Rezension: „King of Scars“ von Leigh Bardugo

King of Scars
  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Schreibstil
  • Action
5

Information

Titel: King of Scars
Autor: Leigh Bardugo
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 20. August 2019
Seiten: 512
Erzählort: Ravka und Fjerda
Erzähldatum: nach „Das Gold der Krähen“
Erzählperspektive: Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: King of Scars
Thron aus Gold und Asche – Reihe: 1. Band
ISBN: 978-3-426-22700-8

Inhalt:

„Erinnere dich daran, wer du bist.“  (S. 439)

Nikolai Lantsov ist der junge Zar von Ravka, einem Land mit geschwächten Grenzen, mächtigen und skrupellosen Feinden, wenigen Verbündeten, zerstörten Gegenden und leeren Kassen. Nach dem blutigen Bürgerkrieg versucht Nikolai, der als Volksheld dasteht, das Land wieder zu stärken und damit auch eine wachsende Bedrohung für die Grisha abzuwenden. Doch das ist nicht sein einziges Problem. Seit dem Krieg wächst die dunkle Magie in ihm ununterbrochen und droht alles zu zerstören, was er bis jetzt geschafft hat wieder aufzubauen.

Während die Grisha Nina Zenik im eiskalten Fjerda unter falschem Namen unterwegs ist, um Grisha die Flucht nach Ravka zu ermöglichen, und dabei auf ein grausames Geheimnis stößt, wird es für Nikolai immer schwieriger, sein Geheimnis zu wahren. Verzweifelt auf der Suche nach einer Lösung reist er zusammen mit der legendären Grisha Zoya und einem Mönch zu einem magischen und dunklen Ort in Ravka. Doch bald müssen sie herausfinden, dass auf sie noch mehr und noch größere Probleme warten.

Meine Meinung:

Großartiges Highlight!!! Seit ich die Krähen-Reihe von Leigh Bardugo („Das Lied der Krähen“ und „Das Gold der Krähen“) gelesen habe, bin ich ganz versessen darauf, noch mehr von der Autorin zu lesen. Und auch zum dritten Mal konnte ich absolut begeistert werden. „King of Scars“ setzt definitiv an Leigh Bardugos Stil aus der Krähen-Reihe an und zeigt wieder einen komplexen und atemberaubenden Weltenbau, geniale und lebendige Charaktere, rasante und gefährliche Abenteuer, ergreifende Begebenheiten und eine unheimliche, magische und düstere Handlung. Kurz gefasst: Das Buch konnte mich ganz wunderbar mitreißen und mein Herz höher schlagen lassen! Schön, wieder in dieser Welt zurück zu sein.

Zwei Handlungen, haufenweise Probleme und aussichtslose Situationen

„Das gebrochene, bedürftige, frustrierende Ravka. Die eindrucksvolle Dame. Das trotzige Kind. Der Ertrinkende, der einen mit sich herabzog, statt sich retten zu lassen. Dieses Land hatte ihm so viel genommen und so wenig zurückgegeben.“

(S. 213, „King of Scars“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

„King of Scars“ spielt ca. 1 Jahr nach der Krähen-Reihe von Leigh Bardugo und zeigt zwei parallel verlaufende Handlungen, haufenweise Probleme und scheinbar aussichtslose Situationen. In der einen Handlung wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Zar Nikolai Lantsov und der Grisha Zoya Nazyalensky, Nikolais Beraterin und Kommandeurin der zweiten Armee, erzählt. Nach dem blutigen Bürgerkrieg hat das Land Ravka geschwächte Grenzen, viele skrupellose Feinde, zerstörte Gegenden und kein Geld in der Kasse. Nikolai versucht mithilfe seiner Berater, äußerst geschicktem Handeln und Diplomatie das Land wieder zu stärken, Allianzen zu schmieden, die wachsende Bedrohung an den Grenzen und im Inland abzuwenden und den Grisha eine Zuflucht zu bieten. Um allerdings seinen Thron zu sichern, muss er alsbald heiraten. Doch ein Problem könnte alles, was er bis jetzt geschafft hat aufzubauen, zerstören. In Nikolai wächst von Tag zu Tag dunkle Magie, welche ihn vorerst nur in der Nacht zu einem blutrünstigen und unkontrollierbaren Monster werden lässt. Dieses Geheimnis zu wahren wird immer schwieriger und eine Lösung unerreichbar. In seiner Verzweiflung und auf der Suche nach Antworten reist er gemeinsam mit Zoya und einem Mönch zu bestimmten Orten in Ravka, an denen Wunder geschehen sein sollen. Doch werden sie dort auch Antworten finden?

„Sag ihnen, dass du die Toten rufen hörst.“

(S. 57, „King of Scars“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

In der zweiten Handlung hat die Grisha Nina Zenik eine gefährliche Mission: Sie versucht in dem kalten und verschneiten Fjerda Grisha-Flüchtlinge ausfindig zu machen und ihnen die Flucht nach Ravka zu ermöglichen. Denn Grisha sind Menschen mit magischen Fähigkeiten, die in Fjerda als Hexen gejagt und umgebracht werden, in Ravka jedoch in Frieden leben können. In Fjerda stößt sie auf ein abgrundtief grausames Geheimnis, welches ihre gesamte Mission gefährden könnte und alles viel komplizierter macht.

Wird man gespoilert?

Leigh Bardugo hat mehrere Bücher geschrieben, die in der Grisha-Welt spielen und chronologisch verlaufen. Das fängt an mit der Grisha-Trilogie, geht weiter mit der Krähen-Reihe und schließt dann an „King of Scars“ an. Die Bücher bilden größtenteils eigenständige Geschichten, die jedoch aufgrund des zeitlichen Verlaufs, der übergreifenden Themen und der Charaktere dennoch zusammengehören und die Geschichte der Grisha-Welt weitererzählen. Dahingehend sollte man davon ausgehen, dass man beim Lesen eines der späteren Bände zu den früheren Bänden auf jeden Fall in gewissen Maß gespoilert wird – hier wäre vielleicht ein kleiner Hinweis im Buch ganz nett gewesen. Bei der Krähen-Reihe machte es von mir aus nicht so viel, denn diese kenne ich bereits. Was die Grisha-Trilogie angeht, die ich noch nicht kenne, ist mein Interesse und die Spannung, diese zu lesen, noch stärker gestiegen, um zu erfahren, was genau damals geschehen ist (auch wenn ich es nun ein wenig grob weiß), und wie sich die Charaktere damals verhalten und kennengelernt haben. Ich finde auch, dass man grundsätzlich für „King of Scars“ keine Vorkenntnisse aus den früheren Büchern braucht – auch wenn ich am Anfang etwas Probleme hatte mich in dieser Welt mit den unterschiedlichen Magien zurechtzufinden.

Ein Highlight

„Es lag nicht in seiner Natur, irgendjemanden anzuflehen, und es war auch nicht der Pakt, den sie geschlossen hatten. Sie baten einander nicht um Trost. Sie hielten einander am Laufen. Sie stärkten einander.“

(S. 111, „King of Scars“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

„King of Scars“ konnte mich wirklich begeistern. Ich fand die Handlungen total spannend. Anfangs mochte ich die Handlung um Nikolai und Zoya in Ravka am liebsten, da kam mir die Story um Nina in Fjerda etwas langatmig vor. Aber nach einiger Zeit erlangten beide Handlungen sehr viel rasante Spannung, sodass ich das Buch gar nicht aus der Hand legen konnte.

Was mir an dem Fantasyroman besonders gut gefallen hat, ist wieder Leigh Bardugos Geschick in Erschaffen von dramatischen Schicksalen, die sehr bewegend geschildert werden, und von nervenaufreibenden Szenen, in die sie immer passend humorvolle Dialoge oder Begebenheiten einbindet. Und auch die unvergleichlichen Charaktere mit ihren tragischen und zu Herzen gehenden Hintergründen sind ganz großartig gelungen und ließen mich mitfiebern. Ich mag Zoyas eisige, entschlossene und zornige Haltung und ihre Scharfzüngigkeit. Ninas Mut und Sinn für Gerechtigkeit sowie ihre neue Gabe. Nikolais Scharfsinn und geschicktes Handeln, einen Ausweg aus aussichtslosen Situationen zu finden, seinen Charme, Witz und Humor, um sich vielleicht seine wahren Gedanken nicht anmerken zu lassen. Ich liebe die hin und wieder recht amüsanten und äußerst schlagfertigen Dialoge zwischen den Charakteren, was mich oft zum Schmunzeln brachte. Es sind keine einfachen Charaktere, sie haben keine einfachen Entscheidungen zu treffen. Sie haben ihre Stärken, Fehler, Schwächen und Gefühle, und das alles macht sie so lebendig und stark.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch. Bei den Charakteren Tamar und Tolya wurde mal von „sie“, mal von „er“ gesprochen – abwechselnd. Ich konnte absolut nicht herausfinden, welches Geschlecht die beiden haben. Das war irgendwie verwirrend und frustrierend, weil ich sie mir gedanklich auch vorstellen wollte…und das wurde hier etwas erschwert.

Aber was Leigh Bardugos Schreibstil betrifft, so ist dieser wieder unsagbar fantastisch. Die Welt der Grisha hat sie mit vielen überraschenden und faszinierenden Details ausgestattet, eine schaurige Atmosphäre erschaffen und allem eine solche Lebhaftigkeit verliehen, dass man sich mitten in die Geschichte versetzt fühlt und von der ersten bis zur letzten Seite nicht loslassen kann. Und die Aufmachung des Buches mit den Goldfarben, der schwarzen Umrandung und den Karten ist wunderschön.

Das Ende von „King of Scars“ bietet sowohl Antworten als auch neue Fragen. Ich freue mich schon richtig auf die Fortsetzung!

Fazit:

Der Fantasyroman konnte mich wieder begeistern – in allen Punkten den Weltenbau, Charaktere, Handlung und Schreibstil betreffend. Ein Highlight!

 

Vielen Dank an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Morgenwald (3,5 Sterne)

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