Rezension: „Menschenstadt“ von M. J. Colletti

Menschenstadt
  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Action
  • Schreibstil
4.5

Information

Titel: Menschenstadt
Autor: M. J. Colletti
Verlag: ——————
Erscheinungsdatum: 10. Mai 2020
Seiten: 451
Erzählort: Erde
Erzähldatum: Zukunft/ heutige Zeit
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Science-Fiction
Originaltitel: Menschenstadt
Reihe: —————-
ISBN: —————-

Inhalt:

„Wenn du Angst hast, bist du verloren […]“ (S. 118)

Vor 10 Jahren hat die Welt begonnen, zu sterben. Während eine dichte Wolkenschicht den Himmel verdüstert und die zu einem Ödland werdende Welt in ein tristes und ewiges Zwielicht hüllt, breitet sich auf der Erdoberfläche etwas noch viel Schrecklicheres aus – nämlich die Jalomar. Riesige, grausame und gefährliche Wesen, die jagt auf die Menschen machen und das ohnehin schon schwierige Leben für die letzten Verbliebenen zu einem Albtraum und ständigen Kampf ums Überleben werden lässt. So auch für Jenna, die zu einer wahren Überlebenskünstlerin geworden ist – was jedoch immer schwieriger wird. Aber es gibt Hoffnung: Irgendwo soll es die Menschenstadt geben, eine mysteriöse Zuflucht und ein sicherer Platz, wo man geschützt von den Jalomar leben kann. Jenna weiß nicht, ob diese Zuflucht wirklich existiert, doch es ist ihre einzige Chance. Gemeinsam mit einer ziemlich merkwürdigen Gruppe begibt sie sich auf die Suche. Bald weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann, und wird schließlich mit einer grausamen Wahrheit konfrontiert.

Meine Meinung:

„Menschenstadt“ von M. J. Colletti hat mich unglaublich neugierig gemacht. Das liegt nicht nur daran, dass ich sowieso total gerne Dystopien lese und das Cover einfach toll aussieht und perfekt zur Story passt, sondern besonders auch an dieser Kombination aus unterschiedlichen im Klappentext angesprochenen Problemen. Eine Welt, deren Himmel verdunkelt ist und langsam stirbt. Grausame und plötzlich auftauchende Lebewesen, die das Leben für alle Menschen zu einem ständigen Kampf ums Überleben machen. Irgendwo soll es eine letzte Zuflucht geben – doch existiert diese wirklich? Und welches Geheimnis steckt hinter allem?

Eine sterbende Welt – und eine letzte Hoffnung

„Der Blick in die Ferne zeigte eine verrottende Welt, in der es außer Leid und Tod nichts gab. Eine Welt, in der die Menschheit langsam starb und bald nicht mehr als eine Erinnerung sein würde. Jenna sah eine düstere Zukunft, kalt und leer wie die Welt, in der sie lebte. Doch unter all dem Schutt und der Asche glimmte noch der kleine Funke Hoffnung, an den sie sich klammerte.“

(S. 317 des eBooks „Menschenstadt“ von M. J. Colletti)

 

In „Menschenstadt“ von M. J. Colletti existiert die Welt nicht mehr so, wie wir sie kennen. Vor 10 Jahren verdüsterte sich der Himmel durch eine Wolkenschicht, sodass die Erdoberfläche nur noch in ein ständiges Zwielicht gehüllt ist, es also nicht mehr richtig hell oder dunkel wird. Und so blieb es weiterhin. Aufgrund der fehlenden Sonne stirbt die Welt allmählich, wobei das nicht das einzige Problem bleibt. Zeitgleich tauchten die Jalomar auf, riesige und blutrünstige Lebewesen, die sowohl in körperlicher als auch in nebliger Form bestehen können, gnadenlos Jagd auf die Menschen machen, diese bestialisch umbringen, um sie zu essen, und beinahe vollständig ausrotteten. Es gibt keine Menschensiedlungen mehr, keine Infrastruktur, das Essen wird immer weniger, einige werden zu herum streifenden Kannibalen. Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben – und jeden Tag wird es schwieriger. Doch es soll eine Hoffnung geben, die vielleicht in Wirklichkeit gar nicht existiert: Die Menschenstadt, eine letzte Zuflucht in einer sterbenden, von albtraumhaften Kreaturen, Angst, Hunger und Tod beherrschten Welt.

Die Geschichte erfährt man aus der Sicht von unterschiedlichen Charakteren in Form des personalen Erzählers, hauptsächlich jedoch aus der Sicht von Jenna, einer unerschrockenen Armbrustträgerin, und David, der Gefahren zwar gerne meidet, jedoch immer mehr an Mut gewinnt. Beide haben eine Fähigkeit, die ihnen hilft, die sie jedoch nicht erklären können. Die Charaktere haben mir insgesamt gut gefallen, ebenso die Entwicklung die sie durchmachen und wie sie zu einem gut eingespielten Team werden. So z. B. Jenna, die durch das entbehrungsreiche Leben zu einer wahren Überlebenskünstlerin und Kämpferin geworden ist, die ständig eine Armbrust bei sich trägt und sich – aufgrund schlechter Erfahrung – nicht mehr mit Menschen abgibt. Seit dem Tod ihres Bruder ist sie außerdem auf sich allein gestellt. Sie ist hart im Nehmen, denkt nur noch daran, wie sie überleben kann und gibt sich unerschrocken und gefühllos, doch im Laufe der Geschichte macht sie eine Veränderung durch, was ihr weiteres Denken auch entscheidet und außerdem zeigt, dass sie noch Mitgefühl entwickeln kann. Auf der Suche nach der Menschenstadt wird sie widerwillig zur Beschützerin einer ziemlich merkwürdigen Gruppe. Und von da an ändert sich für sie einiges. Nicht nur, dass sie auf ihrem Weg allerhand Gefahren bestehen muss und nicht sicher sein kann, ob die Menschenstadt tatsächlich existiert, sondern auch bekommt sie endlich Antworten auf Fragen, die sie seit 10 Jahren beschäftigen. Und sie kann sich nicht mehr sicher sein, wem sie noch trauen kann, denn jeder hat ein Geheimnis.

Spannende Dystopie

Mir hat es richtig Spaß gemacht diese heftige Dystopie zu lesen. Die Ideen sind einfach klasse, der Schreibstil ist flüssig und fesselnd und hier wurde eine wirklich hervorragende dystopische Atmosphäre erschaffen. Die Story ist nervenaufreibend, actionreich, mitreißend, schaurig und auch faszinierend, sodass ich nicht nur oftmals atemlos vor Spannung dem Handlungsverlauf folgen konnte, sondern auch manchmal richtig Gänsehaut bekam.

Jede Menge Fragen tauchten beim Lesen auf. Warum hat sich der Himmel verdunkelt? Was sind die Jalomar wirklich? Woher sind sie gekommen und warum? Was hat es mit Jennas und Davids Fähigkeiten auf sich? Und noch viel mehr. Ich hatte viele Vermutungen, worauf das alles hinauslaufen könnte – und wurde jedes Mal total überrascht, denn mit einer solchen Auflösung hatte ich nie gerechnet. Genau das ist es auch, was ich u. a. richtig gut fand: Man kann zwar hervorragend miträtseln – aber wird dennoch immer wieder heftig überrascht.

Auch wenn mir die Geschichte sehr gut gefallen hat, gibt es noch einige negative Punkte. Im letzten Drittel hat mir an allen Stellen die Tiefe gefehlt. Die Szenen wirken im Vergleich zu früher deutlich unausgebauter und überstürzt. Von da an wird noch eine riesige Portion Handlung rasend schnell und ohne dafür geeigneten Ausbau abgehandelt, sodass die Tiefe verloren geht. Ebenso ist es mit den Charakteren. Dialoge, Handlungen, Ereignisse, Gefühle, Gedankengänge wirken abgeschnitten, als würde nicht das ganze Potential ausgeschöpft. Hier wären weitere 100 oder 200 Seiten gut gewesen, um diese Menge an noch zu erwähnender Handlung besser bzw. ausgebauter darzustellen.

Alles in allem aber eine spannende Dystopie mit vielen Überraschungen und tollen Ideen. Auch der Showdown bildet einen imposanten Abschluss der Geschichte, wobei dennoch ein Spielraum für eine Fortsetzung da zu sein scheint – worüber ich mich jedenfalls freuen würde.

Fazit:

Actionreiche und schaurige Dystopie, die faszinierende Ideen zu bieten hat und alles in einer heftigen Handlung umgesetzt ist, die mich wunderbar in Spannung versetzen konnte. Bis auf ein paar Kleinigkeiten hat mir die Story sehr gut gefallen. Definitiv zu empfehlen.

Vielen Dank an die Autorin M. J. Colletti für das Rezensionsexemplar!

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