Rezension: „Das Feuer der Erde“ von Leo Aldan

  • Handlung
  • Spannung
  • Action
  • Schreibstil
  • Idee
2.5

Information

Titel: Das Feuer der Erde
Autor: Leo Aldan
Verlag: VA – Verlag Aretz
Erscheinungsdatum: 1. März 2019
Seiten: 304
Erzählort: verschiedene Orte auf der Erde
Erzähldatum: 2029
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Science-Fiction
ISBN: 9783944824840

Inhalt:

2029: Die Vulkanforscherin Dr. Georgina Finley entdeckt während einer Expedition in der Antarktis, dass das Eis aufgrund der steigenden Erderwärmung immer mehr schmilzt, was zur Folge hat, dass die darunter liegenden Vulkane aktiv werden.

Die Situation auf der gesamten Erde spitzt sich immer mehr zu: Wetterschwankungen, das Schmelzen des Eises, der Ausbruch von unterirdischen und oberirdischen Vulkanen, Tsunamis und Erdbeben scheinen alles Leben auf der Erde in wenigen Wochen auszuschalten, wenn dagegen nichts unternommen wird. Doch ist eine Rettung vielleicht nicht schon zu spät?

Meine Meinung:

Aufgrund dieses Themas war ich schon ganz gespannt auf „Das Feuer der Erde“ von Leo Aldan. Ich mag es, wenn ein wissenschaftlicher Hintergrund zu einer spannenden Story verpackt wird und hatte dementsprechend hohe Erwartungen an die Geschichte. Denn wie es im Inhalt beschrieben wird, scheint die Erde, so wie wir sie kennen, vielleicht vollständig und für immer (oder zumindest für eine sehr lange Zeit) ausgelöscht zu werden durch den Klimawandel und seine Konsequenzen, ausgelöst durch die Menschheit. Natürlich stellte ich mir dann die Fragen: Wie wird das genau passieren? Gibt es überhaupt dann noch einen sicheren Platz auf der Erde? Wird es eine plötzliche Wendung geben – und wenn ja, wie plausibel wird diese sein? Ein definitiv sehr wichtiges und aktuelles Thema, da es nicht erst seit gestern bekannt ist, dass die Menschheit sich ändern muss, damit es nicht wirklich zu einer hier beschriebenen Katastrophe kommt. Aber wie kann man es verhindern? Ist das überhaupt möglich? Ich fand es ein bisschen merkwürdig, dass dieses eigentlich umfangreiche und hochinteressante Thema auf so wenigen Seiten abgearbeitet werden konnte. Und leider wurde ich hier in mehreren Punkten total enttäuscht.

Die Apokalypse

„Im Erdmantel hat ein Prozess eingesetzt. Den müssen wir stoppen, sonst explodieren die antarktischen Vulkane und danach die Supervulkane aller Kontinente. Als Folge dieser Ausbrüche würden die Meere sintflutartig ansteigen, die Atmosphäre durch schwefelige Vulkanasche vergiftet.“

(S. 99 des eBooks „Das Feuer der Erde“ von Leo Aldan)

Bei „Das Feuer der Erde“ von Leo Aldan setzt die Handlung in der Antarktis ein, als die Vulkanforscherin Dr. Georgina Finley zusammen mit ihren beiden Assistentinnen Nicky und Camille unterwegs ist, um Messdaten von Seismographen einzusammeln. Dabei geraten sie durch das Schmelzen des Eises nicht nur in Schwierigkeiten, sondern merken auch schon ein leichtes Beben der Erde. Sie können herausfinden, dass unter dem Eis inaktive Vulkane sind, die mit Fortschreiten der Eisschmelze aktiv werden. Finley sieht als einzige Chance das zu verhindern, indem die Menschheit sofort den Ausstoß von Kohlendioxid stoppen und den Konsumverbrauch reduzieren muss, da ihnen ansonsten nur noch wenige Wochen oder Monate bleiben bis überall auf der Erde Katastrophen ausbrechen und schließlich alles Leben vernichtet wird. Doch keiner scheint ihr zu glauben, auch das Herantreten an die Öffentlichkeit oder an die Regierung scheitert. Die Klimakatastrophe ist seit Jahrzehnten bekannt – warum sollte das Ende der Welt nun ganz plötzlich eintreten? Aber nicht nur die Ignoranz macht Finley Probleme, sondern auch ein reicher und skrupelloser Firmenchef, der einiges daran setzt, dass Finleys Berechnungen nicht bekannt werden. Währenddessen geschehen nun überraschend überall auf der Welt heftige Katastrophen: der Meeresspiegel steigt rapide, ganze Erdteile stürzen ins Meer, gewaltige Tsunamis bilden sich und überschwemmen Inseln, Vulkane brechen aus, Erdbeben lassen gewaltige Spalten entstehen, Tornados zerstören Landschaften und Städte und giftige Dämpfe steigen auf.

Geniale und faszinierende Idee – schwache Umsetzung

Zu viele und schnelle Sprünge – zu wenig Tiefe

Keine Liebe zum Detail

Wie ich schon erwähnte, finde ich das Thema faszinierend und wichtig, weshalb meine Erwartungen dann auch ziemlich hoch waren. Doch bereits bei der geringen Seitenanzahl für ein solches komplexes und umfangreiches Thema kamen mir Zweifel.

In „Das Feuer der Erde“ gibt es sehr viele und schnelle Sprünge zwischen Orten und Perspektiven. Die Katastrophen beginnen bereits am Anfang und halten an bis zum bitteren Ende. Das kann natürlich die Spannung heben, hier ging das jedoch in die falsche Richtung los. Es ging endlos so weiter und ließ mich bedauerlicherweise fast komplett gefühllos zurück. Hin und wieder gab es allerdings einige Szenen, welche Spannung aufbauten – aber das war leider zu kurz. Wissenschaft wird nur am Rande angerissen, es gibt zu wenige Erklärungen (es geht einfach nicht in die Tiefe), der Roman setzt mehr auf viel zu viel rasante Action, die mal eben schnell auf einigen Hundert Seiten untergebracht werden muss, worunter die Szenen stark leiden und nur lieblos „dahingeschmissen“ wirken. Die kurzen Kapitel werden sehr schnell abgearbeitet, als müsse die Geschichte endlich vorangetrieben werden, als wäre es egal, dass darunter das Gesamtgefüge leidet und die Story so oberflächlich und belanglos wird, dass selbst rasante und spektakuläre Handlungen mich einfach nicht mitreißen konnten und keine wirklich gute Atmosphäre geschaffen wird. Ich suchte vergebens nach einer Bindung zu diesem Buch. Für mich war das nach einiger Zeit nur noch ein „Blitzlichtgewitter“, das anfangs so an mir vorbei driftete, mich dann jedoch nicht nur nerven, sondern auch langweilen konnte. Ich war auch kurz davor das Buch abzubrechen, wollte aber doch wissen, zu welchem Ende das alles führt.

Die Charaktere, die fehlende Dramatik, der Erzählstil und das Ende

Die Geschichte wird aus der Sicht von verschiedenen Charakteren erzählt (wovon es hier definitiv viele gibt), Protagonistin ist jedoch die Forscherin Dr. Georgina Finley. Leider konnte ich weder zu Finley noch zu einem anderen Charakter irgendwelche Gefühle aufbauen, außer dass mich einige nicht nachzuvollziehende Handlungen und das Verhalten ärgern konnten. Insgesamt blieben die Charaktere für mich zu blass und oberflächlich, nicht greifbar. Ich hätte mir einen besseren Aufbau von Dramatik gewünscht, das Einbinden von Gefühlen, um die Charaktere besser kennenzulernen, um mit ihnen lachen, weinen, leiden und hoffen zu können. Irgendetwas, damit es mich überhaupt interessiert, was mit ihnen passiert, was mich mitreißen könnte. Es gibt nichts Schöneres, als eine spannende Handlung mit Charakteren, um die man bangt, mit denen ich mitfiebern kann, die mich überraschen und vielleicht atemlos vor Spannung werden lassen. Aber auch die Charaktere wurden eben schnell abgearbeitet, nur das Nötigste (und das ist eben nicht genug) – und das kurze Anreißen von den Hintergründen und der Vergangenheit von einigen Charakteren verpuffte vollkommen wirkungslos. Und das ist wirklich schade.

Mit dem Erzählstil hatte ich so meine Probleme. Ich mag zwar einen lockeren und einfachen Schreibstil, der mich ohne Schwierigkeiten durch die Seiten fliegen lässt, aber hier war das oftmals übertrieben und stumpf. Was ich gar nicht mag, sind ständig solche merkwürdigen und gewollt ungezwungenen Ausdrücke (z.B. „Mädels“, ständiges Erwähnen von „sexy“ etc.). Das hat dann doch ziemlich stark meinen Lesefluss gestört.

Tatsächlich fand ich das Ende überraschend, denn mit einem solchen Ausgang hätte ich nicht gerechnet, denn es ist wirklich ziemlich unrealistisch. Ein paar mehr Erklärungen, etwas mehr von allem – und es wäre gut. Das Ende war so wundersam und schnell beendet, dass ich noch weiter blätterte, weil ich dachte, da müsse doch noch was kommen. Das war jedoch nicht der Fall.

Fazit:

Ein faszinierendes und aktuelles Thema, das leider enttäuschend umgesetzt worden ist. Die Story könnte mehr an Spannung, Dramatik und Handlung gebrauchen – vor allem an Geduld, Szenen und Charaktere gut auszubauen und weiterzuentwickeln, damit sie mitreißen können. An mir zog die gesamte Story einfach so vorbei.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

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