Rezension: „Vicious – Das Böse in uns“ von V. E. Schwab, (1. Band)

Vicious - Das Böse in uns
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Spannung
  • Action
5

Information

Titel: Vicious – Das Böse in uns
Autor: V. E. Schwab
Verlag: Fischer Tor
Erscheinungsdatum: 27. November 2019
Seiten: 400
Erzählort: u.a. Merit (USA)
Erzähldatum: heutige Zeit
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Vicious
Villians – Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-596-70503-0

Inhalt:

„Ich will glauben, dass es mehr gibt. Dass wir mehr sein können. Verdammt, wir könnten Helden sein.“ (S. 79)

Victor und Eli sind zwei junge Medizinstudenten und beste Freunde, die eine Theorie haben: Menschen, die eine Nahtoderfahrung durchgemacht haben, kehren mit übernatürlichen Kräften ins Leben zurück. Und um das zu beweisen, probieren sie es an sich selber aus – und beide kehren mit Erfolg ins Leben zurück. Während Eli die Gabe erhält sich heilen zu können, kann Victor Schmerzen kontrollieren. Doch nach ihrer Rückkehr scheint bei beiden etwas verloren gegangen zu sein – und die Folgen ihres Experiments fordern einen hohen Preis.

Zehn Jahre vergehen, als Victor die Flucht aus dem Gefängnis gelingt. Zehn Jahre, in denen er von dem unstillbaren Wunsch angetrieben worden ist, sich an seinem ehemaligen Freund Eli zu rächen. Und nun scheint es endlich soweit zu sein…

Meine Meinung:

„Vicious – Das Böse in uns“ ist der erste Band der Villians-Reihe von V. E. Schwab und das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe. Und es hat mich sehr positiv überraschen können. Das beeindruckende Cover und der Klappentext ist genau die Art von interessanter Kombination, die mich sofort neugierig machen konnte – denn beides weist auf einen vielversprechenden Roman hin. Anfangs bin ich trotzdem skeptisch geblieben, ob hier nicht eine ziemlich unrealistische und klischeehafte „Superhelden-Story“ auf mich zukommt. Aber die Befürchtungen waren total unnötig, denn die Story um Victor und Eli, die von besten Freunden zu erbitterten Feinden werden, konnte mich bereits auf der ersten Seite packen und ließ mich gar nicht mehr los, da die Story u.a. eine heftige Faszination ausstrahlt. „Vicious – Das Böse in uns“ von V. E. Schwab bietet nicht nur einfach ein mega cooles, geniales, düsteres und bösartiges Fantasyerlebnis (allerdings auch recht grausam und brutal), das gleichzeitig die Genre Thriller und Science-Fiction miteinbezieht, eine kontinuierliche Spannung und in der heutigen Zeit spielt, sondern weist einen kühlen, schnörkellosen und pragmatischen Schreibstil auf, der mir auf Anhieb gefallen hat und der einfach perfekt zu der schaurigen Handlung passt. Mein neues Highlight – da ich keine ruhige Minute mehr hatte, bis ich endlich wusste, wie die Geschichte weitergeht…und somit ist es zu einem absoluten Lieblingsbuch geworden!

Die Wahl zwischen dem Bösen…und etwas Schlimmeren

„Mach Schluss, hatte die Dunkelheit verlockend gezischt. Wie oft hatte er dem Wunsch widerstehen müssen, einfach zuzugreifen – nicht mit den Händen, sondern mit dem, was in ihm war – und alles und jeden um ihn herum zu vernichten?“

(S. 61 des eBooks „Vicious – Das Böse in uns“ von V. E. Schwab, Fischer Tor)

In „Vicious – Das Böse in uns“ wird ein Thema, welches an sich schon schaurig ist, zu einer genialen Geschichte geformt, die mich nicht nur schocken und oftmals entsetzen konnte und bei mir richtiges Herzklopfen verursacht hat, sondern auch vor Spannung die Luft anhalten ließ. Victor und Eli sind beste Freunde und intelligente Medizinstudenten, die an sich selber eine Nahtoderfahrung ausprobieren, um herauszufinden, ob sie dadurch mit übernatürlichen Kräften ins Leben zurückkehren. Dabei wird anschaulich beschrieben, wie beide versuchen sich umzubringen und anschließend wiederzubeleben. Ihr Experiment hat Erfolg – und dann passiert etwas, welches aus zwei Freunden erbitterte Feinde macht. Sie haben nun übernatürliche Kräfte – doch scheint bei jedem etwas Wichtiges verlorengegangen zu sein, wodurch das Böse in ihnen deutlich erkennbar wird. Während Victor bis zu seiner Flucht zehn Jahre im Gefängnis nach Rache sinnt und diese Schritt für Schritt plant, geht Eli einer blutigen Beschäftigung nach. Doch keiner von beiden ist ohne Hilfe, denn es werden noch einige interessante Charaktere in die Geschichte eingebunden, wie z. B. die 13-jährige Sydney, die ein ganz besonderes Geheimnis hat, welches für einige fassungslose und hervorragende Wendungen sorgt.

„Die wichtigen Momente sind nicht immer lang und bedeutungsschwer. Zwischen einem Schluck und dem nächsten beging Victor den größten Fehler seines Lebens, und er bestand nur aus einem Satz. Vier kleine Wörter.“

(S. 50 des eBooks „Vicious – Das Böse in uns“ von V. E. Schwab, Fischer Tor)

So viele Fragen…

Zwei Besonderheiten an „Vicious“ sind zum einen der Schreibstil, zum anderen der allgemeine Aufbau der Geschichte, der mir erfrischend anders vorgekommen ist. Denn es gibt einen stetigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, wobei jede Zeitform ein eigenes Kapitel hat. Vergangenheit und Gegenwart wird nicht immer chronologisch erzählt, aber immer so, dass Fragen, die beim Lesen oft aufkommen, später durch ein Kapitel aus einem anderen Zeitabschnitt erklärt werden. So handelt die Gegenwart davon, dass Victor versucht seine Rache an Eli in die Tat umzusetzen, während in der Vergangenheit Einzelheiten der Charaktere erklärt werden, wie es zu allem gekommen ist etc. Auf diese Weise wird die Spannung nicht nur permanent vorangetrieben, sondern führt auch nach einiger Zeit zu einer nachvollziehbaren Auflösung, die gleichzeitig ein weiteres Puzzlestück für das Gesamtgefüge darstellt und dem Leser die Möglichkeit gibt, die Charaktere nach und nach kennen zu lernen, ihre Beweggründe zu erfahren und ihre Geheimnisse aufzudecken. Denn am Anfang erscheint alles ziemlich undurchsichtig, entwickelt sich im Laufe der Zeit jedoch zu einer plausiblen Lösung.

„Niemand wird dir weh tun. Und weißt du auch, warum?“ Sie schüttelte den Kopf, und Victor lächelte. „Weil ich ihnen zuerst weh tun werde.“

(S. 143 des eBooks „Vicious – Das Böse in uns“ von V. E. Schwab, Fischer Tor)

V. E. Schwabs Schreibstil ist schnörkellos, pragmatisch und…irgendwie recht gefühllos, was zu der Story wirklich gut passt. Sie schmückt ihre Handlung nicht mit umfangreichen Beschreibungen aus, sondern beschreibt recht kurz und dafür umso prägnanter das Nötigste, was z. B. die Umgebung, Dialoge und Charaktere betrifft, was hier erstaunlicherweise völlig ausreicht und wodurch sie auch Interpretationsspielraum gibt. Die Konzentration fokussiert sich gezielt auf die Handlung der Charaktere, die Story sowie die düstere und schaurige Atmosphäre.

Die Charaktere passen unglaublich gut in die Story. Und obwohl sie oftmals unnahbar wirken, konnte ich mich in ihre Gedankenwelt immer besser hineinversetzen und mit ihnen mitfiebern. Ziemlich herausstechend ist da Victor Vale, der mir neben Sydney am besten gefallen hat. Er ist ein ruhiger, kühler und intelligenter Medizinstudent, der im Laufe der Jahre von dem mächtigen Wunsch nach Rache angetrieben wird und Schritt für Schritt einen Plan entwirft, um sich im großem Stil an Eli zu rächen. Das erweckt vielleicht den Anschein, dass es hier ein Gut oder Böse gibt – dem ist jedoch nicht wirklich so, da es in „Vicious“ keine Helden, sondern nur Antihelden gibt. Das macht die Story weitaus abwechslungsreicher und dahingehend gibt es noch einige tiefgründige Geschehnisse.

Was ich noch richtig gut fand, ist, was sich die Autorin hat einfallen lassen bzgl. wer welche übernatürliche Fähigkeit bekommt. Denn hier ist es so, dass es vom Einzelnen abhängt, von den Gedanken, welcher stark genug gewesen ist, um denjenigen am Leben zu erhalten bzw. ins Leben zurückzuholen. Und dass sie nach ihrer Rückkehr charakterlich nicht mehr dieselben Menschen sind, dass ihnen etwas Entscheidendes fehlt. Damit verbunden sind einige moralische Fragen, mit denen sich die Charaktere in gewissem Maß auseinandersetzen müssen. Und was das Ende betrifft: richtig gelungen, perfekt! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung „Vengeful“!

Fazit:

Für mich ist „Vicious – Das Böse in uns“ von V. E. Schwab zu einem absoluten Highlight geworden, da die Geschichte einfach richtig cool, düster, recht bösartig und schaurig ist. Dazu passt wunderbar der kühle Schreibstil, die faszinierenden Charaktere und der Aufbau der Handlung durch das stetige Wechseln von Vergangenheit und Gegenwart. Eine spannende Idee, die ausgezeichnet umgesetzt worden ist und mich auf die Fortsetzung sehnsüchtig warten lässt!

 

Vielen Dank an den Fischer Tor Verlag für das Rezensionsexemplar!

Die Rezension ist bei Monerl’s Monatshighlight (Top & Flop) Linkparty Dezember 2019 verlinkt. #MiteinanderStattGegeneinander

Weitere Rezensionen bei:

Das Bambusblatt

Monis Zeitreise

Lese Welle

 

Chronologische Reihenfolge der „Villians – Reihe“ von V. E. Schwab:

2 Gedanken zu „Rezension: „Vicious – Das Böse in uns“ von V. E. Schwab, (1. Band)

  1. Hallo!
    Wow, deine Rezension zeigt so richtig, wie gut dir das Buch gefallen hat. 😀
    Aber ich kann dir da nur zustimmen, es ist einfach fantastisch! Wobei ich sagen muss, dass mir das kurze und prägnante an Schwabs Schreibstil manchmal etwas zu kurz und prägnant war.
    Meine Rezension kommt erst Ende nächster Woche, aber ich werde deine dann gerne verlinken. 😀
    Liebe Grüße
    Diana

    1. Liebe Diana,

      es freut mich total, dass dir „Vicious“ auch gefällt! Ich liebe dieses Buch! Heute ist auch endlich meine Rezension zum zweiten Band erschienen – auch richtig gut, und ich hoffe so auf einen dritten Band.

      Danke! Ich bin gespannt auf deine Rezension und werde sie hier dann auch verlinken. 🙂

      Viele Grüße
      Kristin

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