Rezension: „Fey – Erbe des Dolches“ von Judith L. Bestgen, (1. Band)

Fey - Erbe der Macht
  • Handlung
  • Schreibstil
  • Atmosphäre
  • Spannung
5

Information

Titel: Fey – Erbe des Dolches
Autor: Judith L. Bestgen
Verlag: tredition und Selfpublishing
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2020
Seiten: 576
Erzählort: unterschiedlich (Hauptstadt, Yrons Dorf, weiße Stadt, Inseln)
Erzähldatum: ——————
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Fey – Erbe des Dolches
Erbe des Dolches – Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-347-11190-5

Inhalt von der Autorin:

Menschen können ohne Liebe leben,
doch es ist ein kümmerliches Leben.

Menschen können ohne Hass leben,
und der Frieden würde herrschen.

Aber nur wenige Menschen können
ohne das Gefühl der Freiheit leben

und nicht zerbrechen…

Um die Macht über das Land an sich zu reißen, bannte Dilara, die falsche Königin, einst das Gefühl der Freiheit in einen menschlichen Körper und riss es somit jedem Menschen aus dem Herzen.
Nun, viele Jahre später, nimmt der wahre Erbe des Throns das Leid seines Volkes nicht mehr länger hin und macht sich auf den Weg, um zurückzuholen, was ihnen allen gestohlen wurde.
Sein anfänglicher Erfolg jedoch wird schnell von einer Reise überschattet, die sein Wissen auf den Kopf stellt und letztendlich von seinen Begleitern und ihm ein Opfer fordern wird.

Meine Meinung:

„Fey“ ist ein Buch, welches seit längerer Zeit meine Neugierde immer weiter wachsen ließ. Zum einen kann dieser Klappentext und das atemberaubende Cover schon mein Fantasyleserherz stark zum Schlagen bringen, zum anderen war ich tatsächlich aufgrund der Inhaltswarnungen ziemlich gespannt darauf, was hier auf mich zukommen wird. Ich liebe ja dramatische Geschichten, die mich emotional treffen können. Und mit ihrem Debüt „Fey – Erbe des Dolches“ hat die Autorin Judith L. Bestgen auch genau das geschafft, somit einen wirklich gelungenen und emotionalen Auftakt einer Fantasy-Trilogie erschaffen, der in mehreren Punkten besticht und die Geschichte dadurch zu etwas Einzigartigem macht. Das liegt vor allem an der Tiefgründigkeit der Story und den Charakteren, der melancholischen Atmosphäre, den bewegenden Beschreibungen, dem malerischen Schreibstil, dem Verarbeiten von schwierigen Situationen, moralischen Fragestellungen und letztendlich der Lösung von Problemen. Und ganz besonders auch an den umgesetzten Ideen.

 

Wenn die Freiheit nur noch in einem menschlichen Körper existiert…

„Wer nicht kämpft, der kann auch nicht gewinnen. Mir wurde auch etwas weggenommen. Meine eigene Freiheit. Die Fähigkeit, zu sein, was ich wirklich bin. Ich will für euch kämpfen. Aber ich möchte auch meine eigene Freiheit wiedererlangen. Das ist das, für was ich kämpfe.“

(S. 309, „Fey“ von Judith L. Bestgen)

 

In „Fey“ dreht es sich darum, dass vor sehr vielen Jahren Dilara, die falsche Königin, das Gefühl der Freiheit aus den Herzen eines jeden Menschen gerissen und in einen einzigen menschlichen Körper gebannt hat, um die Macht über das Land zu erlangen. Doch diese Tat und Herrschaft hat weitreichende Folgen für die Bevölkerung: Unterdrückung und Armut sind einige davon – aber auch eine Krankheit, die aus der fehlenden Freiheit resultiert und jedem, welcher der Krankheit erliegt, zerbrechen lässt. Ihr Lebenswille wird geraubt, sie gelangen dem Tod grausam und unvermeidlich näher oder werden in den Selbstmord getrieben, weil sie es nicht mehr aushalten können. Doch in dieser dunklen Zeit gibt es noch Hoffnung: Yron, der vom magischen Dolch als der rechtmäßige Erbe des Thrones ausgewählt worden ist, plant die Freiheit zu befreien, die falsche Königin zu stürzen und sein Land wieder ins Licht zu führen. Yron und seinem besten Freund Jeremiah gelingt es, die Frau, in welche die Freiheit gebannt worden ist, aus den Fängen von Dilara zu befreien. Aber wer ist sie wirklich? Sie geben ihr den Namen „Fey“. Und damit beginnen ihre Schwierigkeiten erst recht. Während die falsche Königin nicht eher ruhen wird, bis sie sie wieder gefunden, eingesperrt und bestraft hat, gibt es vielleicht nur eine Möglichkeit, um die Freiheit von Fey zu lösen: Indem Fey sich opfert. Und immer mehr wird deutlich, dass sie nicht einfach ein „Gefängnis“ für die Freiheit ist, sondern ein eigenständig denkendes und fühlendes Wesen, welches auch leben und frei sein möchte. Für Yron, Jeremiah und Fey beginnt eine lange und zermürbende Reise, die von ihnen vielleicht ein großes Opfer fordern wird.

 

Voller Trauer und Hoffnung

 

„Weil Träume dich vernichten können […]. Sie können deine Flügel sein, ebenso wie sie dich wieder zu Boden reißen können und wir wissen beide, dass du kein Mensch bist und niemals sein wirst. Sie werden deine Flügel sein, aber sie werden dich unweigerlich in den Abgrund stürzen.“

 

(S. 281, „Fey“ von Judith L. Bestgen)

 

Die Geschichte um Fey, Jeremiah und Yron ist mit einer Menge Tragik verbunden, die für eine niederdrückende Stimmung sorgt und mir das Herz schwer machen konnte. Zum einen aufgrund der bewegenden Handlung und der Charaktere, was sie erlebt haben und noch durchstehen müssen, zum anderen aber auch durch den sehr malerischen, wirklich schönen und melancholischen Schreibstil. Bei jedem Wort schwingt ein unglaubliches Gewicht an Trauer und Verzweiflung mit, aber ebenso fehlt hier nicht ein Funke an Hoffnung.

Insgesamt ist „Fey“ ein ruhiger Fantasy-Roman, der sich nicht auf actionreiche Szenen und blutige Kämpfe konzentriert, sondern in dem Probleme ganz anderer Art zu bewältigen sind. Die Story fokussiert sich auf die Charaktere, ihre Gefühle und Gedanken, baut sich langsam auf und erlangt immer mehr an Tiefe. Die Charaktere haben Konflikte zu lösen, die auf moralischer und gefühlsmäßiger Ebene bestehen. Sie müssen ihre tragischen Vergangenheiten verarbeiten, ihre Ängste und Schmerzen überwinden und mit Verlusten zurechtkommen. Ebenso befinden sie sich in einem schwierigen Gewissenskonflikt, bei dem die Entscheidung, was richtig und was falsch ist, das Schicksal von vielen oder auch einer einzigen Person besiegeln könnte. Und es sind genau solche Fragestellungen, die während des Lesens zum Nachdenken anregen. Die Ideen sind definitiv interessant und sehr schön umgesetzt.

 

Einzigartige Geschichte

 

„Du darfst jede Hoffnung haben, die du haben willst. Es ist nichts Schlechtes oder Böses daran, wenn man sich gut fühlt, auch in der Dunkelheit. Dann muss dein Licht umso heller strahlen, damit es nicht verschlungen wird.“

(S. 458, „Fey“ von Judith L. Bestgen)

 

Was die Charaktere betrifft, so fügen diese sich ganz wunderbar in das Gesamtbild. Dank der Perspektivenwechsel erfährt man die Geschichte aus der Sicht von verschiedenen Charakteren, größtenteils jedoch von Fey, Yron und Jeremiah – jeweils in der personalen Erzählperspektive. Alle drei sind gut ausgearbeitete Charaktere, die sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln. Fey, die anfangs verängstigt und unsicher ist, muss sich erst in dieser Welt zurechtfinden und lernen, wie man sich als Mensch verhält. Yron, der Erbe des Dolches, der von seinen Zweifeln zerrissen und von der Last der Verantwortung niedergedrückt wird, aber damit immer besser umgehen kann. Und Jeremiah, der mutig und kurzentschlossen seinen Freunden in jeder Situation zur Seite steht.

 

„Wie kam es, dass man das Richtige tat und sich dennoch wie ein Verbrecher fühlte?“

 

(S. 533, „Fey“ von Judith L. Bestgen)

 

Obwohl die Handlung eher ruhig ist, gibt es dennoch rasantere Begebenheiten, wo der Spannungsbögen in die Höhe schlägt. Auch eine sich im letzten Drittel entwickelnde Liebesgeschichte ist vorhanden. Was allem eine schöne Note verleiht, sind die vereinzelt während der Handlung auftauchenden Legenden bzw. Märchen, die von den Charakteren erzählt werden und geschickt mit der Geschichte verwoben sind. Der einzige Kritikpunkt hier ist, dass mir einige Stellen bzw. Szenen entweder zu abgehackt oder zu stark in die Länge gezogen erschienen.

Das Ende von Fey konnte mich wirklich überraschen und ist noch dazu sehr herzergreifend. Die Geschichte an sich scheint abgeschlossen, bietet jedoch noch weitere Möglichkeiten, die mich auf die nächsten Bände gespannt warten lassen.

Fazit:

Alles zusammen ist „Fey – Erbe des Dolches“ von Judith L. Bestgen ein sehr harmonisches Werk mit Tiefgang und sehr viel Tragik. Es kommt ohne Action aus und fokussiert sich auf die Charaktere und die Atmosphäre, auf das Bewältigen von Problemen auf einer moralischen und gefühlsmäßigen Ebene, wobei die Charaktere mit ihren Gewissenskonflikten und der Trauer zu kämpfen haben. Und die Frage, was richtig und was falsch ist, nicht leicht zu beantworten ist. Ein wirklich gelungener Fantasy-Roman!

 

Vielen Dank an die Autorin Judith L. Bestgen für das Rezensionsexemplar!

 

Auf der Internetseite der Autorin Judith L. Bestgen gibt es nicht nur noch einige Informationen zum Buch, sondern auch eine Karte der Welt von „Fey“: www.judith-bestgen.com

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