Rezension: „Die Legende von Enyador“ von Mira Valentin, (1. Band)

  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Action
3.1

Information

Titel: Die Legende von Enyador
Autor: Mira Valentin
Verlag: BoD – Books on Demand
Erscheinungsdatum: 19. September 2017
Seiten: 390
Erzählort: Enyador
Erzähldatum: ——————
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Die Legende von Enyador
Enyador – Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-74311-760-0

Inhalt:

In Enyador herrscht seit Jahrhunderten Krieg zwischen Elben und Dämonen: Während Elben die Menschen unterworfen haben und deren erstgeborene Söhne als Sklaven in den Krieg schicken, werden die Drachen von den Dämonen in den Kampf geschickt. Aber es scheint ein Zeitalter der Veränderung anzubrechen: Unter den Sklaven ist der Waisenjunge Tristan, der sich als einer der ersten gegen seine Unterdrücker auflehnt. Für ihn, einen Elben, einen Dämonen und einen Drachen beginnt sich eine Prophezeiung zu erfüllen…

Meine Meinung:

Ich liebe Fantasy, ich liebe Drachen, ich liebe dieses Cover. Allgemein finde ich, dass die Enyador-Reihe einfach wahnsinnig schöne Cover hat, die mein Herz als Fantasy-Leser sofort in die Höhe schlagen lassen – was absolut auch die Erwähnung der Drachen und dieser Klappentext verursacht hat. Eine Prophezeiung? Drachen, Elben, Dämonen? Ein Krieg? Eine tolle Fantasy-Welt? Eine Legende? All das hat mich sofort neugierig gemacht auf den Auftaktband „Die Legende von Enyador“ von Mira Valentin. Und der Anfang hat schon mal eine richtig gute Geschichte versprochen, trotz einiger holpriger Stellen. Doch im Laufe der Geschichte wurde mir immer klarer, dass meine Erwartungen zu hoch gewesen sind.

Ein Mensch, ein Drache, ein Dämon, ein Elb

und eine alte Prophezeiung

 

„In den alten Zeiten herrschten die Menschen über Enyador. Vier Könige regierten im eisigen Norden, im fruchtbaren Süden, im kargen Osten und an den fischreichen Küsten des Westens. Doch jeder wollte die Herrschaft für sich und seine Nachkommen beanspruchen.“

 

(S. 11, „Die Legende von Enyador“ von Mira Valentin)

 

In Enyador leben vier Völker: Die Elben, die gefühllos sind. Die Drachen, die willensschwach sind. Die Dämonen, die hässlich sind. Und die Menschen, die feige sind. Aber nur zwei Völker herrschen über Enyador: Die Elben, welche die Menschen unterdrücken und deren erstgeborene Söhne als Sklaven in den Krieg gegen die Drachen und Dämonen schicken. Und die Dämonen, welche die Drachen befehligen und diese wiederum in den Kampf gegen die Elben und die Menschen schicken. Ein Kampf, der scheinbar nie enden wird. Doch ein Zeitalter der Veränderung scheint anzubrechen: Tristan, ein Waisenjunge, zeigt Mut und lehnt sich gegen die Unterdrücker auf. Ein Elb erkennt, dass er Gefühle hat. Ein Dämon ist gutaussehend. Ein Drache ist willensstark. Und gemeinsam lassen sie eine alte Prophezeiung wahr werden.

 

Positives

Der Schreibstil ist unkompliziert und lässt sich schnell lesen. Es gibt ab und zu amüsante Dialoge bzw. Ereignisse. Am Anfang befindet sich eine schöne Karte.

Ich mag die Grundidee, die Legende, die mit der Welt verbunden ist. Vier Völker, die von einem mächtigen Hexer durch ihre Gier nach Herrschaft und ihre eigenen Wünsche verzaubert und somit in einen jahrhundertelangen Krieg gestürzt worden sind. Ein unsterblicher Gefangener, der einige Geheimnisse zu offenbaren hat. Vier Charaktere, die anders sind als die anderen und deshalb vielleicht den Frieden in Enyador wiederherstellen könnten. Das klingt nach einer Heldenreise! Das klingt monumental und dramatisch! Das klingt einfach toll! Und es hätte so gut werden können…

 

Negatives

Der Anfang gefiel mir wirklich sehr gut, ich kam ziemlich schnell voran – und es hätte auch alles richtig gut werden können, wenn nicht andauernd irgendetwas Unangenehmes dazwischengekommen wäre.

Wo fange ich? Am besten bei den kleineren Kritikpunkten. Charaktere, Atmosphäre, Handlung – all das erreichte für mich keine Tiefe. Die Atmosphäre wollte sich nicht einstellen, weil die Szenen wirklich sehr vage beschrieben sind. Die Handlung wurde nicht mitreißend, weil diese viel zu schnell abgehandelt wird und unglaublich oft hin und her springt, sodass sich bei mir einfach keine „Festigkeit“ im Lesen einstellen wollte und die Story keine Tiefe erreichte. Zu den Charakteren konnte ich aufgrund ihrer unplausiblen Verhaltensweisen und ihrer Oberflächlichkeit keinen Draht aufbauen. Aber: Ab und zu gab es Spannungspunkte – auch sonst gab es immer wieder Ansätze, welche „Die Legende von Enyador“ für mich unterhaltsamer gemacht hätten. Doch eine Sache hat das immer wieder verhindert.

Mein heftigster Kritikpunkt, das, was mich hier tatsächlich stark gestört und regelrecht geärgert hat, sind zum einen wirklich nicht nachvollziehbare Handlungen der Charaktere – aber noch viel mehr, wie Frauen dargestellt werden, und auch Drachen. Wie kommt das? Weibliche Charaktere werden in der Story ständig als schwache, hysterische und andauernd heulende Gestalten dargestellt, die von den männlichen Charakteren beschützt und getröstet werden müssen. Währenddessen verzehren sich die männlichen Charaktere permanent nach den weiblichen und denken alle paar Sätze über nackte Körperstellen nach – in den denkbar unwahrscheinlichsten Situationen. Wörter wie „Hinterteil“, „Brüste“, „nackt“ etc. häufen sich, ja kommen sogar beinahe auf jeder dritten Seite vor. Da wird die Handlung vielleicht gerade mal spannend, ich wollte gerade anders über einen Charakter und die Geschichte denken…und dann zack! – wieder denken die Charaktere nur daran mit dem jeweils anderen Charakter „ins Bett zu gehen“. Das machte für mich die Story jedenfalls nicht nur immer unrealistischer, sondern auch widerlich, und brachte mich aus dem Lesefluss – und das ärgert mich wahnsinnig. Ich kann die Handlungen der Charaktere absolut nicht nachvollziehen: Diese Menschen sind in der Sklaverei, könnten jeden Tag sterben, sind ausgehungert, unterkühlt – und denken an nichts Anderes als an Hinterteile, Brüste und nackte Stellen? Ähm, joa, natürlich. Außerdem passiert es hier häufig, dass die Charaktere nichts hinterfragen bzw. nachdenken, bevor sie handeln. Damit spiele ich z. B. auf die entscheidende Kerkerszene mit dem Elb Istariel und dem unsterblichen Gefangenen an. Und auch das hat mich aufgeregt – im negativen Sinn.

Und dann die Drachen. Es ist fantasievoll und in Ordnung, dass sich die Drachen in Menschen verwandeln können – auch wenn ich mir das nicht gerade erhofft hatte, schließlich verwandeln sich die anderen Wesen (Elben, Dämonen) ja auch nicht. Dass die Drachen nach der Verwandlung nackt sind….ja, gut, kann man noch verstehen. Aber warum müssen die Drachen, wenn sie sich in Menschen verwandelt haben, nackt bleiben und sich ständig lüstern auf jedes menschliche Wesen stürzen, um sich mit denen zu kopulieren??? Ich finde das einfach nur geschmacklos.

Mit anderen Worten: Hier fehlt mir an allen Ecken und Enden etwas. Warum vergebe ich 3 Sterne und nicht 2? Wegen der positiven Punkte. Ich habe das Buch zu Ende gelesen…und nicht abgebrochen. Die Story basiert auf einer interessanten und fantasievollen Idee – wie bereits geschrieben -, nur die Umsetzung ist für mich nicht gelungen. Ich konnte ab und zu unterhalten werden. Insgesamt ist es ein seichter Fantasy-Roman, lediglich für Zwischendurch. Ich weiß selber noch nicht, ob ich die Reihe weiterlesen werden. Wahrscheinlich nicht. Irgendwie ist u. a. die Angst zu groß, Drachen wieder als nackte und lüsterne Menschen zu erfahren, die sich auf Befehl erniedrigen lassen. Auf jeden Fall pausiere ich die Reihe.

 

Fazit:

Seichter Fantasy-Roman für Zwischendurch. Meine Erwartungen waren leider zu hoch. Die Story an sich ist in Ordnung, die Grundidee gefällt mir, aber die Umsetzung hat mich leider total enttäuscht – und auch verärgert.

 

 

Chronologische Reihenfolge der Enyador-Reihe:

  1.  Die Legende von Enyador (1. Band)
  2.  Die Wächter von Enyador (2. Band)
  3.  Die Flammen von Enyador (3. Band)
  4.  Das Vermächtnis von Enyador (4. Band)

 

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