Rezension: „Gelobtes Land – Hoop“ von Christine Heimannsberg

  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Spannung
5

Information

Titel: Gelobtes Land – Hoop
Autor: Christine Heimannsberg
Erscheinungsdatum: 15. September 2018
Seiten: 289
Erzählort: Europa
Erzähldatum: Zukunft
Erzählperspektive: Ich-Erzähler
Genre: Science-Fiction
Gelobtes Land – Reihe: 1. Band
ISBN: 978-9-463-67441-6

Inhalt:

Nach dem Vorfall hat sich alles geändert. Die Landmasse von Europa ist durch das abrupte Abbrechen der Polkappen reduziert worden, der Kontinent wird beherrscht von einer autoritären Regierung und mehreren Clans, einige Landteile sind radioaktiv verseucht. Eine Welt, in der absolute Kontrolle ausgeübt wird und das Leben eines Mannes höher gestellt ist als das einer Frau.

Die 18-jährige Lore lebt mit ihren Geschwistern und Eltern auf einem Hof, den sie gemeinsam bewirtschaften. Jeder Tag besteht aus harter Arbeit und Entbehrungen. Die wenigen Momente, in welchen sie etwas freie Zeit hat, trifft sie sich heimlich mit Jul, in den sie sich verliebt hat. Doch als ihr jüngerer Bruder Jame eines Tages einen Mann in Notwehr erschlägt, verliert Lore alles. Ihr Hof wird niedergebrannt, einige Familienmitglieder werden ermordet und sie muss mit Jame fliehen – und Jul zurücklassen. Ihr Ziel ist das gelobte Land, wo das Leben besser sein soll. Doch niemand weiß, ob es wirklich existiert und wo es sich befindet. Und der Weg dorthin ist weit und gefährlich…

Meine Meinung:

Bei dem Reihenauftakt „Gelobtes Land – Hoop“ von Christine Heimannsberg habe ich eine interessante und unterhaltsame Dystopie erwartet – doch der Science-Fiction konnte meine Erwartungen um Längen übertreffen. Die Dystopie setzt nicht auf actionreiche Szenen, sondern erschafft Spannung durch die Charaktere und eine unheimliche Atmosphäre. Es ist eine absolut faszinierende und erschreckende Geschichte, die einen nicht mehr loslässt, nachdenklich stimmt und atemlos vor Spannung werden lässt – und mit einem sehr schön klaren Schreibstil.

Die Handlung spielt nach dem Vorfall, in einer grauen, kalten und grausamen Welt, die langsam beginnt sich wieder aufzubauen. Als „Vorfall“ wird eine globale Katastrophe bezeichnet, die durch das abrupte Abbrechen der Polkappen die Landmasse Europas reduzierte, während im Landesinneren die Lebensgrundlage durch vernichtete Ernten und verseuchte Böden zerstört worden ist. Die Bevölkerung wird durch Drohnen ausspioniert. Auf dem Land führen die Menschen ein hartes, einfaches und entbehrungsreiches Leben. Männer haben eine höhere Stellung als Frauen, die nur als „Gebrauchsgegenstand“ behandelt werden.

Die Geschichte dreht sich hauptsächlich um die Flucht der Geschwister Lore und Jame und ihre Suche dem gelobten Land, welches vielleicht gar nicht existiert. Auf ihrem scheinbar unendlichen Weg durch das Land haben sie nicht nur mit dem Wetter, Hunger, Durst, Unterkühlung, Orientierungslosigkeit, verseuchte Gegenden und Erschöpfung zu kämpfen, sondern auch andere Gefahren scheinen ihre Reise zu einem wahren Horror- und Überlebenstrip zu machen. Dabei geraten sie von einem Problem zum nächsten, wobei es nicht selten zu einem Kampf ums Überleben kommt. Ich fand das einfach genial und faszinierend, denn Christine Heimannsberg beschreibt diese Reise mit all ihren Schwierigkeiten und die handelnden Charaktere, wie sie versuchen mit dieser Lage klar zu kommen, unglaublich realistisch. Lore und Jame sind die meiste Zeit auf sich allein gestellt, müssen die Probleme mit ihren begrenzten Mitteln, Improvisation und Erfindungsgeist selber lösen, auf einem scheinbar nicht enden wollenden Weg in eine ungewisse Zukunft, alles hinter sich zurücklassend, ohne zu wissen, ob sie jemals ihre Familie wiedersehen werden und was als nächstes kommen wird. Ich habe mich richtig in diese Situation versetzt gefühlt, konnte oft überrascht werden und habe zusammen mit Lore und Jame gebangt und die Geschehnisse gespannt verfolgt. Man rechnet nicht damit, was als nächstes geschieht. Jede weitere Station auf ihrer Reise wirft mehr neue Fragen über diese Welt auf, was die Spannung stark steigert. Und all das macht ein richtig gutes Buch aus.

Neben der Story sind die Charaktere ebenso beeindruckend und gut durchdacht. Die Handlung erfährt man aus der Sicht der 18-jährigen Lore in der Ich-Erzählweise. Lore stellt eine definitiv interessante Protagonistin dar, denn sie ist willensstark, pragmatisch, mutig und selbstlos. Lore ist die älteste von ihren Geschwistern. Da sie ein Mädchen ist, bekommt ihr Bruder Jame nicht nur die ganze Liebe von ihrer Mutter, während sie eher von ihrer Mutter benachteiligt und wie eine Hilfskraft behandelt wird, sondern später auch den Hof, den er gar nicht haben will, den sie sich jedoch sehnlichst wünscht. Als Jame einen Mann in Notwehr erschlägt, kommt sie der Bitte ihrer Familie nach, Jame ins gelobte Land zu bringen, wo er sicher wäre. Obwohl Jame sich eine ganze Zeit lang ihr gegenüber ziemlich gemein und herablassend benimmt, macht sie sich auf den Weg, um ihn in Sicherheit zu bringen, lässt ihre große Liebe Jul und ihre Familie hinter sich. Sie versucht nur nach vorne zu schauen, nicht zurück, und das macht sie mit einer erstaunlichen Unerschütterlichkeit, denn ändern kann sie es auch nicht. Lore ist eine Person, die hart arbeitet, ohne sich zu beschweren, die Aufgaben erledigt, Widrigkeiten übersteht und versucht aus einer noch so schlechten Situation das Beste daraus zu machen. Dabei eignet sie sich immer mehr Wissen an, welches ihr mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann einmal nützlich sein wird. In dieser ungerechten Welt ergreift sie jede Chance, die sich ihr bietet, um unabhängig und frei zu werden. Mit jeder überstandenen Aufgabe entwickelt sie sich weiter.

Jame hat mir anfangs nicht wirklich gefallen, aufgrund seines Verhaltens Lore gegenüber. Aber auf der langen und kräftezehrenden Reise macht er eine Änderung zum Positiven durch, was ihn auch sympathischer macht. Und bald wird erkennbar, dass beide Geschwister auf einander angewiesen sind, um zu überleben – sie ergänzen sich gegenseitig.

Auch die einfallsreiche und impulsive Sim und Jul vervollständigen das Bild und deuten an, dass die Geschichte noch einige spannende Wendungen nehmen wird.

Am Ende wartet ein ziemlich heftiger Cliffhanger, der noch mehr Fragen aufwirft. Alles in allem konnte mich „Gelobtes Land – Hoop“ von Christine Heimannsberg hundertprozentig mitreißen und immer wieder in Staunen versetzen. Ich würde am liebsten sofort die Fortsetzung lesen, damit ich erfahre, wie es weitergeht.

Fazit:

Eine dystopische Welt im Wiederaufbau nach einer globalen Katastrophe und die Suche nach einer besseren Welt, die es vielleicht gar nicht gibt. „Gelobtes Land – Hoop“ von Christine Heimannsberg ist eine absolut faszinierende und erschreckende Dystopie, die einen nicht mehr loslässt.

Vielen Dank an Christine Heimannsberg für das Rezensionsexemplar!

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