Rezension: „Cassardim – Jenseits der goldenen Brücke“ von Julia Dippel, (1. Band)

Cassardim - Jenseits der Goldenen Brücke
  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Action
5

Information

Titel: Cassardim – Jenseits der goldenen Brücke
Autor: Julia Dippel
Verlag: Planet! (Thienemann-Esslinger)
Erscheinungsdatum: 17. Oktober 2019
Seiten: 528
Erzählort: Unterwelt (Totenreich) und Menschenwelt
Erzähldatum: heutige Zeit
Erzählperspektive: Ich-Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: ————-
Cassardim – Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-522-50645-8

Inhalt:

Amaia wird den Gedanken nicht los, dass sie und ihre Familie nicht menschlich sind. Sie möchte das Geheimnis ihrer Familie endlich lüften, warum sie sehr viel langsamer altern und es zwischen ihr und ihren Geschwistern keine Ähnlichkeiten gibt. Doch ihre Eltern lassen nichts unversucht, um das Geheimnis zu schützen – das fängt bei festen Regeln und vielen Umzügen an und geht sogar bis zur Gedankenkontrolle. Eines Tages jedoch bringen ihre Brüder einen mysteriösen Gefangenen mit nach Hause, der vielleicht endlich die Antworten auf ihre Fragen hat. Sein Name ist Noár – und er wird zu ihrer letzten Chance, als nach einem grausamen und brutalen Angriff Amaias Eltern ermordet werden und sie alleine dastehen. Noárs Auftauchen ist jedoch kein Zufall, denn er soll Amaia und ihre Geschwister nach Cassardim, ins Reich der Toten, bringen. Und mit einem Mal gelangen sie von einer Schwierigkeit zur anderen…

Meine Meinung:

In den vergangenen Wochen ist dieser Fantasy-Roman mir immer wieder „über den Weg gelaufen“ und obwohl mein Bücherstapel immer weiterwächst, weckte „Cassardim – Jenseits der goldenen Brücke“ von Julia Dippel doch immer mehr meine Neugier, sodass ich es doch unbedingt lesen musste (wollte). Vor allem auch, da es so viele positive Bewertungen davon gibt. Und das zu Recht, finde ich, denn die besondere Story konnte mich richtig gut unterhalten und sorgt neben einer recht actionreichen Handlung, einer abwechslungsreichen Fantasywelt und facettenreichen Charakteren auch für viele humorvolle Erlebnisse, bei denen ich herrlich lachen konnte! Ich hatte erst gedacht, dass es ein Einzelband ist, aber anscheinend wird es noch weitere Bände geben – zum Glück! Diese Welt und die Charaktere möchte ich zu gerne wiedersehen.

Das Reich der Toten

„Leider fiel mir nur einer ein, der kaltblütig genug war, ohne mit der Wimper zu zucken eine Leiche verschwinden zu lassen. Und dieser jemand hatte auch noch ein persönliches diabolisches Interesse daran, mir gefällig zu sein und dafür eine Gegenleistung zu fordern.“

(S. 311 des eBooks „Cassardim – Jenseits der goldenen Brücke“ von Julia Dippel, Thienemann-Esslinger Verlag)

„Cassardim“ wird aus der Sicht von Amaia erzählt, die bereits zum achten Mal sechzehn Jahre alt ist. Amaia kennt den Grund nicht, warum sie, ihre Geschwister und ihre Eltern viel langsamer als gewöhnlich altern oder auch warum sie alle sich nicht ähnlich sehen. Ihre Eltern hüten das Geheimnis, indem sie dies als Schutz ihrer Kinder vorgeben, oft die Wohnorte wechseln, strenge Regeln auferlegen und anscheinend eine Fähigkeit haben, Gedanken zu kontrollieren. Alles ändert sich jedoch, als Amaias Brüder eines Tages einen mysteriösen Gefangenen namens Noár mit nach Hause bringen. Und wenig später werden sie angegriffen, ihre Eltern werden ermordet und Noár ist ihre einzige Rettung. Doch ganz zufällig ist das alles nicht, denn Noár hat den Auftrag Amaia und ihre Geschwister zu beschützen und zum Kaiserhof ins Reich der Toten zu bringen. Und damit gelangen sie in weitere Schwierigkeiten, denn am Kaiserhof gibt es eine Menge Intrigen, Machtspiele und zwielichtige Personen.

Julia Dippel hat mit Cassardim, dem Reich der Toten, eine sehr abwechslungsreiche, ungewöhnliche und „farbenfrohe“ Fantasywelt geschaffen, die viel zum Entdecken bietet. So gibt es den goldenen Berg, der sich selber verändern bzw. seine Gänge und Tunnel verschieben kann. Aber auch ein Meer aus Sand, wandernde Wälder, schwebende Berge (hier scheint irgendwie alles in Bewegung zu sein ^^), einen Fluss aus Chaos, Nebelpferde und fliegende katzenartige Wesen, die Shendai genannt werden. Ebenso haben die Cassarden eine eigene Kultur, Sitten und Verhaltensweisen, die ziemlich….bizarr sind und Leute, die sich damit nicht auskennen, schnell in prekäre Situationen bringen kann. Zum Beispiel, dass Geschenke hier eine Gegenleistung verlangen, man sich nicht für etwas bedanken und am besten seine wahren Gefühle nicht zeigen sollte. Hinzu kommt noch, dass die Cassarden andere mit ihrem Willen lenken können.

Humorvolle Fantasy

„Seine Bewegungen waren lässig, fast schon abgeklärt, als könnte ihm nichts in diesem Haus Angst einjagen. Entweder er war eine Art übermächtiger Superheld oder er hatte gehörig einen an der Waffel.“

(S. 59 des eBooks „Cassardim – Jenseits der goldenen Brücke“ von Julia Dippel, Thienemann-Esslinger Verlag)

In „Cassardim – Jenseits der goldenen Brücke“ gibt es haufenweise erfrischend humorvolle Ereignisse und Dialoge, die mich nicht selten zum Staunen und Lachen bringen konnten. Da man die Geschichte aus der Sicht von Amaia in der Ich-Erzählform erfährt, bekommt man Amaias Gedanken- und Gefühlswelt direkt mit – und die Autorin hat das hervorragend nachvollziehbar dargestellt, denn ich konnte problemlos mit Amaia mitfühlen. Amaia ist, weil sie in „unserer“ Welt (Menschenwelt) gelebt hat, genauso wie der Leser nicht mit den Gepflogenheiten in Cassardim vertraut und bringt sich immer wieder nichts ahnend und unbedacht durch ihr Verhalten in ein Problem nach dem anderen. Wodurch allerdings nicht nur einige amüsante Begebenheiten entstehen. Denn am Kaiserhof gibt es ein dunkles Geheimnis – und Amaia ist sich immer unsicherer, wem sie noch trauen kann, weshalb sie ständig von Angst und Zweifeln geplagt wird. Somit kommen nervenaufreibende und rasante Szenen absolut nicht zu kurz, denn es gibt genügend atemberaubende Wendungen, Geheimnisse zu lüften und recht spektakuläre Kämpfe, die keine Langeweile aufkommen lassen.

Was die Charaktere betrifft, so fokussiert sich die Geschichte größtenteils auf Amaia und Noár, die mir auch wirklich gut gefallen haben. Noár ist tatsächlich ein sehr sonderbarer und faszinierender Charakter, bei dem ich mir nie ganz sicher war, ob ich ihn hasse oder liebe. Denn er ist meistens arrogant, selbstherrlich, dreist, brutal und skrupellos…und sorgt am meisten für richtig amüsante Szenen, denn die Wortgefechte zwischen ihm und Amaia sind einfach wunderbar. Dabei ist undurchsichtig, was er überhaupt erreichen möchte. Aber es wird auch immer wieder deutlich, dass sich hinter Noárs kühler Fassade noch Gefühle verbergen könnten. Die anderen Charaktere sind auch sehr gut gezeichnet und tragen ihren Teil zu einer spannenden Handlung bei.

Julia Dippels Schreibstil ist leicht, mühelos und humorvoll, sodass ich die Geschichte unglaublich schnell lesen konnte. Am Ende von „Cassardim“ gibt es zwar eine Auflösung, dennoch bleiben einige Kleinigkeiten erhalten, welche die Neugier auf die Fortsetzung wecken. Alles in allem eine tolle Fantasygeschichte!

Fazit:

„Cassardim – Jenseits der goldenen Brücke“ von Julia Dippel bietet eine tolle Kombination aus einem rasantem Abenteuer, eine große Portion Humor, facettenreichen Charakteren und einer ungewöhnlichen und abwechslungsreichen Welt. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

 

Vielen Dank an den Planet! Verlag (Thienemann-Esslinger) für das Rezensionsexemplar!

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