Rezension: „Rule of Wolves“ von Leigh Bardugo, (2. Band)

Rule of Wolves
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Action
  • Schreibstil
5

Information

Titel: Rule of Wolves – Thron aus Nacht und Silber
Autor: Leigh Bardugo
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 1. Juni 2021
Seiten: 576
Erzählort: Grisha-Welt
Erzähldatum: direkt nach „King of Scars“
Erzählperspektive:  Personaler Erzähler
Genre: Fantasy
Originaltitel: Rule of Wolves
King of Scars – Dilogie: 2. Band
ISBN: 978-3-426-22701-5

 

Inhalt:

„Jeder betrauert die erste Blüte […]. Wer wird um den Rest weinen, die fallen?“ (S. 496)

 

Nikolais Versuche, den Dämon in seinem Inneren loszuwerden, sind gescheitert. Stattdessen wandelt nun ein alter und absolut mächtiger Feind wieder unter den Lebenden und verfolgt seine ganz eigenen Pläne, während Zoya eine neue Macht spürt, die sie nicht nutzen kann. Doch daneben stehen sie nun vor einem noch größeren Berg an Problemen: das militärisch überlegene Fjerda rüstet zu einem Krieg gegen Ravka und spinnt Intrigen, um Nikolai vom Thron zu stoßen. Die Kerch versuchen hinterrücks das Beste für sich herauszuschlagen. Shu Han wartet nur auf einen totalen Zusammenbruch Ravkas, um selbst in den Krieg zu ziehen. Ravka fehlt es an Verbündeten und Geld, um aus dieser Situation herauszukommen. Und ein alles vernichtender Pesthauch zieht durchs Land und hinterlässt nichts als Zerstörung. Währenddessen versucht Nina als Spionin im verfeindeten Fjerda das Schicksal ihres Landes doch noch zu ändern, wobei sie sich immer tiefer in die Politik und Machenschaften Fjerdas verstrickt. Sie alle stehen an einem Wendepunkt und müssen eine Möglichkeit aus dieser Katastrophe finden, bevor ihre Welt für immer untergeht…

 

Meine Meinung:

Bei jeder Rezension, die ich über eines von Leigh Bardugos Büchern schreibe, fehlen mir anfangs die Worte, weil sie mich mit jedem Buch aus der Grisha-Welt so begeistern konnte, dass es schwer ist, diese Gefühle in Worte zu fassen. Und so ist es nun auch bei „Rule of Wolves – Thron aus Nacht und Silber“. Der Fantasy-Roman ist nicht nur das Finale der Dilogie über den erfinderischen Zaren Nikolai, die mächtige Grisha und Befehlshaberin Zoya und die mutige Spionin Nina – nein, es ist gleichermaßen auch ein Finale für die gesamten Bücher, die in der Grisha-Welt spielen. „King of Scars“, der erste Band der Dilogie, ließ mich vor zwei Jahren mit einem Haufen unbeantworteter Fragen und einem heftigen Cliffhanger zurück. Das Warten, so unglaublich schwer es gewesen ist, hat sich mehr als gelohnt, denn mit „Rule of Wolves“, der Fortsetzung, präsentiert Leigh Bardugo ein phänomenales und so unsagbar geniales Finale, das meine Vorstellungen um Weiten übertreffen und mein Herz fast pausenlos aufgeregt zum Schlagen bringen konnte. Absolut würdig für diese Reihe, bei weitem übertreffend und ein absolutes Buchhighlight für mich.

 

Ein Zar, der mit seinem Dämon kämpft

Eine Magierin, die ihre neue Macht kontrollieren muss

Eine Spionin, die auf der Suche nach Rache ist

Ein zurückgekehrter Feind, der seinen alten Plan wieder aufnimmt

Und ein Kampf, der sie alle das Leben kosten könnte…

 

 

„Ein Zar mit einem Dämon in sich. Ein Mönch mit einem Dunklen in sich. Eine Befehlshaberin mit einem Drachen in sich. Wir sind jetzt alle Monster, Nikolai.“

 

(S. 151, „Rule of Wolves“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

 

Beim Schreiben dieser Zeilen bekomme ich von dieser Geschichte immer noch Gänsehaut, obwohl ich es schon vor längerer Zeit zu Ende gelesen habe. „Rule of Wolves“ setzt direkt nach „King of Scars“ ein und bringt den Leser zurück an den dramatischen Punkt, an dem für die Charaktere langsam alles zusammenbricht. Ausweglose Situationen und erfinderische Einfälle, um doch noch einen Ausweg zu finden, wie auch heftige Wendungen sind mittlerweile ein wahres Charakteristikum für Leigh Bardugos Bücher. Doch so weit von einem glücklichen Ende war eine Geschichte von ihr noch nie entfernt. Nikolais Versuche, sich von dem Dämon in seinem Inneren zu befreien, sind kläglich gescheitert. Stattdessen ist nicht nur ein alter und sehr mächtiger Feind zu den Lebenden zurückgekehrt, um seine Pläne fortzusetzen, sondern auch eine Katastrophe unermesslichen Ausmaßes ist dabei, ihre Welt auszulöschen: Ein tödlicher Pesthauch zieht wahllos durchs Land und hinterlässt nur noch Zerstörung. Daneben gibt es die üblichen Probleme Ravkas: Leere Kassen, kaum Militär, wenig bis keine Verbündeten – und ein Haufen feindlich gesinnte Länder, die nach mehr Macht streben auf Kosten von Ravkas Freiheit. Und somit steht Ravka ein Krieg bevor, den sie wahrscheinlich nicht gewinnen können. Während Nikolai und Zoya auf der Suche nach Verbündeten sind und versuchen, Ravka auf den letzten großen Kampf vorzubereiten, verstrickt sich Nina immer tiefer in die Politik Fjerdas. Doch ein Rückschlag folgt auf den nächsten, denn dem kalten, erbarmungslosen Fjerda mangelt es in einem Krieg nicht an Grausamkeit und Tücke.

 

 

Ein wahres Feuerwerk

 

„Er fürchtete um sein Land und sich selbst. Er wäre ein Narr, wenn nicht. Aber ein Teil von ihm, vielleicht der Freibeuter, vielleicht der Dämon, vielleicht der Prinz, der sich seinen Weg auf den Thron erkämpft hatte, war wild auf einen Kampf.“

 

(S. 48, „Rule of Wolves“ von Leigh Bardugo, Knaur Verlag)

 

„Rule of Wolves“ wird aus fünf Perspektiven erzählt, teilt sich somit auch in fünf Einzelhandlungen, wobei jede davon wichtig ist für das Gesamtkonzept. Zum einen wird aus Nikolais und Zoyas Sicht erzählt, die, wie oben bereits erwähnt, Ravka auf einen Krieg vorbereiten, und aus Ninas Sicht, die sich mit Hilfe ihrer magischen Fähigkeiten und schauspielerischen Talent immer weiter in die Politik des Feindes einmischt. Zum anderen wird zum ersten Mal aus Sicht des alten, zurückgekehrten Feindes erzählt, der scheinbar seine früheren Pläne in die Tat umsetzen möchte. Und ein weiterer Handlungsstrang wird durch die Perspektive der ehemaligen Shu-Kämpferin Mayu erzählt. Insgesamt waren alle Handlungsstränge richtig spannend, wobei Ninas Handlung definitiv richtig genial ist. Da die Perspektiven wieder von Kapitel zu Kapitel wechseln und wieder viele Cliffhanger eingebaut sind, war der Wunsch, einfach weiterzublättern, bis die Story mit dem Cliffhanger wieder aufgenommen wird, sehr groß.

Aber warum ist „Rule of Wolves“ nun so besonders? Die Geschichte lässt keine Wünsche offen. Der Schreibstil ist wie immer bildgewaltig. Die Atmosphäre und das Setting grandios. Die Handlung nervenaufreibend, dramatisch und bewegend. Ich konnte wieder wunderbar mit den ausgezeichneten Charakteren mitfühlen, mit ihnen bangen und hoffen. Dabei ist die Charakterentwicklung wieder einmal großartig. Leigh Bardugo zeigt Charaktere mit Schwächen und Stärken – Charaktere, die etwas in sich selbst entdecken müssen, um eine Grenze zu überwinden. Charaktere, die sich weiterentwickeln können und deren Handlungsweisen nach und nach verständlicher wird. Hier wird man so oft in die Irre geführt, dass die wirkliche Wahrheit, diese Wendungen mich total fassungslos werden ließen und umso heftiger treffen konnten. Bei einigen Szenen konnte ich Tränen nicht zurückhalten. Es gibt eine Menge Nervenkitzel, Action, Verzweiflung, die Schrecknisse eines Krieges, Trauerbewältigung, Magie, Politik, Dramatik. Ein Ereignis jagt das nächste – und aus Momenten mit Herzklopfen kam ich nicht mehr raus. Ein phänomenaler und fulminanter Showdown. Und dann das atemberaubende und geschickte Ende. Obwohl die Handlung abschließt, bleibt doch noch eine Möglichkeit für Folgebände bestehen. Hier konnte mich einfach alles begeistern. Und gleichermaßen ist es auch ein emotionales Wiedersehen mit Charakteren aus früheren Büchern der Grisha-Welt („Grisha-Trilogie“ und „Krähen-Reihe“), was bei mir wahre Begeisterungstürme ausgelöst hat.

Auch die Aufmachung des Buches ist beeindruckend. Neben einem wunderschönen Cover befindet sich im Buch wieder eine Karte der „Grisha-Welt“.

 

Fazit:

Für mich ist dieser fulminante Fantasy-Roman einfach perfekt. Leigh Bardugo setzt mit „Rule of Wolves“ einen neuen Höhepunkt für die Bücher der Grisha-Welt: Bekannte und geliebte Charaktere aus der Grisha-Trilogie und der Krähen-Reihe werden zusammengeholt, um gegen Feinde zu kämpfen, die sie diesmal wahrscheinlich nicht besiegen können. Aus diesem bildgewaltigen, dramatischen und actionreichen Werk hat sie ein gigantisches Finale gemacht, das mich vollends begeistern konnte und mich nicht so schnell loslassen wird. Muss man unbedingt gelesen haben!

 

Vielen Dank an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Weitere Rezensionen bei:

Das Bambusblatt

Morgenwald

Bellas Wonderworld

 

Chronologische Reihenfolge der Bände, die in der Grisha-Welt spielen:

  1.  Goldene Flammen (1. Band Grisha-Trilogie)
  2.  Eisige Wellen (2. Band Grisha-Trilogie)
  3.  Lodernde Schwingen (3. Band Grisha-Trilogie)
  4.  Das Lied der Krähen (1. Band Krähen-Reihe)
  5.  Das Gold der Krähen (2. Band Krähen-Reihe)
  6.  King of Scars (1. Band der „King of Scars – Dilogie“)
  7.  Rule of Wolves (2. Band der „King of Scars -Dilogie“)
  8.  Die Sprache der Dornen (Kurzgeschichtenband)

 

2 Gedanken zu „Rezension: „Rule of Wolves“ von Leigh Bardugo, (2. Band)

  1. Liebe Kristin,

    man spürt förmlich deine Begeisterung und will sich das Buch am liebsten sofort bestellen. Wenn man es nicht schon hätte. :‘)

    Danke, für die Verlinkung! Die erwider ich gerne.

    Liebe Grüße
    Petrissa

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