Rezension: „Narrenkrone“ von Boris Koch, (2. Band)

Narrenkrone
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Schreibstil
3.9

Information

Titel: Narrenkrone
Autor: Boris Koch
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 3. Mai 2021
Seiten: 400
Erzählort: Königreich Lathien
Erzähldatum: nach dem ersten Band
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Narrenkrone
Dornenthron – Reihe: 2. Band
ISBN: 978-3-426-52678-1

Inhalt:

Im Reich Lathien herrscht Hunger und Armut, nicht nur wegen der nicht enden wollenden Dürre, sondern auch aufgrund des tyrannischen Königs Tiban, der Menschen hinrichten lässt, um die Götter durch diese Opfer friedlich zu stimmen. Doch weit weg von der Hauptstadt liegt eine Hoffnung, die unerreichbar scheint: Der alte Palast, in welchem die Kaisertochter seit Jahrhunderten schläft. Einer Legende nach soll derjenige Kaiser werden, der sie weckt. Doch der Palast befindet sich in der von Hexerei verseuchten Ruinenstadt Ycena und ist immer noch von einer undurchdringlichen und tödlichen Hecke umgeben, die ihre Kraft jedoch stetig verliert. Ukalion, der illegitime Sohn des Königs Tiban, versucht einen Weg durch die Hecke zu finden, um Kaiser zu werden und seine lang ersehnte Rache zu erfüllen. Aber Ukalion ist nicht alleine – viele weitere haben Träume von Reichtum, Macht und Rache und setzen alles daran, um durch die Hecke zu kommen. Aber nur einer von ihnen kann Kaiser werden…

 

Meine Meinung:

Auf diesen zweiten Band, welches zugleich der Abschluss der finsteren Nacherzählung des Dornröschen-Märchens ist, habe ich sehr, wirklich sehr gespannt gewartet. Denn letztes Jahr konnte mich der Auftaktband „Dornenthron“ mit einer tollen atmosphäre, schaurigen Momenten und einer spannenden Handlung begeistern. Und am Ende wurde ich mit einigen Fragen zurückgelassen: Werden die Charaktere es schaffen, durch die Hecke zum Palast zu gelangen? Wenn ja, wie? Was wird dort auf sie warten? Und wird es wirklich eine Möglichkeit geben, das Land von dem tyrannischen König Tiban zu befreien? Wer wird Kaiser – oder wird die Story überhaupt so einfach enden, durch einen Kuss zum Kaiser werden? „Narrenrkone“, wie auch zuvor „Dornenthron“, habe ich wieder mit der wunderbaren Bloggerin Judith von „Das Bambusblatt“ gelesen. Auch wenn mich der zweite Band aufgrund einiger negativer Punkte leider nicht so begeistern konnte wie der Auftaktband, so hat mir doch die Leserunde wieder unheimlich viel Spaß gemacht, denn die Story bietet einigen Gesprächsstoff – und nicht selten wurde es sehr amüsant. ^^

 

Die Erfüllung eines Märchens…

 

„Den heutigen Tag würde er Prinz Aurel nie verzeihen, und dafür würde er ihn bis an sein Lebensende verspotten, das schwor er sich.“

 

(S. 29, „Narrenkrone“ von Boris Koch, Knaur Verlag)

 

Wie bereits der Auftaktband, so wird auch „Narrenkrone“ aus der Sicht von verschiedenen Charakteren in der personalen Erzählweise erzählt, wodurch wieder verschiedene Handlungen entstehen, die hier jedoch alle zu ein und demselben Zweck zusammenlaufen. Ukalion, Perle, Ion, Anthia, Inrico – sie alle befinden sich in Ycena und versuchen, die Hecke zu überwinden. Auf jeweils unterschiedliche und kreative Weise. Doch keiner von ihnen lässt die anderen in seine Karten schauen, sodass ihr finales Ziel nicht jedem offensichtlich wird. Wollen sie Reichtum? Oder Kaiser werden? Oder einfach nur die vergangene Kultur bewundern? Dass die Hecke ihre Kraft verliert, bleibt jedoch nicht unbekannt. Und so beginnt ein Wettlauf mit der Zeit und ein Wettkampf gegeneinander. Doch wird die Hecke wirklich fallen? Wird das Märchen wahr werden? Und während vielleicht in Ycena das weitere Schicksal des Landes entschieden wird, befindet sich König Tiban in seiner Hauptstadt und opfert fleißig weiter unschuldige Menschen den Göttern, damit die unerträgliche Hitze und Dürre endlich ein Ende finden wird.

 

Erwarte das Unerwartete

 

„Viele feierten und lachten, als sei die Hecke schon gefallen, als sei der Reichtum zum Greifen nah, aber auf manchen Gesichtern lagen Argwohn und eine Gier, wie er sie hier nur selten gesehen hatte. Plötzlich ging es nicht mehr um alte Statuen, sondern um vermeintliche Unmengen von Gold, und hier und da erwachte die Angst, zu kurz zu kommen.“

 

(S. 95, „Narrenkrone“ von Boris Koch, Knaur Verlag)

 

Wie bereits erwähnt bietet „Narrenkrone“ einen großen Spielraum für Spekulationen. Und ebenso habe ich einige Kritikpunkte. Ich hatte tatsächlich ein sehr einfaches Ende befürchtet, doch Boris Koch überrascht mit wirklich großartigen Wendungen. Das betrifft ganz besonders die Handlungsstränge der beiden Geschwistern Perle und Ion sowie auch den Narren Arlac, dessen Scherze manchmal nicht nur närrisch bleiben, sondern ernst werden können. Und ein Ende wurde präsentiert, mit welchem ich absolut nicht gerechnet hatte – und welches noch dazu absolut herrlich ist. ^^

Ansonsten kann „Narrenkrone“ leider nicht mit „Dornenthron“ mithalten. Das Buch ist deutlich dünner, was direkt ja nichts zum Inhalt sagt, aber sich dann doch darauf ausgewirkt hat. Es gibt wieder kurze Kapitel mit vielen Szenenwechseln. Was die Handlungsmenge betrifft, so hat die Fortsetzung auch hier deutlich abgenommen. Einige Szenen wirken ein bisschen in die Länge gezogen, während andere viel zu kurz sind. Besonders gegen Ende wird etwas groß aufgebauscht, um kurz darauf sofort wieder „zusammenzufallen“, wodurch ich mich dann nur irritiert fragen konnte: „Wie jetzt? Doch nicht?“ Das erweckt dezent den Anschein, dass der Autor an gewissen Stellen einfach keine Lust mehr hatte, die Geschichte weiterzuschreiben. Und einige Szenen bzw. Ereignisse sind wirklich unpassend eklig – da hätte es doch definitiv eine andere Lösung geben können.

Die Charaktere: Was kann man über sie sagen? So viel – und doch kaum etwas. Ihre Handlungen sind manchmal nicht so nachvollziehbar und gleichermaßen auch bizarr im Hinblick auf ihre Beweggründe. Ich konnte mit meiner Leserunden-Partnerin ganz herrlich über sie lachen – oder auch die Augen verdrehen. Im Auftaktband war Ukalion einer der wenigen Charaktere, die ich gerade noch so am Rande sympathisch finden konnte, doch hier hat er es vollends verloren – aber ich will nicht zuviel vom Inhalt verraten. Und auch Anthia, die eigentlich auch nicht so weiß, warum sie Rache nehmen will, aber trotzdem diesen Weg weitergeht. Inrico, der Bücher liebt, im Herzen jedoch feige ist. Perle und Ion, die den Reichtum nur für sich wollen. Gleichermaßen ruft diese Story auch einen belustigenden Gedanken hervor: So viele Charaktere versuchen, eine Hecke zu überwinden, um in einem alten Palast eine schlafende Frau zu küssen und dadurch Herrscher der Königreiche zu werden. Nun ja. ^^

Alles in allem hat mir „Narrenkrone“ aber viel Spaß gemacht zu lesen. Hier wurde nicht nur das Dornröschen-Märchen zu einer finsteren Version abgeändert, sondern noch mit weiteren Märchen sehr gelungen kombiniert, wobei der Schreibstil wieder wie bei Märchen ähnelt. Aufgekommene Fragen werden gelöst und die Geschichte schließt mit einer richtig tollen Wendung ab. Außerdem liebe ich die von Hexerei verseuchte Ruinenstadt Ycena so sehr mit ihren Geheimnissen, dunklen Orten und den dort nachts herumlaufenden Kreaturen. Die Atmosphäre ist auch hier recht düster und verursacht ein mulmiges Gefühl. Leider wird aber alles nur sehr vage beschrieben, was die Pflanzen- und Tierwelt betrifft. Das schließt bedauerlicherweise auch die Lindwürmer mit ein, von denen immer die Rede ist, die sich aber nie blicken lassen wollen.

 

Fazit:

„Narrenkrone“ hat seine Höhen und Tiefen. Zu den negativen Punkten gehören ganz klar abgehackte Szenen bzw. Szenen, deren Potenzial nicht voll ausgeschöpft erscheint, und irrationale Handlungen der Charaktere. Aber es hat mir auch wahnsinnig viel Lesespaß bereitet. Es gibt gruselige Momente, herrliche Wendungen, eine gute Atmosphäre, eine größtenteils spannende Handlung und jede Menge Spielraum für Spekulationen. Empfehlenswert!

 

 

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Weitere Rezensionen findet ihr bei:

Judith von Das Bambusblatt

 

Chronologische Reihenfolge:

  1.  Dornenthron
  2.  Narrenkrone

 

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