Rezension: „Nachtlilien“ von Siri Lindberg, (1. Band)

Nachtlilien
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Schreibstil
  • Action
5

Information

Titel: Nachtlilien
Autor: Siri Lindberg
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 2. Mai 2016
Seiten: 592
Erzählort: Quenda
Erzähldatum: ——————–
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Nachtlilien
Nachtlilien – Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-492-98152-1

Inhalt:

„Seinen Verstand kann man verlieren, sein Gedächtnis, sein Herz, seine Lebenskraft, warum nicht auch die Seele?“ (S. 322)

Jerushas Leben zersplittert, als sie erfährt, dass seit Jahrzehnten ein grausamer Fluch auf ihrer Familie lastet, der die Frauen dazu zwingt, genau den Menschen zu verraten, den sie am meisten lieben. Und sie fasst eine der folgenschwersten und mutigsten Entscheidungen ihres Lebens: Sie begibt sich auf eine beinahe aussichtslose, gefährliche und lange Reise quer durch das gesamte Land, um den Fluch zu lösen, auch wenn das ihr Leben kosten könnte. Dabei begegnet sie dem Krieger Kièran, der bei seiner letzten Schlacht blind geworden ist und an den sie ihr Herz verliert. Und es scheint, als würde der Fluch wahr werden…

Meine Meinung:

Nachdem der Fantasy-Roman „Das dunkle Wort“ von Sylvia Englert mich vor einigen Jahren dermaßen begeistern konnte, war für mich absolut klar, dass ich unbedingt noch mehr von der Autorin lesen muss. Dadurch kam ich auf „Nachtlilien“, welches unter ihrem Pseudonym „Siri Lindberg“ erschienen und der erste Band einer Fantasy-Trilogie ist. Der Klappentext konnte auf jeden Fall mein Interesse sofort wecken und die Hoffnung auf ein weiteres großartiges Werk von der Autorin schüren. Eine ganze Weile lang hatte es leider auf meinem SuB warten müssen, doch in diesem Sommer konnte ich es dann endlich lesen. Und ich kann ganz glücklich erwähnen, dass auch „Nachtlilien“ durch einen wirklich schönen Schreibstil und eine wundervolle Handlung und Charaktere, die tief bewegen, mein Herz mit Leichtigkeit erobern konnte.

Eine unsterbliche Liebe

und ein grausamer Fluch

 

„Der Tag, an dem Jerushas Leben zersplitterte, begann strahlend.“

(S. 9, „Nachtlilien“ von Siri Lindberg, Piper Verlag)

 

In „Nachtlilien“ ist die Bildhauerin Jerusha 21 Jahre alt, als ihre Familie ihr endlich von dem Fluch erzählt, der die Frauen dazu zwingt, den Menschen zu verraten, den sie am meisten lieben. All ihre Zukunftspläne zerbrechen von einem Moment zum anderen. Und sie fasst den Entschluss, den geheimnisvollen Unbekannten zu finden, der den Fluch über ihre Familie gebracht hat, und ihn zu bitten, den Fluch wieder zu lösen. Gemeinsam mit ihrem Freund Grisho, einem Schattenwesen, begibt sie sich auf die Suche, die jedoch zu einer langen, gefahrvollen und hoffnungslosen Reise quer durch das gesamte Land wird, wobei sie auf magische Wesen trifft, bis über die Grenzen ihrer Kraft gefordert wird und allerhand heftige Probleme auf sie zukommen. Auf ihrer Reise begegnet sie dem blinden Krieger Kièran, der ihr zur Seite steht und dem sie so wenig über sich erzählen kann, u. a. aus Angst und Verzweiflung, ihn wieder zu verlieren – denn manche Dinge sollten lieber unerwähnt bleiben. Zwischen beiden entsteht eine wirklich sehr herzergreifende und dramatische Liebesgeschichte, die auch einen wichtigen Bestandteil der Handlung darstellt und einfach wunderschön geschrieben ist. Jerushas Hoffnung, den Fluch doch noch zu besiegen und ein glückliches Leben führen zu können, wächst – doch dann geschieht etwas, das ihr Leben erneut droht zu zerstören.

 

Drachen, perfekter Weltenbau und dramatische Wendungen

 

„Dabei spürte er an der Art, wie sich das Pergament und der geprägte Ledereinband anfühlten, dass er ein prächtiges Werk hielt, handgedruckt und in mühsamer Arbeit illustriert. Was darin geschrieben stand, würde er wahrscheinlich nie erfahren. Wie Säure brannte die Enttäuschung in ihm.“

(S. 109, „Nachtlilien“ von Siri Lindberg, Piper Verlag)

 

„Nachtlilien“ spielt im Land Quenda, welches wiederum in verschiedene Gebiete geteilt ist, so z. B. Kalamanca, Yantosi, Larangva, die zusammengehören und an feindliche und relativ unbekannte Gebiete grenzen, wie z. B. Khorat und Thoram. Vorne im Buch befindet sich eine Karte, durch die man sehr gut nachvollziehen kann, wo sich die Charaktere gerade befinden. Der Weltenbau ist definitiv eindrucksvoll, groß und detailliert, denn die Länder haben ihre eigenen Kulturen, Sprachen, Gebräuche und Religionen. Es gibt viel zu entdecken, hier kann man einige Abenteuer erleben und auf so manche fantasievolle Wesen treffen. Darunter zählen ganz besonders Schattenspringer – Wesen, die nur in den Schatten existieren können. Und, was mich natürlich ganz besonders freut: Auch Drachen spielen nach einiger Zeit eine wichtige Rolle.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Jerusha und Kièran in der personalen Erzählweise. Beide Charaktere waren mir von Anfang an sympathisch. Sie haben einige dramatische Hintergründe und innere Konflikte, die sie überstehen müssen, sind mit viel Tragik, Verzweiflung und gleichermaßen Hoffnung ausgestattet, so geschickt, bewegend und tiefgründig dargestellt, dass ich bei jeder Etappe ihrer Reise mit ihnen gelitten, gelacht und gebangt habe. Jerusha, die für ihre Familie sorgt und ihr Dorf nie verlassen hat, aber all ihren Mut zusammennimmt und sich in eine für sie unbekannte Welt begibt, die sowohl voller Gefahren als auch Wunder sein kann, um einen Fluch von ihrer Familie zu lösen. Sie muss Niederlagen erleben, lässt sich nicht unterkriegen, doch auch sie hat irgendwann eine Grenze erreicht, an der man jemanden braucht, der einen wieder aufrichtet. Kièran, ein Offizier der Elitetruppe Terak Denar. Er ist sehr stolz, loyal, scheinbar unerschütterlich, doch im Grunde sehr verletzlich – und absolut gutmütig. Bei seiner letzten Schlacht ist er verletzt worden und erblindet, was nun sein gesamtes Leben ändert und Schwierigkeiten auf ihn zu kommen, mit denen er zurechtkommen muss. Das ist jedoch alles andere als leicht. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem ein Charakter blind ist, was meine Neugierde nochmal gesteigert hat. Kièrans Blindheit, seine Versuche damit zu leben und sich daran zu gewöhnen – das ist so echt, so erschreckend real und emotional beschrieben, dass ich absolut beeindruckt bin.

 

„Es wird dir die Seele in Fetzen reißen, wenn es nicht klappt mit euch, warnte ein Teil seines Ichs. Das riskiere ich, gab Kièran trotzig zurück.“

(S. 335, „Nachtlilien“ von Siri Lindberg, Piper Verlag)

 

Für mich ist diese Geschichte so spannend gewesen, dass ich das Buch regelrecht verschlungen habe und mir bei manchen Momenten vor Spannung die Luft wegblieb. Das liegt nicht nur an der Handlung, der schönen Atmosphäre oder an den Charakteren, sondern zu einem gewaltigen Teil auch an dem Schreibstil. Jedes Wort greift wie ein Zahnrad ins andere eines Uhrwerks und findet mit faszinierender Treffsicherheit ins Ziel, erfüllt sowohl Hoffnungen als auch Befürchtungen. Und am Ende wird einem das Herz zerrissen, um es später wieder Stück für Stück zusammenzusetzen. Definitiv nicht nur ein Highlight für mich, sondern auch ein Lieblingsbuch. ^^

Zwar hat „Nachtlilien“ eine abgeschlossene Handlung, doch zum Glück gibt es noch einen zweiten und dritten Band, die bereits auf meinem eReader warten. Ich freue mich schon darauf!

Fazit:

Wieder einmal hat die Autorin meine Erwartungen ganz ausgezeichnet übertreffen können. „Nachtlilien“ ist für mich zu einem Highlight und Lieblingsbuch geworden. Die Geschichte um Jerusha und Kièran konnte mich emotional so sehr treffen, dass ich, nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, noch Tage später kein weiteres anfangen konnte. Und irgendwie gibt es nicht genug Worte, um zu beschreiben, wie sehr mich dieses Buch begeistern konnte!

 

Chronologische Reihenfolge der „Nachtlilien“ – Reihe:

  1. Nachtlilien (1. Band)
  2. Lilienwinter (2. Band)
  3.  Winterdrachen (3. Band)

 

Weitere Rezensionen bei:

Bellas Wonderworld

 

Und…

Wer mehr über die Buchreihe, allgemein über die Charaktere usw. erfahren möchte, kann die Autorenseite von Siri Lindberg besuchen: www.siri-lindberg.de

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