Rezension: „Die Mission“ von Ann Leckie, (2. Band)

  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Idee
4.6

Information

Titel: Die Mission
Autor: Ann Leckie
Verlag: Heyne (Random House Verlagsgruppe)
Erscheinungsdatum: 8. Februar 2016
Seiten: 480
Erzählort: Athoek Station, Weltraum u.a.
Erzähldatum: Ferne Zukunft, eine Woche nach „Die Maschinen“
Erzählperspektive: Ich-Erzähler
Genre: Science-Fiction
Englischer Originaltitel: Ancillary Sword
„Das Maschinen-Universum“-Reihe: 2. Band
ISBN: 978-3-453-31693-5

Inhalt:

Jahrhundertelang haben die Radch andere Welten grausam annektiert und so ihr Territorium über viele Sternensysteme erweitert, wodurch sie zum mächtigsten Imperium des Universums geworden sind. Aber ein Zwischenfall ändert alles. Anaander Mianaai, die Herrin der Radch, ist eine KI, welche Tausende von Körpern überall im Radch-Territorium besitzt. Doch ihre Meinung ist gespalten. Früher ist ihre Einheit ihre Stärke gewesen, nun, da sich die gesamte Radch in zwei Fraktionen spaltet, welche jeder für sich mit allen Mitteln versucht ihre Ziele durchzusetzen, droht das Imperium zu zerfallen. Ein Bürgerkrieg ist ausgebrochen, der nicht ganz offen ausgetragen wird. Denn auf dem ersten Blick ist nicht zu erkennen, wer für wen kämpft.

Es gibt vielleicht nur noch eine Person, die den Zerfall verhindern kann. Breq ist äußerlich eine Frau, doch ihr Körper wird von einer künstlichen Intelligenz gesteuert, welche Jahrhunderte als ein Raumschiff bis zur Zerstörung überdauert hat. Anaander Mianaai ernennt Breq zur Flottenkapitänin und schickt sie in das Athoek-System, um dort für Sicherheit und Stabilität zu sorgen. Und dort trifft Breq auf nicht wenige Schwierigkeiten.

Meine Meinung:

Mit „Die Mission“, dem zweiten Band der Reihe „Die Maschinen – Universum“ von Ann Leckie, geht die Story rund um Breq, Seivarden, Anaander Mianaai und die Radch weiter. Der erste Band („Die Maschinen“) hatte mich hundertprozentig begeistern und faszinieren können. Die Fortsetzung ist definitiv auch sehr spannend und interessant – ich fand den ersten Band allerdings ein Stückchen besser. Aber „Die Mission“ bietet trotzdem vieles, was ich an dieser Reihe wundervoll finde – nämlich nochmal einen näheren Blick auf künstliche Intelligenzen, einen detailreichen, tiefgründigen und nachvollziehbaren Aufbau, eine Story, die zum Nachdenken anregt, einem richtig guten Schreibstil (einerseits recht nüchtern, andererseits sehr gefühlvoll, wenn auch unterdrückt) und Charaktere, die ich absolut lieb gewonnen habe.

Die Einheit war ihre Stärke. Wird der Zwiespalt ihr Untergang sein?

„Sie sind eine der sehr wenigen Personen, denen ich begegnet bin, die sich wirklich nicht vor den Konsequenzen fürchten, mich zu verärgern. Und bei niemandem dieser sehr wenigen ist die…Ähnlichkeit des Hintergrunds gegeben, den Sie und ich haben.“

(S. 11 des eBooks „Die Mission“ von Ann Leckie, Heyne Verlag)

In „Die Mission“ ist nicht nur Anaander Mianaai, die Herrin der Radch, selbst in zwei Teile gespalten, sondern die gesamten Radchaai scheinen sich auf die eine oder andere Seite zu stellen. Bei diesem Konflikt, in welchen Mianaai mit sich selbst im Streit ist, geht es darum, wie die „Politik“ der Radch weiter gehen wird. Seit Jahrhunderten hatten die technisch hoch entwickelten Radch ihr Territorium mit grausamen Annexionen von anderen Welten erweitert. Dafür haben sie Raumschiffe und Hilfseinheiten benötigt, gesteuert von einer KI. Während die eine Seite so weitermachen möchte, ist die andere Seite eher für den friedlicheren Weg, bei dem mit anderen Welten Verträge geschlossen werden, statt diese zu annektieren, keine Gebietserweiterungen mehr, Hilfseinheiten werden durch Soldaten ersetzt. Diese radikale Änderung einer Grundlage, auf die sich die Radch aufgebaut hat und durch welche sie übermächtig geworden ist, stößt nicht bei der gesamten Bevölkerung auf Akzeptanz oder Wohlwollen. Einige möchten weiterhin Annexionen und Hilfseinheiten, wofür sie sogar morgen würden.

Breq wird von Anaander Mianaai, der Herrin der Radch, zur Flottenkapitänin des Raumschiffes „Gnade der Kalr“ ernannt und Seivarden zum ersten Offizier. Ihre Mission und die ihres Raumschiffes und der Besatzung ist es, im Athoek-System für Sicherheit und Stabilität zu sorgen. Nicht alle Teile des Territoriums wissen von dem Zwiespalt, aber wenn sich das ändert und jeder sich für eine Seite entscheidet, könnten Unruhen ausbrechen. Wobei noch nicht mal sicher ist, ob es nicht vielleicht noch mehr Fraktionen von Anaander mit unterschiedlichen Meinungen und hinterhältigen Plänen gibt. Außerdem warten noch ganz andere heftige und gefährliche Probleme auf Breq.

Das allgegenwärtige Problem

„Es war sehr, sehr schrecklich, einem Schiff die Hilfseinheiten zu nehmen. Einer Hilfseinheit das Schiff zu nehmen. Aber vielleicht nicht so schrecklich wie der Mord an Menschen, um diese Hilfseinheiten zu schaffen. Aber trotzdem war es etwas Schreckliches.“

(S. 130 des eBooks „Die Mission“ von Ann Leckie, Heyne Verlag)

„Die Mission“ beschäftigt sich zu einem großen Teil mit der Gegenüberstellung der radikalen Variante „Annexionen und Hilfseinheiten“ und der gemäßigten Variante „Verträge und Soldaten“, wobei u.a. Schwierigkeiten auftauchen, die aus früheren Annexionen folgen. Auch Breq befindet sich in einer unangenehmen Situation, mit der sie klarkommen muss. Früher steuerte ihre KI ein riesiges Raumschiff und Tausende von Hilfseinheiten – nun nur noch eine einzige Person. Damit fertig zu werden, ist nicht gerade einfach, weil ihr so vieles fehlt, was sie dadurch früher hatte, sodass sie trotz ihrer Einstellung gegen Hilfseinheiten hin und wieder sehnsüchtig an die vergangene Zeit zurückdenkt. Die Geschichte wird zwar aus der Sicht von Breq erzählt, aber Ann Leckie hat sich eine wirklich faszinierende Möglichkeit einfallen lassen dem Leser Szenen zu zeigen, die nicht in Breqs Anwesenheit stattfinden. Es ist so eine Art Verbundenheit zwischen Breq und ihrem neuen Raumschiff.

Hier gibt es nicht nur ein Wiedersehen mit Breq und Seivarden, sondern es kommen noch einige Charaktere dazu, die mir ebenso sehr sympathisch geworden sind, so z.B. Tisarwat mit ihren fliederfarbenen Augen und Basnaaid, die Schwester von Leutnantin Awn.

Ann Leckies Schreibstil ist wie gewohnt großartig und – trotz der scheinbar emotionslosen logischen Kühle – dramatisch. Wie beim ersten Teil wird nicht auf actionreiche Szenen gesetzt, sondern auf Details, einem langsamen und immer bedrohlicheren Showdown. Mir hat es jedenfalls gefallen und ich bin auf den 3. Band gespannt.

Fazit:

Spannend und wieder sehr faszinierend, auch wenn ich den 1. Band ein Stückchen besser fand. In der Fortsetzung werden schon bestehende Probleme weiter bearbeitet, aber es kommt noch allerhand dazu. Alles wird detailreich und gemäßigt aufgebaut und erzählt, spitzt sich gegen Ende immer mehr zu. Breq ist einfach genial und kann zusammen mit allen anderen Charakteren mit Tiefe und Überraschungen punkten. Ich freue mich schon auf den 3. Band. Wie wird das alles enden?

Vielen Dank an den Heyne Verlag (Random House Verlagsgruppe) für das Rezensionsexemplar!

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