Rezension: „Die Feuerreiter Seiner Majestät – Drachenwacht“ von Naomi Novik, (5. Band)

Drachenwacht - Die Feuerreiter Seiner Majestät 05
  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Action
  • Schreibstil
5

Information

Titel: Die Feuerreiter Seiner Majestät – Drachenwacht
Autor: Naomi Novik
Verlag: Blanvalet (Penguin Random House)
Erscheinungsdatum: 17. Januar 2011
Seiten: 416
Erzählort: England
Erzähldatum: 3 Monate nach „Drachenglanz“
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: The Temeraire Series: Victory of Eagles
Die Feuerreiter seiner Majestät – Reihe: 5. Band
ISBN: 978-3-442-26581-7

Inhalt:

Die moralische Entscheidung, die der Himmelsdrache Temeraire und sein Kapitän Laurence getroffen haben, hat bei ihrer Rückkehr nach England für sie mehr als schwerwiegende Folgen: Laurence wird wegen Hochverrat an Großbritannien zum Tode verurteilt und vorerst eingekerkert, während Temeraire sein Leben in einem Zuchtgehege in Wales fristen muss. Keiner von beiden weiß, wie es dem anderen geht. Doch als der französische Herrscher Napoleon nun eine Invasion Englands erfolgreich umsetzt und Temeraire erfahren muss, dass Laurence, sein bester Freund, gestorben ist, handelt der mutige schwarze Drache voller Wut und unendlicher Traurigkeit: Temeraire stellt eine riesige und gefährliche Armee auf, um gegen den Feind zu ziehen und sein Zuhause zu verteidigen – eine Armee aus Drachen…

Meine Meinung:

„Drachenwacht“ von Naomi Novik beginnt mit einer traurigen und dunklen Stimmung, welche beinahe die gesamte Geschichte über anhält und mir das Herz schwer machte. Das Ende von dem 4. Band „Drachenglanz“ war so bitter, heftig und dramatisch gewesen, dass ich sofort danach den 5. Band „Drachenwacht“ anfangen musste, denn die Ungewissheit, wie es mit Temeraire und Laurence weitergeht, ließ mir einfach keine Ruhe. „Drachenwacht“ konnte mich in vielerlei Hinsicht wieder total in den Bann ziehen und ist definitiv noch emotionaler und gewaltiger als die letzten Bände.

 

Ein aussichtsloser Kampf?

 

„Temeraire sagte nichts. Ein entsetzliches Gefühl stieg in ihm empor und sammelte sich in seiner Kehle. Blicklos wandte er den Kopf ab und ließ es kommen. Das Brüllen brach aus ihm heraus wie ein Donner, erstickte jedes Wort um ihn herum, und der Felshang vor ihm zersprang wie das Glas eines Spiegels.“

 

(S. 50, „Drachenwacht“ von Naomi Novik, Blanvalet Verlag)

 

„Drachenwacht“ setzt 3 Monate nach den Geschehnissen aus „Drachenglanz“ ein. Da Kapitän Laurence und sein Drache Temeraire die französischen Drachen vor einer tödlichen Seuche gerettet haben, wird Laurence des Hochverrats für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Doch das Urteil wird vorerst ausgesetzt, sodass er lange Zeit eingekerkert wird und Temeraire einsam in einem Zuchtgehege in Wales leben muss. Als Napoleon jedoch den Kanal mit seiner Armee überquert, um Großbritannien zu überfallen, scheint sich das Blatt vielleicht noch zu wenden. Doch die französische Armee ist weitaus stärker als die britische. Und als Temeraire erfahren muss, dass er wahrscheinlich Laurence, seinen besten Freund, verloren hat, fasst er voller Wut und unendlicher Traurigkeit den festen Entschluss, sein Zuhause mit allen Mitteln zu verteidigen. Und dafür stellt er seine eigene Armee auf….eine Armee aus Drachen.

 

 

Dramatik und Spannung ohne Ende

 

„Er ist ein sentimentaler Bursche, nicht wahr? Sich selbst auszuliefern… Verflucht romantisch. Was macht es schon für einen Unterschied? Sie können ihn doch hinterher hängen.“

 

(S. 68, „Drachenwacht“ von Naomi Novik, Blanvalet Verlag)

 

Bis jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich einen Lieblingsband der „Die Feuerreiter Seiner Majestät“-Reihe von Naomi Novik habe. „Drachenwacht“ jedoch ist schon so extrem heftig, dass es mich am meisten emotional treffen konnte und bei mir viele Momente mit Herzklopfen verursachte. Noch dazu übertrifft sich die Autorin hier mit den Ideen und Wendungen. Drachen, die sonst immer in dieser Welt als nicht intelligent angesehen worden sind, erlangen hier weitaus mehr Gewicht und Ansehen durch ihre Pläne, Strategien und Taten. Wobei das Wort „Strategie“ einen großen Teil des Buches ausmacht, denn der Kampf der Briten gegen die Franzosen wird detailliert strategisch beschrieben, wird dadurch jedoch nicht trocken oder langweilig.

Trotz der niederdrückenden Stimmung hat Naomi Novik es auch hier wieder geschafft, Humor einzubinden – was hauptsächlich einige Handlungen und Unterhaltungen zwischen den Drachen betrifft.

Eine Besonderheit, die hier auftaucht: In den vorherigen Bänden wurde ausschließlich aus Laurences Sicht erzählt, nun kommt noch Temeraires Perspektive dazu, worüber ich mich richtig gefreut habe!

In „Drachenwacht“ wird die Freundschaft zwischen Laurence und Temeraire auf eine harte Probe gestellt. Laurence wird von seinen Mitbürgern angefeindet und muss deren Hass ertragen, denn in ihren Augen ist er ein Verräter, der es überhaupt erst möglich gemacht hat, dass Napoleon ihr Zuhause überfallen konnte. Das drohende Schicksal, dass das Todesurteil irgendwann vollstreckt wird, hängt wie eine dunkle Wolke über ihm. Seine Schuldgefühle erdrücken ihn und steigern bei ihm ein bizarres Ehrgefühl, wodurch er nicht mehr wie er selbst ist und was ihn zu skrupellosen Handlungen treibt, die er früher niemals getan hätte und die ihn langsam und allmählich zerstören. Und worunter auch Temeraire leidet. Beide taten mir hier unendlich leid.

 

„[…] vielleicht neige ich von Natur aus einfach weniger dazu, mich für alle Sünden der Welt verantwortlich zu fühlen, anstatt mich um meine eigenen zu kümmern.“

 

(S. 356, „Drachenwacht“ von Naomi Novik, Blanvalet Verlag)

 

Auf viele andere, bekannte und liebgewonnene Charaktere trifft man hier auch. So zum Beispiel den ehemaligen Boten, Überlebenskünstler und Fremdenführer Tharkay, der mir seit „Drachenwacht“ noch sympathischer geworden ist und der seit dem 3. Band „Drachenzorn“ eine wichtige Rolle einnimmt – ganz besonders in brenzligen Situationen. Er hat eine geradezu bemerkenswert nüchterne, ruhige und unkomplizierte Art und schafft es mit seinen logischen und vernünftigen Äußerungen das Wesentliche zum Ausdruck zu bringen. Auch die feuerspuckende Drachin Iskierka sorgt durch ihr aufwieglerisches, anstrengendes und kratzbürstiges Verhalten für einige Schwierigkeiten, womit sie nicht nur das Leben ihres armen Kapitäns Granby schwer macht. Sie ist ein richtiger Wirbelsturm, kämpferisch, starrköpfig und gierig. Damit bildet sie einen deutlichen Gegensatz zu dem tapferen Drachen Temeraire, der mutig und entschlossen für seine Ideen und seine Freunde kämpft und auch Rücksicht nimmt. Auch Emily Roland spielt hier wieder mit, ebenso auch die beiden afrikanischen Jungen Demane und Sipho, die seit „Drachenglanz“ zur Mannschaft gehören.

Aber es kommen auch noch ein paar weitere tolle Drachen dazu. Wie zum Beispiel die wissensdurstige, intelligente und einfallsreiche Perscitia und der liebevolle und ehrenhafte Veteran Gentius.

Das 5. Abenteuer „Drachenwacht“ endet zwar größtenteils abgeschlossen, dennoch wird bereits das nächste Abenteuer eingeleitet. Und ich freue mich schon riesig darauf!

 

Fazit:

„Drachenwacht“ ist wohl der traurigste Band der Reihe mit dieser niederdrückenden Stimmung und der dunklen, ungewissen Zukunft, das ihnen allen droht. Aber es ist bis jetzt auch die heftigste Geschichte der Reihe, die bezüglich der Drachen wahrscheinlich weitreichende Veränderungen einläutet. Mir hat es viele nervenaufreibende Momente mit Herzklopfen verursacht. Für mich wieder – wie schon die anderen Bände – ein Highlight!

 

 

 

Chronologische Reihenfolge:

  1.  Drachenbrut
  2.  Drachenprinz
  3.  Drachenzorn
  4.  Drachenglanz
  5.  Drachenwacht
  6.  Drachenflamme
  7.  Drachengold
  8.  Drachenfeind
  9.  Drachensieg

 

 

 

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