Rezension: „Grave – Verse der Toten“ von Douglas Preston u. Lincoln Child, (18. Band)

  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Action
3.5

Information

Titel: Grave – Verse der Toten
Autor: Douglas Preston, Lincoln Child
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 2. Dezember 2019
Seiten: 384
Erzählort: Miami (USA)
Erzähldatum: März/April nach „Headhunt“
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Thriller
Originaltitel: Verses for the Dead
Pendergast – Reihe: 18. Band
ISBN: 978-3-426-22694-0

Inhalt:

In Miami verteilt ein Serienmörder mysteriöse Nachrichten und die Herzen von ermordeten Frauen auf Gräbern von Frauen, die vor ca. 10 Jahren auf die gleiche Weise Selbstmord begangen haben sollen. Doch am Tatort befinden sich keine Spuren und zwischen den Frauen scheint es auch keine Verbindungen zu geben. Warum werden sie ermordet? Warum haben damals diese Frauen Selbstmord begangen? Für Special Agent Aloysius Pendergast wird dieser aufsehenerregende Fall nicht nur deswegen zu einer schwierigen Angelegenheit, sondern auch weil ihm sein Vorgesetzter enorme Probleme bereitet und ihm einen neuen Partner, Agent Coldmoon, aufgezwungen hat. Um die Ermittlungen voranzutreiben, begeben sich Pendergast und Coldmoon nach Miami, wo sie herausfinden, dass die Lösung in der Vergangenheit liegt. Und dass der Mörder genau in ihrer Nähe ist…

Meine Meinung:

Die Thriller um den FBI-Agenten Aloysius Pendergast gehören seit Jahren für mich zur Pflichtlektüre, da die Bände nicht nur komplexe, actionreiche und rasante Handlungen zu bieten haben, sondern auch die Charaktere mir ans Herz gewachsen sind – allen voran der exzentrische, wortgewandte und kühle Pendergast, der seine eigenen Ermittlungsmethoden hat und dabei sich nicht wirklich an die Dienstvorschriften hält. Ein neuer Band dieser Reihe ist für mich immer wie Weihnachten, so sehr freue ich mich darauf. Die letzten Bände (angefangen bei „Demon – Sumpf der Toten“) allerdings haben ein wenig von dem großartigen, gewohnten und geliebten Stil, der für diese Reihe charakteristisch geworden ist, verloren. Die Bücher sind weiterhin unterhaltsam, Schwachpunkte werden durch die spektakulären Showdowns am Ende größtenteils ausgeglichen, aber es reicht nicht wirklich, es ist nicht mehr ganz so das Besondere wie früher, da die Storys zunehmend flacher und/oder merkwürdiger erscheinen. So hatte ich vom Anfang bis zur Mitte vom 18. Band „Grave – Verse der Toten“ von Douglas Preston und Lincoln Child unglaubliche Schwierigkeiten, mich mit dem Buch anzufreunden. Mir kam „Grave“ ziemlich plump, flach und langweilig vor, was mich immer mehr enttäuschte, denn die Story zog sich ohne Spannungsaufbau. Zudem scheinen die Bücher auch immer weniger Seiten zu haben und weniger Komplexität aufzuweisen. Selbst Pendergast, mein absoluter Lieblingscharakter dieser Reihe (!), wirkte eher wie ein flaches Abbild seiner selbst und seine exzentrische Art wird stark übertrieben und nicht mehr so ganz elegant und charmant dargestellt wie sonst. Auch die amüsanten Dialoge sind in „Grave“ eher selten. Im Hinblick auf die früheren Bände tut mir das unendlich leid. Mir hat hier leider recht viel gefehlt, aber es gibt natürlich auch positive Punkte.

„>>Auch einen Kaffee, Partner?<< […]

>>Auf dem Gaumen der blumige Duft von Giftsumach. Gefolgt von Noten von Dieselöl und einem langen Abgang von Batteriesäure.<< […]

>>Genau, wie ich ihn mag<<, sagte Coldmoon […]“

(S. 254 des eBooks „Grave – Verse der Toten“ von Douglas Preston u. Lincoln Child, Knaur)

Darum geht es:

„Grave – Verse der Toten“ von Douglas Preston und Lincoln Child spielt ca. eine Woche nach dem Ende von „Headhunt – Feldzug der Rache“. Pendergast, der bisher beim FBI als Einzelgänger bekannt ist, der seine eigenen Methoden (auch gegen die Dienstvorschrift) anwendet und eine hohe Erfolgsquote zu verzeichnen hat, bekommt nun von seinem neuen Vorgesetzten einen Partner aufgezwungen, nämlich den recht neuen Agent Coldmoon. Gemeinsam sollen beide in Miami in einer bizarren Mordserie ermitteln, wobei Frauen ermordet werden und ihre Herzen auf Gräbern von Frauen abgelegt werden, die vor ca. 10 Jahren alle auf die gleiche Weise Selbstmord begangen haben sollen. Doch jedes Motiv, jede Spur oder Verbindung fehlt. Zudem wird Pendergast in seiner gewohnten Ermittlungsarbeit durch seinen Vorgesetzten erheblich eingeschränkt und die Zusammenarbeit mit Coldmoon erweist sich eine ganze Zeitlang als auch nicht so glücklich. Durch ihre Ermittlungsarbeit finden sie heraus, dass sie genauer in der Vergangenheit schauen müssen, um den Fall zu lösen…und dass der Mörder ihnen sehr nahe ist.

Unterschiede, positive Aspekte und Hoffnung

Es ist mal etwas ganz Neues, dass Pendergast einen Partner aufgezwungen bekommt und mit Agent Coldmoon ein neuer Charakter in die Serie einsteigt. Zu einem großen Teil wird die Story aus Coldmoons Sicht erzählt, der tatsächlich ein klein wenig Ähnlichkeiten mit D’Agosta hat und für den es anfangs nicht gerade leicht ist mit Pendergast auszukommen.

Natürlich darf der sensationslüsterne Journalist auch nicht fehlen – dafür hat das Autorenduo einen Charakter eingebracht, dessen erster Auftritt mich erst schocken konnte, denn ich hatte ihn mit einem gleichnamigen Charakter aus früheren Bänden verwechselt.

Während die Situation zwischen Pendergast und Constance sozusagen „schwebend“ ist, wird die in einem früheren Band angekündigte Rückkehr von Pendergasts Sohn Tristan nach New York entweder vollkommen ignoriert oder ist vergessen worden, denn diesbezüglich wird nichts mehr erwähnt.

Im Großen und Ganzen kommt es mir bei „Grave“ so vor, als ob Douglas Preston und Lincoln Child nur Seiten füllen wollten. Das ist wirklich bedauerlich, da das geliebte Gesamtkonzept darunter enorm gelitten hat. Allerdings wird die Story etwa ab Mitte des Buches spannender und actionreicher. Insgesamt erscheint der Fall von da an relativ vielschichtiger, denn es verbirgt sich doch ein recht geschicktes Muster hinter den Morden. Was den Showdown angeht, so ist dieser wirklich gut gelungen und nervenaufreibend, aber sehr kurz. Es tut mir im Herzen weh, dass ich für einen Pendergast-Roman nur 3 Sterne vergebe, aber „Grave“ konnte mich einfach nicht richtig mitreißen und überzeugen. Ich hoffe so sehr, dass das Autorenduo zu ihrem alten und großartigen Stil zurückfinden und warte auf den nächsten Band.

Fazit:

Ein neuer Pendergast-Roman ist für mich eine absolute Pflichtlektüre, da ich die Reihe um den exzentrischen FBI-Agenten Pendergast so sehr liebe! Leider kann „Grave – Verse der Toten“ von Douglas Preston und Lincoln Child nicht mit dem gewohnten Stil aus den vorherigen Bänden mithalten. Die Story ist zwar unterhaltsam und bietet später ein etwas mehr facettenreiches Konzept, aber es konnte mich nicht so mitreißen, wie die früheren Bände. Ich hoffe, dass sich das mit späteren Bänden wieder ändern wird.

Vielen Dank an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!

2 Gedanken zu „Rezension: „Grave – Verse der Toten“ von Douglas Preston u. Lincoln Child, (18. Band)

  1. Guten Morgen, es ist schon lange her, dass ich Pendegast gelesen habe. Die ersten Bände fand ich noch klasse aber irgendwann hat es mich nicht mehr so begeistert. Wahrscheinlich müsste ich erst etliche Bücher lesen um an dieses zu kommen, damit ich da nichts in Sachen der Personen verpasse. Also wird das so schnell nichts. So ganz begeistert warst du ja auch nicht, also verpasse ich nichts . Lieben Dank für diese ehrliche Rezension und einen guten Wochenstart für dich, liebe Grüße Kerstin

    1. Liebe Kerstin,

      ja, dass mit der sinkenden Begeisterung kann ich gut nachvollziehen. Geht mir mittlerweile auch so, und das tut mir wirklich leid. Ich finde seit „Demon“ verliert die Reihe leider immer mehr das „Besondere“. Aber da ich die Hoffnung nicht aufgeben möchte (ich kann mich auch nicht von den Charakteren verabschieden), werde ich die Reihe trotzdem weiter lesen. Vielleicht wird es ja wieder besser.

      Ab welchem Band hat deine Begeisterung nachgelassen?

      Das stimmt, wegen der Personen ist es auf jeden Fall vorteilhaft die Bände wirklich kontinuierlich zu lesen, weil spätere Bände auf frühere Ereignisse und Charakterentwicklungen zurückgreifen bzw. aufbauen. Ich weiß ja nicht, ab wann du nicht mehr weiter gelesen hast, aber es ist auch möglich ohne das Vorwissen aus früheren Bänden. Ich bin z. B. mit dem 6. Band in die Reihe eingestiegen…und auch später hab ich es nicht immer in der richtigen Reihenfolge gelesen. Das mach ich erst seit dem 10. Band „Fever“ so. 🙂

      Liebe Grüße
      Kristin

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