Rezension: „Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan, (1. Band)

Das Lied des Blutes
  • Handlung
  • Spannung
  • Schreibstil
  • Action
  • Atmosphäre
4.6

Information

Titel: Das Lied des Blutes
Autor: Anthony Ryan
Verlag: Klett-Cotta
Erscheinungsdatum: 14. März 2016
Seiten: 775
Erzählort: Vereinigte Königslande, Alpiranisches Kaiserreich
Erzähldatum: ——————–
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Blood Song
Rabenschatten-Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-608-93925-5

Inhalt:

Vaelin Al Sorna, der gefürchtetste und berühmteste Krieger der Königslande, hat viele Namen, einer der bekanntesten davon ist jedoch „Hoffnungstöter“. Die Taten, aus denen dieser Name resultierte, sollen nun sein Ende bedeuten: Vaelin ist der Gefangene des feindlichen Alpiranischen Kaiserreichs und soll nun auf den Meldeneischen Inseln gegen einen gefährlichen Gegner ein Duell auf Leben und Tod ausfechten. Und auf dem Schiff, welches ihn seinem wahrscheinlichen Tod immer näher bringt, erzählt er dem kaiserlichen Geschichtsschreiber seine legendäre Lebensgeschichte…

 

Meine Meinung:

Eine wahnsinnig fesselnde und faszinierende Highfantasy-Geschichte! Seit der monumentalen und atemberaubenden „Draconis-Memoria“-Reihe von Anthony Ryan wollte ich unbedingt wieder ein Buch von ihm lesen – und da wurde ich auf seine „Rabenschatten“-Reihe aufmerksam. „Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan ist der Auftaktband der „Rabenschatten“-Reihe um den gefürchteten Krieger Vaelin Al Sorna. Nach dem Klappentext habe ich mich wahnsinnig auf die Geschichte gefreut – und wurde absolut nicht enttäuscht, bis auf einen kleinen Kritikpunkt. Der Fantasy-Roman „Das Lied des Blutes“ zeigt eine monumentale Lebensgeschichte eines interessanten Charakters, der zu einer Legende wird, in einer kriegerischen und brutalen Welt, in welcher auch Magie existiert. Insgesamt ein herausragendes Fantasy-Erlebnis!

 

 

Die unvergessliche Geschichte eines Kriegers

 

„Er besaß viele Namen. […] Bei meinem Volk war er nur unter einem Namen bekannt, und dieser hallte an jenem Morgen, als man ihn zum Hafen brachte, unablässig in meinem Kopf wider: Hoffnungstöter. Bald wirst du sterben, und ich werde Zeuge sein.“

(S. 7 des eBooks „Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan, Klett-Cotta Verlag)

 

 

„Das Lied des Blutes“ ist in zwei Handlungen aufgeteilt, die abwechselnd erzählt werden. Die eine Handlung, die einen geringeren Teil des Buches einnimmt, spielt in der Gegenwart und trägt jedes Mal den Titel „Verniers Bericht“ und wird aus der Sicht des kaiserlichen Geschichtsschreibers Vernier erzählt, der den Gefangenen und gefürchteten Krieger Vaelin Al Sorna zu den Inseln begleiten soll, wo diesen ein Kampf auf Leben und Tod erwartet. Auf der Fahrt erzählt Vaelin seine Lebensgeschichte, die dann von Vernier aufgeschrieben wird. Und somit entsteht die zweite Handlung, diese spielt nämlich in der Vergangenheit, wird aus Vaelins Sicht erzählt und zeigt die Geschichte seines legendären Lebens. Bereits am Anfang tauchen eine Menge Fragen auf. Was ist Vaelin für ein Mensch? Wie ist er zu einem Gefangenen geworden? Was ist das für eine Welt? Anthony Ryan baut, wie bereits bei seinen anderen Büchern, alles langsam, Stück für Stück und detailreich auf, sodass man, wie bei einem Puzzle, nur nach und nach das Gesamtbild von allem erhält. So lernt man die Welt und die Charaktere immer besser kennen und beginnt regelrecht mit in der Geschichte zu leben. Und mit 775 Seiten ist dieser Fantasy-Roman wieder ein richtig dicker Wälzer. „Das Lied des Blutes“ ist keine Geschichte, die ich vor Spannung unbedingt schnell durchlesen wollte, um zu erfahren, wie es weitergeht. Es ist vielmehr eine Geschichte, die ich Stück für Stück genießen wollte und die kontinuierlich spannend bleibt.

 

 

Monumentales Fantasy-Erlebnis
und ein kleiner Kritikpunkt

 

„Du wirst unter einer blutroten Sonne der Ernte des Todes beiwohnen. Du wirst für deinen Glauben töten, für deinen König und für die Feuerkönigin, wenn sie sich erhebt. Deine Legende wird sich auf der ganzen Welt verbreiten, und es wird ein Lied des Blutes sein.“

(S. 387 des eBooks „Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan, Klett-Cotta Verlag)

 

 

Vaelins Lebensgeschichte ist umfangreich, unglaublich fesselnd und regelrecht monumental, sodass ich nicht selten ins Staunen kam, und beginnt in den Königslanden, wo er aufwächst. Vaelin selbst ist ein interessanter Charakter. Er ist gerecht, loyal, mutig, einer der besten Schwertkämpfer und Strategen – und er hat Skrupel, was man von vielen anderen nicht behaupten kann. Als Kind wird er von seinem Vater in den sechsten Orden gegeben, wo er das Kämpfen erlernen soll, um Feinde der Königslande und des Glaubens skrupellos zu töten, ohne Fragen zu stellen. Ein brutales und tödliches Leben würde auf diese harte Ausbildung folgen. Vaelin wird oftmals vor schwere Entscheidungen gestellt: Sein moralisches Denken – oder sein Land. Noch dazu verbirgt er ein Geheimnis, welches ihn in große Gefahr bringen könnte.

Als Leser begleitet man Vaelin durch seine brutale Ausbildung beim Orden, auf gefährliche Feldzüge und blutige Schlachtfelder, wodurch das gesamte Leben zu einer tödlichen Prüfung wird.

 

 

„Ist dies das Los eines Kriegers?, fragte er sich. Sein Leben zitternd im Dunkeln zu verbringen?“

(S. 65 des eBooks „Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan, Klett-Cotta Verlag)

 

 

Die Welt in „Das Lied des Blutes“ ist weitläufig, doch liegt der Fokus nicht wirklich auf Beschreibungen der Landschaften, sondern vielmehr auf Vaelin und der Geschichte an sich. Am Ende des Buches gibt es eine Karte, welche alles sehr gut veranschaulicht. Es ist eine Welt voller Eroberungen, Intrigen, Schrecken, Trostlosigkeit, Ungerechtigkeiten, Brutalität und religiöser Konflikte, Glaubenskriege, in einer mittelalterlichen Umgebung. Und noch dunkleren Gefahren, wie z. B. Magie bzw. besonderen Gaben, die als ketzerisches Denken/Handeln betrachtet werden und dementsprechend unter Strafe stehen.

Anthony Ryan schafft es durch einen langsamen, detailreichen Ausbau der beeindruckenden und spannenden Lebensgeschichte, einem guten Maß an Action, schaurigen Ereignissen und einem richtig guten Schreibstil diesen Roman zu etwas Besonderen zu machen. Ich wahr ganz ehrlich fasziniert. „Das Lied des Blutes“ hat mir jedenfalls sehr gut gefallen – und hätte auch zu einem Buchhighlight werden können, wenn nicht etwas gefehlt hätte, was mir bereits bei anderen Ryan-Büchern gefehlt hatte: Emotionen. Die Geschichte, die Charaktere und Atmosphäre – das alles ist fantastisch. Aber es hätte noch besser werden können, wenn traurige und dramatische Szenen emotionaler ausgebaut worden wären, damit auch ich als Leser das volle Ausmaß nachempfinden kann. Wenn ein wichtiger Charakter stirbt oder verschwindet und das nur mit wenigen Sätzen abgehandelt wird, um schnell mit der Story weiterzumachen, so scheint es, als würde Vaelin das gar nicht interessieren, dann wird nicht das volle Potenzial der Handlung genutzt. Hier gab es so viele Gelegenheiten, um mein Herz zum Klopfen zu bringen – aber das ist leider so gut wie nie passiert. Ryans Schreibstil ist tatsächlich recht nüchtern und sachlich, was zu Vaelin gut passt, denn dieser ist eher jemand, der ruhig ist und nicht gerne über seine Gedanken und verdrängten Gefühle spricht. Aber dennoch hätte ich mir gewünscht, dass ein paar Sätze für mehr Emotionen bei bestimmten Szenen gesorgt hätten. Da das nicht passiert ist, erscheinen einige Begebenheiten relativ ungeschliffen und durch diese emotionslose Sachlichkeit wird die Spannung hin und wieder gedämpft.

Trotzdem ist es ein denkwürdiges Leserlebnis. Was das Ende betrifft, so kann ich sagen, dass da kein gemeiner Cliffhanger wartet, aber noch einige ungelöste Dinge, die meine Neugier auf weitere Geschichten mit Vaelin ungemein steigern.

 

Fazit:

„Das Lied des Blutes“ ist ein herausragendes Fantasy-Erlebnis! Hier wird die monumentale und fesselnde Lebensgeschichte eines legendären Kriegers erzählt in einer brutalen und kriegerischen Welt mit Anthony Ryans unverwechselbaren Schreibstil. Einziger Kritikpunkt: Es fehlt hin und wieder an Emotionen, weshalb es nur beinahe zu einem Buchhighlight geworden ist. Aber absolut zu empfehlen!

 

 

Weitere Rezensionen:

Roberta von “Das Bambusblatt”

 

 

Chronologische Reihenfolge der “Rabenschatten”-Reihe:

  1.  Das Lied des Blutes
  2.  Der Herr des Turmes
  3. Die Königin der Flammen

 

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