Rezension: „Alkatar – Der Erbe“ von Anja Fahrner

  • Handlung
  • Spannung
  • Action
  • Schreibstil
  • Atmosphäre
4.3

Information

Titel: Alkatar – Der Erbe
Autor: Anja Fahrner
Verlag: EMMERICH Books & Media
Erscheinungsdatum: November 2017
Seiten: 450
Erzählort: Planet Zadeg
Erzähldatum: 2592
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Science-Fiction
Alkatar-Reihe: 2. Band
ISBN: 978-1978493896

Inhalt:

Auf dem Planeten Zadeg leben die Menschen in einer rückständigen, rauen und gefährlichen Welt: Bauern und Diener verarmen und leiden Hunger, unterdrückt und beherrscht von reichen und skrupellosen Händlern, die sich nur für ihren Profit interessieren, ihre Macht mithilfe des Militärs festigen und Kriegersklaven mit außergewöhnlichen Fähigkeiten züchten, um ihre Warentransporte zwischen den Städten vor Übergriffen zu schützen. Denn in der Wildnis leben Bestien, die grausam Menschen töten und fressen.

Doch Alvans Fähigkeiten sind noch höher entwickelter als die der anderen Kriegersklaven. Brutal ist er sein Leben lang darauf abgerichtet worden zu töten, um jeden Preis die Menschen zu schützen, ohne eine Hoffnung, jemals ein eigenes Leben führen zu dürfen – denn so ist es vorherbestimmt worden von der Gründungsgeschichte. Eines Tages taucht jedoch ein Offizier auf und sendet ihn auf eine Todesmission: Alvan soll sich alleine in die von Bestien wimmelnden Ruinen einer untergegangenen Kultur begeben, um eine Gruppe von Frauen zu retten. Aber was er vorfindet ist nicht nur der Weg in eine andere und bessere Welt – sondern auch die Wahrheit, welche das System auf Zadeg als abgrundtief grausame Lüge entlarvt. Von da an hat Alvan eine neue Mission…

Meine Meinung:

Alkatar – Der Erbe“ von Anja Fahrner ist der zweite Band der Alkatar-Reihe und eine interessante, einfallsreiche und recht bewegende Dystopie, die zwei sehr unterschiedliche Welten miteinander vereint. Ich kenne zwar den ersten Band noch nicht, aber durch den Klappentext war ich schon sehr gespannt auf die Geschichte. Im Nachhinein kann ich sagen, dass man für den Fortsetzungsroman das Vorwissen aus dem ersten Band nicht unbedingt benötigt – die Geschichten scheinen zwar aufeinander aufzubauen, aber dennoch getrennt zu sein.

Zadeg ist ein Planet, auf dem die Menschen ein rückständiges Leben führen, vergleichbar mit unserer Vergangenheit. Die Menschen ziehen auf Reittieren oder mit von Tieren gezogenen Wagen durch das Land, kennen keine Elektrizität, benutzen u.a. Schwerter, Bogen und Pfeile als Waffen und Frauen spielen eine untergeordnete Rolle. Die Landbevölkerung ist verarmt und größtenteils ungebildet, leben in dreckigen und stinkenden Dörfern, während die Händler sich auf die Großstädte wie Gloria konzentrieren, im Reichtum leben, nur an ihren eigenen Vorteil denken und ihre Macht durch das Militär festigen. Und außerhalb der „Menschensiedlungen“ existieren nicht nur gefährliche Tiere, sondern auch menschenfressende Bestien, die als Simple bezeichnet werden und einen kaum zu stillenden „Blutdurst“ haben. Um die Warentransporte zu schützen, züchten sie sogenannte Kriegersklaven heran – Wesen mit übernatürlichen Fähigkeiten, brutal abgerichtet und durch die Gründungsgeschichte dazu verdammt, Sklaven der Menschen zu sein, diese zu schützen und alle Simplen zu töten, ohne jemals die Hoffnung auf ein eigenes Leben zu haben.

Anja Fahrner zeigt sehr deutlich die Misstände dieser bizarren und rückständigen Gesellschaft, die auf Lügen, Rücksichtslosigkeit, Unwissenheit und Ausbeutung aufgebaut ist. Für mich war der Einstieg in die Story erst etwas holprig – zum einen konnte ich nicht ganz erkennen, was das mit einem Science-Fiction zu tun hat. Aber bezüglich Geheimnisse, dramatischer Aufdeckungen, Entwicklung der Geschehnisse und Charaktere und dem Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit sowie der im guten Maße actionreichen Handlung besitzt dieses Buch ein sehr schönes Potential, welches die Spannung steigert und auch verblüffen kann, sobald man hinter den Lügen die Wahrheit erkennt, und damit wird auch das Genre hundertprozentig erkennbar.

Der Schreibstil ist klar, flüssig und gut zu verstehen, beschreibt nicht umfangreich die Umgebung oder Charaktere, aber doch so weit, dass man sich alles gut vorstellen kann und die meisten Charaktere Tiefe erhalten. Erzählt wird aus der Sicht von mehreren Charakteren in der personalen Erzählweise. Insgesamt ist das Buch in drei Teile gegliedert, welche wiederum aus mehreren Kapiteln bestehen, die jeder einen eigenen Titel haben, der sozusagen zu den im jeweiligen Kapitel dargestellten Geschehnissen passt.

Protagonist der Handlung ist der Kriegersklave Alvan, der noch ausgeprägtere Fähigkeiten hat als die anderen Kriegersklaven – er kann noch besser sehen, hören, riechen, ist stärker und telepathisch begabt. Er ist pflichtbewusst, mutig, stur, roh und grob – aber im Grunde hat er eine warmherzige Seite, die er versucht, nicht zu zeigen. Denn im Trainingslager von Malatomb ist er darauf brutal und unter physischen und seelischen Qualen trainiert worden zu töten und keine Schwäche zu zeigen. Seine dramatische Vergangenheit lastet wie eine dunkle Wolke auf ihm – damit sie ihn nicht verschlingt, versucht er zu vergessen. Alvan ist zwar fest in diesem System drin, aber innerlich sehnt er sich nach Freiheit und einem Zuhause.

Im Laufe der Geschichte kommen weitere Charaktere dazu, die mir eigentlich beinahe alle gut gefallen haben, da sie mit ihrer Entwicklung auch überraschen können. So lernt man General Hagas kennen, der zwar auch fest nach diesem System denkt und skrupellos sein kann, aber dennoch nachdenkt und den Willen hat, seine Meinung zu ändern. Dann gibt es u.a. noch die eigensinnige Wissenschaftlerin Maris, die forsche Sicherheitschefin Indira, die ziemlich schüchterne und blass wirkende Lara und den Kriegersklaven Darkon. Aber auch ein interessantes, gefährliches und feinfühliges Raubtier mit Schlappohren, das Equs Sol, Alvans bester Freund.

Im Hinblick auf den ersten Band wird immer wieder auf eine Menschenmission angesprochen, auch durch Alvans Erinnerungen gibt es Rückblicke auf das, was damals passiert sein könnte. Die Idee der gesamten Story, aber auch bezüglich der Portale, finde ich wirklich gut. Durch die Geschehnisse u.a. in der Ruinenstadt, in denen sich massenhaft Simple befinden und ohne nachzudenken ihrem „Blutdurst“ folgen, ist eine unheimliche Atmosphäre erschaffen worden und eine Portion Nervenkitzel.

Am Anfang des Buches befindet sich eine Karte, am Ende eine Kurzgeschichte und ein Interview mit Anja Fahrner.

Der Showdown war sehr spannend – aber der Endkampf und der Epilog hätten doch etwas länger sein dürfen.

Alles in allem hat mir „Alkatar – Der Erbe“ von Anja Fahrner sehr gut gefallen und mich neugierig auf weitere Bände der Reihe gemacht.

Fazit:

Interessanter und spannender Science-Fiction, der eine rückständige und eine fortschrittliche Welt vereint. Dabei wird gezeigt, dass selbst wenn Menschen eine zweite Chance bekommen, es immer noch welche gibt, die den gleichen Fehler wie zuvor machen: Das rücksichtslose Streben nach Macht und Reichtum.  Aber das es auch einen Weg gibt, dagegen zu kämpfen.

Vielen Dank an Anja Fahrner und Emmerich Books & Media für das Rezensionsexemplar!

Ich habe bei der Lovelybooks-Leserunde mitgemacht

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