Rezension: „Amnesia“ von Jutta Maria Herrmann

Inhalt:

Als die unheilbar an Krebs erkrankte Helen erfährt, dass ihr wahrscheinlich nur noch ein Jahr zum Leben bleibt, fasst sie den Entschluss, ihre Familie, mit der sie sich nie wirklich verstanden hat, in Südwestdeutschland zu besuchen. Nach all den Jahren scheint sie sich jedoch nicht geändert zu haben: ihre Mutter verhält sich ihr gegenüber kühl und reserviert und ihre Schwester Kristin ist zwar freundlich, aber scheint irgendetwas zu verheimlichen.

Nachdem Helen erfährt, dass Kristin von deren Ehemann Leon gequält wird, spielt sie mit dem Gedanken ihn umzubringen – ist sich jedoch nicht sicher, ob sie tatsächlich einen Mord begehen könnte. Doch dann wird Leon eines nachts wirklich ermordet. Helen, die aufgrund ihrer Medikamente immer öfter unter Gedächtnislücken leidet, fehlt jegliche Erinnerung an diese Nacht.

Meine Meinung:

Amnesia“ wird vollständig aus der Perspektive der krebskranken Protagonistin Helen erzählt, die aufgrund ihrer Angst vor dem baldigen Tod in eine stetig steigende Abhängigkeit eines Medikaments gestürzt wird, dass ihr zwar kurzfristig die Angst nimmt, aber bei ihr immer größere Erinnerungslücken verursacht. Ein letztes Mal möchte sie ihre Familie sehen, für die sie eigentliche eine Art „Außenseiterin“ ist, und muss feststellen, dass der Mensch, den sie am meisten verabscheut, ihre kleine Schwester geheiratet hat und quält. Helen denkt darüber nach, Leon umzubringen – traut sich das allerdings nicht zu. Dann wird er eines nachts tatsächlich ermordet – Helen hat überhaupt keine Erinnerung an diese Nacht, doch beinahe alles scheint darauf hinzudeuten, dass sie die Mörderin ist. Helen versucht der Sache auf den Grund zu gehen, wobei sich langsam ihre Erinnerungslücken wieder schließen und sie herausfindet, dass nicht alle Menschen in ihrer Nähe wirklich das sind, was sie vorgeben zu sein.

Jutta Maria Herrmann hat das Leben und die Gedanken einer krebskranken Frau, die in ständiger Angst lebt und in einem Medikamentennebel gehüllt ist, sehr gekonnt, mitreißend und grauenerregend real geschildert, wodurch ein sehr tiefgründiger Thriller mit Horror-Elementen – wie aus einem richtigen Albtraum – und einer beklemmenden, angespannten und düsteren Atmosphäre erschaffen wurde, der durch seine Originalität besticht, aber auch einige ziemlich langatmige Stellen und Wiederholungen aufweist, wodurch die Geschichte nicht durchgängig spannend bleibt. Auch die Charaktere, die absichtlich wenig ansprechend gestaltet wurden, fügen sich mit ihren verstellten Verhalten und später mit ihren wahren Eigenschaften in das Bild eines Albtraums.

Auffällig an der Geschichte ist auch, dass es vollständig im Präsens geschrieben ist. Es gibt mehrere Kapitel, welche jeweils einen Tag zeigen, den Helen seit ihrem überstürzten Aufbruch verbracht hat.

Das Ende hat mich auf jeden Fall sehr überrascht und ist gleichzeitig eine interessante und unerwartete Lösung.

Fazit:

Interessanter und mitreißender Thriller mit Horror-Elementen und einem gemäßigten Tempo.

Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!

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