Rezension: “Die Fehde der Gezeiten” von Roberta Altmann und Judith L. Bestgen (1. und 2. Band)

Die Fehde der Gezeiten
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Schreibstil
  • Action
4.5

Information

Titel: Die Fehde der Gezeiten
Autor: Roberta Altmann und Judith L. Bestgen
Verlag: tredition
Erscheinungsdatum: 3. September 2021
Seiten: 548
Erzählort: Karibik
Erzähldatum: 1705
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Die Fehde der Gezeiten
Above All Else – Reihe: 1. Band (“The Ocean Wind’s Desire”) und 2. Band (“What We May Be”)
ISBN: 978-3-347-38266-4

Inhalt:

1705 – Es heißt, wo die See besonders aufgewühlt ist, da seien sie. Sirenen. Einst Menschen, so sagt man, sind sie nun dank eines Fluches ans Meer gebunden.

Während Europa in den Auswirkungen des spanischen Erbfolgekrieges versinkt, werden die Wellen um die Kolonien in der Neuen Welt von Piraten aufgewühlt.
Mitten in diesem Getümmel befindet sich Piratencaptain David Callahan, der mehr in seinem dunklen Herzen zu verbergen hat, als man erkennen mag. Denn er ist nur zur Hälfte ein Mensch und die andere Seite in ihm giert nach dem Ozean und nach Schätzen.
Sein durchtriebener Instinkt sagt ihm, wann ein Risiko zu hoch ist und wann er gewinnen wird. Bis er sich eines Tages verleiten lässt und auf die falsche Kaperfahrt geht. Der Wahnsinn und der Tod klopfen in der Gestalt der gefährlichsten Männer der Navy an seine Tür.

 

(Quelle: https://tredition.de/autoren/judith-l-bestgen-33024/die-fehde-der-gezeiten-paperback-164008/)

Meine Meinung:

„Die Fehde der Gezeiten“ von Roberta Altmann und Judith L. Bestgen ist eine Fantasy-Piraten-Geschichte mit geschichtlichem Hintergrund, denn die Story spielt in unserer realen Vergangenheit im Jahre 1705, und gehört zu der mehrteiligen Buchreihe „Above All Else“. Das Buch beinhaltet sowohl den 1. Band „The Ocean Wind’s Desire“, der bereits im Sommer 2020 als längere Kurzgeschichte erschienen ist, als auch den 2. Band „What We May Be“, sodass aus beiden Bänden nun ein längerer Roman mit 548 Seiten entstanden ist. Mir gefällt die Thematik, die Kombination aus Fantasy, Piraten und historischem Schauplatz. Letztes Jahr konnte der 1. Band meine Neugier auf weitere Bände der Reihe entfachen – und auch der 2. Band bietet eine spannende Story, eine schöne Atmosphäre, einen geschickten Schreibstil und tiefgründige Charaktere.

 

Ein gefürchteter Piratenkapitän
Ein ehrenvoller britischer Offizier
und eine Beutefahrt, die ihr gesamtes Leben verändert…

 

„Vielleicht war es wie die Sage um den Phönix aus der Glut, denn wenn sie ein Teil gewesen waren, dann fühlte sich etwas in ihm anscheinend nun vollständig genug. Es war, als wäre er aus der Asche seiner Niederlage wiedergeboren worden, stärker, als er es sonst jemals im Leben hätte sein können.“

(S. 258 des eBooks „Die Fehde der Gezeiten“ von Roberta Altmann und Judith L. Bestgen)

 

Der Fantasy-Roman „Die Fehde der Gezeiten“ beginnt direkt in der Karibik im Jahre 1705, bietet als Schauplätze diverse Schiffe, eine unbewohnte Insel und eine „Piratenstadt“ und handelt u. a. von zwei Menschen (David und Gabriel), die auf unterschiedlichen Seiten stehen und somit eigentlich Feinde sind, plötzlich aber aufeinander angewiesen sind und mit diesen neuen Umständen zurechtkommen müssen. Größtenteils wird die Geschichte aus der Sicht des Piratenkapitäns David Callahan und des britischen Offiziers Gabriel Rosswell in Form des personalen Erzählers erzählt, ab und zu kommen aber auch andere Perspektiven dazu.

Darum geht es: David Callahan ist bekannt als gefürchteter, gnadenloser und berüchtigter Piratenkapitän – und er hat ein magisches Geheimnis, welches er vor anderen versucht zu verbergen. Er weiß, wann er ein Risiko eingehen muss – und wann er es lieber bleiben lassen sollte. Doch dann kommt der Tag, an dem er trotz unguten Gefühls die falsche Entscheidung trifft. Gemeinsam mit seiner Crew und Verbündeten stürzt er sich in eine Seeschlacht um ein Schatzschiff. Zwar siegen sie, doch ihr Glück ist nicht von langer Dauer: Ihr Schiff ist so schwer beschädigt, dass die Reparatur lange Zeit in Anspruch nehmen wird und sie somit auf einer Insel festsitzen wie auf einem Präsentierteller. Hinzu kommt noch, dass sie durch die Gefangennahme des britischen Ersten Offiziers Gabriel Rosswell in viel größere Schwierigkeiten geraten. Denn gegen ihren Willen hat sich zwischen dem Piratenkapitän und dem Offizier eine magische Bindung entwickelt, welche die beiden Feinde erbarmungslos aneinander kettet und somit ihr Leben komplett auf den Kopf stellt. Noch dazu werden sie vom Blutwolf, einem skrupellosen Piratenjäger gejagt – und die Piraten selber stehen auf unterschiedlichen Seiten. Zwischen mehreren Fronten gefangen und mit einem Haufen an Problemen müssen sie nun einen Ausweg finden, doch das ist alles andere als leicht…

 

 

Dunkle Geheimnisse und eine Spur Dramatik

 

„Das Leben ist nicht dazu geschaffen, dass man alles direkt auf dem Silbertablett vor die Nase gesetzt bekommt. Man muss es sich erarbeiten. Ein gutes Buch offenbart seine Geheimnisse auch nicht direkt.“

(S. 274 des eBooks „Die Fehde der Gezeiten“ von Roberta Altmann und Judith L. Bestgen)

 

Und diese Geschichte ist voller Geheimnisse, die nur Stück für Stück offenbart werden. Mit der Zeit lernt man immer mehr über die Charaktere, die sich auch weiterentwickeln. Die Sirenenbindung war im 1. Band (der hier, wie oben bereits beschrieben, enthalten ist) noch ein unklarer Faktor, der bei mir einige Fragen aufgeworfen hat und erstmal unbeantwortet blieb, doch mit dem 2. Band wurden eine Menge interessante Informationen dazu eingebaut, wodurch dann endlich Licht ins Dunkel gekommen ist. Und dann wäre da noch das große Geheimnis um das Schatzschiff, das allmählich gelüftet wird.

Die Charaktere:
Der Fokus liegt stark auf den Charakteren, ihrer Entwicklung, Gedankengängen und Emotionen, die sehr mitreißend beschrieben werden. Es wird dadurch von den Charakteren ein anschauliches Bild gezeichnet, wodurch es wiederum leichter wird, sich in die Lage des jeweilig anderen zu versetzen und die Gesamtsituation im Wechsel mit unterschiedlichen Sichtweisen und Standpunkten zu sehen. So gibt es zum Beispiel David Callahan, den kaltblütigen und gefürchteten Piratenkapitän, der stetig nach Ruhm und Reichtum strebt und magische Fähigkeiten hat. Hinter seiner skrupellosen und unerschütterlichen Fassade scheint sich jedoch auch ein relativ guter Kern zu verbergen. Besonders im zweiten Band beginnt seine Fassade zu bröckeln und offenbart immer deutlicher, dass selbst er nicht nur sehr emotional ist und in Verzweiflung stürzen kann, sondern dies auch offen zeigt.
Gabriel Rosswell ist das genaue Gegenteil von David: Er ist distanziert, stoisch, loyal – und neigt absolut nicht zu Gefühlsausbrüchen, dennoch bildet er hier eine dramatische Persönlichkeit. Mit seiner manchmal recht steifen Ausdrucksweise und seiner Logik scheint er zwischen sich und anderen eine nicht wirklich zu überwindende Distanz aufzubauen, die dadurch vergrößert wird, dass er die Menschen um sich herum nicht wirklich versteht – und wiederum die Menschen von ihm irritiert sind. Doch im 2. Band scheint er ein bisschen aufzutauen.

Dann gibt es da noch den Piratenkapitän Ian, der ein sonniges Gemüt hat und Stimmung in die Story bringt. Lacroix, auch ein Piratenkapitän, der sprunghaft ist und sein „Inneres“, ohne nachzudenken, nach außen trägt. Und den Piratenkapitän Hadley, der ganz offensichtlich die Rolle des Antagonisten einnimmt und mit seiner großspurigen und hinterlistigen Art niemals auf die Liste der sympathischen Charaktere gelangen könnte. Und der Blutwolf spielt eine wichtige Rolle – er bleibt größtenteils ein großes Mysterium der Geschichte, da er nicht viele Szenen für sich beansprucht. Und was sich vielleicht mit nachfolgenden Geschichten der Reihe ändern könnte. Mehr dazu zu sagen würde nur spoilern. ^^

 

„Mir ist es einerlei, welches Geschlecht, welches Aussehen, welchen Glauben, welche Sprache, welche Liebe ein Mensch hat. Ich glaube an keinen Gott, der uns für etwas bestraft, wofür wir nichts können. Ich glaube nicht an einen Gott, der Liebe predigt und uns verdammt, wenn diese Liebe nicht dem entspricht, was er will, gleich ob er uns einen freien Willen gab. Ich glaube nicht an einen Gott, der uns Menschen nach seinem Abbild erschaffen haben soll, mit mehr Facetten als buntes Glas im Sommerlicht, eine Symphonie der Schönheit, nur um einer Facette die blutige Herrschaft über eine andere zu geben.“

(S. 167 des eBooks „Die Fehde der Gezeiten“ von Roberta Altmann und Judith L. Bestgen)

 

Des Weiteren…
Die Handlung läuft zu einem großen Teil in einem gemäßigten Tempo, plätschert oftmals dahin, bleibt dabei durchgängig unterhaltsam und wird jedoch durch dramatische und/oder nervenaufreibende wie auch manchmal actionreiche Wendungen sehr in Fahrt gebracht, sodass es auch zu regelrechten Spannungshöhepunkten kommt. Beide Bände glänzen mit einem beeindruckenden Schreibstil, der detailreich und atmosphärisch ist, ohne ausschweifend zu werden. Auch Humor flackert hier hin und wieder durch, denn durch Gabriels und Davids Verhalten resultieren nicht selten amüsante Szenen und Dialoge. Das Ende bietet einen spannenden Showdown und bereitet auf die nachfolgenden Bände vor, auf die ich gespannt warte.

 

Fazit:

Eine tolle Kombination aus Fantasy, Piraten und geschichtlichem Hintergrund mit tiefgründigen Charakteren, Magie, einem atmosphärischen Schauplatz und einem beeindruckenden Schreibstil. Alles wird liebevoll und detailliert ausgebaut, ohne langatmig zu werden. Und neben ruhigen Szenen kommt es auch oft zu Spannungshöhepunkten. Insgesamt eine spannende und abwechslungsreiche Lektüre, die genau geeignet ist für einen gemütlichen Lesetag zu jeder Jahreszeit.

 

Vielen Dank an die beiden Autorinnen Roberta Altmann und Judith L. Bestgen für das Rezensions- und Testleseexemplar!

 

Hintergrund-Informationen: Bei den Zitaten findet ihr immer die Seite des eBooks, obwohl in der Rezension ein Foto des Buches zu sehen ist. Das ist dem Umstand geschuldet, dass ich “Die Fehde der Gezeiten” als eBook gelesen habe, im Anschluss haben mir die beiden Autorinnen dann noch das gebundene Exemplar geschenkt, worüber ich mich sehr gefreut habe. 😀

Rezension ausschließlich zum 1. Band: “The Ocean Wind’s Desire

 

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