Rezension: „Die Moortochter“ von Karen Dionne

  • Handlung
  • Spannung
  • Schreibstil
  • Atmosphäre
4

Information:

Titel: Die Moortochter
Autor: Karen Dionne
Verlag: Goldmann (Random House)
Erscheinungsdatum: Juli 2017
Seiten: 384
Erzählort: Upper Peninsula von Michigan (USA)
Erzähldatum: heutige Zeit
Erzählperspektive: Ich-Erzähler
Genre: Thriller
Englischer Originaltitel: The Marsh King’s Daughter
ISBN: 978-3-442-20535-6

Inhalt:

Zwölf Jahre lang hat Helena alleine mit ihren Eltern in einer Hütte im Moor der Upper Peninsula ein einfaches, aber für sie glückliches Leben gelebt. Ihren Vater Jacob, der ihr alles über Fährtenlesen und Jagen beigebracht hat, vergötterte sie. Als sie jedoch erfahren hat, dass er ihre Mutter damals entführt hat und sie beide in Wirklichkeit als Gefangene hält, gelingt ihnen die Flucht. Mit Helenas Hilfe wird er zwei Jahre später gefasst und zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Doch 14 Jahre später bricht ihr Vater aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus. Helena wird klar, dass nun ihre Familie in Gefahr ist und ahnt sofort, wo er sich versteckt hält und dass sie die einzige ist, die ihn aufspüren kann. Eine gnadenlose Jagd beginnt….

Meine Meinung:

Die Moortochter“ von Karen Dionne ist mal eine interessante Abwechslung von den „normalen“ Thrillern, wie man sie sonst kennt. Dabei ist nicht nur die Idee imposant, sondern auch spannend umgesetzt und bietet eine passende Mischung aus Thriller und Drama mit einem größtenteils gemäßigten Tempo.

Die Geschichte handelt von der ca. 28-jährigen Helena Pelletier, die auf der wenig besiedelten Upper Peninsula in Michigan gemeinsam mit ihren beiden kleinen Töchtern und ihrem Mann lebt. Als sie davon erfährt, dass ihr Vater Jacob aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, weiß sie, dass nur sie den erfahrenen Spurenleser finden und überwältigen kann. Jacob stellt eine Gefahr für sie und ihre Familie dar, denn vor über zehn Jahren konnte er mit ihrer Hilfe gefasst und eingesperrt werden. Dass er auf Rache sinnt und das alles bis ins kleinste Detail geplant hat, scheint klar zu sein. Keinem hat sie die Wahrheit über ihre Vergangenheit verraten, um endlich einen Schlussstrich ziehen zu können. Die ersten zwölf Jahre ihres Lebens hat sie in einer Blockhütte im Moor verbracht, wobei die einzigen Menschen, mit denen sie in dieser Zeit gesprochen hat, ausschließlich ihre Eltern gewesen sind. Das Gebiet drumherum hat sie nicht verlassen, Lesen hat sie sich selbst beigebracht, fließendes Wasser oder Strom hat es nicht gegeben – und sie hat nicht gewusst, dass sie Gefangene gewesen sind. Aber für sie ist ihre Kindheit glücklich gewesen – bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Während sie ihren Vater, der ihr beigebracht hat, im Moor zu leben, immer mehr vergötterte, hat sie sich stetig von ihrer schweigsamen, deprimiert und „blass“ wirkenden Mutter entfernt. Doch dann tritt der Wendepunkt ein. Und sie beginnt sich zu fragen, was wirklich richtig und was falsch ist.

Helena ist eine selbstbewusste, willensstarke, mutige und kalkulierende Protagonistin. Das Leben im Moor hat ihr einiges abverlangt und sie zu der starken und ungewöhnlichen Persönlichkeit geformt, die sie heute nun ist. Die Umgewöhnung von ihrem früheren Leben im Moor und dem Leben in einer Stadt, umgeben von anderen Menschen, ist ihr damals schwer gefallen – und jetzt auch noch hin und wieder, was sie jedoch versucht zu „überspielen“. Sie geht nicht zimperlich mit Waffen um und ist eine hervorragende Spurenleserin. Ihr ist klar, dass sie sich bei der Jagd auf ihren Vater, einem skrupellosen Mörder, in Gefahr begibt und, wenn möglich, ihn entweder zurück ins Gefängnis bringen oder ihn wahrscheinlich sogar töten muss.

Das Buch ist in zwei geschickt abwechselnde Handlungen geteilt, nämlich in Gegenwart und Vergangenheit. Während sich Helena in der Gegenwart auf die gefährliche Suche nach ihrem Vater begibt, erfährt man in der Vergangenheit, wie sie im Moor aufgewachsen ist ohne zu ahnen, dass sie und ihre Mutter im Grunde von Jacob dort festgehalten werden. Das Leben im Moor wird durch viel Detailtreue und Authentizität sehr bildhaft und realistisch dargestellt. Begleitet wird die Geschichte hauptsächlich durch eine drohende Atmosphäre, düster und recht quälend, dass einem mulmig zumute wird, als würde irgendetwas Schreckliches bald geschehen.

Die Kapitel beginnen zum Teil mit einem Auszug aus „Die Tochter des Moorkönigs“ von Hans Christian Andersen, wobei Parallelen zu dem Thriller gezogen werden, die von essentieller Bedeutung sind.

Was hier besonders hervorsticht, ist der interessante Schreibstil, wobei die Autorin Karen Dionne öfters auf eine recht nüchterne und ruhige Art von den Geschehnissen erzählt. Da das wahrscheinlich daran liegt, dass aus Helenas Sicht in der Ich-Erzählperspektive berichtet wird, ist das wirklich gut gelungen, zumal es auch die Dramatik der Geschichte unterstreicht. Des Weiteren hat es mich beeindruckt, dass Helena den Leser direkt anspricht, den Leser sozusagen in die Handlung einbezieht bzw. so davon erzählt, als würde sich der Leser ihr gegenüber befinden.

Die Moortochter“ ist eher weniger rasant – außer am Ende. Die Handlung und Spannung baut sich langsam und drohend auf. Anfangs kam ich zwar nur schleppend voran, auch später weist das Buch einige starke Längen auf, aber mit der Zeit konnte ich mit dem Lesen nicht mehr aufhören, weil die Entwicklung der Geschehnisse immer spannender wird, wobei das Einbinden von Helenas imaginären Freunden auch sehr dazu beigetragen hat. Es ist beinahe so, als würde man mit Helena nach und nach die grauenerregende Wahrheit herausfinden.

Fazit:

Die Moortochter“ ist eine beeindruckende Mischung aus Drama und Thriller, der mit einer realistischen und grauenerregenden Handlung besticht, die auch zum Nachdenken anregt. Auch wenn das Buch sich etwas gezogen hat, ist die Geschichte doch sehr interessant und gelungen umgesetzt.

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