, die mit dieser Gabe geboren worden sind, und nicht jeder Magier kann jede Magie wirken. Es gibt z.B. Feuermagier, Magier, die sich auf Alchemie verstehen, und Magier, welche Gegenstände verändern können. Ich finde es interessant, wie das hier beschrieben ist, denn Magie soll aus dem Inneren der Magier kommen, aber sobald dabei Leute sterben, nimmt die Magie daraus ihre Energie und wird immer größer und unkontrollierbar. In „Flammenflug“ wird Magie deshalb als Gefahr angesehen, wodurch es auch einen Machtstatus erlangt und dafür gebannt werden muss. Im Imperium gibt es das „Falkensystem“: Magier werden Falken genannt und durch ein magisches Armband an einen anderen Menschen, dem Falkner, gebunden, welcher die Magie des Falken kontrollieren kann, indem er durch ein Wort die Magie bannt oder sie mit einem anderen Wort wieder freilässt. Ein Bündnis zwischen Falkner und Falken lässt sich nicht aufheben, beide müssen einander vertrauen. Menschen, die ein Magiermal bilden, werden schon als Kinder ihren Familien weggenommen und sozusagen im Militär des Imperiums zwangsverpflichtet. Sie müssen sozusagen ihre Freiheit aufgeben und für das Militär arbeiten, dafür erhalten sie allerdings Schutz und Sicherheit. Denn in dieser Welt kann Magiern so einiges zustoßen, z.B. werden sie wegen ihrer Gabe ermordet, gejagt und versklavt – aber die Gefahr kommt auch von ihnen selbst.

„In Loreice wurden Menschen mit dem Magiermal auf dem Scheiterhaufen verbrannt, bis Raverra es in das Imperium integriert hat. In Vaskandar haben sie sich zu blutrünstigen Eroberern entwickelt, die normale Menschen ganz nach Belieben misshandeln. In der ganzen Geschichte sind die Träger des Magiermals überall, wo es keine Gesetze zu ihrem Schutz oder zu ihrer Kontrolle gegeben hat, entweder zu Opfern geworden oder zu Tyrannen.“

(S. 121 des eBooks „Flammenflug“ von Melissa Caruso, Bastei Lübbe)

Amalia und Zaira – Falkner und Falke

Die Geschichte wird vollständig aus der Sicht von Amalia erzählt, welche die Tochter einer der mächtigsten und gefährlichsten Adelsfamilien der Stadt ist. Amalia ist anfangs eher zurückhaltend, ruhig, wissbegierig und neugierig. Sie interessiert sich mehr für Bücher als für Politik, zieht sich gerne zurück, um zu lesen, riskiert vieles, um an mehr Wissen zu gelangen, und überlässt wichtige Entscheidungen ihrer kühlen, recht skrupellosen und intelligenten Mutter. Unfreiwillig wird Amalia in eine Situation gebracht, in welcher sie sich doch um die Welt außerhalb ihrer Bibliothek kümmern und dabei einiges an Verhandlungsgeschick und Durchhaltevermögen beweisen muss.

Zaira ist eine eigenwillige, scharfzüngige und mutige Feuermagierin, die immer klar ihre Meinung sagt, auf niemanden hört und eine wahre Überlebenskünstlerin ist. Während Amalia sicher und wohlbehütet aufgewachsen ist, musste Zaira auf der Straße um ihr Überleben kämpfen. Als Zaira eines Tages einen Feuersturm entfesselt, den sie nicht mehr kontrollieren kann, schließt Amalia mit Zaira ein Bündnis, welches sie beide aneinander bindet und sie vor einige harte Proben stellt, denn für beide ist es unfreiwillig passiert. Streitereien und hin und wieder einige amüsante Dialoge folgen daraus. Dabei wird Zaira noch in die Machtspiele des Imperiums gezogen, denn nun können sie anderen Städten mit einem vernichtenden Schadfeuer drohen, falls diese sich nicht an die Verträge halten.

Dann gibt es u.a. noch Leutnant Marcello Verdi, der aufrichtig, loyal und pflichtbewusst ist – aber auch in vielen Fällen ziemlich ratlos und nicht weiter weiß.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, aber bei jedem fehlt mir irgendwie ein Schuss mehr Energie, da sie oftmals recht steif und stumpf wirken, die Dialoge ebenso. Dies ist bei der Story allerdings auch der Fall. Der Roman ist definitiv sehr politisch, es geht um Intrigen, Machtspiele, Verrat, Rebellion, einen drohenden Krieg, die Schwierigkeiten und Vorteile, die sich aus einem Bündnis zwischen Falken und Falkner ergeben, die Probleme der Magier in dieser Welt. Bis zu einem gewissen Grad ist das spannend, mich störte aber, dass der Fokus einfach zu viel auf Intrigen, Politik und Verhandlungen gesetzt wurde, was die Geschichte dadurch schleppend und langatmig macht und wobei auch der wirklich sehr malerische und atmosphärische Schreibstil mehr hindernd als fördernd gewesen ist. Es fehlt einfach an Schwung und Leben.

„Flammenflug“ ist zwar der Auftakt einer Trilogie, doch zum Glück gibt es am Ende mal keinen Cliffhanger. Die Geschichte führt zu einem schönen runden Ende, wobei es noch einiges an Potenzial für weitere Bände bietet. Auch wenn mich der 1. Band nicht ganz überzeugen konnte, so möchte ich dennoch wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Fazit:

Gemäßigter Fantasy-Roman, bei dem der Fokus für meinen Geschmack zu stark auf Politik, Intrigen, Machtspiele, Rebellion und Verrat liegt. Die Story wird dadurch ziemlich langatmig und schleppend, Spannungsbögen werden nicht vollkommen genutzt, wodurch jedoch nicht das Interesse für den Ausgang der Handlung genommen wird. Die Charaktere sind recht gut gelungen und besonders Amalia macht eine interessante Entwicklung durch, aber jedem könnte ein Schuss mehr Leben und Energie nicht schaden, denn völlig konnten sie mich nicht mitreißen. Trotz einiger Schwächen bin ich neugierig auf die Fortsetzung.

Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar!

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