Rezension: „Goldene Flammen“ von Leigh Bardugo, (1. Band)

Goldene Flammen
  • Handlung
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Action
  • Schreibstil
5

Information

Titel: Goldene Flammen
Autor: Leigh Bardugo
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2019 (im Schuber)
Seiten: 352
Erzählort: Ravka
Erzähldatum: ————-
Erzählperspektive: Ich-Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Shadow and Bone
Grisha-Trilogie: 1. Band
ISBN: 978-3-426-52444-2

Inhalt:

Alina Starkov und Malyen Oretsev sind seit Kindheitstagen beste Freunde – und zusammen in der Ersten Armee des Zaren von Ravka, einem Land, das von ewigen Kriegen und Not zerrissen ist. Seit Alina sich erinnern kann, ist sie unscheinbar gewesen, und auch in der Armee als Kartografin eher entbehrlich, während Malyen einer der erfolgreichsten Fährtensucher ist. Gemeinsam mit ihrem Regiment müssen sie die Schattenflur passieren: Ein ödes, quer durch ganz Ravka verlaufendes Land, das in vollkommene Finsternis getaucht ist und wo blinde und klauenbewehrte Kreaturen leben, welche jeden umbringen. Als sie bei der Überquerung angegriffen werden, rettet Alina auf wundersame Weise Mal das Leben, wodurch sich für sie alles ändert. Denn Alina erkennt nun, dass sie nicht nur über magische Kräfte verfügt, sondern auch noch eine außergewöhnliche Grisha ist. Der Dunkle, der älteste und mächtigste der Grisha, wird für sie zu einem Mentor und schickt sie in ein Trainingslager, um ihre magischen Fähigkeiten auszubauen. Während in Ravka die Hoffnung stetig wächst, dass durch Alinas Hilfe endlich die Schattenflur vernichtet werden könnte, hat der Dunkle jedoch ganz andere Pläne mit Alina.

Meine Meinung:

Seit ich die Krähen-Reihe und „King of Scars“ von Leigh Bardugo gelesen habe, bin ich absolut süchtig nach Büchern von ihr. Ich liebe ihren phänomenalen Schreibstil, die genialen Charakteren, die mir sofort ans Herz wachsen, die mysteriöse Grisha-Welt mit all ihren Wundern, wo es so viel zu entdecken gibt, und die Geschichten, die so viel zu bieten haben. Deshalb war ich unglaublich neugierig auf die Grisha-Trilogie, dem „Anfang“ aller in der Grisha-Welt spielenden Geschichten, und habe sehnsüchtig auf das Erscheinen des Schubers gewartet, in welchem sich alle drei Bände befinden. Mit dem Auftaktband „Goldene Flammen“ hat Leigh Bardugo das erste Geschichte erschaffen, die in der magischen, abenteuerlichen, geheimnisvollen und unfassbar lebendigen Grisha-Welt spielt – und worauf viele weitere Bücher von ihr aufbauen. Ich wollte unbedingt wissen, wie sich die Charaktere kennenlernen, was „damals“ passiert ist, und diese komplexe Welt besser verstehen.

Der Beginn einer epischen und atemberaubenden Fantasy-Reihe

„Ich stand am Rand einer überfüllten Straße und sah auf die hügeligen Felder und verlassenen Bauernhöfe des Tula-Tals hinab. Da erblickte ich sie zum ersten Mal: Die Schattenflur.“

(S. 15, „Goldene Flammen“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

„Goldene Flammen“ spielt in dem von ewigen Kriegen und Nöten zerrissenen Land Ravka, welches im Norden vom eisigen Fjerda, im Süden von Shu-Han und im Westen vom Meer begrenzt wird. Die gesamte Welt scheint sich in einer Art frühem Industriezeitalter zu befinden. Was Ravka angeht, welches durch eine Monarchie (Zar und Zarin) regiert wird und wo es eine starke Kluft zwischen Arm und Reich gibt, so sind Gegenden, Kultur, Gebäude, Kleidung, Namen und Sprache sehr deutlich Russland nachempfunden. In Ravka gibt es die Erste Armee, zu der die nicht-magisch begabten Menschen gehören, und die Zweite Armee, zu der die magisch begabten Menschen (Grisha) gehören und welche von dem Dunklen, dem ältesten und mächtigsten Grisha, angeführt wird. Ravka hat eine Menge Probleme – eines der größten ist auf jeden Fall die Schattenflur, welche durch den Missbrauch von Magie entstanden ist. Die Schattenflur ist ein weites und breites Ödland, das sich einmal quer durch ganz Ravka zieht, dadurch West- und Ost-Ravka trennt, und das in vollkommene Finsternis getaucht ist. In dieser Finsternis leben albtraumhafte Kreaturen, Volkra genannt, die blind sind, fliegen können, messerscharfe Klauen und Zähne haben – und die jedes Lebewesen töten, welches sich in die Schattenflur wagt. Doch da noch niemand eine Lösung gefunden hat, wie man die Schattenflur vernichten kann, und Ost-Ravka abhängig ist von den Häfen in West-Ravka, muss die Schattenflur immer wieder durchquert werden, was durch sogenannte Skiffs (Sandschiffe) erfolgt, welche durch Grisha-Macht angetrieben werden. Aber die Verluste sind hoch. Es gibt jedoch etwas, was selbst diese Wesen fürchten – nämlich Licht.

Ein Mädchen könnte alles ändern

„Ich trauerte um unsere gemeinsamen Träume, um die Liebe, die ich für ihn empfunden hatte, um das fröhliche Mädchen, das ich nun nie mehr wäre. Diese Trauer durchströmte mich und löste einen Knoten in mir, dessen Existenz mir nie bewusst gewesen war. Ich schloss die Augen, spürte, wie Tränen über meine Wangen strömten, und ich tastete nach dem Etwas, das ich so lange in mir versteckt hatte.“

(S. 180, „Goldene Flammen“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

Alina Starkov ist die Protagonistin der Geschichte, die aus ihrer Sicht erzählt wird in Form des Ich-Erzählers. Sie ist Kartografin in der Ersten Armee und wird als ein unscheinbares, kränkliches und ängstliches Mädchen beschrieben, das auch ziemlich mürrisch werden kann. Gemeinsam mit ihrem Regiment, zu welchem auch ihr Kindheitsfreund, erfolgreicher Fährtensucher und totaler Frauenschwarm Malyen Oretsev gehört, muss sie die Schattenflur überqueren. Doch als sie bei der Überquerung angegriffen werden und sie Mal das Leben rettet, wird deutlich, dass sie nicht nur über magische Kräfte verfügt und somit eine Grisha ist, sondern, dass ihre Magie außergewöhnlich ist, anders als bei anderen. Und genau diese Art von Magie könnte die Lösung sein, um endlich die Schattenflur zerstören zu können. Der Dunkle, welcher die Grisha anführt, bringt Alina in ein Trainingslager, um ihre Magie auszubauen. Doch er hat seine eigenen Pläne mit Alina.

Keine einfachen Charaktere

„Ich konnte den Blick nicht von der Gestalt lösen, schwankte zwischen Furcht und Faszination. Dieser Dunkle hatte die Grisha schon vor meiner Geburt befehligt, und trotzdem wirkte der Mann, der vor mir auf dem Podest thronte, nicht viel älter als ich.“

(S. 46, „Goldene Flammen“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

Was ich bereits in anderen Büchern von Leigh Bardugo bewundert habe, sind die Charaktere, die so lebendig wirken, facettenreich sind und die mir schnell ans Herz wachsen können, wodurch ich mit ihnen herrlich mitfiebern kann. Und auch in „Goldene Flammen“ gibt es wieder eine Menge interessante Charaktere, die nicht nur Stärken und Schwächen haben, sondern sich auch weiterentwickeln, tragische Vergangenheiten und Geheimnisse haben, was wiederum zu spannenden Wendungen führt. Ich habe im Auftaktband leider vergeblich auf einen Charakter gewartet, den ich bereits aus später spielenden Bänden kannte…dabei stieg die Hoffnung wieder, dass es dann im zweiten Band soweit sein könnte. Und auch die Grisha Zoya hat hier eher seltene Auftritte. Dafür konnte ich umso mehr endlich von Genya erfahren. Und einige neue und sehr gute Charaktere kennenlernen, die eine wichtige Rolle auch in den weiteren Bänden der Grisha-Trilogie spielen, nämlich Alina, Mal, Baghra – und der Dunkle.

Das Magie-System

Das Magie-System ist definitiv eindrucksvoll und komplex. Die Grisha sind durch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten in einzelne Orden aufgeteilt. So gibt es zum Beispiel Stürmer, welche die Winde beeinflussen können, Heiler, aber auch Entherzer, welche ein Herz wieder zum Schlagen bringen können…oder umgekehrt. Grisha tragen Roben, Keftas genannt, deren Farbe von Orden zu Orden unterschiedlich ist. Und sie können viel, viel älter werden als magisch-unbegabte Menschen. Kinder werden bereits auf magische Fähigkeiten geprüft und, falls sie diese haben, in Trainingslager gebracht, um ihre Magie auszubauen und damit sie in der Zweiten Armee dienen können. Grisha scheinen weniger Rechte zu haben als magisch-unbegabte Menschen.

Großartig – in allen Punkten

Auch „Goldene Flammen“ von Leigh Bardugo konnte mich wieder richtig gut unterhalten. Sie hat hier eine erstaunliche, magische und sehr große und umfangreiche Welt geschaffen, die ihre eigenen Legenden, Abenteuer und Geheimnisse hat, ausgestattet mit vielen liebevollen Details, einer wunderschönen und düsteren Atmosphäre, herzzerreißenden Geschichten und mitreißenden Charakteren. Erstaunlich für den ersten Roman, welcher der Beginn einer atemberaubenden Reise ist – und ein perfektes „Fundament“ für die nächsten Geschichten bildet.

Woran ich mich anfangs gewöhnen musste, war, dass „Goldene Flammen“ in der Ich-Erzählperspektive geschrieben ist – aber auch diese Perspektive ist wirklich gut gelungen, denn der Schreibstil der Autorin ist so großartig wie in ihren anderen Büchern. Allerdings auch recht melancholisch, was passend ist zu der düsteren Story. Und der Auftaktband ist deutlich kürzer als Leigh Bardugos andere Bücher. Aber wieder mit einem spannenden Showdown!

Was die Aufmachung der Grisha-Trilogie betrifft, so ist der Schuber mit allen drei Bänden einfach wunderschön! Die Cover sind ein Traum! Noch dazu haben die Cover eine tiefere Bedeutung – die man in der jeweiligen Geschichte herausfinden kann. In jedem Band gibt es eine Weltkarte, sodass man gut nachvollziehen kann, wo zum Beispiel sich die Charaktere gerade befinden bzw. wohin ihr Weg genau führen könnte. Ebenso gibt es ein Verzeichnis bezüglich der Charaktere und der Grisha-Orden, sodass man alles nachschlagen kann.

Ich konnte „Goldene Flammen“ nicht aus der Hand legen, konnte nicht genug bekommen von der Geschichte und ihren Charakteren…und musste sofort im Anschluss „Eisige Wellen“ anfangen. Da ich mittlerweile schon die gesamte Grisha-Trilogie rasend schnell durchgelesen habe, kann ich eines schon mal verraten: Es wird mit jedem weiteren Band besser. Für mich ein Highlight!

Fazit:

Der Auftaktband der Grisha-Trilogie konnte mich sofort in seinen Bann ziehen. Eine ergreifende Geschichte, düstere Atmosphäre, dunkle Geheimnisse, eine komplexe Welt und mitreißende Charaktere. Ein richtig schöner Beginn einer langen, rasanten und abenteuerlichen Reise!

 

Weitere Rezensionen:

Nicoles Bücherwelt (gesamte Grisha-Trilogie)

Das Bambusblatt („Goldene Flammen“)

Nenaties Bücherwelt („Goldene Flammen“)

Chronologische Reihenfolge der Bände, die in der Grisha-Welt spielen:

  1. „Goldene Flammen“ (1. Band Grisha-Trilogie)
  2. Eisige Wellen“ (2. Band Grisha-Trilogie)
  3. Lodernde Schwingen“ (3. Band Grisha-Trilogie)
  4. Das Lied der Krähen“ (1. Band Krähen-Reihe)
  5. Das Gold der Krähen“ (2. Band Krähen-Reihe)
  6. King of Scars“ (1. Band Thron-aus-Gold-und-Asche-Reihe)

 

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